Meloxicam bei Katzen: mehr als nur Metacam

Meloxicam bei Katzen: mehr als nur Metacam

Meloxicam ist ein entzündungshemmendes Schmerzmittel für Tiere und der eigentliche Wirkstoff in bekannten Präparaten wie Metacam oder Melosus. Wenn also auf dem Fläschchen deiner Katze ein Markenname steht und du im Internet auf den Begriff Meloxicam stößt, geht es um ein und dieselbe Substanz unter verschiedenen Namen. Verschiedene Hersteller bieten sie an, teils unter eigenen Markennamen, teils schlicht als Meloxicam. Verschreibungspflichtig sind sie alle, denn die Menge muss für jede Katze einzeln berechnet werden.

Was Meloxicam im Körper deiner Katze macht

Meloxicam gehört zu den nichtsteroidalen Entzündungshemmern, die auf Packungen und Beipackzetteln oft als NSAID oder NSAR abgekürzt werden. Nichtsteroidal heißt dabei nur, dass es sich nicht um Kortison handelt, sondern um eine andere Gruppe von Wirkstoffen. Sie greifen dort ein, wo Schmerz entsteht: Bei einer Entzündung, etwa in einem abgenutzten Gelenk oder in frisch operiertem Gewebe, bildet der Körper Botenstoffe, die das Gewebe anschwellen lassen und die Schmerzfasern deutlich empfindlicher machen. Meloxicam bremst die Bildung dieser Botenstoffe, und dadurch lassen Schmerz, Schwellung und Wärme nach.

Für die Katze heißt das ganz praktisch: Sie kommt leichter hoch, springt wieder auf ihre gewohnten Plätze, putzt sich mehr und zieht sich weniger zurück. Die Ursache verschwindet dadurch nicht, ein abgenutztes Gelenk bleibt abgenutzt, aber die Beschwerden werden erträglicher.

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Wofür Meloxicam bei Katzen eingesetzt wird

Es gibt zwei sehr unterschiedliche Anwendungen, und sie hängen an zwei unterschiedlich zugelassenen Produktarten. Das ist der Punkt, an dem im Internet die meiste Verwirrung entsteht.

Die Spritze rund um eine Operation

Die Injektionslösung wird in der Tierarztpraxis unter die Haut gespritzt, üblicherweise im Zusammenhang mit einer Operation wie einer Kastration, damit die Katze danach weniger Schmerzen hat. Für Katzen ist diese Spritze als einmalige Gabe zugelassen, in Europa ebenso wie in den USA. Ob danach noch etwas zum Eingeben mitgegeben wird, hängt vom genau verwendeten Präparat ab und entscheidet die Tierärztin oder der Tierarzt, nicht der Beipackzettel eines anderen Produkts.

Die Tropfen für den Alltag

Die Suspension zum Eingeben, also die dickflüssigen Tropfen mit der beiliegenden Spritze, ist in der EU und in Großbritannien ein eigenständig zugelassenes Produkt mit einer eigenen Anwendung: akute und chronische Schmerzen am Bewegungsapparat, in der Praxis meist Arthrose bei älteren Katzen. Sie darf hier also ausdrücklich auch dauerhaft gegeben werden, einmal täglich, solange die Behandlung tierärztlich begleitet und regelmäßig überprüft wird (Stand der europäischen und britischen Zulassungstexte: April 2024).

In den USA ist das anders. Dort gibt es kein zugelassenes Meloxicam zum Eingeben für die Dauerbehandlung von Katzen, und die Zulassung der Spritze trägt eine ausdrückliche Warnung gegen jede weitere Gabe (Stand des US-Beipackzettels: Dezember 2023). Das ist ein Unterschied zwischen zwei Arzneimittelmärkten und kein wissenschaftlicher Widerspruch. Für deine Katze in Deutschland gilt die europäische Zulassung und vor allem das, was in der Tierarztpraxis für sie persönlich verordnet wurde.

