Marklagerläsionen: Was steckt dahinter?

Marklagerläsionen: Was steckt dahinter?

18.02.2026

PD Dr. med. Witold Polanski

Marklagerläsionen sind Veränderungen im sogenannten Marklager des Gehirns, die meist in der Magnetresonanztomografie (MRT) sichtbar werden und auf eine Schädigung oder Störung der weißen Substanz hinweisen.

Was ist das Marklager eigentlich?

Das Marklager beschreibt einen Bereich im Gehirn, der direkt unter der Großhirnrinde liegt und hauptsächlich aus sogenannten Nervenfasern besteht. Diese Fasern sind wie Datenleitungen, die verschiedene Bereiche des Gehirns miteinander verbinden. Die weiße Substanz, aus der das Marklager besteht, sorgt dafür, dass Informationen schnell und reibungslos weitergeleitet werden. Ohne diese Leitungsbahnen könnten verschiedene Regionen des Gehirns nicht effizient miteinander kommunizieren.

Was bedeutet eine Marklagerläsion?

Eine Marklagerläsion ist eine Veränderung oder Störung in diesem Bereich, die meist in der Bildgebung, vor allem im MRT, als helle Flecken oder Areale auffällt. Das Wort Läsion steht dabei ganz allgemein für eine Schädigung, Verletzung oder Veränderung von Gewebe. Marklagerläsionen können einzelne kleine Punkte oder größere Flächen betreffen. Sie sind keine eigenständige Krankheit, sondern ein Zeichen dafür, dass im Gehirn etwas nicht ganz normal abläuft.

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Wie entstehen solche Veränderungen?

Die Ursachen für Marklagerläsionen sind vielfältig. Sehr häufig treten sie im Rahmen von Durchblutungsstörungen auf, vor allem bei älteren Menschen. Bluthochdruck, Diabetes oder erhöhte Blutfettwerte können die kleinen Blutgefäße im Gehirn schädigen, sodass die weiße Substanz nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Auch Entzündungen, zum Beispiel bei Multipler Sklerose, oder seltene Stoffwechselerkrankungen können das Marklager betreffen. In manchen Fällen spielen auch altersbedingte Veränderungen eine Rolle, die nicht zwangsläufig zu Beschwerden führen müssen.

Wie werden Marklagerläsionen entdeckt?

Meistens fallen Marklagerläsionen eher zufällig auf, etwa wenn ein MRT des Kopfes wegen Kopfschmerzen, Schwindel oder nach einem Sturz gemacht wird. Die typischen Veränderungen zeigen sich als helle Flecken im Bereich der weißen Substanz. Je nach Ausprägung und Lage unterscheidet man zum Beispiel zwischen supratentoriellen und subkortikalen Marklagerläsionen. Was diese Begriffe genau bedeuten, lässt sich in den Artikeln Supratentorielle Marklagerläsionen und Subkortikale Marklagerläsionen nachlesen.

Was bedeutet das für dich?

Viele Menschen sind verunsichert, wenn sie in ihrem Befund das Wort Marklagerläsionen lesen. Die wichtigste Information: Nicht jede Veränderung ist automatisch gefährlich oder muss behandelt werden. Gerade bei älteren Personen sind kleine Marklagerläsionen sehr häufig und können eine normale Alterserscheinung sein. Sie führen oft zu keinen Beschwerden und bleiben unbemerkt. In manchen Fällen, besonders wenn viele oder größere Läsionen vorliegen, kann das Risiko für Gedächtnisstörungen oder Gangunsicherheit steigen. Dann sprechen Fachleute manchmal von einer sogenannten vaskulären Demenz oder einer leichten kognitiven Störung.

Ist das schlimm?

Ob Marklagerläsionen bedenklich sind, hängt stark von ihrer Anzahl, Größe und dem individuellen Gesundheitszustand ab. Einzelne kleine Veränderungen sind meist harmlos. Wenn jedoch viele oder ausgedehnte Läsionen vorhanden sind, kann das auf eine chronische Durchblutungsstörung des Gehirns hindeuten. In diesem Fall besteht ein erhöhtes Risiko für Schlaganfälle oder eine Verschlechterung der geistigen Leistungsfähigkeit. Auch können Symptome wie Gangunsicherheit, Konzentrationsprobleme oder Stimmungsschwankungen auftreten. Wichtig ist: Die meisten Marklagerläsionen bleiben über viele Jahre stabil und führen nicht automatisch zu einer Verschlechterung.

Wie geht es nach der Diagnose weiter?

Nach dem Nachweis von Marklagerläsionen im MRT entscheidet die behandelnde Ärztin oder der Arzt, ob weitere Untersuchungen nötig sind. Häufig wird geprüft, ob Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder Fettstoffwechselstörungen vorliegen. Je nach Befund kann es sinnvoll sein, diese Risikofaktoren gezielt zu behandeln, um das Fortschreiten der Veränderungen zu verhindern. Eine spezielle Therapie gegen die Marklagerläsionen selbst gibt es nicht. Bei Verdacht auf eine entzündliche Ursache, wie etwa Multiple Sklerose, werden weitere Untersuchungen veranlasst.

Was kannst du selbst tun?

Wer Marklagerläsionen im Befund hat, kann einiges dazu beitragen, um das Gehirn möglichst lange gesund zu halten. Besonders wichtig ist es, bekannte Risikofaktoren gut einzustellen: Den Blutdruck regelmäßig kontrollieren und behandeln lassen, auf einen normalen Blutzucker achten und erhöhte Blutfettwerte senken. Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und der Verzicht auf Nikotin unterstützen die Gefäßgesundheit. Auch geistige Aktivität, soziale Kontakte und das Meiden von übermäßigem Stress wirken sich positiv aus. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen helfen, Veränderungen frühzeitig zu erkennen.

Häufige Fragen und Unsicherheiten

Viele fragen sich, ob Marklagerläsionen zwangsläufig zu einer Demenz führen oder ob sie ein Vorbote für einen Schlaganfall sind. Die Antwort: Das Risiko ist leicht erhöht, wenn viele und große Veränderungen vorliegen, aber nicht jede Läsion führt zu Problemen. Oft bleiben sie über Jahre stabil. Eine genaue Einschätzung ist immer im Zusammenhang mit dem gesamten Gesundheitsbild möglich. Wer unsicher ist, sollte das Gespräch mit der behandelnden Fachperson suchen.

Mehr Informationen zu den verschiedenen Formen und Bedeutungen gibt es auch im Artikel Marklagerveränderung Bedeutung. Dort werden die Unterschiede zwischen Marklagerläsion, Marklagerveränderung und anderen Begriffen genauer erklärt.

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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