ACTH ist die Abkürzung für Adrenocorticotropes Hormon, ein Botenstoff, der in der Hirnanhangsdrüse gebildet wird und die Produktion von Kortisol in der Nebenniere steuert.
Was steckt hinter ACTH?
Im menschlichen Körper sorgen viele Hormone dafür, dass wichtige Abläufe reibungslos funktionieren. ACTH spielt dabei eine zentrale Rolle im sogenannten Stresssystem. Es wird in einem kleinen Bereich im Gehirn, der Hypophyse genannt wird, hergestellt und gelangt über das Blut zu den Nebennieren. Dort regt es die Zellen an, das Hormon Kortisol freizusetzen. Kortisol wiederum ist entscheidend, wenn es um die Bewältigung von Stress, den Stoffwechsel von Zucker, Fetten und Eiweißen sowie die Regulation des Blutdrucks geht.
Wann ist ACTH im Fokus?
In medizinischen Befunden taucht ACTH meistens dann auf, wenn es um die Abklärung von Hormonstörungen geht. Besonders häufig wird der Wert bestimmt, wenn Ärztinnen oder Ärzte vermuten, dass die Nebenniere zu wenig oder zu viel Kortisol bildet. Auch bei bestimmten Erkrankungen der Hirnanhangsdrüse oder bei seltenen Tumoren kann die Bestimmung von ACTH wichtig sein. Der Wert hilft, die Ursache einer Hormonstörung einzugrenzen und gezielt weiter zu untersuchen.
Wie läuft die Bestimmung ab?
Für einen ACTH-Test wird eine Blutprobe benötigt. Da der Wert im Tagesverlauf schwankt, erfolgt die Blutabnahme meist morgens. In einigen Fällen wird zusätzlich ein sogenannter Stimulationstest durchgeführt. Dabei bekommt der Körper ein Medikament, das die Ausschüttung von ACTH oder Kortisol anregt, um die Funktion der Hypophyse oder der Nebenniere genauer zu prüfen. Die Ergebnisse werden immer im Zusammenhang mit anderen Hormonwerten betrachtet, vor allem mit dem Kortisolspiegel.
Was bedeuten hohe oder niedrige Werte?
Erhöhte ACTH-Werte können darauf hinweisen, dass die Nebenniere nicht genug Kortisol produziert. In solchen Fällen versucht die Hypophyse, durch vermehrte ACTH-Ausschüttung die Produktion anzukurbeln. Das kann etwa bei der sogenannten Nebennierenrindeninsuffizienz (Morbus Addison) vorkommen. Auch bei bestimmten Tumoren, die selbst ACTH bilden, kann der Wert stark ansteigen.
Niedrige ACTH-Werte deuten meistens darauf hin, dass die Hypophyse selbst nicht genug von diesem Hormon produziert. Das kann verschiedene Gründe haben, zum Beispiel eine Funktionsstörung der Hirnanhangsdrüse oder eine Überproduktion von Kortisol durch die Nebenniere, die wiederum die ACTH-Ausschüttung bremst.
Gibt es mehrere Bedeutungen für ACTH?
Im medizinischen Alltag steht ACTH fast immer für Adrenocorticotropes Hormon. In seltenen Fällen kann die Abkürzung aber auch in anderen Zusammenhängen auftauchen, etwa als Teil von Labortestnamen oder in Forschungsbereichen. Entscheidend ist immer der Zusammenhang, in dem das Kürzel im Befund oder Arztbrief genannt wird.
Was ist wichtig zu wissen?
ACTH ist ein körpereigenes Hormon, das vor allem zur Beurteilung von Hormonhaushalt und Stressreaktionen bestimmt wird. Die Werte alleine sagen wenig aus und müssen immer im Zusammenspiel mit anderen Befunden betrachtet werden. Veränderungen sind nicht zwangsläufig ein Grund zur Sorge, sondern geben Hinweise für die weitere Abklärung durch Fachärztinnen oder Fachärzte. Die genaue Bedeutung im individuellen Fall hängt vom Gesamtbild der Beschwerden und anderen Laborwerten ab.
Für medizinische Laien ist wichtig: Die Abkürzung ACTH beschreibt ein Hormon, das als Steuerzentrale für die Kortisolproduktion dient und bei bestimmten Hormonuntersuchungen eine Rolle spielt. Die Interpretation des Werts gehört immer in ärztliche Hände.