Warum Katzen Schmerzmittel anders vertragen als wir

Die Leber einer Katze arbeitet anders als unsere. Ein wichtiger Entgiftungsweg, mit dem Menschen und Hunde viele Medikamente unschädlich machen und über die Nieren ausscheiden, fehlt der Katze: Das dafür nötige Gen ist bei ihr eine funktionslose Bauanleitung, und auch von den verwandten Enzymen hat sie weniger Varianten als andere Tiere. Deshalb bleiben manche Wirkstoffe bei ihr länger im Körper und in einer Form, die schaden kann.

Genau deshalb ist Paracetamol für Katzen lebensgefährlich, und zwar schon in Mengen, die für einen Menschen völlig harmlos wären. Es schädigt bei der Katze das Blut, das dann keinen Sauerstoff mehr richtig transportieren kann, und die Leber dazu. Auch Ibuprofen, Diclofenac und Aspirin haben in einer Katze nichts zu suchen. Gib deiner Katze niemals ein Schmerzmittel aus der eigenen Hausapotheke, auch nicht "nur ein bisschen" und auch nicht, wenn sie sichtbar leidet und du am Wochenende keine Praxis erreichst. Der Notdienst ist der richtige Weg.

Katzen bauen auch Meloxicam langsamer ab als Hunde, und der Abstand zwischen einer wirksamen und einer schädlichen Menge ist bei ihnen schmaler. Zwischen einer wirksamen und einer schädlichen Menge liegt weniger Spielraum, und deshalb wird bei Katzen so genau gerechnet.

Wie die Dosierung zustande kommt

Die Menge richtet sich nach dem Gewicht deiner Katze und wird von der Tierarztpraxis berechnet, bei längerer Anwendung auf die kleinste Menge eingestellt, die noch spürbar hilft. Zahlen aus dem Internet helfen dir dabei nicht, im Gegenteil: Die Präparate sind unterschiedlich stark konzentriert, weshalb eine Angabe in Tropfen oder Millilitern immer nur für genau eine Flasche stimmt.

Deshalb gilt: Gib die Tropfen nur mit der Spritze, die dieser Flasche beiliegt, und lies die Markierung, die dir die Praxis gezeigt hat. Ein Präparat für Hunde darf niemals einer Katze gegeben werden, auch nicht in scheinbar heruntergerechneter Menge, weil hier die schwerwiegendsten Vergiftungen entstehen. Und Reste einer alten Verordnung, für ein anderes Tier oder eine frühere Erkrankung, sind kein Ersatz für eine neue Untersuchung.

Wie schnell es wirkt und wie lange es gegeben wird

Der Wirkstoff verteilt sich rasch im Körper, sodass eine erste Erleichterung oft schon in den ersten Tagen zu sehen ist. Ein gleichmäßiger Spiegel im Blut stellt sich aber erst nach etwa zwei Tagen ein, und darum lohnt es sich, die Wirkung nicht nach der ersten Gabe zu beurteilen. Weil Katzen den Wirkstoff schneller abbauen als Hunde, wird er einmal täglich gegeben, am besten immer zur selben Zeit und zusammen mit etwas Futter.

Wie lange die Behandlung läuft, hängt vom Anlass ab. Nach einer Operation geht es um wenige Tage. Bei Arthrose kann Meloxicam über Monate oder Jahre gegeben werden, und Fachleute halten das bei vielen Katzen für sinnvoll, weil dauerhafte Schmerzen die Lebensqualität stark drücken und bei Katzen leicht übersehen werden. Eine solche Dauerbehandlung gehört allerdings zusammen mit regelmäßigen Kontrollen, meist einer Untersuchung und Blutwerten vor dem Start und danach in vereinbarten Abständen. Setze das Mittel nicht eigenmächtig ab, aber melde dich, wenn es dir nicht mehr nötig oder nicht mehr verträglich scheint.

