Nierenversagen – Gefahr für den ganzen Körper

Nierenversagen – Gefahr für den ganzen Körper

05.01.2026

PD Dr. med. Witold Polanski

Nierenversagen bedeutet, dass die Nieren ihre Aufgabe, das Blut von Abfallstoffen zu reinigen und den Wasserhaushalt zu regulieren, nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr erfüllen können.

Was passiert bei Nierenversagen?

Die Nieren sind lebenswichtige Organe. Sie filtern das Blut, steuern den Flüssigkeitshaushalt und sorgen dafür, dass schädliche Stoffe über den Urin ausgeschieden werden. Wenn sie versagen, sammeln sich Abfallprodukte und überschüssiges Wasser im Körper an. Das kann zu ernsthaften Problemen führen, weil wichtige Funktionen wie die Regulation von Blutdruck, Salzhaushalt und Säure-Basen-Gleichgewicht gestört werden.

Man unterscheidet grundsätzlich zwei Formen: ein akutes Nierenversagen tritt plötzlich auf, oft innerhalb weniger Stunden oder Tage. Ein chronisches Nierenversagen entwickelt sich dagegen schleichend über Monate oder Jahre.

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Wie macht sich Nierenversagen bemerkbar?

Die Beschwerden hängen davon ab, wie schnell und wie stark die Nierenfunktion nachlässt. Bei einem akuten Verlauf kommt es häufig zu plötzlicher Wassereinlagerung, weniger oder gar keinem Urin, Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit und manchmal auch Verwirrtheit. Manchmal bleibt ein beginnendes Nierenversagen lange unbemerkt, weil die Symptome unspezifisch sind. Erst wenn die Nierenleistung deutlich eingeschränkt ist, treten deutliche Zeichen auf: starker Juckreiz, blasse Haut, Atemnot oder Herzprobleme können entstehen.

Bei einer chronischen Schädigung entwickeln sich die Beschwerden langsam. Viele Betroffene bemerken zunächst nur Abgeschlagenheit, Konzentrationsprobleme oder Appetitlosigkeit. Mit der Zeit können Bluthochdruck, Knochenschmerzen und ein unangenehmer Geschmack im Mund dazukommen. Weil die Nieren viele Aufgaben haben, betrifft ihr Ausfall den gesamten Körper.

Ursachen: Warum versagen die Nieren?

Ein akutes Nierenversagen entsteht meist durch plötzliche Ereignisse, die die Durchblutung der Nieren stören oder die Nieren direkt schädigen. Häufige Auslöser sind starker Blutverlust, schwere Infektionen, Herzschwäche oder Nebenwirkungen von Medikamenten wie Schmerzmitteln oder bestimmten Antibiotika.

Chronisches Nierenversagen ist in den meisten Fällen die Folge von langjährigen Grunderkrankungen. Besonders häufig sind Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) und Bluthochdruck verantwortlich. Auch chronische Entzündungen der Nieren, angeborene Erkrankungen oder wiederholte Harnwegsinfekte können den schleichenden Funktionsverlust verursachen.

Ist Nierenversagen gefährlich?

Ein vollständiges Nierenversagen ist lebensbedrohlich. Die Abfallstoffe, die sonst mit dem Urin ausgeschieden werden, reichern sich im Körper an und können Organe schädigen. Besonders gefährlich wird es, wenn sich Wasser in der Lunge oder im Herzbeutel staut oder der Kaliumspiegel im Blut stark ansteigt. Das kann zu Herzrhythmusstörungen führen. Auch eine chronische Einschränkung ist ernst zu nehmen, weil sie das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und andere Komplikationen deutlich erhöht.

So wird Nierenversagen festgestellt

Die Diagnose beginnt meist mit einer Blutuntersuchung. Dabei werden Stoffe gemessen, die normalerweise von den Nieren ausgeschieden werden, zum Beispiel Kreatinin und Harnstoff. Ist deren Konzentration erhöht, deutet das auf eine eingeschränkte Nierenfunktion hin. Zusätzlich wird der Urin untersucht. Hier zeigt sich, ob Eiweiß, Blut oder andere auffällige Stoffe vorhanden sind.

Bildgebende Verfahren wie Ultraschall helfen, die Größe und Struktur der Nieren zu beurteilen. Manchmal sind weitere Untersuchungen nötig, um die genaue Ursache zu finden, etwa eine Gewebeprobe (Biopsie) oder spezielle Bluttests. Die sogenannte glomeruläre Filtrationsrate, kurz GFR, gibt an, wie gut die Nieren das Blut filtern. Sie ist ein wichtiger Wert, um das Ausmaß des Schadens einzuschätzen.

Behandlungsmöglichkeiten bei Nierenversagen

Welche Therapie infrage kommt, hängt davon ab, wie schwer die Nieren betroffen sind und ob sich der Schaden rückgängig machen lässt. Bei einem akuten Nierenversagen steht die Behandlung der Ursache im Vordergrund: Zum Beispiel wird der Flüssigkeitshaushalt ausgeglichen, der Blutdruck stabilisiert oder schädliche Medikamente abgesetzt. In manchen Fällen erholen sich die Nieren wieder vollständig.

Bei einer chronischen Schädigung geht es darum, das Fortschreiten zu bremsen. Dazu gehört, den Blutdruck gut einzustellen, den Blutzucker zu kontrollieren und auf eine salzarme, eiweißbewusste Ernährung zu achten. Medikamente können helfen, den Wasserhaushalt und den Mineralstoffwechsel zu regulieren. In fortgeschrittenen Stadien, wenn die Nieren fast gar nicht mehr arbeiten, wird eine Dialyse (Blutwäsche) notwendig. In manchen Fällen ist eine Nierentransplantation die beste Lösung.

Was kann man selbst tun?

Wer bereits weiß, dass die Nieren geschwächt sind, sollte auf eine gesunde Lebensweise achten. Dazu zählt, genügend zu trinken, aber nicht zu viel, wenn der Arzt es anders empfiehlt. Eine ausgewogene Ernährung mit wenig Salz und Eiweiß entlastet die Nieren. Regelmäßige Bewegung, Rauchstopp und das Vermeiden von Schmerzmitteln ohne Rücksprache sind ebenfalls wichtig.

Blutdruck und Blutzucker sollten regelmäßig kontrolliert werden. Wer unsicher ist, welche Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel erlaubt sind, sollte immer nachfragen. Bei ersten Anzeichen wie Wassereinlagerungen, ungewöhnlicher Müdigkeit oder verändertem Urin lohnt sich ein Arztbesuch.

Ängste und häufige Fragen

Viele Menschen erschrecken, wenn sie von Nierenversagen lesen oder die Diagnose erhalten. Die Vorstellung, auf eine Dialyse angewiesen zu sein oder eine Transplantation zu benötigen, macht Angst. Doch nicht jedes Nierenversagen führt zwangsläufig zu diesen Maßnahmen. Gerade bei einer frühzeitigen Erkennung und guter Behandlung lässt sich das Fortschreiten oft bremsen. Auch mit einer chronischen Einschränkung kann ein weitgehend normales Leben möglich sein, wenn die Therapie konsequent umgesetzt wird.

Wichtig ist, sich gut zu informieren und im Zweifel nachzufragen. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den behandelnden Ärzten hilft, Unsicherheiten zu klären und gemeinsam Lösungen zu finden. Wer Fragen zur Ernährung, Medikamenten oder Alltagssorgen hat, sollte diese offen ansprechen – so lassen sich viele Ängste nehmen und die Behandlung besser auf die eigenen Bedürfnisse abstimmen.

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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