Astrozytom: Leben mit der Diagnose

Astrozytom: Leben mit der Diagnose

18.02.2026

PD Dr. med. Witold Polanski

Ein Astrozytom ist ein Tumor, der aus sogenannten Astrozyten entsteht. Das sind spezielle Zellen im Gehirn, die eine stützende und schützende Funktion für die Nervenzellen übernehmen. Astrozytome zählen zu den sogenannten Gliomen, also Tumoren, die ihren Ursprung in den Stützzellen des zentralen Nervensystems haben.

Wie entsteht ein Astrozytom?

Im Gehirn gibt es neben den Nervenzellen auch Zellen, die für die Versorgung und Stabilität sorgen. Zu diesen gehören die Astrozyten. Wenn sich diese Zellen unkontrolliert teilen, kann ein Astrozytom entstehen. Solche Tumoren wachsen meist im Gehirn, seltener im Rückenmark. Die genaue Ursache, warum sich ein Astrozytom bildet, ist oft nicht bekannt. In manchen Fällen spielen genetische Veränderungen eine Rolle.

Astrozytome können in jedem Alter auftreten, besonders häufig aber bei Kindern und jungen Erwachsenen. Es gibt verschiedene Unterarten und Schweregrade, die sich im Wachstum und im Verhalten unterscheiden. Manche wachsen langsam, andere sind aggressiver.

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Welche Beschwerden können auftreten?

Die Symptome hängen davon ab, wo im Gehirn oder Rückenmark der Tumor sitzt und wie schnell er wächst. Häufig machen sich die Beschwerden schleichend bemerkbar. Typisch sind Kopfschmerzen, die vor allem morgens stärker sein können. Auch Übelkeit, Erbrechen oder Sehstörungen können auftreten. Wenn der Tumor auf bestimmte Bereiche drückt, kann es zu Lähmungen, Sprachproblemen oder Krampfanfällen kommen. Bei Kindern fällt manchmal eine Entwicklungsverzögerung oder Wesensveränderung auf.

Nicht immer sind die Beschwerden eindeutig. Gerade am Anfang können sie leicht mit anderen Erkrankungen verwechselt werden. Deshalb ist es wichtig, bei anhaltenden oder ungewöhnlichen Symptomen ärztlichen Rat einzuholen.

Einteilung und Formen des Astrozytoms

Astrozytome werden nach ihrem Aussehen unter dem Mikroskop und ihrem Verhalten eingeteilt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterscheidet vier Grade. Je höher der Grad, desto bösartiger wächst der Tumor.

  • Grad 1: Diese Tumoren wachsen sehr langsam und sind oft gut abgrenzbar. Ein bekanntes Beispiel ist das pilozytische Astrozytom, das vor allem bei Kindern vorkommt und meist eine gute Prognose hat.

  • Grad 2: Hier wachsen die Tumoren etwas schneller, sind aber noch relativ langsam und weniger aggressiv. Sie werden als „diffuse Astrozytome“ bezeichnet.

  • Grad 3: Diese Form heißt „anaplastisches Astrozytom“. Sie wächst schneller und kann das umliegende Gewebe stärker beeinträchtigen.

  • Grad 4: Die aggressivste Form ist das Glioblastom oder das Astrozytom Grad 4. Es wächst sehr rasch und gilt als bösartigster Hirntumor.

Daneben gibt es seltene Unterformen wie das pilomyxoide Astrozytom, das vor allem bei kleinen Kindern auftritt.

Alle Astrozytome gehören zur großen Gruppe der Gliome.

Wie wird ein Astrozytom festgestellt?

Wenn der Verdacht auf einen Hirntumor besteht, erfolgt meist zuerst eine ausführliche neurologische Untersuchung. Um die genaue Lage und Größe des Tumors zu erkennen, ist eine Bildgebung notwendig. Am häufigsten wird eine Magnetresonanztomografie (MRT) des Kopfes durchgeführt. Mit dieser Methode lassen sich Tumoren im Gehirn sehr gut darstellen.

