Wie der Kalk-Score gemessen wird und was die Zahl bedeutet
Gemessen wird der Kalk mit einem Herz-CT bei niedriger Strahlendosis und ohne Kontrastmittel, also ohne ein Mittel, das die Gefäße auf dem Bild anfärbt. Ein Computer errechnet daraus den Kalk-Score, der auch Calcium-Score oder nach seinem Erfinder Agatston-Score genannt wird. Er fasst die Menge an Kalk in allen Herzkranzgefäßen zu einer einzigen Zahl zusammen, und je mehr Kalk vorhanden ist, desto höher fällt der Wert aus. Zur groben Einordnung haben sich vier Stufen eingebürgert.
Score 0
Kein nachweisbarer Kalk ist bei einer Vorsorge ohne Beschwerden eine gute Nachricht und spricht für ein niedriges Risiko in den kommenden Jahren, denn schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse sind in dieser Gruppe selten.
Score 1 bis 99
Leicht erhöht. Es gibt bereits etwas Kalk, das Risiko ist aber meist noch gering.
Score 100 bis 399
Mäßig erhöht. Hier lohnt sich in der Regel ein genauerer Blick auf die Vorbeugung.
Ab 400
Deutlich erhöht. Das Risiko für Herz-Kreislauf-Probleme ist in dieser Gruppe spürbar höher, und eine konsequente Vorbeugung ist besonders wichtig.
Diese Stufen zeigen einen Verlauf und kein Ja-oder-Nein, denn mit steigendem Score nimmt das statistische Risiko schrittweise zu. In einer Untersuchung an Menschen mit stabilen Brustschmerzen erlitten bei einem Score von 0 nur etwa 0,5 von 100 Personen über die folgenden Jahre ein schweres Herz-Kreislauf-Ereignis, bei einem Score ab 400 waren es rund 7 von 100. Das ist ein echter Unterschied, und trotzdem bleibt auch bei hohem Score die große Mehrheit über diesen Zeitraum ohne Ereignis. Die Zahl verschiebt Wahrscheinlichkeiten, sie ist kein Urteil.
Was der Score sagt und was nicht
Der Kalk-Score ist ein Risiko-Marker. Er misst, wie viel Arteriosklerose sich über die Jahre angesammelt hat, und hilft so, das persönliche Risiko besser einzuschätzen. Er misst aber nicht direkt, ob ein Gefäß verengt ist, und er sagt nicht voraus, dass ein Herzinfarkt kurz bevorsteht.
Deshalb kommt es darauf an, in welcher Situation gemessen wurde. Bei einer reinen Vorsorge ohne Beschwerden ist ein Score von 0 sehr beruhigend. Bestehen dagegen bereits Beschwerden wie Brustschmerz, dann schließt selbst ein Score von 0 eine Verengung nicht mit letzter Sicherheit aus, denn in einer Auswertung zeigte sich bei etwa 17 von 100 Menschen mit Symptomen trotz Score 0 eine relevante Engstelle. In dieser Situation ist der Kalk-Score also nicht das richtige Werkzeug, und es braucht eine andere Abklärung.
Nach der aktuellen europäischen Präventionsleitlinie (ESC, Stand 2021) wird der Kalk-Score vor allem dann erwogen, wenn das klassische Risiko aus Alter, Blutdruck, Cholesterin, Rauchen und Diabetes im Graubereich liegt und das Ergebnis die Behandlung beeinflussen würde. Er ist also kein Test für jeden, sondern ein Zusatzinstrument, wenn die Entscheidung für oder gegen eine Vorbeugung sonst unklar bleibt.
Welche Beschwerden Koronarkalk macht
Der Kalk selbst macht in aller Regel keine Beschwerden. Man spürt ihn nicht, und viele Menschen erfahren erst durch eine solche Aufnahme davon. Beschwerden entstehen erst, wenn die Arteriosklerose ein Gefäß so weit verengt, dass der Herzmuskel unter Belastung zu wenig Blut bekommt. Dann kann sich das als Angina pectoris zeigen, ein Druck oder Schmerz in der Brust, der typischerweise bei Anstrengung auftritt und in Ruhe wieder nachlässt.
Weil ein hoher Score und Beschwerden nicht dasselbe sind, sollte neu auftretender oder belastungsabhängiger Brustschmerz immer ärztlich abgeklärt werden, unabhängig davon, was ein früherer Score gezeigt hat.
Woher der Kalk kommt
Koronarkalk entsteht als Teil der Arteriosklerose, und die Gründe dafür sind dieselben, die auch das Herz-Kreislauf-Risiko allgemein bestimmen. Eine Rolle spielen Dinge, die sich nicht ändern lassen, etwa das Alter und die familiäre Veranlagung. Daneben stehen die beeinflussbaren Faktoren wie Rauchen, hoher Blutdruck, erhöhte Cholesterinwerte, Diabetes, Übergewicht und wenig Bewegung, die über die Jahre dazu führen, dass sich in den Gefäßwänden mehr Ablagerungen bilden, in denen sich mit der Zeit Kalk einlagert. Ein großer Teil dieser Ursachen lässt sich also beeinflussen.
Was bei Koronarkalk hilft
Einmal gebildeter Kalk verschwindet in der Regel nicht wieder, das lässt sich ehrlich sagen. Beeinflussen lässt sich aber sehr wohl das Tempo, in dem die Arteriosklerose fortschreitet, und damit auch das Risiko. Genau darauf zielt alles ab, was nach einem auffälligen Score empfohlen wird.
Die Basis ist der Lebensstil, und mit dem Rauchen aufzuhören ist einer der wirksamsten Schritte. Dazu kommen regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung sowie Blutdruck und Blutzucker gut im Griff zu behalten. Beim Essen geht es weniger um einzelne verbotene Lebensmittel als um die Richtung, also viel Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkorn, Fisch und pflanzliche Öle und dafür weniger stark verarbeitete Produkte, weniger Zucker und weniger gesättigte Fette aus rotem und verarbeitetem Fleisch. Auch mit Salz eher sparsam umzugehen hilft dem Blutdruck.
Bei einem erhöhten Score kommt zu dieser Basis oft ein Statin dazu. Statine sind gut untersuchte, schützende Medikamente, die den Cholesterinspiegel senken und so das Fortschreiten der Arteriosklerose bremsen und das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall verringern. Ob ein Statin sinnvoll ist, entscheidet das Behandlungsteam gemeinsam mit der Patientin oder dem Patienten, abhängig vom Score und den übrigen Risikofaktoren. Ist der Score 0 und liegen sonst keine starken Risikofaktoren vor, kann ein Statin oft zunächst zurückgestellt und das Risiko nach einigen Jahren neu bewertet werden. Je höher der Score, desto klarer rät die Leitlinie zu konsequenter Vorbeugung.
So gesehen ist ein auffälliger Kalk-Score weniger ein Schreckmoment als eine frühe und brauchbare Information, die zeigt, wo sich Vorbeugung lohnt, und zwar zu einem Zeitpunkt, an dem sich noch viel bewegen lässt.
Quellen
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