Onsior bei Katzen: Akut oder dauerhaft anwenden

Onsior bei Katzen: Akut oder dauerhaft anwenden

Onsior ist ein verschreibungspflichtiges Schmerzmittel für Katzen mit dem Wirkstoff Robenacoxib. Es lindert nicht nur Schmerzen, sondern dämpft auch die Entzündung, aus der diese Schmerzen entstehen, und wird deshalb zu den entzündungshemmenden Schmerzmitteln gezählt. Verordnet wird es bei Katzen vor allem nach Operationen und bei schmerzenden, entzündeten Gelenken.

Wie viel deine Katze davon bekommt und wie lange, hängt von ihrem Gewicht, ihrem Alter und möglichen Vorerkrankungen ab und wird in der Tierarztpraxis festgelegt. Tabletten, die für einen Hund verschrieben wurden, sind dabei niemals ein Ersatz.

Ist Onsior entzündungshemmend?

Ja. Robenacoxib gehört zu einer Gruppe von Medikamenten, die man in der Human- wie in der Tiermedizin nichtsteroidale Entzündungshemmer nennt, weil sie ohne Kortison auskommen. Sie setzen an der Stelle an, an der Schmerz entsteht: Verletztes oder gereiztes Gewebe bildet Botenstoffe, die es anschwellen, heiß werden und wehtun lassen. Robenacoxib bremst die Produktion dieser Botenstoffe, sodass die Entzündung zurückgeht und der Schmerz mit ihr nachlässt. Das ist ein anderer Weg als bei reinen Schmerzmitteln, die nur die Weiterleitung des Schmerzes dämpfen und die Ursache unberührt lassen.

Für die Herstellung dieser Botenstoffe gibt es im Körper zwei sehr ähnliche Werkzeuge, COX-1 und COX-2. COX-1 arbeitet ständig und im Hintergrund, es schützt unter anderem die Magenschleimhaut und hilft, die Durchblutung der Nieren stabil zu halten. COX-2 dagegen wird vor allem dort hochgefahren, wo eine Entzündung sitzt. Robenacoxib trifft gezielt das zweite, entzündungsbezogene Werkzeug und lässt das schützende weitgehend in Ruhe. Dazu kommt eine praktische Eigenschaft: Der Wirkstoff verschwindet aus dem Blut schnell wieder, sammelt sich aber im entzündeten Gewebe und hält dort etwa einen Tag lang an. Genau deshalb reicht eine Gabe pro Tag, obwohl im Blut kaum noch etwas nachweisbar ist.

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Wann eine Tierarztpraxis das Mittel verordnet

Für Katzen ist Onsior in Tablettenform zur Behandlung von Schmerzen und Entzündungen bei Erkrankungen des Bewegungsapparates zugelassen, also bei allem, was Knochen, Gelenke, Muskeln und Sehnen betrifft. Zugelassen ist es dabei ausdrücklich sowohl für akute Beschwerden, etwa eine frische Verletzung oder ein plötzlich schmerzendes Gelenk, als auch für chronische, also dauerhafte Probleme wie eine Arthrose, bei der die Gelenke verschlissen sind und immer wieder entzündet schmerzen. Diese Doppelzulassung wird oft übersehen, obwohl gerade viele ältere Katzen mit steifen, schmerzenden Gelenken davon profitieren.

Der zweite große Einsatzbereich sind Operationen. Nach orthopädischen Eingriffen, also Operationen an Knochen und Gelenken, dürfen die Tabletten zur Linderung mäßiger Schmerzen gegeben werden, üblicherweise als einmalige Gabe vor dem Eingriff und danach noch für kurze Zeit. Von Onsior gibt es außerdem eine Injektionslösung, die in der Tierarztpraxis gespritzt wird. Bei Katzen ist diese Spritze allerdings nur für Weichteiloperationen zugelassen, also für Eingriffe an Organen, Haut und Gewebe wie eine Kastration, nicht für Operationen an Knochen und Gelenken. Bei Hunden ist das anders geregelt, was einer der Gründe ist, warum sich Angaben zu Hund und Katze nicht übertragen lassen.

Wie lange darf man Onsior einer Katze geben?

Für akute und für chronische Beschwerden gelten dabei ganz unterschiedliche Vorgaben.

Bei einem akuten Problem ist die Behandlung mit den Tabletten auf höchstens sechs Tage begrenzt. Rund um eine Operation ist der Zeitraum noch kürzer: eine Gabe vor dem Eingriff und danach höchstens zwei weitere Tage, so wie es die Tierarztpraxis anordnet.

Bei einer chronischen Erkrankung wie einer Arthrose gibt es dagegen keine feste Tageszahl. Wie lange deine Katze das Mittel bekommt, legt die Tierärztin oder der Tierarzt individuell fest und überprüft es in regelmäßigen Abständen, meist zusammen mit einer Kontrolle von Blut- und Nierenwerten. Ob die Behandlung wirklich etwas bringt, zeigt sich üblicherweise innerhalb von drei bis sechs Wochen. Bessert sich nach sechs Wochen nichts, wird sie beendet und stattdessen nach einem anderen Weg gesucht. Setze eine Dauerbehandlung nie eigenmächtig ab oder fort, sondern halte die vereinbarten Kontrolltermine ein, denn sie sind der Grund, warum eine lange Gabe überhaupt vertretbar ist.

