Carotisstenose: Risiken und Behandlungsmöglichkeiten

Carotisstenose: Risiken und Behandlungsmöglichkeiten

12.01.2026

PD Dr. med. Witold Polanski

Carotisstenose bezeichnet eine Verengung der Halsschlagader, medizinisch Arteria carotis genannt, die das Gehirn mit Blut versorgt. Diese Verengung entsteht meist durch Ablagerungen an der Gefäßwand und kann das Risiko für einen Schlaganfall deutlich erhöhen.

Was passiert bei einer Carotisstenose?

Die Halsschlagader, auch als Arteria Carotis bekannt, ist eines der wichtigsten Blutgefäße im Körper. Sie transportiert sauerstoffreiches Blut vom Herzen direkt ins Gehirn. Entwickeln sich an der Innenwand der Arterie Ablagerungen aus Fett, Kalk und Bindegewebe, spricht man von sogenannten Plaques. Diese können die Gefäßöffnung zunehmend einengen. Je stärker die Verengung, desto weniger Blut gelangt ins Gehirn. Wird die Engstelle zu groß oder löst sich ein Teil der Ablagerung, kann das zu einem plötzlichen Verschluss eines Hirngefäßes führen und damit zum Schlaganfall.

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Ursachen und Risikofaktoren

Eine Carotisstenose entsteht in den meisten Fällen als Folge von Arteriosklerose, also einer Verkalkung und Verhärtung der Arterien. Bestimmte Faktoren begünstigen diese Entwicklung: Dazu zählen hoher Blutdruck, erhöhte Cholesterinwerte, Diabetes, Rauchen und Bewegungsmangel. Auch das Alter spielt eine Rolle, denn mit den Jahren lagern sich immer mehr Stoffe in den Gefäßen ab. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. In seltenen Fällen können auch Entzündungen der Gefäßwand oder angeborene Fehlbildungen eine Rolle spielen.

Symptome: Wann macht sich eine Verengung bemerkbar?

Oft bleibt eine Carotisstenose lange unbemerkt, weil sie keine Beschwerden verursacht. Erst wenn die Engstelle sehr ausgeprägt ist oder sich kleine Blutgerinnsel bilden, treten Symptome auf. Typisch sind plötzlich auftretende, kurz anhaltende Ausfälle wie Schwäche oder Taubheit auf einer Körperseite, Sprachstörungen, Sehstörungen auf einem Auge oder Schwindel. Solche Warnzeichen werden als „transitorisch-ischämische Attacke“ (TIA) bezeichnet. Sie sind ein Alarmsignal, denn sie deuten darauf hin, dass das Gehirn kurzfristig zu wenig Sauerstoff bekommen hat. Bleibt die Ursache unbehandelt, kann daraus ein schwerer Schlaganfall entstehen.

Wie wird eine Carotisstenose festgestellt?

Die wichtigste Untersuchung ist der Ultraschall der Halsschlagader. Damit lässt sich erkennen, wie stark die Arterie verengt ist und wie schnell das Blut hindurchfließt. Bei unklaren Befunden oder zur genaueren Planung kann eine Gefäßdarstellung mittels Computertomografie (CT-Angiografie) oder Magnetresonanztomografie (MRT-Angiografie) notwendig sein. Zusätzlich werden häufig Blutwerte kontrolliert, um Risikofaktoren wie hohe Cholesterinwerte oder Diabetes zu erkennen. In manchen Fällen wird auch eine spezielle Messung des Blutdrucks in den Gefäßen durchgeführt.

Was bedeutet die Diagnose für den Alltag?

Die Diagnose Carotisstenose kann zunächst verunsichern, besonders wenn keine Beschwerden bestehen. Viele fragen sich: Wie gefährlich ist das? Muss sofort operiert werden? Nicht jede Verengung erfordert eine Behandlung. Entscheidend ist, wie stark die Engstelle ausgeprägt ist und ob bereits Symptome aufgetreten sind. Leichte Verengungen werden meist zunächst nur regelmäßig kontrolliert. Erst bei einer hochgradigen Stenose oder bei bereits aufgetretenen Warnzeichen wie einer TIA raten Ärztinnen und Ärzte zu einer aktiven Behandlung, um das Risiko für einen Schlaganfall zu senken.

Behandlungsmöglichkeiten bei Carotisstenose

Die Auswahl der Therapie hängt vom Schweregrad der Verengung und dem individuellen Risiko ab. Bei leichter oder mittelschwerer Stenose steht die Behandlung der Risikofaktoren im Vordergrund. Dazu gehören die Kontrolle des Blutdrucks, das Senken erhöhter Cholesterinwerte, Rauchstopp und regelmäßige Bewegung. Oft werden Medikamente verschrieben, die das Blut „dünnflüssiger“ machen und so das Risiko für Gerinnsel senken.

Ist die Engstelle sehr ausgeprägt oder treten bereits Symptome auf, kommen zwei Verfahren infrage: Die Operation, bei der die Ablagerungen aus der Halsschlagader entfernt werden (sogenannte Thrombendarteriektomie), oder das Einsetzen eines Stents, der die Engstelle von innen offenhält. Beide Methoden haben das Ziel, den Blutfluss zum Gehirn zu sichern und einen Schlaganfall zu verhindern. Welche Methode besser geeignet ist, richtet sich nach dem individuellen Befund und wird gemeinsam mit den behandelnden Fachärzten besprochen.

Typische Sorgen und was du selbst tun kannst

Viele Menschen haben Angst vor einem Schlaganfall oder einer Operation an der Halsschlagader. Die gute Nachricht: Mit der richtigen Behandlung und regelmäßigen Kontrollen lässt sich das Risiko deutlich senken. Wichtig ist, auf Warnzeichen wie plötzliche Lähmungen, Sprachstörungen oder Sehstörungen zu achten und in solchen Fällen sofort ärztliche Hilfe zu suchen. Auch wenn keine Beschwerden bestehen, lohnt es sich, die Risikofaktoren aktiv anzugehen. Eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung, der Verzicht auf Nikotin und eine gute Einstellung von Blutdruck und Blutzucker sind entscheidend.

Wer bereits Medikamente einnimmt, sollte diese regelmäßig und wie verordnet einnehmen. Kontrolluntersuchungen beim Arzt helfen, Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Bei Unsicherheiten oder neuen Beschwerden ist es ratsam, nicht zu zögern, sondern gezielt nachzufragen.

Leben mit einer Carotisstenose

Mit einer Carotisstenose lässt sich in vielen Fällen gut leben, wenn die Erkrankung erkannt und behandelt wird. Regelmäßige Kontrollen, ein gesunder Lebensstil und die konsequente Behandlung von Risikofaktoren tragen dazu bei, Komplikationen zu vermeiden. Die moderne Medizin bietet heute viele Möglichkeiten, das Risiko für einen Schlaganfall zu senken und die Lebensqualität zu erhalten. Wer gut informiert ist und aktiv mitarbeitet, kann viel für die eigene Gefäßgesundheit tun. Mehr zur Anatomie und Funktion der Halsschlagader findest du auch im Artikel zur Arteria Carotis.

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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