Warum die Spritze einmal im Monat für Katzen so praktisch ist
Wer schon einmal versucht hat, einer Katze jeden Tag eine Tablette oder ein paar Tropfen zu geben, weiß, wie schnell daraus ein Kampf wird. Viele Katzen spucken das Mittel aus, lassen sich nach ein paar Tagen gar nicht mehr einfangen, oder das Vertrauen zwischen Tier und Mensch leidet. Bei einer Erkrankung wie Arthrose, die dauerhaft behandelt wird, entscheidet genau das oft darüber, ob eine Therapie überhaupt durchgehalten wird.
Solensia wird nicht zu Hause gegeben, sondern in der Tierarztpraxis gespritzt, und zwar ungefähr einmal im Monat. Damit fällt die tägliche Prozedur weg, und dafür nehmen viele Halter:innen den monatlichen Weg in die Praxis gern in Kauf. Nebenbei sieht die Tierärztin oder der Tierarzt deine Katze so regelmäßig und merkt früh, wenn sich etwas verändert.
Wie lange eine Spritze vorhält
Der Abstand von etwa vier Wochen ist kein Zufall, sondern der Rhythmus, in dem der Antikörper in den Studien und in der Zulassung eingesetzt wurde. Eine Injektion soll also den Monat bis zur nächsten überbrücken. Wie schnell eine Besserung sichtbar wird, ist von Katze zu Katze unterschiedlich; in der Zulassungsstudie wurde nach der ersten Gabe im Abstand von einigen Wochen beurteilt, und viele Tiere wurden über mehrere Monate hinweg weiterbehandelt. Wenn nach zwei bis drei Spritzen nichts erkennbar besser ist, lohnt sich das Gespräch darüber, ob die Behandlung so weitergeführt wird.
Wenn die Nieren nicht mehr richtig mitmachen
Sehr viele ältere Katzen haben eine chronische Nierenerkrankung, bei der die Nieren dauerhaft weniger leisten. Das ist der Punkt, an dem Solensia für viele Katzen überhaupt erst interessant wird. Die klassischen entzündungshemmenden Schmerzmittel, die sogenannten NSAIDs, können die Durchblutung der Niere beeinträchtigen und werden deshalb bei eingeschränkter Nierenfunktion nur zurückhaltend oder gar nicht dauerhaft eingesetzt. Für eine alte Katze mit schmerzenden Gelenken und kranken Nieren bleibt damit wenig übrig.
Ein Antikörper wird im Körper anders verarbeitet als eine Schmerztablette und greift nicht in den Stoffwechselweg ein, der bei NSAIDs zur Vorsicht zwingt. Deshalb gilt Frunevetmab als eine der wenigen praktikablen Möglichkeiten, Arthroseschmerz bei Katzen mit Nierenproblemen zu behandeln. Das heißt nicht, dass er für Nierenkatzen automatisch unbedenklich wäre: Die Nierenerkrankung selbst muss weiter kontrolliert werden, und ob die Behandlung im Einzelfall passt, entscheidet die Tierärztin oder der Tierarzt nach Untersuchung und Blutwerten.
Wie gut Solensia wirkt
In der Zulassungsstudie bekamen rund 275 Katzen mit Arthrose entweder Frunevetmab oder eine Scheinbehandlung, also eine Spritze ohne Wirkstoff, und niemand wusste während der Studie, welche Katze was bekommen hatte. Die Katzen unter dem Wirkstoff bewegten sich messbar besser als die Katzen der Vergleichsgruppe, sowohl nach der Einschätzung ihrer Halter:innen als auch bei der tierärztlichen Untersuchung der Gelenke. Der Unterschied war real, aber eher klein bis mittelgroß, und nicht jede behandelte Katze profitierte.
