Fortekor beim Hund: Herz oder Niere?

Fortekor beim Hund: Herz oder Niere?

Fortekor ist ein verschreibungspflichtiges Medikament für Hunde mit dem Wirkstoff Benazepril, einem sogenannten ACE-Hemmer. Es entspannt die Blutgefäße, sodass das Herz gegen weniger Widerstand pumpen muss und auch der Druck in den feinen Filtern der Niere sinkt.

Genau deshalb wird dasselbe Mittel aus zwei ganz unterschiedlichen Gründen verordnet: wegen des Herzens oder wegen der Nieren. Wenn du die Packung gerade in der Hand hältst, ist die erste und wichtigste Frage also, welcher der beiden Gründe bei deinem Hund zutrifft. Davon hängt ab, was das Medikament bewirken soll, was regelmäßig kontrolliert wird und was du zu Hause beobachten kannst. Benazepril steckt übrigens nicht nur in Fortekor, sondern auch in anderen Präparaten mit demselben Wirkstoff.

Was steht wirklich im Befund deines Hundes?

Diagnose bekommen und jetzt viele Fragen offen? Lade den Befund deines Hundes bei Onno hoch und lass ihn dir ausführlich erklären.

Kostenlos erklären lassen

Herz oder Nieren: zwei Gründe für dieselbe Tablette

Beim Herzen geht es meist um eine undichte Mitralklappe, vor allem bei kleinen und älteren Hunden. Je nach Rasse und Befund können auch andere Herzerkrankungen der Grund für die Verordnung sein. Diese Klappe sitzt zwischen der linken Vorkammer und der linken Hauptkammer des Herzens und soll verhindern, dass Blut zurückfließt, wenn das Herz auspresst. Verändert sie sich im Lauf der Jahre, schließt sie nicht mehr sauber, ein Teil des Blutes läuft zurück, und Vorkammer und Kammer weiten sich mit der Zeit. Das ist die häufigste Herzerkrankung beim Hund und betrifft vor allem kleine Rassen und ältere Tiere.

Bei den Nieren geht es um eine chronische Nierenerkrankung, bei der über den Urin Eiweiß verloren geht. Die Nieren filtern das Blut, und ein gesunder Filter hält große Eiweißmoleküle zurück. Ist er geschädigt, rutscht Eiweiß hindurch, und dieser Verlust ist zugleich ein Zeichen dafür, dass die Nieren weiter Schaden nehmen.

Die Tablette ist in beiden Fällen dieselbe, das Ziel dahinter nicht. Frag in der Tierarztpraxis ruhig nach, welcher der beiden Gründe bei deinem Hund gilt, falls das im Gespräch untergegangen ist.

Was der Wirkstoff Benazepril im Körper macht

Der Körper hat ein Hormonsystem, das anspringt, wenn der Kreislauf schwächelt: Es verengt die Blutgefäße und hält Wasser und Salz zurück, damit der Blutdruck stabil bleibt. Kurzfristig ist das sinnvoll, etwa nach einer Verletzung. Läuft dieses System aber über Monate und Jahre auf Hochtouren, weil ein Herz undicht oder eine Niere krank ist, wird aus der Notfallhilfe eine Dauerbelastung, die beiden Organen zusätzlich schadet.

Benazepril bremst genau dieses System, indem es ein Enzym blockiert, das für die Herstellung des gefäßverengenden Hormons gebraucht wird. Die Gefäße bleiben dadurch weiter gestellt. Für das Herz bedeutet das weniger Widerstand bei jedem Schlag, für die Niere einen niedrigeren Druck in ihren Filtereinheiten und dadurch weniger Eiweiß im Urin.

Zwei Dinge kann das Mittel dagegen nicht. Es ist kein Entwässerungsmittel und schwemmt eingelagertes Wasser nicht aus, das übernehmen andere Wirkstoffe wie Furosemid oder Torasemid. Und es repariert die Klappe nicht und macht eine geschädigte Niere nicht wieder heil, sondern nimmt Druck aus einem System, das dauerhaft überlastet ist.

Wann Fortekor beim Herzen dazukommt

Ein Herzgeräusch allein ist noch kein Grund für dieses Medikament. Fachleute teilen die Klappenerkrankung in Stadien ein, und einen ACE-Hemmer bekommen Hunde nach der maßgeblichen Leitlinie der amerikanischen Fachgesellschaft für Innere Veterinärmedizin in der Regel erst dann, wenn die undichte Klappe zu einer Herzschwäche mit Beschwerden geführt hat, also zu Husten, angestrengter Atmung oder schneller Erschöpfung. Dieses Stadium wird als Stadium C bezeichnet.

