Lungenfibrose bezeichnet eine Erkrankung, bei der das Lungengewebe zunehmend vernarbt und verhärtet, sodass der Austausch von Sauerstoff erschwert wird.
Wenn die Lunge ihr Gleichgewicht verliert
Die Lunge ist ein lebenswichtiges Organ, das Sauerstoff aus der Atemluft aufnimmt und Kohlendioxid abgibt. Ihr feines Gewebe besteht aus winzigen Luftbläschen, den sogenannten Alveolen. Hier findet der Gasaustausch statt. Bei einer Lungenfibrose verändert sich dieses empfindliche Gewebe: Es bildet sich nach und nach festes Bindegewebe, das eigentlich zur Heilung nach Verletzungen gedacht ist. Doch bei dieser Erkrankung läuft der Prozess aus dem Ruder. Die Lunge wird steifer, verliert an Elastizität und das Atmen fällt zunehmend schwerer.
Wer mehr über die normale Struktur und Funktion der Lunge erfahren möchte, findet hier eine einfache Erklärung zum Aufbau der Lunge und zur Lunge allgemein.
Typische Beschwerden und erste Anzeichen
Am Anfang einer Lungenfibrose stehen oft unspezifische Symptome. Trockener Husten und zunehmende Atemnot, zunächst nur bei Belastung wie Treppensteigen oder Spazierengehen, gehören zu den ersten Warnzeichen. Im weiteren Verlauf kann es auch im Ruhezustand schwerfallen, genug Luft zu bekommen. Manche Menschen bemerken, dass sie weniger leistungsfähig sind oder schneller ermüden. Gelegentlich treten Schmerzen im Brustbereich auf. Die Symptome entwickeln sich meist schleichend über Monate oder Jahre, sodass sie zunächst leicht mit anderen Krankheiten verwechselt werden können.
Wie entsteht eine Lungenfibrose?
Eine Lungenfibrose ist keine eigenständige Krankheit, sondern beschreibt das gemeinsame Endstadium verschiedener Ursachen. Häufig bleibt die genaue Ursache ungeklärt. In solchen Fällen sprechen Fachleute von einer idiopathischen Lungenfibrose. Es gibt aber auch bekannte Auslöser: Langjähriges Einatmen von Schadstoffen wie Asbest, Quarzstaub oder Schimmelpilzen kann das Lungengewebe schädigen. Auch bestimmte Medikamente, Strahlenbehandlungen oder Autoimmunerkrankungen wie rheumatoide Arthritis kommen als Auslöser infrage. Seltener steckt eine genetische Veranlagung dahinter. Rauchen erhöht das Risiko zusätzlich.
Was passiert im Körper?
Durch die anhaltende Reizung oder Entzündung versucht die Lunge, sich zu reparieren. Dabei wird vermehrt Bindegewebe gebildet. Dieses Gewebe ist jedoch weniger dehnbar als gesundes Lungengewebe. Die Folge: Die Lunge wird immer steifer und kann sich nicht mehr richtig ausdehnen. Dadurch gelangt weniger Sauerstoff ins Blut, was den gesamten Körper belastet. Im fortgeschrittenen Stadium kann es zu einem Sauerstoffmangel kommen, der sich durch blaue Lippen oder Fingernägel bemerkbar macht.
Ist eine Lungenfibrose gefährlich?
Die Diagnose Lungenfibrose löst häufig Unsicherheit und Angst aus. Die Erkrankung ist tatsächlich ernst, weil sie das Atmen dauerhaft beeinträchtigen kann. Der Verlauf ist unterschiedlich: Manche Menschen leben viele Jahre mit einer milden Form, andere erleben einen raschen Fortschritt und starke Einschränkungen im Alltag. Besonders die idiopathische Lungenfibrose gilt als schwer behandelbar und kann unbehandelt die Lebenserwartung verkürzen. Wichtig ist, die Krankheit frühzeitig zu erkennen und die Ursache zu behandeln oder zu vermeiden.
Wie wird eine Lungenfibrose festgestellt?
Die Diagnose beginnt meist mit einem Gespräch über die Beschwerden und die Vorgeschichte. Ärztinnen und Ärzte fragen nach möglichen Risikofaktoren wie Beruf, Hobbys oder anderen Erkrankungen. Eine körperliche Untersuchung gibt erste Hinweise: Beim Abhören der Lunge fällt oft ein feines Knistern auf, das an das Geräusch von auseinandergezogenen Klettverschlüssen erinnert.
Zur weiteren Abklärung kommen verschiedene Untersuchungen zum Einsatz. Ein Lungenfunktionstest zeigt, wie viel Luft eingeatmet werden kann und wie gut der Sauerstoff ins Blut gelangt. Ein Röntgenbild oder eine Computertomografieder Lunge macht die typischen Vernarbungen sichtbar. Manchmal ist eine Gewebeprobe (Biopsie) nötig, um andere Erkrankungen auszuschließen. Blutuntersuchungen helfen, mögliche Auslöser wie Autoimmunerkrankungen zu erkennen.
Behandlungsmöglichkeiten und Alltagstipps
Eine Lungenfibrose lässt sich nicht heilen, aber der Verlauf kann oft verlangsamt werden. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Wenn ein Auslöser wie ein Medikament oder eine Staubbelastung gefunden wird, sollte dieser konsequent gemieden werden. Spezielle Medikamente können das Fortschreiten der Vernarbung bremsen. In manchen Fällen kommen Kortisonpräparateoder sogenannte Antifibrotika zum Einsatz. Bei einer schweren Sauerstoffunterversorgung hilft eine Sauerstofftherapie. In sehr schweren Fällen kann eine Lungentransplantation erwogen werden.
Im Alltag ist es wichtig, die Lunge zu entlasten. Regelmäßige Bewegung, angepasst an die eigene Belastbarkeit, kann helfen, die Atemmuskulatur zu stärken. Atemübungen, wie sie in der Lungensportgruppe oder bei der Physiotherapie vermittelt werden, unterstützen das Atmen. Impfungen gegen Grippe und Pneumokokken schützen vor zusätzlichen Infekten. Wer raucht, sollte unbedingt damit aufhören. Auch das Vermeiden von Staub, Chemikalien und anderen Reizstoffen ist ratsam.
Was kann selbst getan werden?
Ein bewusster Umgang mit der eigenen Gesundheit spielt eine große Rolle. Ausreichende Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und das Einhalten der ärztlichen Empfehlungen helfen, die Lebensqualität möglichst lange zu erhalten. Es lohnt sich, auf Warnzeichen wie zunehmende Atemnot oder Infekte zu achten und frühzeitig ärztlichen Rat einzuholen. Auch der Austausch mit anderen Betroffenen, zum Beispiel in Selbsthilfegruppen, kann entlasten und neue Perspektiven eröffnen.
Wer sich für Details zur Funktionsweise der Lunge interessiert, findet hier weitere Informationen zur Lunge und deren Aufbau.
Lungenfibrose ist eine Herausforderung, aber mit einer frühzeitigen Diagnose und einer individuell angepassten Behandlung lässt sich der Alltag oft besser bewältigen. Regelmäßige Kontrollen und eine gute Zusammenarbeit mit dem Behandlungsteam sind dabei entscheidend.