Niereninsuffizienz bei der Katze: Was hilft

Niereninsuffizienz bei der Katze: Was hilft

Eine Niereninsuffizienz bei der Katze bedeutet, dass die Nieren einen Teil ihrer Arbeit dauerhaft nicht mehr schaffen: Sie filtern Abbaustoffe schlechter aus dem Blut, halten den Wasser- und Salzhaushalt weniger gut im Gleichgewicht und verlieren nach und nach Gewebe, das nicht nachwächst. Fast immer steckt bei älteren Katzen die chronische Form dahinter, die sich über Monate bis Jahre langsam entwickelt. Heilbar ist sie nicht, aber in vielen Fällen über lange Zeit gut zu begleiten, und was du zu Hause tust, macht dabei einen echten Unterschied.

Warum die Diagnose so plötzlich kommt, obwohl die Erkrankung alt ist

Die Nieren arbeiten mit einer großen Reserve. Erst wenn ein erheblicher Teil des Nierengewebes seine Arbeit eingestellt hat, verändern sich die Blutwerte messbar und die Katze zeigt Zeichen, die dir auffallen. Deshalb erlebst du eine Erkrankung, die sich still über Jahre aufgebaut hat, als Nachricht von einem Tag auf den anderen. In einer großen Auswertung britischer Tierarztpraxen zeigten rund zwei von drei Katzen bereits Krankheitszeichen, als die Diagnose gestellt wurde.

Rückblickend erkennen viele Halter:innen dann doch erste Spuren. In einer Untersuchung an über 500 Katzen hatte der Gewichtsverlust im Schnitt schon bis zu drei Jahre vor der Diagnose begonnen und beschleunigte sich danach. Betroffen sind meist ältere Tiere, in dieser Auswertung lag das Alter bei Diagnose bei knapp 15 Jahren, und mit steigendem Alter wird die Erkrankung deutlich häufiger. Dass du es nicht früher bemerkt hast, ist also kein Versäumnis, sondern liegt in der Natur dieser Erkrankung.

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Welche Symptome eine Niereninsuffizienz bei der Katze macht

Die Zeichen sind unspezifisch und schleichend, und gerade Katzen verstecken Unwohlsein gut. Meist fällt zuerst eine Mischung aus mehreren Kleinigkeiten auf, nicht ein einzelnes dramatisches Symptom.

Mehr trinken, mehr Urin

Weil die Nieren den Urin nicht mehr richtig konzentrieren können, geht mehr Flüssigkeit verloren, und die Katze gleicht das durch Trinken aus. Das Katzenklo ist häufiger und stärker durchnässt, manche Tiere stehen plötzlich am Wasserhahn oder an Blumenvasen. Bei Katzen ist dieses Zeichen oft weniger deutlich ausgeprägt als bei Hunden, weshalb es leicht übersehen wird.

Gewichtsverlust und weniger Appetit

Die Katze wird über Monate leichter, der Rücken fühlt sich kantiger an, das Fressen wird angefangen und wieder stehen gelassen. Gewichtsverlust ist oft das früheste Zeichen, das überhaupt bemerkbar ist, und er wiegt schwer: Katzen, die bei der Diagnose sehr leicht sind, geht es im Verlauf im Schnitt schlechter.

Übelkeit, Erbrechen und ein müdes, stumpfes Fell

Bleiben Abbaustoffe im Blut, wird der Katze schlicht übel. Sie erbricht häufiger, hat Mundgeruch, schläft mehr, spielt weniger und putzt sich nicht mehr so gründlich, sodass das Fell struppig und stumpf wirkt. Kommt zusätzlich Bluthochdruck dazu, kann es im schlimmsten Fall zu plötzlicher Blindheit kommen, weil sich die Netzhaut im Auge ablöst. Dann gehört deine Katze noch am selben Tag in die Tierarztpraxis.

Wie eine Niereninsuffizienz festgestellt wird

Die Diagnose stützt sich nie auf einen einzelnen Wert, sondern auf mehrere Bausteine, meist über zwei Zeitpunkte hinweg und an einer Katze, die stabil und gut mit Flüssigkeit versorgt ist.