Dann steht Benazepril allerdings nicht allein da. Üblich ist eine Kombination aus einem Entwässerungsmittel, dem Wirkstoff Pimobendan, der das Herz kräftiger pumpen lässt und zugleich die Gefäße weitet und einem ACE-Hemmer, oft ergänzt um Spironolacton, das ebenfalls in dieses Hormonsystem eingreift und dem Körper hilft, Wasser auszuschwemmen. Eine große Studie mit 569 herzkranken Hunden, die alle bereits entwässert wurden, zeigte, dass die zusätzliche Gabe von Spironolacton zum ACE-Hemmer eine Verschlechterung oder einen Tod durch die Herzerkrankung im Lauf eines Jahres seltener machte.

Es gibt zwar eine ältere Studie, in der Pimobendan und Benazepril direkt gegeneinander geprüft wurden, jeweils als einziges zusätzliches Medikament. Diese Untersuchung war so angelegt, um die Wirkung der beiden Substanzen voneinander trennen zu können, und sie sagt nichts darüber aus, ob dein Hund das eine oder das andere bekommen sollte. Im Alltag werden sie gemeinsam eingesetzt, weil sie an verschiedenen Stellen ansetzen.

Wann es wegen der Nieren verordnet wird

Bei einer chronischen Nierenerkrankung ist nicht die Diagnose an sich der Auslöser für das Medikament, sondern der Eiweißverlust über den Urin. Dafür wird im Labor das Verhältnis von Eiweiß zu Kreatinin im Urin bestimmt. Ein einzelner erhöhter Wert reicht dafür aber nicht. Er muss sich in wiederholten Messungen bestätigen, und andere Ursachen wie ein Harnwegsinfekt oder Blut im Urin müssen ausgeschlossen sein. Erst ein bestätigter, anhaltender Eiweißverlust aus der Niere spricht für einen ACE-Hemmer.

Hier lohnt sich ein ehrlicher Blick auf das, was gesichert ist. In einer Studie mit 49 nierenkranken Hunden, die bis zu zwei Jahre lang begleitet wurden, verlor die Gruppe mit Benazepril deutlich weniger Eiweiß über den Urin als die Vergleichsgruppe ohne Wirkstoff. Einen Unterschied bei der Lebenszeit fand diese Studie dagegen nicht, und sie war mit 49 Hunden auch zu klein, um einen solchen Unterschied sicher aufzuspüren. Der belegte Nutzen bei den Nieren liegt also darin, den Eiweißverlust zu senken und damit einen der Motoren der weiteren Schädigung zu bremsen. Dass Hunde dadurch länger leben, ist plausibel, aber eben nicht bewiesen. Beim Herzen ist die Datenlage klarer als bei den Nieren, und das ist ein Unterschied, den man kennen darf, ohne das Medikament deshalb infrage zu stellen.

Nebenwirkungen und was kontrolliert wird

Die meisten Hunde vertragen Benazepril gut, und in den großen Herzstudien wurde es über Monate hinweg täglich gegeben. Typisch für ACE-Hemmer sind, wenn überhaupt, milde Beschwerden am Anfang: etwas weniger Appetit, Erbrechen oder weicher Kot, Müdigkeit oder eine gewisse Schlappheit. Weil der Wirkstoff die Gefäße weitstellt, kann der Blutdruck zu stark absinken, was sich als Taumeln, Schwäche oder sehr blasse Schleimhäute zeigen würde. Das ist selten, gehört aber zu den Dingen, bei denen du in der Tierarztpraxis anrufen solltest, statt abzuwarten.

Der zweite Punkt betrifft die Nieren selbst. Weil Benazepril den Druck im Nierenfilter senkt, können die Nierenwerte im Blut vorübergehend ansteigen, besonders in den ersten Wochen und besonders dann, wenn dein Hund gleichzeitig entwässert wird. Deshalb werden nach dem Beginn der Behandlung und nach jeder Änderung der Menge Blutwerte und meist auch der Blutdruck kontrolliert. Diese Kontrolltermine sind kein Formalismus, sondern der eigentliche Sicherheitsgurt der Behandlung.