Oft ist es nötig, eine Gewebeprobe (Biopsie) zu entnehmen. Nur so kann sicher festgestellt werden, um welche Art von Tumor es sich handelt und wie aggressiv er wächst. Die genaue Einordnung ist wichtig, um die beste Therapie zu finden.

Was bedeutet die Diagnose für den Alltag?

Die Nachricht, dass ein Astrozytom vorliegt, sorgt bei vielen erst einmal für Unsicherheit und Angst. Viele fragen sich, wie es weitergeht, ob der Tumor heilbar ist und wie der Alltag aussehen wird. Die Prognose hängt entscheidend vom Tumortyp, dem Alter und Gesundheitszustand sowie der Lage im Gehirn ab.

Gutartige Formen wie das pilozytische Astrozytom lassen sich häufig komplett entfernen und kommen nur selten wieder. Bei aggressiveren Formen kann es sein, dass der Tumor trotz Behandlung wieder wächst oder sich ausbreitet. Die Behandlungsmöglichkeiten haben sich in den letzten Jahren jedoch deutlich verbessert.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die Therapie richtet sich nach dem Typ und der Ausbreitung des Tumors. Bei gutartigen, langsam wachsenden Tumoren ist oft eine Operation möglich. Ziel ist es, so viel Tumorgewebe wie möglich zu entfernen, ohne wichtige Hirnfunktionen zu beeinträchtigen. Bei manchen Tumoren reicht eine Operation aus, andere benötigen zusätzlich eine Bestrahlung oder Chemotherapie.

Bei bösartigeren Formen kommen meist mehrere Verfahren zum Einsatz. Die Behandlung wird individuell geplant und in spezialisierten Zentren durchgeführt. Für einige Tumorarten gibt es inzwischen auch gezielte Medikamente, die das Wachstum bremsen sollen.

Nach der Behandlung sind regelmäßige Kontrollen wichtig, um ein mögliches Wiederauftreten früh zu erkennen.

Was kann man selbst tun?

Eine gesunde Lebensweise, ausreichend Bewegung und eine ausgewogene Ernährung unterstützen den Körper während und nach der Therapie. Viele profitieren auch von psychoonkologischer Unterstützung, um mit den seelischen Belastungen umzugehen. Der Austausch mit anderen Betroffenen kann helfen, die Situation besser zu bewältigen.

Wichtig ist, Fragen und Sorgen offen anzusprechen – sei es beim behandelnden Team oder im persönlichen Umfeld. Niemand muss mit der Diagnose allein zurechtkommen.

Häufige Fragen und Ängste rund um das Astrozytom

Viele machen sich Sorgen, ob ein Astrozytom immer bösartig ist oder wie die Heilungschancen stehen. Die Antwort hängt vom jeweiligen Tumor ab. Niedriggradige Tumoren wachsen langsam und lassen sich oft gut behandeln. Hochgradige Tumoren wie das Glioblastom sind schwieriger zu therapieren, aber auch hier gibt es Fortschritte in der Medizin.

Ein weiteres Thema ist die Angst vor bleibenden Einschränkungen. Je nach Lage und Ausdehnung des Tumors sowie der Behandlung kann es zu neurologischen Ausfällen kommen. Die Reha und gezielte Therapien helfen, Fähigkeiten zurückzugewinnen und den Alltag zu meistern.

Manche fragen sich auch, ob ein Astrozytom vererbbar ist. In den meisten Fällen tritt der Tumor zufällig auf. Nur selten spielen erbliche Faktoren eine Rolle.

Weiterführende Informationen

Wer sich genauer über spezielle Formen informieren möchte, findet unter den folgenden Links weitere Erklärungen:

Ein Astrozytom ist eine Herausforderung, aber mit der richtigen Unterstützung und medizinischen Begleitung gibt es viele Wege, den Alltag zu bewältigen und neue Perspektiven zu finden.

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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