Ob es hilft, erkennst du bei einer Katze selten am Gang. Schmerzen zeigen sich eher im Verhalten: Sie springt wieder aufs Fensterbrett, putzt sich gründlicher, sucht Nähe, frisst besser oder schläft ruhiger. Solche Beobachtungen sind für die Kontrolltermine wertvoll, deshalb lohnt es sich, sie zwischendurch kurz zu notieren.

Wie die Tabletten gegeben werden

Warum es hier keine Dosierung zum Nachlesen gibt

Die richtige Menge richtet sich nach dem Körpergewicht deiner Katze und wird von der Tierarztpraxis verordnet, die dabei auch Alter, Vorerkrankungen und andere Medikamente berücksichtigt. Eine allgemeine Angabe wäre an dieser Stelle nicht hilfreich, sondern gefährlich, weil schon ein kleiner Unterschied im Gewicht bei einem Tier von wenigen Kilogramm viel ausmacht. Gib deshalb genau das, was auf der Verpackung oder im Behandlungsplan steht, und frag lieber einmal zu viel in der Tierarztpraxis nach, wenn dir etwas unklar ist. Bei Katzen unter vier Monaten und bei sehr leichten Tieren unter 2,5 Kilogramm ist das Mittel nicht untersucht.

Niemals eine Tablette vom Hund

Onsior gibt es für Hunde und für Katzen, und die Tabletten sehen sich ähnlich. Die Wirkstoffmengen sind aber völlig verschieden. Eine Hundetablette darf niemals an eine Katze verfüttert werden, auch nicht geteilt oder halbiert. Das Gleiche gilt umgekehrt und für Reste aus einer alten Packung, die für ein anderes Tier verschrieben wurde. Wenn versehentlich doch etwas Falsches im Napf gelandet ist, ruf sofort in der Tierarztpraxis an, auch wenn deine Katze noch munter wirkt.

Morgens oder abends?

Eine Regel, dass Onsior morgens oder abends gegeben werden muss, gibt es nicht. Das Mittel wird einmal täglich gegeben, und weil es am entzündeten Gewebe rund einen Tag lang wirkt, ist es sinnvoll, ungefähr bei derselben Tageszeit zu bleiben. Such dir also den Zeitpunkt aus, der in deinen Alltag passt und an dem deine Katze gut erreichbar und entspannt ist, und halte ihn dann bei. Falls die Tierarztpraxis dir eine bestimmte Uhrzeit oder eine bestimmte Handhabung genannt hat, gilt selbstverständlich diese Anweisung. Und wenn das Eingeben schwierig ist und deine Katze die Tablette regelmäßig ausspuckt, sag in der Tierarztpraxis Bescheid, statt auf eigene Faust zu experimentieren.

Nebenwirkungen bei der Katze

Was am häufigsten vorkommt

Am häufigsten reagiert der Magen-Darm-Trakt. Milder, vorübergehender Durchfall, weicher Kot oder Erbrechen treten bei Katzen häufig auf, das heißt bei bis zu einer von zehn behandelten Katzen. In der Regel sind diese Beschwerden leicht und gehen von selbst wieder zurück.

Was selten ist, aber ernst genommen wird

Sehr selten, also bei weniger als einer von zehntausend Katzen, wird ein Tier auffallend teilnahmslos und müde. Ebenfalls sehr selten wurden nach der Zulassung Anstiege der Nierenwerte und Nierenfunktionsstörungen gemeldet. Beobachtet wurde das eher bei älteren Katzen und bei Tieren, die gleichzeitig eine Narkose oder eine Beruhigungsspritze bekommen haben.

Wann du noch am selben Tag anrufen solltest

Melde dich in der Tierarztpraxis, wenn deine Katze mehrfach erbricht, der Durchfall nicht nach kurzer Zeit aufhört, Blut im Kot ist oder der Kot schwarz und teerartig aussieht. Das Gleiche gilt, wenn sie länger als einen Tag gar nichts frisst, ungewöhnlich matt und zurückgezogen wirkt, plötzlich auffällig viel trinkt oder viel uriniert. Diese Zeichen bedeuten nicht zwangsläufig, dass etwas Schlimmes passiert ist, aber sie gehören abgeklärt, bevor du die nächste Tablette gibst.

