So erkennst du Arthrose bei deiner Katze

So erkennst du Arthrose bei deiner Katze

Arthrose ist eine chronische Gelenkerkrankung, bei der sich der Knorpel im Gelenk abbaut, der angrenzende Knochen sich verändert und das Gelenk immer wieder entzündet ist. Das tut dauerhaft weh, und zwar auch dann, wenn deine Katze nach außen hin ganz normal wirkt. Denn anders als Hunde humpeln Katzen dabei meistens nicht. Sie springen nur nicht mehr auf die Fensterbank, schlafen mehr, putzen sich weniger und mögen plötzlich nicht mehr angefasst werden. Heilbar ist Arthrose nicht, aber sie lässt sich oft über Jahre so gut behandeln, dass eine Katze wieder gut durch ihren Alltag kommt.

Warum Arthrose bei Katzen so oft unentdeckt bleibt

Der Alltagsbegriff "Gelenkverschleiß" führt in die Irre, denn es geht nicht nur um abgenutzten Knorpel wie bei einem Schuh, der durchgelaufen ist. Im arthrotischen Gelenk laufen Abbau, knöcherner Umbau und Entzündung gleichzeitig ab. Die Entzündung ist ein wichtiger Schmerztreiber, aber nicht der einzige: Auch der Knochen unter dem Knorpel, die Gelenkkapsel, Bänder und verspannte Muskeln tragen dazu bei, und bei langem Verlauf reagieren die Schmerznerven selbst empfindlicher.

Wie häufig das bei Katzen vorkommt, überrascht die meisten Halter:innen. In einer Untersuchung, bei der 100 Katzen ab sechs Jahren an allen Gliedmaßengelenken geröntgt wurden, zeigten 61 von 100 Tieren Arthrose in mindestens einem Gelenk, 48 sogar in mehreren. Betroffen waren vor allem Schultern, Ellbogen, Hüften und Sprunggelenke. Die Autor:innen der Studie nannten diese Häufigkeit auffallend hoch, und im Praxisalltag wird sie trotzdem oft übersehen.

Das liegt daran, dass Katzen ihre Schmerzen kaum offen zeigen. Sie verändern lieber ihr Verhalten, als zu humpeln. Bei 64 Katzen mit gesicherter Arthrose im Kniegelenk ließ sich bei der Untersuchung nur an einem Fünftel bis knapp einem Drittel der betroffenen Gelenke überhaupt Schmerz auslösen, und je nach Gelenk hinkte nur ein Fünftel bis gut die Hälfte der Tiere. Wenn deine Katze also weder lahmt noch bei Berührung zusammenzuckt, heißt das noch lange nicht, dass ihre Gelenke in Ordnung sind. "Sie ist halt alt geworden" ist deshalb die häufigste Fehleinschätzung bei diesem Krankheitsbild, denn das Langsamerwerden ist in vielen Fällen kein Alter, sondern Schmerz.

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Woran du Arthrose bei deiner Katze erkennst

Die Zeichen sind fast immer Verhaltensänderungen, und sie kommen so schleichend, dass sie im gemeinsamen Alltag untergehen. Hilfreich ist deshalb der Vergleich über die Zeit: Wie ist deine Katze vor zwei Jahren die Treppe hoch, wie springt sie heute? Ein kurzes Handyvideo vom Sprung aufs Sofa oder vom Gang durch den Flur sagt in der Tierarztpraxis oft mehr als jede Beschreibung.

Sie springt nicht mehr so hoch wie früher

Das ist das früheste und deutlichste Zeichen. Lieblingsplätze auf dem Schrank oder der Fensterbank werden aufgegeben, der Sprung aufs Sofa wird in zwei Etappen genommen, oder deine Katze setzt lange an, bevor sie springt. Auch das Landen kann sich verändern, weil das Abfangen mit den Vorderbeinen wehtut. Manche Katzen meiden zusätzlich Treppen oder gehen sie langsam und Stufe für Stufe.

Das Fell wird stumpf oder verfilzt

Sich zu putzen bedeutet, sich zu drehen, zu strecken und den Kopf weit herumzubiegen. Wenn Schultern, Hüfte oder Rücken schmerzen, lässt die Katze genau die Stellen aus, an die sie schlecht herankommt, und das Fell wird dort struppig oder verfilzt. Umgekehrt lecken manche Tiere ausgerechnet über einem schmerzenden Gelenk auffällig viel.

