Semintra ist ein flüssiges Medikament für Katzen mit dem Wirkstoff Telmisartan, das den Druck in den winzigen Filtern der Niere senkt, sodass weniger Eiweiß über den Urin verloren geht. In der höher dosierten Form wird es außerdem gegen Bluthochdruck eingesetzt. Es wird einmal täglich als Lösung ins Maul gegeben und ist verschreibungspflichtig, du bekommst es also nur über die Tierarztpraxis und nicht rezeptfrei im Handel.
Was Semintra in der Niere bewirkt
Um zu verstehen, was das Mittel tut, hilft ein Blick auf die Niere selbst. Sie besteht aus hunderttausenden winzigen Filtereinheiten, den Nierenkörperchen, durch die das Blut hindurchgepresst wird. Was durchgeht, wird zu Urin, alles Wertvolle bleibt im Blut zurück.
Warum der Druck im Filter zählt
Der Körper regelt den Druck in diesen Filtern über einen eigenen Botenstoff namens Angiotensin II, der Blutgefäße enger stellt. Bei einer kranken Niere ist dieser Botenstoff dauerhaft zu aktiv, und der Druck in den verbliebenen Filtern steigt, weil sie die Arbeit der schon zerstörten mitübernehmen müssen. Telmisartan besetzt die Andockstelle, an der dieser Botenstoff wirkt, und schaltet ihn damit an der Gefäßwand aus. Das Gefäß hinter dem Filter bleibt weiter gestellt, der Druck im Filter sinkt, und die überlasteten Einheiten bekommen etwas Entlastung. Genau derselbe Mechanismus senkt in der höheren Wirkstärke auch den Blutdruck im ganzen Körper.
Warum Eiweiß im Urin ein Problem ist
Ein gesunder Nierenfilter hält Eiweiß im Blut zurück, dort gehört es hin. Findet die Tierärztin oder der Tierarzt in einer Urinprobe deiner Katze auffällig viel Eiweiß, ist das ein Zeichen dafür, dass die Filter undicht geworden sind. Das Eiweiß ist dabei nicht nur ein Anzeiger, sondern schadet auch selbst: Auf dem Weg durch die feinen Kanälchen hinter dem Filter reizt es das Gewebe und treibt die Vernarbung voran. Katzen, die viel Eiweiß über den Urin verlieren, haben deshalb im Schnitt einen ungünstigeren Verlauf als Katzen, bei denen der Wert niedrig ist. Diesen Eiweißverlust zu senken, ist die eigentliche Aufgabe von Semintra.
Wofür das Mittel zugelassen ist
Telmisartan ist in der EU seit 2013 für Katzen zugelassen, um den Eiweißverlust über die Niere bei einer chronischen Nierenerkrankung zu senken. 2018 kam eine höhere Wirkstärke dazu, mit der zusätzlich Bluthochdruck bei Katzen behandelt werden darf. An diesem Stand hat sich seither nichts geändert. Deine Katze kann das Mittel also aus zwei ganz unterschiedlichen Gründen bekommen haben, und es lohnt sich zu wissen, welcher davon bei ihr zutrifft, denn danach richtet sich auch, was kontrolliert wird.
Zugelassen ist Semintra ausschließlich für Katzen. Für Hunde gibt es zwar Untersuchungen, aber keine Zulassung, weshalb du ein Präparat für die Katze niemals einfach auf einen Hund im selben Haushalt übertragen darfst.
Was belegt ist und was nicht
Bei einem Medikament, das eine Katze womöglich jahrelang bekommt, gehört die ehrliche Version dazu. In der Zulassungsstudie, einer Untersuchung an 224 Katzen mit chronischer Nierenerkrankung über ein halbes Jahr, senkte Telmisartan den Eiweißverlust im Urin messbar, und zwar zu jedem Kontrollzeitpunkt. Das Vergleichsmittel Benazepril, ein älterer Wirkstoff mit ähnlichem Ansatz, erreichte in derselben Untersuchung keine so eindeutige Senkung. Beide wurden gut vertragen.
Was diese Untersuchung nicht gemessen hat, ist die Lebenszeit. Sie zeigt, dass ein Risikowert sinkt, nicht, dass Katzen dadurch länger leben oder die Nierenerkrankung nachweislich langsamer fortschreitet. Weil ein hoher Eiweißverlust mit einem ungünstigeren Verlauf einhergeht, dürfte es der Niere nützen, ihn zu senken, sicher belegt ist dieser Nutzen aber nicht. Du behandelst also einen gut messbaren Wert, dessen langfristiger Gewinn plausibel, aber nicht bewiesen ist. Anders sieht es aus, wenn deine Katze das Mittel gegen Bluthochdruck bekommt: Dass unbehandelter Bluthochdruck Organe schädigt, allen voran die Augen bis hin zur plötzlichen Erblindung, ist gut belegt, und ihn zu senken ist unstrittig sinnvoll.
Nebenwirkungen und was kontrolliert wird
Die meisten Katzen vertragen Telmisartan gut, und in der halbjährigen Zulassungsstudie traten keine besorgniserregenden Häufungen auf. Am ehesten kommt es zu milden Reaktionen im Magen-Darm-Bereich, also Erbrechen kurz nach der Gabe, weicherer Kot oder Durchfall. Solche Reaktionen sind meist vorübergehend, und oft hilft es schon, das Mittel zusammen mit etwas Futter zu geben. Seltener sinkt der Blutdruck stärker ab als gewollt, was du daran merken kannst, dass deine Katze matt, wacklig oder auffällig ruhig wirkt. Auch die Nierenwerte können sich nach dem Therapiestart verschieben.
