Cortisol: Symptome, Werte und Wirkung im Körper

Cortisol: Symptome, Werte und Wirkung im Körper

12.01.2026

PD Dr. med. Witold Polanski

Cortisol ist ein Hormon, das in der Nebennierenrinde gebildet wird und eine zentrale Rolle im Stoffwechsel, bei der Stressreaktion und im Immunsystem spielt.

Die Aufgaben von Cortisol im Körper

Cortisol gehört zu den sogenannten Glukokortikoiden und ist für viele lebenswichtige Vorgänge zuständig. Besonders bekannt ist es als das „Stresshormon“, weil seine Ausschüttung bei körperlicher oder seelischer Belastung ansteigt. Doch Cortisol ist weit mehr als nur ein Stressanzeiger. Es reguliert den Blutzuckerspiegel, beeinflusst den Fett- und Eiweißstoffwechsel und sorgt dafür, dass der Körper in Belastungssituationen schnell Energie bereitstellen kann. Auch bei Entzündungen und der Abwehr von Infektionen übernimmt es eine wichtige Funktion, indem es das Immunsystem dämpft und so überschießende Reaktionen verhindert.

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Wie wird Cortisol im Körper gesteuert?

Die Ausschüttung von Cortisol folgt einem festen Tagesrhythmus. Morgens, kurz nach dem Aufwachen, sind die Werte am höchsten. Im Laufe des Tages sinken sie langsam ab und erreichen am späten Abend ihren Tiefpunkt. Dieser natürliche Verlauf wird von der Hirnanhangsdrüse, einer kleinen Drüse im Gehirn, gesteuert. Sie schickt das Hormon ACTH (adrenocorticotropes Hormon) als Signal an die Nebennierenrinde, um die Produktion zu regulieren.

Bestimmte Situationen, wie Infekte, Verletzungen oder seelischer Stress, können den Cortisolspiegel kurzfristig stark ansteigen lassen. Das ist eine normale Anpassung des Körpers, um mit Belastungen fertig zu werden.

Was bedeuten auffällige Cortisolwerte?

Nicht immer bewegt sich der Cortisolspiegel im Normbereich. Sowohl zu hohe als auch zu niedrige Werte können auf gesundheitliche Probleme hinweisen. Ein dauerhaft erhöhter Cortisolspiegel kann zum Beispiel durch chronischen Stress, bestimmte Medikamente (wie Kortisonpräparate) oder seltene Erkrankungen wie das Cushing-Syndrom ausgelöst werden. Zu den möglichen Folgen gehören Gewichtszunahme, Bluthochdruck, Muskelschwäche, Hautveränderungen und ein erhöhtes Infektionsrisiko.

Ist hingegen zu wenig Cortisol im Blut, spricht man von einer Nebennierenrindenschwäche oder Morbus Addison. Anzeichen dafür können starke Müdigkeit, niedriger Blutdruck, Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit und eine erhöhte Anfälligkeit für Infekte sein. In seltenen Fällen kann ein starker Mangel lebensbedrohlich werden, etwa bei einer sogenannten Addison-Krise.

Wie werden Cortisolwerte gemessen?

Um den Cortisolspiegel zu bestimmen, wird meist morgens Blut abgenommen, manchmal auch zu anderen Tageszeiten, um den Tagesverlauf zu erfassen. In manchen Fällen kommt auch ein Speicheltest oder eine Urinuntersuchung zum Einsatz, um die Produktion über 24 Stunden zu messen. Die Auswertung der Ergebnisse erfolgt immer im Zusammenhang mit den Beschwerden und weiteren Untersuchungen, denn viele Faktoren können die Werte beeinflussen, zum Beispiel Stress, Schlafmangel oder bestimmte Medikamente.

Was tun bei auffälligen Cortisolwerten?

Ob eine Behandlung notwendig ist, hängt davon ab, welche Ursache hinter den veränderten Werten steckt. Liegt eine Erkrankung wie das Cushing-Syndrom oder Morbus Addison vor, wird die Therapie individuell auf die jeweilige Situation abgestimmt. Häufig stehen dann Medikamente im Mittelpunkt, die entweder die Produktion bremsen oder fehlendes Cortisol ersetzen. Bei stressbedingten Schwankungen genügen oft bereits Veränderungen im Alltag: ausreichend Schlaf, regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und gezielte Entspannungstechniken können helfen, den Hormonhaushalt wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Praktische Tipps für einen gesunden Cortisolhaushalt

Ein ausgeglichener Tagesablauf mit festen Schlafenszeiten unterstützt den natürlichen Rhythmus des Hormons. Bewegung an der frischen Luft, bewusste Pausen und Techniken zur Stressbewältigung wie Meditation oder Atemübungen tragen dazu bei, dass der Körper nicht dauerhaft im Alarmzustand bleibt. Auch eine abwechslungsreiche Ernährung mit ausreichend Vitaminen und Mineralstoffen ist wichtig, damit die Nebennieren optimal arbeiten können. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte immer mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen, ob diese den Cortisolspiegel beeinflussen.

Wann sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen?

Halten Beschwerden wie starke Erschöpfung, unerklärliche Gewichtszunahme oder auffällige Hautveränderungen über längere Zeit an, ist eine medizinische Abklärung sinnvoll. Auch bei anhaltendem Stress, der sich nicht durch eigene Maßnahmen bessern lässt, kann ein Gespräch mit einer Fachperson helfen, die Ursachen zu klären und gezielt gegenzusteuern. In den meisten Fällen lassen sich Veränderungen des Cortisolspiegels gut behandeln oder durch Anpassungen im Lebensstil günstig beeinflussen.

Cortisol ist für das körperliche Wohlbefinden unverzichtbar. Solange der natürliche Rhythmus und die Balance gewahrt bleiben, sorgt dieses Hormon dafür, dass der Körper Belastungen meistert und sich immer wieder ins Gleichgewicht bringt.

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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