Auffällig war noch etwas anderes: Auch in der Gruppe mit der Scheinspritze berichteten viele Halter:innen von einer deutlichen Besserung. Das ist bei Arthrose gut bekannt und kein Zeichen von Unehrlichkeit. Wer sein Tier behandeln lässt und hofft, schaut genauer hin, wertet gute Tage stärker und sieht Fortschritte, die eine Messung so nicht bestätigen würde. Für dich heißt das vor allem: Ein ehrlicher Vergleich braucht ruhige Beobachtung über Wochen, am besten an konkreten Dingen, etwa ob deine Katze wieder aufs Fensterbrett springt, sich ausgiebiger putzt oder abends wieder mitkommt.
Warum Erfahrungsberichte aus dem Internet so schwer einzuordnen sind
In Foren und Gruppen findest du zu Solensia sehr begeisterte und sehr erschrockene Berichte, und beide sind meistens ehrlich gemeint. Trotzdem lässt sich daraus kaum ablesen, was bei deiner Katze passieren wird. Geschrieben wird vor allem dann, wenn etwas besonders gut oder besonders schlecht lief, während die vielen unauffälligen Verläufe niemand postet. Dazu kommt, dass die Tiere sehr unterschiedlich krank sind, oft noch andere Medikamente bekommen und dass bei einer alten Katze vieles zeitgleich passiert, ohne dass es mit der Spritze zu tun haben muss.
Am meisten holst du aus solchen Berichten heraus, wenn du sie als Fragenliste benutzt statt als Urteil. Was genau wurde beobachtet, wie lange nach der Injektion, wie ging es weiter? Diese Fragen kannst du in der Praxis stellen, und dort lassen sie sich am Zustand deiner Katze prüfen.
Nebenwirkungen bei der Katze
Stand August 2026 zeigt sich bei Katzen ein ziemlich klares Bild: Was am häufigsten gemeldet wird, betrifft die Haut.
Hautreaktionen
Schon in der Zulassungsstudie traten Hautprobleme unter Frunevetmab etwa doppelt so oft auf wie unter der Scheinbehandlung. Die europäische Arzneimittelbehörde hat deshalb im Dezember 2023 Hauterkrankungen als seltene Nebenwirkung in die Produktinformation aufnehmen lassen, und eine Auswertung von Meldungen aus der Praxis bestätigte 2026, dass Hautveränderungen das mit Abstand häufigste gemeldete Problem sind. Typisch sind Juckreiz, gerötete oder wunde Stellen, Haarausfall und Hautentzündungen, oft am Kopf und am Hals, weil die Katze sich dort kratzt. In einer kleinen Fallserie begannen die Beschwerden wenige Tage bis gut zwei Wochen nach einer Injektion, und bei erneuter Gabe kamen sie meist wieder.
Wenn deine Katze nach einer Spritze anfängt, sich auffällig zu kratzen oder kahle und wunde Stellen bekommt, gehört das deshalb zeitnah in die Tierarztpraxis und nicht abgewartet. Häufig ist auch, dass die Einstichstelle kurz schmerzt.
Was die Berichte über den Hund damit zu tun haben
Viele Halter:innen stoßen bei der Suche auf heftige Diskussionen über Librela, das entsprechende Präparat für Hunde mit dem Wirkstoff Bedinvetmab. Dort gibt es eine auffällige Zahl von Verdachtsmeldungen zu Gelenk- und Muskelproblemen, und die europäische Behörde hat im März 2026 eine Anpassung der Produktinformation angeordnet, ohne die Zulassung zu entziehen. Bei Katzen findet sich dieses Muster nach heutigem Stand nicht. Frunevetmab ist ein eigener, für die Katze gebauter Wirkstoff mit einem eigenen Sicherheitsbild, und in den Auswertungen zur Katze dominieren die Hautreaktionen, nicht Probleme an Gelenken oder Nerven. Die Sorge aus der Hundedebatte lässt sich also nicht einfach auf deine Katze übertragen.