Welche Nebenwirkungen möglich sind

Am häufigsten trifft es den Magen-Darm-Trakt: Die Katze frisst weniger oder gar nicht mehr, erbricht, hat Durchfall oder wirkt matt und teilnahmslos. Seltener kommen Blut im Kot, veränderte Leberwerte oder eine Verschlechterung der Nierenfunktion vor. In den offiziellen europäischen Angaben sind all diese Reaktionen als sehr selten eingestuft, also bei weniger als einer von 10.000 behandelten Katzen, wobei solche Meldesysteme die tatsächliche Häufigkeit erfahrungsgemäß eher untertreiben. Meist zeigen sich Probleme in der ersten Behandlungswoche und verschwinden wieder, sobald das Mittel abgesetzt wird. In sehr seltenen Fällen können sie schwer verlaufen.

Meloxicam darf nicht mit einem anderen Entzündungshemmer oder mit Kortison zusammen gegeben werden, und beim Wechsel von einem anderen Mittel braucht es eine Pause dazwischen. Auch eine Katze, die zu wenig trinkt, austrocknet oder einen niedrigen Blutdruck hat, verträgt es schlecht, weil dann die Durchblutung der Nieren ohnehin schon knapp ist.

Wann du noch am selben Tag anrufen solltest

Wenn deine Katze unter der Behandlung das Fressen einstellt, wiederholt erbricht, Durchfall bekommt, auffällig viel oder auffällig wenig trinkt und uriniert oder ungewöhnlich schlapp ist, gib das Mittel nicht weiter und melde dich in der Tierarztpraxis. Dunkler, teerartiger Kot oder Blut im Erbrochenen gehören sofort abgeklärt. Frühes Handeln macht hier den Unterschied, weil sich die meisten dieser Reaktionen nach dem Absetzen wieder zurückbilden.

Meloxicam und die Nieren

Viele ältere Katzen haben beides: schmerzende Gelenke und eine chronische Nierenerkrankung. Der Beipackzettel ist an dieser Stelle streng und nennt eine eingeschränkte Nierenfunktion als Gegenanzeige. Die Fachwelt sieht es differenzierter. Eine aktuelle Leitlinie internationaler Katzenmedizin-Fachverbände und eine Auswertung von Katzen, die über lange Zeit niedrig dosiertes Meloxicam bekamen, beschreiben eine solche Behandlung bei stabiler, überwachter Nierenerkrankung als vertretbar. In dieser rückblickenden Auswertung lebten Katzen mit einer vorbestehenden Nierenerkrankung unter der Behandlung nicht kürzer als die übrigen Tiere. Eine Gruppe unbehandelter Katzen zum Vergleich gab es dabei nicht, deshalb lässt sich daraus kein Beweis für die Unbedenklichkeit ableiten, wohl aber ein beruhigendes Signal.

Das ist kein Freibrief, sondern eine Abwägung, die deine Tierärztin oder dein Tierarzt für deine Katze trifft, mit Blutwerten vor dem Start und regelmäßigen Kontrollen danach. Denn dauerhafte Schmerzen schaden der Lebensqualität ebenfalls. Wenn bei deiner Katze beides zusammenkommt, sprich diesen Punkt beim nächsten Termin gezielt an und frag, welche Werte kontrolliert werden und woran ihr merken würdet, dass die Behandlung angepasst werden muss.

Quellen

Taylor S, et al. 2024 ISFM and AAFP consensus guidelines on the long-term use of NSAIDs in cats. Journal of Feline Medicine and Surgery. 2024;26(4):1098612X241241951. Quelle

Gowan RA, et al. A retrospective analysis of the effects of meloxicam on the longevity of aged cats with and without overt chronic kidney disease. Journal of Feline Medicine and Surgery. 2012;14(12):876-881. Quelle

Court MH, Greenblatt DJ. Molecular genetic basis for deficient acetaminophen glucuronidation by cats: UGT1A6 is a pseudogene, and evidence for reduced diversity of expressed hepatic UGT1A isoforms. Pharmacogenetics. 2000;10(4):355-369. Quelle

Veterinary Medicines Directorate. Meloxicam 0.5 mg/mL Oral Suspension for Cats: Summary of Product Characteristics. UK Product Information Database, revidiert April 2024. Quelle

US Food and Drug Administration, Center for Veterinary Medicine. Meloxicam 5 mg/mL Solution for Injection for dogs and cats: Package Insert, ANADA #200-727, revidiert Dezember 2023. Quelle

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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