Nieren, Alter und Vorerkrankungen

Bei Katzen verdienen die Nieren besondere Aufmerksamkeit, weil viele ältere Tiere eine chronische Nierenerkrankung haben, oft ohne dass es jemandem aufgefallen wäre. Daraus folgt aber kein pauschales Verbot. Die gemeinsame Leitlinie der internationalen Fachgesellschaften für Katzenmedizin ISFM und AAFP hält entzündungshemmende Schmerzmittel bei chronischen Schmerzen der Katze für wirksam und für die erste Wahl. Sie verlangt allerdings, dass vor Beginn gründlich untersucht wird, dass während der Behandlung regelmäßig kontrolliert wird und dass andere Medikamente, die die Katze bekommt, mitbedacht werden. Ob eine Katze mit eingeschränkter Nierenfunktion das Mittel bekommen kann, ist deshalb keine Ja-oder-Nein-Frage aus dem Beipackzettel, sondern eine Abwägung, die deine Tierärztin oder dein Tierarzt für dein Tier trifft.

Erhöhte Aufmerksamkeit ist außerdem geboten, wenn eine Katze Herz-, Nieren- oder Leberprobleme hat, ausgetrocknet ist oder einen niedrigen Blutdruck hat, wie er während und nach einer Narkose vorkommen kann. In einer Untersuchung an Katzen, die zur Kastration in Narkose lagen, zeigte sich bei den Nierenwerten kein Unterschied zwischen Robenacoxib und einem anderen gebräuchlichen Entzündungshemmer, während die Narkose selbst den Kreislauf deutlich belastete. Nicht das Schmerzmittel allein ist also das Risiko, sondern die Kombination aus Kreislaufschwäche und Medikament. Genau deshalb bekommen Katzen bei Operationen eine Infusion und werden überwacht, und genau deshalb sollte eine Katze, die zu Hause plötzlich nicht mehr trinkt oder frisst, keine weitere Tablette bekommen, bevor die Tierarztpraxis Bescheid weiß.

Was deine Katze auf keinen Fall zusätzlich bekommen darf

Onsior darf nicht zusammen mit Kortison und nicht zusammen mit einem zweiten entzündungshemmenden Schmerzmittel gegeben werden, weil sich die Belastung für Magen und Nieren dadurch aufschaukelt. Auch beim Wechsel von einem anderen Entzündungshemmer auf Onsior gehört mindestens ein Tag Pause dazwischen. Wenn deine Katze noch andere Medikamente bekommt, etwa entwässernde Mittel oder Blutdruckmedikamente, muss die Tierarztpraxis das wissen. Bei einem bestehenden Magen- oder Darmgeschwür sowie bei trächtigen und säugenden Katzen ist das Mittel nicht erlaubt.

Viele Halter:innen greifen in guter Absicht zum eigenen Medikamentenschrank, und genau das geht bei Katzen schnell schief. Paracetamol ist für Katzen akut gefährlich, weil ihrer Leber ein Enzym fehlt, mit dem Menschen und Hunde diesen Stoff abbauen. Nach anerkanntem tiermedizinischem Wissen können schon kleine Mengen lebensbedrohlich werden. Auch Ibuprofen, Diclofenac und Acetylsalicylsäure gehören niemals ohne ausdrückliche tierärztliche Anweisung an eine Katze. Hat deine Katze so etwas erwischt, ist das ein Notfall, bei dem schnelles Handeln zählt: sofort in der Tierarztpraxis oder in der Tierklinik anrufen, auch nachts.

Was du im Blick behalten kannst

Zwei Dinge machen die Behandlung sicher und wirksam. Das eine ist Verlässlichkeit beim Geben: die verordnete Menge, einmal am Tag, ungefähr zur gleichen Zeit, ohne eigene Anpassungen. Das andere ist dein Blick auf die Katze zwischen den Terminen, auf Fressen, Trinken, Kot und Verhalten. Nimm diese Beobachtungen mit zur nächsten Kontrolle und frag dort konkret nach, wie lange die Behandlung geplant ist, wann die nächsten Blutwerte anstehen und woran du erkennen würdest, dass es Zeit ist, vorher anzurufen.

Quellen

Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA). Onsior (Robenacoxib), Zusammenfassung der Merkmale des Tierarzneimittels, EU-Zulassung EU/2/08/089, deutsche Fassung. Fachinformation.

Taylor S, Gruen M, KuKanich K, Lascelles BDX, Monteiro BP, Sampietro LR, Robertson S, Steagall PV. 2024 ISFM and AAFP consensus guidelines on the long-term use of NSAIDs in cats. J Feline Med Surg. 2024;26(4):1098612X241241951. PubMed.

Pelligand L, King JN, Toutain PL, Elliott J, Lees P. Pharmacokinetic/pharmacodynamic modelling of robenacoxib in a feline tissue cage model of inflammation. J Vet Pharmacol Ther. 2012;35(1):19-32. PubMed.

Krekis A, King JN, D'Arcy-Howard D, Stapleton N, Elliott J, Pelligand L. Effect of meloxicam or robenacoxib administration timing on renal function and postoperative analgesia in cats undergoing ovariohysterectomy: a randomized, blinded, controlled clinical trial. J Vet Pharmacol Ther. 2024;47(3):175-186. PubMed.

Park SW, Kim K, Lee JW, Do YJ, Ro WB, Lee CM. Presumed acute myocardial damage in a British Shorthair cat with previously diagnosed hypertrophic cardiomyopathy. Ir Vet J. 2026;79(1):33. PubMed.

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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