Sie schläft mehr und zieht sich zurück

Mehr Schlaf, weniger Spiel, weniger Interesse an dem, was in der Wohnung passiert: Das wirkt wie ein ruhiger gewordener Senior, ist aber oft Schonverhalten. Dazu kommt häufig eine kürzere Zündschnur. Katzen, die sich früher gern hochheben oder am Rücken kraulen ließen, fauchen jetzt, drehen den Kopf weg oder verschwinden, sobald jemand nach ihnen greift.

Sie geht neben die Katzentoilette

Über einen hohen Rand zu steigen und sich zum Koten hinzuhocken, belastet Hüften, Knie und Sprunggelenke deutlich. Wenn eine Katze, die jahrelang sauber war, plötzlich daneben macht, steckt dahinter oft weder Protest noch Stress. Schmerzende Gelenke sind eine mögliche Erklärung, weil der hohe Rand der Toilette zur Hürde wird. Genauso können aber Blase, Harnwege, Nieren oder der Magen-Darm-Trakt dahinterstecken, und gerade bei Katern ist erschwerter Harnabsatz ein Notfall. Deshalb gehört plötzliche Unsauberkeit immer erst in die Tierarztpraxis, bevor man sie den Gelenken zuschreibt. Genau dieser Zusammenhang zwischen Unsauberkeit und Arthrose ließ sich auch in der Röntgenstudie an den 100 Katzen zeigen.

Wie Arthrose bei Katzen entsteht

Meist ohne fassbare Ursache

Bei Katzen ist Arthrose überwiegend idiopathisch. Das heißt, dass sich keine auslösende Ursache finden lässt, auch wenn gründlich gesucht wird. Anders als beim Hund, bei dem oft eine angeborene Gelenkfehlstellung oder ein Kreuzbandriss am Anfang steht, bleibt bei vielen Katzen offen, warum die Gelenke sich verändert haben. Alter spielt eine Rolle, Übergewicht belastet die Gelenke zusätzlich, und frühere Verletzungen können ein einzelnes Gelenk vorschädigen.

Hüftgelenksdysplasie

Bei einer Hüftgelenksdysplasie ist die Hüftpfanne zu flach angelegt, sodass der Oberschenkelkopf nicht sauber darin sitzt und das Gelenk sich mit der Zeit abnutzt. Viele kennen das vom Hund, bei Katzen wird es unterschätzt, obwohl es wahrscheinlich häufiger vorkommt als lange angenommen. Erschwerend kommt hinzu, dass oft beide Hüften betroffen sind. Weil dann keine Seite auffällig schlechter läuft als die andere, sieht man kein Hinken, sondern nur eine Katze, die insgesamt weniger macht, schwerer hochkommt und beim Koten ungern in die Hocke geht.

Scottish Fold

Die Genveränderung, die Scottish-Fold-Katzen ihre gefalteten Ohren gibt, betrifft nicht nur den Ohrknorpel, sondern den Knorpel im ganzen Körper und kann zu schweren, schmerzhaften Gelenkveränderungen an Pfoten, Sprunggelenken und Schwanz führen. Alle Scottish Folds tragen diese Veränderung in sich. Erkranken tut daran aber nur ein kleinerer Teil von ihnen, und wie stark, ist sehr unterschiedlich. Wenn du eine Scottish Fold hast, lohnt sich also aufmerksames Beobachten, ohne dass ein schwerer Verlauf ausgemachte Sache wäre.

Was in der Tierarztpraxis passiert

Am Anfang steht die klinische Untersuchung: Wie bewegt sich die Katze im Raum, wie beweglich sind die einzelnen Gelenke, reagiert sie beim Abtasten und Beugen empfindlich. Dazu kommen in der Regel Röntgenaufnahmen der verdächtigen Gelenke, auf denen sich knöcherne Anbauten und ein verschmälerter Gelenkspalt zeigen.

Röntgenbild und Schmerz passen bei Katzen allerdings erstaunlich schlecht zusammen. Ein Gelenk mit ausgeprägten Veränderungen auf dem Bild kann wenig wehtun, ein kaum auffälliges Gelenk dagegen stark. Deshalb ist ein Röntgenbild nie die ganze Antwort auf die Frage, wie sehr deine Katze leidet, und deine Beobachtungen aus dem Alltag sind für die Einschätzung mindestens genauso wichtig wie die Aufnahme. Häufig werden zusätzlich Blut und Harn untersucht. Das dient nicht der Diagnose der Arthrose selbst, sondern klärt, wie gut die Nieren arbeiten, bevor über eine dauerhafte Schmerzbehandlung entschieden wird.

Was du zu Hause sofort verändern kannst

Die Umgebung an eine steife Katze anzupassen, kostet nichts, wirkt sofort und ist fester Bestandteil der Behandlung, nicht nur eine nette Ergänzung. Das Prinzip ist simpel: Alles, was deine Katze braucht, soll ohne großen Sprung erreichbar sein.

