Systemerkrankung – Mehr als nur ein Organ leidet

Systemerkrankung – Mehr als nur ein Organ leidet

05.01.2026

PD Dr. med. Witold Polanski

Eine Systemerkrankung ist eine Krankheit, die nicht nur ein einzelnes Organ, sondern mehrere Organe oder den ganzen Körper betrifft.

Was steckt hinter dem Begriff?

Der Ausdruck Systemerkrankung taucht häufig in medizinischen Befunden oder Arztbriefen auf. Gemeint ist damit, dass eine Erkrankung nicht auf einen bestimmten Bereich begrenzt ist, sondern verschiedene Organe oder Gewebearten gleichzeitig betreffen kann. Das unterscheidet sie von sogenannten Organspezifischen Krankheiten, bei denen nur ein Organ, wie zum Beispiel das Herz oder die Leber, betroffen ist. Systemerkrankungen verlaufen oft komplex, weil sie den Körper als Ganzes oder ein bestimmtes „System“ wie das Immunsystem, das Blut oder das Bindegewebe betreffen.

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Beispiele für bekannte Systemerkrankungen

Zu den bekanntesten Systemerkrankungen zählen Autoimmunerkrankungen wie Lupus erythematodes, bei denen das Immunsystem körpereigene Zellen angreift. Auch Vaskulitiden, also Entzündungen der Blutgefäße wie die Vaskulitis oder das Churg Strauss Syndrom (EGPA), fallen in diese Kategorie. Ein weiteres Beispiel ist HIV, das als Infektion das Immunsystem schwächt und dadurch viele Organe beeinträchtigen kann. Auch Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus gelten als Systemerkrankungen, weil sie langfristig viele verschiedene Organe, etwa Nieren, Augen oder Nerven – beeinflussen.

Wie erkennt man eine Systemerkrankung?

Die Beschwerden bei Systemerkrankungen sind oft sehr unterschiedlich und können je nach betroffenem Körpersystem variieren. Häufige Anzeichen sind anhaltende Müdigkeit, ungewollter Gewichtsverlust, Fieber oder Gliederschmerzen, die nicht eindeutig einem Organ zugeordnet werden können. Manchmal treten auch Hautveränderungen, Gelenkschmerzen oder ungewöhnliche Blutwerte auf. Die Diagnose ist nicht immer einfach, weil die Symptome so vielfältig sind und sich langsam entwickeln können. Oft führt erst die Kombination mehrerer Beschwerden dazu, dass Ärztinnen und Ärzte an eine Systemerkrankung denken.

Wie läuft die Diagnostik ab?

Um eine Systemerkrankung festzustellen, sind meist verschiedene Untersuchungen notwendig. Dazu gehören Bluttests, bei denen nach Entzündungszeichen oder bestimmten Antikörpern gesucht wird. Bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Röntgen oder MRT können zeigen, ob mehrere Organe betroffen sind. In manchen Fällen werden auch Gewebeproben entnommen, um eine genaue Diagnose zu sichern. Die Diagnostik ist oft aufwendig, weil viele andere Ursachen ausgeschlossen werden müssen.

Was bedeutet eine Systemerkrankung für den Alltag?

Systemerkrankungen können den Alltag auf unterschiedliche Weise beeinflussen. Manche Menschen spüren nur leichte Einschränkungen, andere sind stärker beeinträchtigt und müssen regelmäßige Arztbesuche oder Therapien einplanen. Die Beschwerden können schubweise auftreten oder dauerhaft bestehen. Wichtig ist, die Krankheit früh zu erkennen und zu behandeln, um Folgeschäden an den Organen zu vermeiden.

Ist eine Systemerkrankung gefährlich?

Ob eine Systemerkrankung als „schlimm“ empfunden wird, hängt stark von der genauen Diagnose, dem Verlauf und den betroffenen Organen ab. Einige Systemerkrankungen verlaufen mild und lassen sich gut kontrollieren, andere können unbehandelt zu schweren Organschäden führen. Die Prognose ist sehr individuell und hängt auch davon ab, wie früh die Erkrankung erkannt und behandelt wird. Viele Menschen leben mit einer Systemerkrankung viele Jahre bei guter Lebensqualität, wenn sie regelmäßig kontrolliert und behandelt wird.

Behandlungsmöglichkeiten und was selbst getan werden kann

Die Therapie richtet sich immer nach der genauen Erkrankung und den betroffenen Systemen. Häufig kommen Medikamente zum Einsatz, die das Immunsystem regulieren, Entzündungen hemmen oder die Symptome lindern. Bei manchen Systemerkrankungen ist eine lebenslange Behandlung notwendig, bei anderen können nach einer gewissen Zeit die Medikamente reduziert werden. Neben der medizinischen Therapie hilft es, auf einen gesunden Lebensstil zu achten: ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und der Verzicht auf Rauchen wirken sich positiv auf den Verlauf aus. Auch Stressabbau und ausreichend Schlaf unterstützen das Immunsystem.

Was tun bei Unsicherheit oder neuen Symptomen?

Wenn der Verdacht auf eine Systemerkrankung besteht oder im Arztbrief dieser Begriff auftaucht, ist es sinnvoll, Rücksprache mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt zu halten. Gerade weil Systemerkrankungen viele Gesichter haben, ist eine genaue Diagnose wichtig. Wer plötzlich neue Beschwerden wie Fieber, starke Müdigkeit, Hautausschläge oder Schmerzen an mehreren Stellen bemerkt, sollte dies ärztlich abklären lassen.

Zusammengefasst

Eine Systemerkrankung betrifft immer mehrere Organe oder den ganzen Körper. Sie zeigt sich durch vielfältige Beschwerden und wird mit speziellen Untersuchungen erkannt. Die Behandlung ist individuell und hängt von der genauen Diagnose ab. Mit einer guten medizinischen Begleitung und einem gesunden Lebensstil lässt sich der Alltag meist gut bewältigen. Wer unsicher ist oder Fragen zu seinem Befund hat, sollte sich nicht scheuen, diese mit Ärztinnen oder Ärzten zu besprechen.

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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