Im Blut wird vor allem Kreatinin bestimmt, ein Abbaustoff aus dem Muskelstoffwechsel, den gesunde Nieren zuverlässig ausscheiden. Steigt er, arbeiten die Nieren schlechter. Sein Haken: Kreatinin hängt stark von der Muskelmasse ab, und eine alte, abgemagerte Katze kann trotz kranker Nieren noch vergleichsweise niedrige Werte haben. Deshalb wird oft zusätzlich SDMA gemessen, ein Wert, der von der Muskelmasse kaum beeinflusst wird und eine nachlassende Nierenfunktion früher anzeigen kann. Unfehlbar ist er nicht: Ein einzelner erhöhter SDMA-Wert beweist noch keine Nierenerkrankung, seine Aussagekraft wird fachlich weiter diskutiert, und behandelt wird deshalb nie nach einer einzelnen Messung.

Dazu kommt der Urin. Er zeigt, wie gut die Nieren noch konzentrieren können und ob Eiweiß verloren geht, das eigentlich im Körper bleiben sollte. Und schließlich der Blutdruck, der bei älteren Katzen häufig erhöht und trotzdem selten gemessen wird. Wenn diese drei Dinge, Blutwerte, Urin und Blutdruck, bei deiner Katze nicht regelmäßig kontrolliert werden, darfst du in der Praxis ruhig aktiv danach fragen.

Was die Stadien 1 bis 4 bedeuten

Damit alle Beteiligten vom Gleichen sprechen, teilt eine internationale Fachgesellschaft die chronische Nierenerkrankung in vier Stadien ein, gestützt auf die Blutwerte einer stabilen Katze. Stadium 1 heißt: Die Filterwerte sind noch normal, aber etwas anderes an der Niere ist auffällig. In Stadium 2 sind die Werte leicht erhöht, und die Katze wirkt oft noch weitgehend gesund. Stadium 3 bringt deutlichere Werte und meist auch spürbare Beschwerden mit sich, Stadium 4 bedeutet eine stark eingeschränkte Nierenleistung mit hohem Risiko für schwere Krankheitsschübe.

Wenn auf dem Befund deiner Katze "Stadium 2" steht, ist das keine schlechte Nachricht, sondern eine, mit der sich arbeiten lässt. In einer Auswertung von über 500 Katzen wurde die Erkrankung bei gut sechs von zehn Tieren genau in diesem noch früh behandelbaren Stadium entdeckt, nur bei etwa jeder elften erst im Stadium 4.

Zu jedem Stadium gehören zwei Zusätze, die den Verlauf mitbestimmen. Der eine beschreibt, wie viel Eiweiß über den Urin verloren geht, der andere den Blutdruck. Beides sind Faktoren, die die Nieren zusätzlich unter Druck setzen, und beides lässt sich behandeln. Genau deshalb werden sie mit erfasst: Sie sagen der Tierärztin und dem Tierarzt, wo sich am meisten gewinnen lässt.

Wie schnell die Erkrankung voranschreitet

Darauf gibt es ehrlicherweise keine allgemeine Antwort. Manche Katzen bleiben über Jahre in einem Stadium und leben unauffällig weiter, bei anderen verschlechtern sich die Werte innerhalb von Monaten. Was den Verlauf treibt, ist gut bekannt: das Stadium bei der Diagnose, ein hoher Eiweißverlust über den Urin, erhöhter Blutdruck und ein hoher Phosphatspiegel im Blut. Je früher die Erkrankung erkannt und je konsequenter diese Punkte angegangen werden, desto langsamer geht es in aller Regel voran.

Deshalb ist das Wiederkommen zur Kontrolle keine Formsache. Erst der Verlauf der Werte über mehrere Messungen zeigt, ob die Erkrankung stabil bleibt oder Bewegung hineinkommt, und in welchem Abstand kontrolliert wird, richtet sich nach dem Stadium und dem Befinden deiner Katze.

Was deiner Katze wirklich hilft

Behandelt wird nicht die Niere selbst, sondern alles, was sie zusätzlich belastet, und alles, was der Katze das Leben unangenehm macht. Diese Betreuung entscheidet mit darüber, wie lange und wie gut deine Katze lebt.

Warum die Nierendiät so viel bringt

Eine therapeutische Nierendiät enthält weniger Phosphat und angepasstes Eiweiß und entlastet die Nieren dadurch spürbar. Von allem, was sich tun lässt, ist ihr Nutzen am besten durch Studien belegt. In einer Auswertung von rund 1.400 Katzen mit früher Nierenerkrankung schritt die Erkrankung unter Nierendiät deutlich langsamer voran, und die Tiere lebten über einen Beobachtungszeitraum von drei Jahren im Schnitt etwa fünf Monate länger als die Katzen ohne Diät, nämlich rund 31 statt 26 Monate.