Für welche Katzen der Antikörper nicht infrage kommt
Junge, noch wachsende Katzen werden nicht damit behandelt, weil der Nervenwachstumsfaktor bei der normalen Entwicklung von Nerven und Skelett eine Rolle spielt und die Sicherheit bei Kätzchen nicht belegt ist, und ebenso wenig sehr kleine, sehr leichte Katzen, für die die Fertigspritze nicht vorgesehen ist. Ebenso wenig eingesetzt wird der Wirkstoff bei Zuchtkatzen sowie bei trächtigen und säugenden Tieren, weil sich in Versuchen an anderen Tierarten Schäden bei den Jungtieren zeigten. In der Praxis betrifft das die typische Arthrosekatze selten, da es meist um ältere, kastrierte Tiere geht.
Was einer Katze mit Arthrose außerdem hilft
Die Wohnung an steife Gelenke anpassen
Das ist der Teil, der nichts kostet und trotzdem erstaunlich viel bringt. Eine arthrotische Katze scheitert selten am Laufen, sondern am Springen und am Klettern. Ein Hocker oder eine flache Kiste als Zwischenstufe zum Sofa, zum Bett oder zum Lieblingsfensterbrett ersetzt den Sprung, den sie sich nicht mehr zutraut. Ein Katzenklo mit niedrigem Einstieg verhindert, dass sie es meidet und woanders hingeht, was viele für Unsauberkeit halten, obwohl es Schmerz ist. Näpfe und Wasser gehören auf eine Ebene, die ohne Kletterei erreichbar ist, und ein weiches, warmes Schlafplatzangebot an einem zugfreien Ort tut steifen Gelenken spürbar gut. Auch weiche Zwischenstufen statt glatter, rutschiger Böden erleichtern den Alltag.
Das Gewicht im Blick behalten
Jedes Gramm zu viel belastet die Gelenke bei jedem Schritt. Abnehmen muss bei einer Katze langsam und begleitet passieren, weil zu schnelles Hungern der Leber schadet, deshalb wird ein Plan dafür in der Tierarztpraxis gemacht und nicht auf eigene Faust.
Medikamente gegen den Schmerz
Neben dem Antikörper stehen je nach Katze entzündungshemmende Schmerzmittel oder andere Wirkstoffe zur Verfügung, manchmal auch in Kombination. Welcher Weg passt, hängt von den Nieren, der Leber, dem Alter und davon ab, wie gut sich das Tier behandeln lässt. Eine allgemein beste Option gibt es nicht. Auf keinen Fall gehören Schmerzmittel aus der Hausapotheke dazu: Paracetamol ist für Katzen schon in kleinsten Mengen lebensgefährlich, und Ibuprofen sowie Diclofenac sind ebenfalls hochgiftig. Aspirin darfst du nie auf eigene Faust geben, weil die Spanne zwischen wirksam und giftig bei Katzen extrem schmal ist.
Über die Dosis von Solensia musst du dir übrigens keine Gedanken machen. Sie richtet sich nach dem Gewicht deiner Katze, wird in der Praxis berechnet und dort auch verabreicht.
Für das nächste Gespräch in der Praxis lohnt es sich, drei Dinge mitzubringen: was deine Katze früher konnte und heute nicht mehr, wie ihre letzten Nierenwerte aussahen, und was du nach einer Injektion an Haut und Fell beobachtet hast. Daran lässt sich am besten entscheiden, ob die Behandlung ihr wirklich hilft.
Quellen
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European Medicines Agency. Meeting highlights from the Committee for Veterinary Medicinal Products (CVMP), 10-12 March 2026. EMA, 2026. Quelle
FDA Center for Veterinary Medicine. Adverse Drug Event Comprehensive Clinical Detail Report Listing, frunevetmab (Solensia), 13.01.2022-31.12.2025. FDA, 2026. Abrufbar über das Adverse-Drug-Experience-Portal der FDA (automatisierte Abrufe werden dort blockiert).