Stelle einen Hocker, eine Kiste oder eine flache Rampe vor die Lieblingsplätze, sodass aus einem hohen Sprung zwei kleine Stufen werden. Eine Katzentoilette mit niedrigem oder seitlichem Einstieg nimmt den schmerzhaftesten Teil des Toilettengangs heraus, und eine zweite Toilette auf der Wohnebene, auf der deine Katze sich gerade aufhält, erspart ihr den Weg über die Treppe. Näpfe für Futter und Wasser dürfen leicht erhöht stehen, weil das tiefe Herunterbeugen Nacken und Schultern belastet. Und weil viele Katzen mit steifen Gelenken die Krallen nicht mehr richtig abnutzen, lohnt der regelmäßige Blick auf die Pfoten, damit die Krallen nicht einwachsen.

Das Gewicht gehört ebenfalls hierher, denn jedes Kilo zu viel wirkt bei jedem Schritt auf die schmerzenden Gelenke. Eine Diät solltest du bei einer Katze aber nie im Alleingang starten, sondern mit der Tierarztpraxis planen, weil Katzen nicht zu schnell abnehmen dürfen. Bewegung bleibt trotz der Schmerzen wichtig, damit die Muskulatur die Gelenke weiter stützt. Kurze, sanfte Spieleinheiten mehrmals am Tag sind besser als ein einziges wildes Toben, das am nächsten Tag Muskelkater und Steifheit hinterlässt.

Was Hausmittel können und was nicht

Wärme tut arthrotischen Gelenken gut. Ein weicher, gut gepolsterter Liegeplatz an einem zugfreien, warmen Ort, gern in der Nähe der Heizung, und ein Kissen oder eine Decke statt der harten Fensterbank sind mehr wert, als es klingt. Wenn deine Katze es mag, hilft vorsichtiges Bürsten an den Stellen, an die sie selbst nicht mehr kommt, und ruhiges Streicheln der Muskulatur neben den Gelenken. Was sie dagegen ablehnt, wird nicht erzwungen, denn ein schmerzhaftes Gelenk zu bewegen oder zu kneten macht es schlimmer.

Was Hausmittel nicht können, ist die Schmerzbehandlung ersetzen. Arthroseschmerz entsteht durch eine Entzündung im Gelenk, und dagegen kommen Wärme und weiche Decken ab einem gewissen Punkt nicht mehr an. Wenn deine Katze weniger springt, sich schlechter putzt oder gereizt reagiert, gehört das in die Tierarztpraxis und nicht in den Selbstversuch.

Schmerzmittel aus deinem eigenen Medikamentenschrank sind dabei tabu. Gib deiner Katze niemals auf eigene Faust ein Schmerzmittel für Menschen, weil Katzen Wirkstoffe anders verarbeiten als wir und die Dosis, die für uns harmlos ist, sie schwer schädigen kann. Ibuprofen und Diclofenac sind für Katzen besonders gefährlich. Paracetamol ist für Katzen schon in kleinsten Mengen lebensbedrohlich und darf ihnen unter keinen Umständen gegeben werden. Wenn deine Katze versehentlich an eine Tablette gekommen ist, ruf sofort in einer Tierarztpraxis oder Tierklinik an, auch nachts.

Schmerzmittel und weitere Behandlungen

Arthrose wird auf mehreren Wegen gleichzeitig angegangen: angepasste Umgebung, Gewicht, Bewegung und Medikamente greifen ineinander, und keine dieser Säulen ersetzt die andere.

Entzündungshemmende Schmerzmittel

Am besten belegt sind die entzündungshemmenden Schmerzmittel, in der Fachsprache NSAID genannt. Sie dämpfen die Entzündung im Gelenk und damit den Schmerz. Bei Katzen ist dabei einiges zu beachten, was die aktuelle gemeinsame Leitlinie der Katzenmediziner:innen von ISFM und AAFP aus dem Jahr 2024 ausdrücklich anspricht: Katzen bauen Medikamente anders ab als Hunde oder Menschen, und eine chronische Nierenerkrankung ist bei älteren Katzen ausgesprochen häufig. Deshalb werden Nieren und Leber vor einer Dauertherapie überprüft und unter der Behandlung regelmäßig kontrolliert. Für den Langzeiteinsatz bei der Katze nennt die Leitlinie Meloxicam und Robenacoxib als bevorzugte Wirkstoffe. Meloxicam kennen viele Halter:innen unter dem Namen Metacam, Robenacoxib als Onsior, und es gibt jeweils auch andere Präparate mit demselben Wirkstoff.

