ST Streckensenkung bezeichnet eine typische Veränderung, die im Elektrokardiogramm (EKG) sichtbar wird und auf eine mögliche Durchblutungsstörung des Herzens hindeuten kann.
Was passiert bei einer ST Streckensenkung?
Im EKG werden die elektrischen Aktivitäten des Herzens als Kurve dargestellt. Die sogenannte ST Strecke ist ein Teil dieser Kurve und zeigt normalerweise eine waagerechte Linie. Eine ST Streckensenkung bedeutet, dass diese Linie unter das Ausgangsniveau absinkt. Das kann ein Hinweis auf eine Minderdurchblutung des Herzmuskels sein, zum Beispiel bei einer sogenannten Angina pectoris oder sogar bei einem Herzinfarkt. Allerdings gibt es auch harmlose Ursachen, bei denen eine solche Veränderung auftreten kann, etwa bei starker körperlicher Belastung oder als Nebenwirkung bestimmter Medikamente.
Wie wird eine ST Streckensenkung festgestellt?
Die Veränderung fällt meist im Rahmen eines EKGs auf. Oft wird das EKG geschrieben, wenn Beschwerden wie Brustschmerzen, Atemnot oder ein Engegefühl im Brustkorb bestehen. Die Ärztin oder der Arzt beurteilt dann die verschiedenen Abschnitte der EKG Kurve. Sinkt die ST Strecke um mindestens 0,1 Millivolt unter das Grundniveau und bleibt diese Veränderung für mehrere Millisekunden bestehen, spricht man von einer ST Streckensenkung. Die genaue Form, Dauer und Ausprägung geben wichtige Hinweise darauf, wie ernst die Situation ist und ob weitere Untersuchungen notwendig sind.
Was kann eine ST Streckensenkung bedeuten?
Eine ST Streckensenkung kann unterschiedliche Ursachen haben. Am häufigsten steht sie im Zusammenhang mit einer sogenannten Ischämie. Das bedeutet, dass der Herzmuskel vorübergehend zu wenig Sauerstoff bekommt, zum Beispiel durch verengte Herzkranzgefäße. Besonders bei körperlicher Belastung oder Stress kann der Sauerstoffbedarf des Herzens steigen, sodass eine Engstelle auffällig wird. In solchen Fällen spricht man von einer belastungsabhängigen ST Streckensenkung. Sie kann ein Warnsignal für eine koronare Herzkrankheit sein.
Es gibt aber auch andere Gründe. Manche Menschen haben eine St Streckensenkung von Natur aus, ohne dass eine Erkrankung vorliegt. Auch Elektrolytstörungen, wie ein Mangel an Kalium, oder bestimmte Medikamente können die ST Strecke beeinflussen. Selten steckt eine Entzündung des Herzmuskels oder eine Herzrhythmusstörung dahinter.
Ist eine St Streckensenkung gefährlich?
Ob eine St Streckensenkung gefährlich ist, hängt stark von den Begleitumständen ab. Tritt sie zusammen mit Brustschmerzen, Atemnot oder anderen Herzbeschwerden auf, sollte sie immer ernst genommen und weiter abgeklärt werden. Eine anhaltende ST Streckensenkung kann auf eine akute Durchblutungsstörung oder sogar einen Herzinfarkt hinweisen. In solchen Situationen zählt jede Minute, da der Herzmuskel Schaden nehmen kann. Wenn die ST Streckensenkung nur vorübergehend auftritt, zum Beispiel bei einer Belastungsuntersuchung, kann sie ein Frühwarnzeichen für eine Durchblutungsstörung sein. Dann empfiehlt sich meist eine weiterführende Diagnostik, etwa ein Belastungs EKG oder eine Herzkatheteruntersuchung.
Gibt es keine Beschwerden und ist die Veränderung schon länger bekannt, kann sie auch harmlos sein. Trotzdem sollte eine Ärztin oder ein Arzt immer beurteilen, ob eine Gefahr besteht.
Wie wird die Ursache abgeklärt?
Nach dem EKG folgt oft eine genaue Befragung zu Beschwerden, Risikofaktoren und Vorerkrankungen. Wichtig ist, ob Begleitsymptome wie Schmerzen, Luftnot oder Schwäche bestehen. Häufig wird ein Belastungs EKG durchgeführt, bei dem das Herz unter kontrollierter Anstrengung beobachtet wird. Weitere Möglichkeiten sind Ultraschalluntersuchungen des Herzens, Bluttests oder bildgebende Verfahren wie eine Computertomografie der Herzkranzgefäße.
Ziel ist es, herauszufinden, ob tatsächlich eine Durchblutungsstörung des Herzens vorliegt und wie ausgeprägt diese ist. Je nach Ergebnis richtet sich dann das weitere Vorgehen.
Was passiert, wenn eine Durchblutungsstörung festgestellt wird?
Stellt sich heraus, dass die St Streckensenkung durch eine Minderdurchblutung des Herzens verursacht wird, hängt das weitere Vorgehen vom Schweregrad ab. Bei einer akuten Situation wie einem Herzinfarkt ist eine sofortige Behandlung im Krankenhaus notwendig. Hier stehen Medikamente zur Verfügung, die das Blut verdünnen und das Herz entlasten. In vielen Fällen wird eine Herzkatheteruntersuchung durchgeführt, um das betroffene Gefäß zu öffnen.
Bei einer chronischen Durchblutungsstörung, also einer sogenannten koronaren Herzkrankheit, helfen Medikamente, die den Sauerstoffbedarf des Herzens senken oder die Gefäße erweitern. In bestimmten Fällen kann eine Gefäßaufdehnung oder eine Bypassoperation notwendig sein. Ziel ist immer, das Risiko für einen Herzinfarkt zu senken und Beschwerden zu lindern.
Was kann selbst getan werden?
Neben der ärztlichen Behandlung spielt der eigene Lebensstil eine große Rolle. Wer auf eine ausgewogene Ernährung achtet, regelmäßig Bewegung in den Alltag einbaut und das Rauchen vermeidet, kann das Risiko für Herzkrankheiten deutlich verringern. Auch die Kontrolle von Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin ist wichtig. Bei bestehenden Beschwerden sollte nicht gezögert werden, ärztlichen Rat einzuholen.
Streckt sich die ST Strecke im EKG ab oder senkt sich ab, ist das immer ein Hinweis, genauer hinzusehen. Nicht jede Veränderung ist automatisch gefährlich, aber sie sollte immer im Zusammenhang mit den Beschwerden und der Vorgeschichte betrachtet werden. Nur so lässt sich sicher beurteilen, ob und welche weiteren Schritte notwendig sind.