Nahrungsergänzungsmittel obendrauf ersetzen das nicht, und wer die Wahl hat, sollte seine Energie in die Umstellung stecken statt in Zusätze. Katzen sind beim Futter eigensinnig, deshalb lohnt sich ein langsamer Wechsel über Wochen, mit Anwärmen, mehreren Sorten zum Ausprobieren und ohne Zwang. Eine Nierendiät, die nicht gefressen wird, hilft nicht, und eine Katze, die gar nichts frisst, ist gefährdeter als eine, die vorerst ihr gewohntes Futter bekommt. Sprich in dem Fall die Tierarztpraxis an, statt es allein auszusitzen.

Genug Flüssigkeit

Weil über den Urin mehr Wasser verloren geht, trocknet eine nierenkranke Katze schneller aus. Mehrere Wassernäpfe an verschiedenen Stellen, ein Trinkbrunnen und vor allem Nassfutter helfen mehr, als man denkt. Bei fortgeschrittener Erkrankung zeigen viele Praxen den Halter:innen, wie sie zu Hause Flüssigkeit unter die Haut geben, was den Tieren erstaunlich wenig ausmacht und das Befinden oft deutlich bessert.

Phosphat im Blick behalten

Ein hoher Phosphatwert im Blut hängt mit einem schlechteren Verlauf zusammen. Der erste Hebel dagegen ist die Diät. Reicht sie nicht aus, kann die Praxis zusätzlich einen Phosphatbinder verordnen, ein Präparat, das unter das Futter gemischt wird und Phosphat schon im Darm bindet, sodass weniger davon ins Blut gelangt. Wie stark solche Binder den Verlauf beeinflussen, ist bislang nur an sehr kleinen Untersuchungen geprüft, weshalb sie ein Baustein neben der Fütterung bleiben und kein Ersatz für sie.

Blutdruck senken

Bluthochdruck ist bei älteren Katzen häufig und schädigt still die Augen, das Herz, das Gehirn und die Nieren selbst. Nach der Leitlinie der internationalen Fachgesellschaft für Katzenmedizin gilt der Wirkstoff Amlodipin bei den meisten Katzen als Mittel der ersten Wahl, und bei der Mehrheit der Tiere wirkt er zuverlässig. Wie viel eine Katze braucht, ist individuell verschieden und wird in der Praxis anhand von Messungen eingestellt, manche Tiere brauchen zusätzlich ein zweites Mittel.

Eiweißverlust über die Niere verringern

Geht dauerhaft Eiweiß über den Urin verloren, spricht das für einen ungünstigeren Verlauf. Dagegen gibt es Wirkstoffe wie Telmisartan, das in der EU seit 2013 für Katzen zugelassen ist und dir als Semintra begegnen kann, oder Benazepril. In einer Vergleichsstudie an 224 Katzen senkte Telmisartan den Eiweißverlust im Urin zuverlässig, und beide Wirkstoffe wurden gut vertragen. Was diese Studie nicht gezeigt hat, ist ein längeres Leben: Belegt ist die Senkung eines Risikowerts, nicht ein Überlebensvorteil durch das Medikament selbst. Das ist kein Grund, es wegzulassen, aber ein Grund, die Erwartung realistisch zu halten.

Übelkeit, Appetit und Kalium

Vieles von dem, was eine nierenkranke Katze quält, lässt sich direkt behandeln. Gegen Übelkeit und Erbrechen gibt es wirksame Mittel, ebenso gegen Magenbeschwerden, und wenn der Appetit einbricht, kommen appetitanregende Wirkstoffe infrage. Sinkt das Kalium im Blut ab, was bei dieser Erkrankung häufig passiert und Katzen schlapp und muskelschwach macht, lässt es sich als Zusatz ersetzen. Welche dieser Bausteine deine Katze braucht, entscheidet die Tierärztin oder der Tierarzt anhand der Werte und deiner Beobachtungen zu Hause. Erzähle deshalb konkret, was sich verändert hat, wie viel gefressen wird, wie oft erbrochen wird, ob geputzt und gespielt wird.

