Koronarkalk: Was der Kalk-Score im Herz-CT verrät

Koronarkalk: Was der Kalk-Score im Herz-CT verrät

Koronarkalk sind Kalkablagerungen in den Herzkranzgefäßen, also in den Adern, die den Herzmuskel mit Blut versorgen. Sie sind ein sichtbares Zeichen von Arteriosklerose, der langsamen Verkalkung und Verengung der Gefäße. Sichtbar wird der Kalk in einem Herz-CT, einer Computertomografie des Herzens, also einer Röntgen-Untersuchung, die feine Schichtbilder aus dem Inneren des Brustkorbs liefert. Die Menge an Kalk wird dort zu einer einzigen Zahl zusammengefasst, dem Kalk-Score, und diese Zahl ist vor allem eine Information zur Vorbeugung und kein Alarmsignal, dass unmittelbar etwas passiert.

Was Koronarkalk eigentlich ist

Die Herzkranzgefäße, medizinisch Koronararterien, legen sich wie ein Kranz um das Herz und versorgen den Herzmuskel. Mit den Jahren können sich in ihren Wänden Ablagerungen bilden, ein Gemisch aus Fett, Bindegewebe und Kalk. Der Kalk ist der Teil, den eine solche Aufnahme besonders gut zeigt, weil er sich deutlich vom weichen Gewebe abhebt.

Findet sich Kalk, dann hat sich in den Gefäßen bereits Arteriosklerose gebildet, und das ist erst einmal nur eine Bestandsaufnahme. Kalk in den Herzkranzgefäßen ist ab einem gewissen Alter sehr verbreitet und bedeutet für sich genommen noch keine Krankheit mit Beschwerden. Er zeigt an, dass ein Prozess läuft, dem sich vorbeugend gut begegnen lässt.

Ganzen Befund übersetzen?

Du hast einen Arztbericht oder Befund den du nicht verstehst? Dann nutze Simply Onno, um dir diesen in einfache Sprache übersetzen und erklären zu lassen.

Mehr Infos

Wie der Kalk-Score gemessen wird und was die Zahl bedeutet

Gemessen wird der Kalk mit einem Herz-CT bei niedriger Strahlendosis und ohne Kontrastmittel, also ohne ein Mittel, das die Gefäße auf dem Bild anfärbt. Ein Computer errechnet daraus den Kalk-Score, der auch Calcium-Score oder nach seinem Erfinder Agatston-Score genannt wird. Er fasst die Menge an Kalk in allen Herzkranzgefäßen zu einer einzigen Zahl zusammen, und je mehr Kalk vorhanden ist, desto höher fällt der Wert aus. Zur groben Einordnung haben sich vier Stufen eingebürgert.

Score 0

Kein nachweisbarer Kalk ist bei einer Vorsorge ohne Beschwerden eine gute Nachricht und spricht für ein niedriges Risiko in den kommenden Jahren, denn schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse sind in dieser Gruppe selten.

Score 1 bis 99

Leicht erhöht. Es gibt bereits etwas Kalk, das Risiko ist aber meist noch gering.

Score 100 bis 399

Mäßig erhöht. Hier lohnt sich in der Regel ein genauerer Blick auf die Vorbeugung.

Ab 400

Deutlich erhöht. Das Risiko für Herz-Kreislauf-Probleme ist in dieser Gruppe spürbar höher, und eine konsequente Vorbeugung ist besonders wichtig.

Diese Stufen zeigen einen Verlauf und kein Ja-oder-Nein, denn mit steigendem Score nimmt das statistische Risiko schrittweise zu. In einer Untersuchung an Menschen mit stabilen Brustschmerzen erlitten bei einem Score von 0 nur etwa 0,5 von 100 Personen über die folgenden Jahre ein schweres Herz-Kreislauf-Ereignis, bei einem Score ab 400 waren es rund 7 von 100. Das ist ein echter Unterschied, und trotzdem bleibt auch bei hohem Score die große Mehrheit über diesen Zeitraum ohne Ereignis. Die Zahl verschiebt Wahrscheinlichkeiten, sie ist kein Urteil.

Was der Score sagt und was nicht

Der Kalk-Score ist ein Risiko-Marker. Er misst, wie viel Arteriosklerose sich über die Jahre angesammelt hat, und hilft so, das persönliche Risiko besser einzuschätzen. Er misst aber nicht direkt, ob ein Gefäß verengt ist, und er sagt nicht voraus, dass ein Herzinfarkt kurz bevorsteht.

Deshalb kommt es darauf an, in welcher Situation gemessen wurde. Bei einer reinen Vorsorge ohne Beschwerden ist ein Score von 0 sehr beruhigend. Bestehen dagegen bereits Beschwerden wie Brustschmerz, dann schließt selbst ein Score von 0 eine Verengung nicht mit letzter Sicherheit aus, denn in einer Auswertung zeigte sich bei etwa 17 von 100 Menschen mit Symptomen trotz Score 0 eine relevante Engstelle. In dieser Situation ist der Kalk-Score also nicht das richtige Werkzeug, und es braucht eine andere Abklärung.

Nach der aktuellen europäischen Präventionsleitlinie (ESC, Stand 2021) wird der Kalk-Score vor allem dann erwogen, wenn das klassische Risiko aus Alter, Blutdruck, Cholesterin, Rauchen und Diabetes im Graubereich liegt und das Ergebnis die Behandlung beeinflussen würde. Er ist also kein Test für jeden, sondern ein Zusatzinstrument, wenn die Entscheidung für oder gegen eine Vorbeugung sonst unklar bleibt.