Wie viel dein Hund bekommt, richtet sich nach seinem Gewicht und nach dem Grund der Behandlung und wird in der Tierarztpraxis festgelegt und bei Bedarf angepasst. Schätz die Menge deshalb nie selbst, teile keine Tabletten nach eigenem Gefühl und gib deinem Hund niemals Restbestände eines anderen Tieres oder einen ACE-Hemmer aus deiner eigenen Hausapotheke. Auch das Absetzen gehört besprochen: Bei einem herzkranken Hund kann das Weglassen der Medikamente die Beschwerden innerhalb weniger Tage zurückbringen.

Warum Erfahrungsberichte anderer Halter:innen so schwer zu deuten sind

In Foren liest man beides, große Erleichterung und tiefe Enttäuschung, und beides kann stimmen, ohne dass es viel über deinen Hund aussagt. Die Hunde hinter diesen Berichten unterscheiden sich in fast allem, was zählt: Sie bekommen den Wirkstoff aus verschiedenen Gründen, stehen an unterschiedlichen Punkten ihrer Erkrankung, sind unterschiedlich alt und nehmen meist noch zwei oder drei weitere Medikamente ein.

Dazu kommt, dass die sichtbare Besserung in den ersten Tagen bei einem herzkranken Hund fast immer vom Entwässerungsmittel kommt, weil dieses das eingelagerte Wasser aus der Lunge holt. Benazepril arbeitet leiser und langfristiger, und was es verhindert, nämlich eine Verschlechterung, die sonst eingetreten wäre, sieht man einem einzelnen Hund nun einmal nicht an. Umgekehrt schreitet sowohl die Klappen- als auch die Nierenerkrankung mit der Zeit voran. Wenn es einem Hund nach Monaten schlechter geht, liegt das oft am Verlauf der Erkrankung und nicht daran, dass die Tabletten nichts getaugt hätten.

Aussagekräftig sind stattdessen die Zahlen deines eigenen Hundes und das, was du zu Hause siehst. Bei einem Herzhund ist die Atemfrequenz im Schlaf ein erstaunlich guter Anhaltspunkt, weil ein über mehrere Tage steigender Trend früher auffällt als der erste Husten. Bei einem Nierenhund sind es die Laborwerte, das Trinkverhalten, der Appetit und das Gewicht. Nimm zum nächsten Termin drei Fragen mit: wegen welchem der beiden Gründe dein Hund das Medikament bekommt, welche Werte wann kontrolliert werden und bei welchen Anzeichen du sofort anrufen sollst.

Quellen

Keene BW, Atkins CE, Bonagura JD, et al. ACVIM consensus guidelines for the diagnosis and treatment of myxomatous mitral valve disease in dogs. J Vet Intern Med. 2019;33(3):1127-1140. doi:10.1111/jvim.15488

King JN, Font A, Rousselot JF, et al. Effects of benazepril on survival of dogs with chronic kidney disease: a multicenter, randomized, blinded, placebo-controlled clinical trial. J Vet Intern Med. 2017;31(4):1113-1122. doi:10.1111/jvim.14726

Coffman M, Guillot E, Blondel T, et al. Clinical efficacy of a benazepril and spironolactone combination in dogs with congestive heart failure due to myxomatous mitral valve disease: the BEnazepril Spironolactone STudy (BESST). J Vet Intern Med. 2021;35(4):1673-1687. doi:10.1111/jvim.16155

Häggström J, Boswood A, O'Grady M, et al. Longitudinal analysis of quality of life, clinical, radiographic, echocardiographic, and laboratory variables in dogs with myxomatous mitral valve disease receiving pimobendan or benazepril: the QUEST study. J Vet Intern Med. 2013;27(6):1441-1451. doi:10.1111/jvim.12181

O'Brien MJ, Beijerink NJ, Wade CM. Genetics of canine myxomatous mitral valve disease. Anim Genet. 2021;52(4):409-421. doi:10.1111/age.13082

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

Mit dem Latein am Ende?

Du willst einfach nur wissen, was der Befund deines Hundes bedeutet? Wir erklären ihn dir. Kostenlos, anonym und ärztlich geprüft.

Illustration einer Person die fragend ein medizinisches Dokument betratchtet.
Illustration einer Person die fragend ein medizinisches Dokument betratchtet.
Illustration einer Person, die fragend ein medizinisches Dokument betrachtet.
Deutsch