CNI ist die Abkürzung für chronische Niereninsuffizienz. Gemeint ist eine Erkrankung, bei der die Nieren einer Katze über Monate bis Jahre langsam an Leistung verlieren und Abfallstoffe nicht mehr zuverlässig aus dem Blut filtern. Das geschädigte Nierengewebe erholt sich nicht wieder, heilbar ist die CNI also nicht. Trotzdem ist sie keine Diagnose, nach der es sofort zu Ende geht: Viele Katzen leben mit der richtigen Betreuung noch lange und gut damit. Betroffen sind vor allem alte Tiere, die meisten sind bei der Diagnose weit über zehn Jahre alt.
CNI, CKD und chronische Nierenerkrankung meinen dasselbe
Wenn du dich einliest oder mehrere Befunde vergleichst, begegnen dir schnell drei verschiedene Bezeichnungen für ein und dieselbe Sache. CKD steht für den englischen Fachbegriff chronic kidney disease, also chronische Nierenerkrankung, und wird auch im Deutschen benutzt, weil die internationale Fachwelt so schreibt. Niereninsuffizienz ist der ältere Ausdruck; Insuffizienz heißt so viel wie Schwäche oder Unzulänglichkeit und betont, dass die Funktion nachlässt. Heute wird fachlich meist von chronischer Nierenerkrankung gesprochen, weil sich damit auch frühe Formen beschreiben lassen, in denen die Niere noch fast normal arbeitet und trotzdem schon verändert ist. Für dich ändert die Schreibweise nichts: CNI, CKD und chronische Nierenerkrankung stehen auf dem Befund deiner Katze für dieselbe Erkrankung.
Woran du bei deiner Katze etwas merkst
Nieren haben große Reserven, deshalb fällt lange nichts auf. Das früheste Zeichen, das Halter:innen selbst bemerken können, ist meist ein schleichender Gewichtsverlust, der oft schon Jahre vor der Diagnose beginnt und sich dann beschleunigt. Später kommen die bekannteren Zeichen dazu: Die Katze trinkt mehr und setzt größere Mengen Urin ab, frisst weniger, wirkt matt und zurückgezogen, das Fell wird struppig, manche erbrechen. In einer großen Auswertung britischer Tierarztpraxen zeigten gut zwei Drittel der Katzen bereits solche Beschwerden, als die Erkrankung festgestellt wurde. Wenn deine Katze älter ist und du eines dieser Zeichen siehst, ist ein Bluttest in der Tierarztpraxis der schnellste Weg zur Klärung.
Was die Stadien 1 bis 4 bedeuten
Ist die Diagnose gestellt, wird die Erkrankung einem von vier Stadien zugeordnet. Diese Einteilung stammt von der International Renal Interest Society, kurz IRIS, einer internationalen Fachgruppe, die dafür weltweit einheitliche Regeln festgelegt hat. Stadium 1 steht für eine ganz frühe Veränderung, Stadium 4 für eine weit fortgeschrittene.
Eingeteilt wird nach zwei Blutwerten. Kreatinin ist ein Abbauprodukt aus dem Muskelstoffwechsel, das gesunde Nieren zuverlässig ausscheiden; steigt es an, arbeiten sie schlechter. SDMA ist ein zweiter Wert, der eine nachlassende Nierenleistung oft früher anzeigt als Kreatinin, dabei aber kein sicherer Frühtest ist und für sich allein auch in die Irre führen kann. Gemessen wird an mindestens zwei verschiedenen Tagen und nur bei einer Katze, der es gerade stabil geht und die gut mit Flüssigkeit versorgt ist, denn ein einzelner Wert an einem schlechten Tag sagt wenig.
Zu der Zahl von 1 bis 4 kommen zwei Zusatzangaben, die du auf dem Befund findest. Die eine beschreibt, wie viel Eiweiß die Niere in den Urin verliert, die andere den Blutdruck, der bei älteren Katzen oft erhöht ist und unbehandelt Augen, Herz und die Niere selbst schädigen kann. Beides hilft mit vorherzusagen, wie die Erkrankung weitergeht, und beides ist behandelbar.
Ein Stadium 2 im Befund klingt nach viel, ist aber der Normalfall: Die meisten Katzen werden genau dort erkannt, wenn die Beschwerden noch mild sind und sich viel bewegen lässt.
Wie die Aussichten sein können
Eine belastbare Tabelle nach dem Muster "Stadium 3 bedeutet so und so viele Monate" gibt es nicht, auch wenn solche Zahlen im Internet kursieren. Auf eine verlässliche Studie lässt sich keine davon zurückführen, deshalb solltest du ihnen nicht zu viel Gewicht geben. Gut belegt ist dagegen die Richtung: Je früher die Erkrankung erkannt und behandelt wird, desto länger bleibt es der Katze gut.
Wie viel Zeit im Einzelfall bleibt, geht weit auseinander. In der erwähnten britischen Praxisstudie lebte die Hälfte aller Katzen nach der Diagnose noch länger als gut ein Jahr, ein Viertel der Katzen kam auf knapp drei Jahre und mehr, ein anderes Viertel nur auf wenige Monate. Diese Zahlen fassen alle Stadien und alle Altersgruppen zusammen und sagen nichts darüber, wie es deiner Katze gehen wird. Was der Verlauf tatsächlich hergibt, hängt vom Stadium bei der Diagnose ab, von Begleiterkrankungen und davon, wie gut sich Fütterung, Blutdruck und Flüssigkeitsversorgung einstellen lassen.
Behandelt wird deshalb nicht gegen die Ursache, sondern gegen das Fortschreiten und gegen die Beschwerden. Eine Nierendiät, ausreichend Trinken, die Kontrolle von Eiweißverlust und Blutdruck sowie regelmäßige Nachkontrollen sind die Bausteine, mit denen sich am meisten gewinnen lässt. Frag beim nächsten Termin konkret nach dem Stadium, nach dem Eiweißwert im Urin und danach, ob der Blutdruck gemessen wurde, denn gerade diese beiden Zusatzwerte werden im Alltag oft ausgelassen.
Und beim Menschen?
Beim Menschen heißt das chronische Nierenerkrankung und wird ebenfalls über Blutwerte in Stadien eingeteilt. Siehe Nierenversagen beim Menschen.
Quellen
International Renal Interest Society. IRIS Staging of CKD (modified 2026). IRIS Ltd. 2026. Quelle.
Conroy M, Brodbelt DC, O'Neill D, Chang YM, Elliott J. Chronic kidney disease in cats attending primary care practice in the UK: a VetCompass study. Vet Rec. 2019;184(17):526. PubMed.
Freeman LM, Lachaud MP, Matthews S, Rhodes L, Zollers B. Evaluation of weight loss over time in cats with chronic kidney disease. J Vet Intern Med. 2016;30(5):1661-1666. PubMed.
Scobie C, Dean R, Stavisky J, Plüddemann A. Diagnostic accuracy of symmetric dimethylarginine for chronic kidney disease in cats and dogs: a systematic review. Vet Rec. 2026;198(7):e299-e314. PubMed.