Die Dosis richtet sich nach Gewicht, Nierenwerten und Begleiterkrankungen und wird deshalb immer individuell verordnet und mit der mitgelieferten Spritze oder Pipette gegeben. Reste aus einer alten Packung, das Präparat des Hundes aus demselben Haushalt oder eine geschätzte Menge sind gefährlich. Reicht ein NSAID allein nicht aus, gibt es weitere Medikamente, etwa Gabapentin, die zusätzlich eingesetzt werden können. Ob das sinnvoll ist, entscheidet die Tierärztin oder der Tierarzt anhand der einzelnen Katze.

Die monatliche Spritze gegen den Schmerz

Seit einigen Jahren gibt es für Katzen mit Arthroseschmerz zusätzlich einen Antikörper, der monatlich unter die Haut gespritzt wird. Der Wirkstoff heißt Frunevetmab und wird als Solensia verkauft. Er fängt einen körpereigenen Botenstoff ab, der Schmerzsignale aus dem Gelenk verstärkt, und wirkt damit anders als ein NSAID. Interessant ist das vor allem für Katzen, die sich nicht zuverlässig eingeben lassen, oder bei denen die Nieren gegen eine dauerhafte NSAID-Gabe sprechen. Ob das für deine Katze passt und was dabei zu beachten ist, besprichst du am besten in der Tierarztpraxis.

Gelenkpräparate, Omega-3 und Spezialfutter

Gelenkpräparate und Ergänzungsfutter kosten über die Jahre einiges, und die Studienlage dazu ist bei Katzen dünn. Ergebnisse aus Hundestudien lassen sich nicht einfach übertragen, zumal sie sich dort teils widersprechen und manche Untersuchung vom Hersteller finanziert wurde. Etwas besser sieht es für spezielle Gelenkdiäten aus: Eine Studie mit 30 Katzen über 13 Wochen fand unter einem Futter mit hohem Anteil an Omega-3-Fettsäuren, Kurkuma-Extrakt und Kollagen eine messbare Verbesserung von Belastung und Beweglichkeit gegenüber einem Vergleichsfutter, ohne dass Nebenwirkungen auftraten. Der Futterhersteller war an der Studie beteiligt und die Gruppe war klein, unabhängig bestätigt ist das Ergebnis also noch nicht. Ein Versuch über einige Wochen kann sich lohnen, ein Ersatz für Gewichtsmanagement oder verordnete Schmerzmittel ist ein Ergänzungsfuttermittel aber nicht.

Wenn eine Operation infrage kommt

Die allermeisten Katzen kommen ohne Operation gut zurecht. Wenn eine Hüfte trotz konsequenter Behandlung dauerhaft starke Schmerzen macht, gibt es chirurgische Möglichkeiten, bei denen der schmerzende Oberschenkelkopf entfernt oder das Hüftgelenk durch ein künstliches ersetzt wird. Das ist eine Entscheidung für den Einzelfall, die eine orthopädisch erfahrene Praxis oder Tierklinik gemeinsam mit dir trifft.

Wie die Aussichten sind und wie lange eine Katze damit leben kann

Arthrose lässt sich nicht heilen, und die Veränderungen an den Gelenken bilden sich nicht zurück. Im Alltag heißt das für viele Katzen trotzdem: Das Ziel der Behandlung ist nicht ein makelloses Röntgenbild, sondern eine Katze, die ihren Tag wieder ohne Schmerz bewältigt. Genau das gelingt bei vielen Tieren über Jahre, wenn Umgebung, Gewicht und Schmerzbehandlung zusammenpassen und regelmäßig nachjustiert werden.

Der beste Maßstab dafür bist du selbst, weil du deine Katze jeden Tag siehst. Frisst sie gut, bewegt sie sich gern, sucht sie Kontakt, pflegt sie ihr Fell, kommt sie an ihre Lieblingsplätze? Wenn sich diese Dinge über Wochen verschlechtern, ist die Behandlung nicht mehr passend eingestellt und gehört überprüft, nicht hingenommen. Schreib dir vor dem nächsten Termin auf, was sich verändert hat, nimm ein kurzes Video mit, und frag konkret nach den Nierenwerten und danach, ob die Schmerzbehandlung angepasst werden sollte. Damit hat die Tierärztin oder der Tierarzt genau das in der Hand, was auf keinem Röntgenbild zu sehen ist.

Und beim Menschen?

Der Umbau im Gelenk läuft beim Menschen genauso ab. Für einen eigenen Befund findest du die Erklärung unter Arthrose beim Menschen.

Quellen

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BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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