Wie die Aussichten sein können und wie lange eine Katze damit leben kann

Sehr viele Katzen leben nach der Diagnose noch Jahre, und sie leben diese Zeit gut. Die Erkrankung ist nicht heilbar, aber sie ist behandelbar, und die häufigste Situation ist nicht der schnelle Abschied, sondern eine lange, ruhige Wegstrecke mit regelmäßigen Kontrollen.

Zahlen dazu gibt es, sie sind aber breit gestreut. In der großen Auswertung britischer Tierarztpraxen lebte die eine Hälfte der Katzen nach der Diagnose länger als etwa ein Jahr, die andere kürzer, und dahinter verbergen sich sehr unterschiedliche Verläufe: Ein Viertel der Tiere lebte noch fast drei Jahre und länger, ein anderes Viertel nur wenige Monate. In dieser Zahl stecken alle Stadien zusammen, von der früh entdeckten bis zur erst spät erkannten Erkrankung. Eine verlässliche Tabelle nach dem Muster "Stadium X bedeutet Y Monate" gibt es aus guten Studien nicht, auch wenn solche Zahlen im Internet kursieren.

Die Richtung ist gut belegt: Je früher die Erkrankung erkannt wird und je besser Blutdruck, Eiweißverlust und Fütterung im Griff sind, desto länger lebt eine Katze im Schnitt. Und ein Durchschnitt über tausende Tiere sagt nichts darüber, wie es deiner Katze ergeht. Sie ist kein Mittelwert, sondern ein Einzelfall mit ihrem eigenen Alter, ihrem eigenen Stadium und ihren eigenen Begleiterkrankungen. Wer das für sie einschätzen kann, ist die Praxis, die sie kennt und ihre Werte über die Zeit verfolgt.

Wenn es der Katze zunehmend schlechter geht

Im späten Verlauf lässt sich mit Behandlung immer weniger ausgleichen, und das zeigt sich vor allem im Alltag. Die Katze frisst trotz Appetitanregern kaum noch, verliert weiter Gewicht und wirkt ausgetrocknet, das Fell wird struppig, weil sie sich nicht mehr putzt. Sie erbricht häufiger, riecht unangenehm aus dem Maul, bekommt manchmal wunde Stellen im Maul, ist schwach, zieht sich zurück und sucht kühle, versteckte Plätze. Manche Katzen rutschen in eine schwere Krise, in der die Abbaustoffe im Blut sie richtiggehend vergiften, mit Teilnahmslosigkeit, Zittern oder Krampfanfällen. Das ist ein Notfall und gehört sofort in die Tierarztpraxis.

Wie lange eine Katze in dieser Phase noch hat, lässt sich seriös nicht vorhersagen, weder in Wochen noch in Tagen. Was sich verlässlich beobachten lässt, ist das Befinden von Tag zu Tag, und genau darauf kommt es jetzt an.

Wann Einschläfern eine gute Entscheidung sein kann

Diese Frage stellen sich fast alle Halter:innen irgendwann. Es gibt keinen festen Wert und kein Stadium, ab dem es so weit wäre, denn die Entscheidung hängt nicht am Kreatinin, sondern an der Lebensqualität deiner Katze.

Hilfreich ist, dafür ein paar konkrete Dinge über mehrere Tage zu beobachten und aufzuschreiben: Frisst und trinkt sie noch von selbst? Putzt sie sich? Sucht sie Kontakt, reagiert sie auf dich, interessiert sie sich noch für ihre gewohnten Plätze und Rituale? Kann sie sich ohne Mühe bewegen und das Katzenklo erreichen? Hat sie Schmerzen, ist ihr ständig übel, hat sie mehr schlechte als gute Tage? Wenn die schlechten Tage überwiegen und sich das trotz Behandlung nicht mehr dreht, ist das der Punkt, an dem viele Halter:innen zu Recht über einen Abschied nachdenken.

Sprich offen mit der Tierärztin oder dem Tierarzt darüber, bevor es eine Notsituation gibt. Die Praxis kennt deine Katze, kann einordnen, ob noch etwas hilft, und mit dir besprechen, wie ein ruhiger Abschied aussehen kann, auch zu Hause. Ein Einschläfern zur rechten Zeit ist eine der wenigen Möglichkeiten, einem Tier Leiden zu ersparen, und es ist eine liebevolle Entscheidung, keine aufgegebene.

Und beim Menschen?

Eine chronische Nierenschwäche wird beim Menschen ebenfalls in Stadien eingeteilt, nur über andere Blutwerte. Siehe Nierenversagen beim Menschen.

Quellen

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BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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