Welche Beschwerden Koronarkalk macht

Der Kalk selbst macht in aller Regel keine Beschwerden. Man spürt ihn nicht, und viele Menschen erfahren erst durch eine solche Aufnahme davon. Beschwerden entstehen erst, wenn die Arteriosklerose ein Gefäß so weit verengt, dass der Herzmuskel unter Belastung zu wenig Blut bekommt. Dann kann sich das als Angina pectoris zeigen, ein Druck oder Schmerz in der Brust, der typischerweise bei Anstrengung auftritt und in Ruhe wieder nachlässt.

Weil ein hoher Score und Beschwerden nicht dasselbe sind, sollte neu auftretender oder belastungsabhängiger Brustschmerz immer ärztlich abgeklärt werden, unabhängig davon, was ein früherer Score gezeigt hat.

Woher der Kalk kommt

Koronarkalk entsteht als Teil der Arteriosklerose, und die Gründe dafür sind dieselben, die auch das Herz-Kreislauf-Risiko allgemein bestimmen. Eine Rolle spielen Dinge, die sich nicht ändern lassen, etwa das Alter und die familiäre Veranlagung. Daneben stehen die beeinflussbaren Faktoren wie Rauchen, hoher Blutdruck, erhöhte Cholesterinwerte, Diabetes, Übergewicht und wenig Bewegung, die über die Jahre dazu führen, dass sich in den Gefäßwänden mehr Ablagerungen bilden, in denen sich mit der Zeit Kalk einlagert. Ein großer Teil dieser Ursachen lässt sich also beeinflussen.

Was bei Koronarkalk hilft

Einmal gebildeter Kalk verschwindet in der Regel nicht wieder, das lässt sich ehrlich sagen. Beeinflussen lässt sich aber sehr wohl das Tempo, in dem die Arteriosklerose fortschreitet, und damit auch das Risiko. Genau darauf zielt alles ab, was nach einem auffälligen Score empfohlen wird.

Die Basis ist der Lebensstil, und mit dem Rauchen aufzuhören ist einer der wirksamsten Schritte. Dazu kommen regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung sowie Blutdruck und Blutzucker gut im Griff zu behalten. Beim Essen geht es weniger um einzelne verbotene Lebensmittel als um die Richtung, also viel Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkorn, Fisch und pflanzliche Öle und dafür weniger stark verarbeitete Produkte, weniger Zucker und weniger gesättigte Fette aus rotem und verarbeitetem Fleisch. Auch mit Salz eher sparsam umzugehen hilft dem Blutdruck.

Bei einem erhöhten Score kommt zu dieser Basis oft ein Statin dazu. Statine sind gut untersuchte, schützende Medikamente, die den Cholesterinspiegel senken und so das Fortschreiten der Arteriosklerose bremsen und das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall verringern. Ob ein Statin sinnvoll ist, entscheidet das Behandlungsteam gemeinsam mit der Patientin oder dem Patienten, abhängig vom Score und den übrigen Risikofaktoren. Ist der Score 0 und liegen sonst keine starken Risikofaktoren vor, kann ein Statin oft zunächst zurückgestellt und das Risiko nach einigen Jahren neu bewertet werden. Je höher der Score, desto klarer rät die Leitlinie zu konsequenter Vorbeugung.

So gesehen ist ein auffälliger Kalk-Score weniger ein Schreckmoment als eine frühe und brauchbare Information, die zeigt, wo sich Vorbeugung lohnt, und zwar zu einem Zeitpunkt, an dem sich noch viel bewegen lässt.

Quellen

Biavati F, Saba L, Boussoussou M, Kofoed KF, Benedek T, Donnelly P, et al. Coronary Artery Calcium Score Predicts Major Adverse Cardiovascular Events in Stable Chest Pain. Radiology. 2024;310(3):e231557. Quelle

Bell KJL, White S, Hassan O, Zhu L, Scott AM, Clark J, et al. Evaluation of the Incremental Value of a Coronary Artery Calcium Score Beyond Traditional Cardiovascular Risk Assessment. JAMA Intern Med. 2022;182(6):634. Quelle

Wieske V, Walther M, Dubourg B, Alkadhi H, Nørgaard BL, Meijs MFL, et al. Computed tomography angiography versus Agatston score for diagnosis of coronary artery disease in patients with stable chest pain: individual patient data meta-analysis of the international COME-CCT Consortium. Eur Radiol. 2022;32(8):5233-5245. Quelle

Hecht HS, Blaha MJ, Kazerooni EA, Cury RC, Budoff M, Leipsic J, et al. CAC-DRS: Coronary Artery Calcium Data and Reporting System. An expert consensus document of the Society of Cardiovascular Computed Tomography (SCCT). J Cardiovasc Comput Tomogr. 2018;12(3):185-191. Quelle

Akintoye E, Afonso L, Bengaluru Jayanna M, Bao W, Briasoulis A, Robinson J. Prognostic Utility of Risk Enhancers and Coronary Artery Calcium Score Recommended in the 2018 ACC/AHA Multisociety Cholesterol Treatment Guidelines Over the Pooled Cohort Equation. J Am Heart Assoc. 2021;10(12):e019589. Quelle

Visseren FLJ, Mach F, Smulders YM, Carballo D, Koskinas KC, Bäck M, et al. 2021 ESC Guidelines on cardiovascular disease prevention in clinical practice. Eur Heart J. 2021;42(34):3227-3337. Quelle

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

Mit dem Latein am Ende?

Du willst einfach nur wissen, was dein Befund bedeutet?
Wir erklären ihn dir. Kostenlos, anonym und ärztlich geprüft.

Illustration einer Person die fragend ein medizinisches Dokument betratchtet.
Illustration einer Person die fragend ein medizinisches Dokument betratchtet.
Illustration einer Person, die fragend ein medizinisches Dokument betrachtet.

Simply Onno

Datenschutz

Impressum

AGB

Deutsch