Okulomotorius Parese – Doppelbilder und mehr

Okulomotorius Parese – Doppelbilder und mehr

27.01.2026

PD Dr. med. Witold Polanski

Okulomotorius Parese bedeutet, dass der sogenannte Nervus oculomotorius, ein wichtiger Hirnnerv, der die meisten Augenbewegungen steuert, teilweise oder vollständig ausgefallen ist.

Was passiert bei einer Okulomotorius Parese?

Der Nervus oculomotorius ist einer von insgesamt zwölf Hirnnerven. Er sorgt dafür, dass das Auge in verschiedene Richtungen bewegt werden kann und das Augenlid richtig geöffnet wird. Außerdem steuert er die Pupille und hilft dabei, sich auf unterschiedliche Entfernungen einzustellen. Wenn dieser Nerv nicht mehr richtig funktioniert, spricht man von einer Okulomotorius Parese. Das Wort „Parese“ steht für eine Schwäche oder Lähmung.

Wer betroffen ist, bemerkt oft, dass ein Auge nicht mehr so beweglich ist wie das andere. Das Augenlid kann herabhängen, die Pupille ist oft auffällig weit und reagiert schlechter auf Licht. Meist kommt es zu Doppelbildern, weil die Augen nicht mehr synchron arbeiten. In schweren Fällen bleibt das betroffene Auge in einer bestimmten Position stehen, zum Beispiel nach außen unten gerichtet.

Mehr dazu, wie die Steuerung der Augen funktioniert, findest du im Artikel Oculomotorik.

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Ursachen: Warum fällt der Nerv aus?

Für eine Okulomotorius Parese gibt es verschiedene Auslöser. Häufig sind Durchblutungsstörungen, also kleine Verschlüsse in den Blutgefäßen, die den Nerv versorgen, verantwortlich. Das passiert zum Beispiel bei Menschen mit Bluthochdruck, Diabetes oder erhöhten Blutfettwerten. Auch Entzündungen, Infektionen oder seltene Erkrankungen wie Multiple Sklerose können den Nerv schädigen. In manchen Fällen steckt eine Kompression dahinter, etwa durch eine Gefäßaussackung (Aneurysma) oder einen Tumor im Bereich der Hirnnerven.

Manchmal bleibt die Ursache trotz gründlicher Untersuchungen unklar. Besonders bei älteren Menschen liegt oft eine sogenannte „mikrovaskuläre“ Schädigung vor, also eine winzige Störung der Durchblutung.

Symptome und typische Beschwerden

Die auffälligsten Zeichen einer Okulomotorius Parese sind:

Das betroffene Auge lässt sich nicht mehr normal bewegen, vor allem nach oben, unten oder zur Mitte hin. Das Augenlid kann herabhängen, was als Ptosis bezeichnet wird. Die Pupille ist oft vergrößert und reagiert nur noch langsam oder gar nicht mehr auf Lichteinfall. Häufig treten Doppelbilder auf, weil die Augen nicht mehr gemeinsam ein Ziel fixieren können. Das kann besonders beim Blick in bestimmte Richtungen sehr störend sein.

Viele bemerken, dass sie beim Lesen oder Autofahren Schwierigkeiten haben, weil die Bilder nicht mehr übereinstimmen. Das kann im Alltag sehr belastend sein und zu Unsicherheit führen, zum Beispiel beim Treppensteigen oder beim Überqueren der Straße.

Mehr über die Funktion und Bedeutung der Hirnnerven gibt es im Artikel Hirnnerven.

Ist das gefährlich?

Eine Okulomotorius Parese kann harmlos verlaufen, aber auch auf ernste Ursachen hinweisen. Besonders wenn die Beschwerden plötzlich auftreten, das Augenlid stark herabhängt und die Pupille ungewöhnlich weit ist, sollte rasch ärztlicher Rat eingeholt werden. In manchen Fällen steckt ein Aneurysma dahinter, das dringend behandelt werden muss, weil es platzen und eine Hirnblutung auslösen kann.

Gerade bei jüngeren Menschen oder wenn weitere Symptome wie starke Kopfschmerzen, Übelkeit oder Bewusstseinsstörungen dazukommen, ist eine schnelle Abklärung wichtig. Bei älteren Menschen mit bekannten Risikofaktoren wie Diabetes oder Bluthochdruck ist die Ursache oft weniger bedrohlich, trotzdem sollte immer eine genaue Untersuchung erfolgen.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Die Diagnose beginnt mit einer gründlichen Augenuntersuchung. Ärztinnen und Ärzte prüfen, wie beweglich das Auge ist, ob das Lid hängt und wie die Pupille auf Licht reagiert. Meist folgt eine neurologische Untersuchung, um andere Hirnnerven zu testen und Hinweise auf die Ursache zu finden.

Bildgebende Verfahren wie eine Magnetresonanztomografie (MRT) oder Computertomografie (CT) des Kopfes helfen, Blutungen, Tumoren oder Gefäßaussackungen auszuschließen. In manchen Fällen werden zusätzlich Blutuntersuchungen gemacht, um Entzündungen oder Infektionen nachzuweisen.

Behandlung und was du selbst tun kannst

Die Therapie richtet sich nach der Ursache der Okulomotorius Parese. Wenn eine Durchblutungsstörung dahintersteckt, bessern sich die Beschwerden oft innerhalb von Wochen bis Monaten von alleine. Wichtig ist dann, Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder hohe Blutfette gut einzustellen.

Liegt ein Aneurysma oder ein Tumor vor, kann eine Operation oder ein anderer gezielter Eingriff nötig sein. Bei Entzündungen kommen manchmal Medikamente wie Kortison zum Einsatz. In der ersten Zeit helfen spezielle Prismenfolien auf der Brille oder ein Augenpflaster, die Doppelbilder zu reduzieren und den Alltag zu erleichtern.

Wer betroffen ist, sollte körperliche Belastungen vermeiden, bis die Ursache geklärt ist. Autofahren ist meist erst wieder möglich, wenn keine Doppelbilder mehr auftreten. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Augenarzt oder Neurologen sind wichtig, um den Verlauf zu überwachen.

Ängste und Unsicherheiten: Was viele wissen wollen

Viele fragen sich, ob die Okulomotorius Parese dauerhaft bleibt oder wieder verschwindet. In den meisten Fällen, vor allem bei Durchblutungsstörungen, ist die Prognose gut und die Beschwerden bilden sich langsam zurück. Nur selten bleiben dauerhafte Einschränkungen bestehen. Die Angst vor einer schweren Ursache wie einem Aneurysma ist verständlich, aber nicht immer begründet. Eine rasche Untersuchung gibt hier Sicherheit.

Unsicherheit entsteht oft auch durch die Doppelbilder und die eingeschränkte Beweglichkeit des Auges. Hier hilft es, den Alltag anzupassen, sich Unterstützung zu holen und Geduld zu haben. Spezielle Hilfsmittel wie Prismenfolien oder ein vorübergehendes Abdecken eines Auges können den Alltag erleichtern.

Zusammenhänge mit anderen Augenbewegungsstörungen

Die Okulomotorius Parese ist eine von mehreren möglichen Störungen der Augenbewegungen. Auch andere Hirnnerven können betroffen sein, was zu ähnlichen Beschwerden führen kann. Mehr dazu und wie die verschiedenen Nerven zusammenarbeiten, steht im Artikel Oculomotorik.

Eine genaue Diagnose ist deshalb wichtig, um die richtige Behandlung einzuleiten und Komplikationen zu vermeiden. Wer unsicher ist oder neue Symptome bemerkt, sollte nicht zögern, einen Arzt aufzusuchen.

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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