Genau deshalb gehören Kontrollen zur Behandlung dazu. Die Tierarztpraxis schaut sich nach dem Start und dann in regelmäßigen Abständen die Nierenwerte im Blut an, misst den Eiweißgehalt im Urin und den Blutdruck. Diese drei zusammen zeigen, ob das Mittel tut, was es soll. Wenn deine Katze in den ersten Tagen deutlich schlapper wird, schlecht frisst oder wiederholt erbricht, ist das ein Grund, in der Praxis anzurufen, statt abzuwarten.
Wie und wie lange man es gibt
Semintra ist eine Lösung, die mit einer Dosierspritze direkt ins Maul gegeben wird, meist einmal am Tag. Wie viel deine Katze bekommt, hängt an ihrem Gewicht und an der Wirkstärke der Flasche, und beides legt die Tierärztin oder der Tierarzt fest. Deshalb findest du hier bewusst keine Milliliterangabe: Eine selbst geschätzte Menge, eine Restflasche von einer anderen Katze oder die Dosierung aus einem Onlinerechner können bei einem Tier mit kranken Nieren echten Schaden anrichten. Wenn deine Katze zu- oder abnimmt, was bei Nierenerkrankungen häufig passiert, muss die Menge angepasst werden, also sag Gewichtsveränderungen in der Praxis an.
Morgens oder abends
Eine belegte Regel, ob morgens oder abends besser ist, gibt es nicht. Was zählt, ist ein einigermaßen gleichbleibender Zeitpunkt, damit der Wirkstoff möglichst gleichmäßig im Körper vorhanden ist. Nimm also die Tageszeit, die zu deinem Alltag passt und die du auch in einem hektischen Monat noch schaffst, denn Regelmäßigkeit bringt hier mehr als die perfekte Uhrzeit. Ist eine Gabe einmal vergessen worden, gibst du die nächste einfach zur gewohnten Zeit und verdoppelst nicht.
Wie lange die Behandlung läuft
Eine chronische Nierenerkrankung heilt nicht aus, und Telmisartan ist keine Kur über ein paar Wochen. Solange das Mittel hilft und gut vertragen wird, wird es in aller Regel dauerhaft weitergegeben, oft über Jahre, begleitet von Kontrollterminen alle paar Monate. Abgesetzt oder umgestellt wird es nach tierärztlicher Entscheidung, etwa wenn der Blutdruck zu weit fällt oder sich die Werte anders entwickeln als erhofft. Auf eigene Faust zu pausieren, weil es der Katze gerade gut geht, ist der häufigste Fehler, denn das Nachlassen der Wirkung sieht man ihr nicht an.
Können schlechte Nierenwerte wieder besser werden
Ja, Nierenwerte können sich wieder verbessern, und trotzdem steckt hinter dieser Frage eine Verwechslung, die viel Kummer macht. Entscheidend ist, ob die Niere chronisch krank oder akut geschädigt ist.
Chronisch krank: der Schaden bleibt, die Werte können sinken
Bei einer chronischen Nierenerkrankung ist Gewebe über Monate bis Jahre zugrunde gegangen, und diese Filtereinheiten wachsen nicht nach. Der Schaden selbst ist also nicht rückgängig zu machen. Die Blutwerte können aber sehr wohl sinken, und zwar oft deutlich: wenn deine Katze wieder ausreichend Flüssigkeit bekommt, wenn eine Austrocknung, ein Infekt oder ein zu hoher Blutdruck behandelt wird, oder wenn eine Nierendiät gefüttert wird, für die es unter allen Maßnahmen die besten Daten zum Überleben gibt. Bessere Werte heißen dann, dass die Situation der Niere besser ist, nicht, dass die Erkrankung weg ist. Genau darauf zielt die Behandlung: den Verlauf verlangsamen und der Katze möglichst lange gute Zeit verschaffen.
Akut geschädigt: hier ist eine Erholung möglich
Anders liegt der Fall bei einer akuten Nierenschädigung, etwa nach einer Vergiftung, einem verstopften Harnweg oder einem schweren Kreislaufeinbruch. Hier ist die Niere plötzlich aus dem Tritt geraten, und wenn schnell und richtig behandelt wird, kann sich die Funktion teilweise oder sogar ganz erholen. Deshalb ist es keine Kleinigkeit, wenn eine Tierärztin oder ein Tierarzt zwischen diesen beiden Möglichkeiten unterscheiden will und dafür Verlaufskontrollen ansetzt, statt einen einzelnen erhöhten Wert zu bewerten.
Was Semintra dabei leistet
Semintra spielt bei dieser Frage übrigens eine andere Rolle, als viele erwarten. Es ist nicht dafür da, die Nierenwerte im Blut zu drücken, sondern den Eiweißverlust und gegebenenfalls den Blutdruck zu senken. Wenn du beim nächsten Termin nach etwas fragen willst, dann nach diesen drei Zahlen: Nierenwerte im Blut, Eiweiß im Urin und Blutdruck. Sie werden in der Praxis erfahrungsgemäß seltener erhoben, als es sinnvoll wäre, und sie sind es, an denen sich ablesen lässt, ob die Behandlung deiner Katze wirklich etwas bringt.
Quellen
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