Herzgeräusch beim Hund richtig einordnen

Herzgeräusch beim Hund richtig einordnen

Ein Herzgeräusch beim Hund ist ein zusätzliches Strömungsgeräusch, das die Tierärztin oder der Tierarzt beim Abhören mit dem Stethoskop zwischen den normalen Herztönen hört. Es entsteht, wenn das Blut im Herzen nicht mehr ruhig fließt, sondern an einer Stelle verwirbelt.

Damit ist ein Herzgeräusch ein Befund und noch keine Diagnose. Es sagt, dass etwas zu hören ist, aber noch nicht, was dahintersteckt und wie ernst es ist. Was auf einen solchen Befund folgt, ist deshalb erst einmal keine Behandlung, sondern eine gezielte Untersuchung, die das Geräusch einordnet.

Was beim Abhören eigentlich zu hören ist

Ein gesundes Hundeherz macht zwei kurze, klare Töne, die vom Zuschlagen der Herzklappen kommen. Herzklappen sind dünne Segel im Herzen, die dafür sorgen, dass das Blut nur in eine Richtung fließt. Zwischen diesen beiden Tönen ist es normalerweise still.

Ein Geräusch entsteht dort, wo das Blut nicht mehr glatt strömt. Das kann passieren, wenn eine Klappe nicht mehr dicht schließt und ein Teil des Blutes zurückläuft, wenn eine Stelle im Herzen oder in einem großen Gefäß zu eng ist, oder auch schlicht, wenn das Blut sehr schnell oder etwas dünner als sonst fließt. All das klingt im Stethoskop ähnlich, hat aber sehr unterschiedliche Bedeutung. Deshalb sagt allein das Hören noch nicht, ob dein Hund krank ist.

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Können Herzgeräusche beim Hund harmlos sein?

Ja, und für Welpen ist das sogar gut belegt. In einer Untersuchung an 584 gesunden Welpen zwischen wenigen Wochen und gut drei Monaten fanden Spezialist:innen für Herzerkrankungen bei etwa 28 Prozent ein sogenanntes unschuldiges Herzgeräusch. Diese Geräusche waren leise, klangen oft weich und fast musikalisch und hingen damit zusammen, dass wachsende Welpen vorübergehend etwas weniger rote Blutkörperchen haben. Das Blut fließt dann leichter und wirbelt eher. Mit dem Wachstum verschwinden solche Geräusche in aller Regel von selbst. Wird bei der ersten Impfung ein Herzgeräusch gehört, ist das also häufig nichts Bedrohliches, sollte aber trotzdem in der Tierarztpraxis beurteilt und beim nächsten Termin nachkontrolliert werden.

Für erwachsene Hunde lässt sich diese Beruhigung nicht einfach übernehmen. Eine vergleichbare Untersuchung, die zeigen würde, wie oft ein Geräusch bei ausgewachsenen Hunden harmlos ist, gibt es nicht. Umgekehrt gilt: Taucht bei einem erwachsenen oder älteren Hund neu ein Herzgeräusch auf, steckt meistens eine Veränderung an einer Herzklappe dahinter. Das heißt nicht, dass dein Hund deshalb sofort krank wirkt oder Medikamente braucht, aber es heißt, dass das Geräusch abgeklärt gehört.

Wie gefährlich ist ein Herzgeräusch, und was sagt die Lautstärke?

Beim Abhören wird ein Herzgeräusch nach seiner Lautstärke eingeteilt, auf einer Skala von 1 bis 6. Grad 1 ist so leise, dass es erst nach längerem konzentriertem Hören auffällt, während ein Geräusch von Grad 6 so laut ist, dass es sogar noch zu hören ist, wenn das Stethoskop kaum die Brustwand berührt.

Diese Einteilung ist hilfreich, um Veränderungen über die Zeit zu beschreiben, aber sie ist kein Maß für den Schweregrad. Die Lautstärke hängt vor allem davon ab, wie stark das Blut verwirbelt, und nicht davon, wie sehr das Herz bereits belastet ist. Auch ein leises Geräusch kann zu einer Erkrankung gehören, die schon weiter fortgeschritten ist. Umgekehrt gilt aber nicht, dass laut gleich harmlos wäre: Die unschuldigen Geräusche bei Welpen sind typischerweise leise, und ein deutlich lautes Geräusch ab Grad 3 gehört bei einem erwachsenen Hund abgeklärt. Wenn dir also jemand sagt, dein Hund habe ein Geräusch von Grad 4, ist das ein Hinweis und noch keine Antwort. Wie ernst die Lage ist, zeigt erst der Blick ins Herz.

Was bei älteren kleinen Hunden meist dahintersteckt

Die mit Abstand häufigste Herzerkrankung beim Hund ist eine langsam fortschreitende Veränderung der Mitralklappe, der Klappe zwischen der linken Vorkammer und der linken Hauptkammer. Fachlich heißt sie myxomatöse Mitralklappenerkrankung. Dabei verdicken sich die feinen Klappensegel über Jahre hinweg und werden knotig, sodass die Klappe nicht mehr sauber schließt. Bei jedem Herzschlag fließt dann ein Teil des Blutes in die falsche Richtung zurück, und genau dieser Rückfluss ist das, was im Stethoskop zu hören ist.

Betroffen sind vor allem kleine Hunderassen im mittleren und höheren Alter, besonders häufig der Cavalier King Charles Spaniel. Die Erkrankung entwickelt sich typischerweise sehr langsam. Viele Hunde tragen die undichte Klappe jahrelang mit sich herum, ohne dass ihnen etwas anzumerken wäre.

Bei jungen Hunden, deren Geräusch nicht von selbst verschwindet, wird dagegen eher nach einem angeborenen Herzfehler gesucht, etwa einer Verengung oder einer Verbindung, die sich nach der Geburt nicht geschlossen hat. Auch das klärt dieselbe Untersuchung.

Wie die Tierarztpraxis herausfindet, was los ist

Der Herzultraschall

Der Ultraschall des Herzens, fachlich Echokardiografie, ist die Untersuchung, die das Geräusch wirklich einordnet. Dabei lässt sich von außen durch die Brustwand sehen, welche Klappe undicht ist, wie viel Blut zurückfließt und, was am meisten zählt, ob sich die Herzkammern durch die zusätzliche Arbeit bereits vergrößert haben. Dein Hund muss dafür nur ruhig liegen, eine Narkose ist normalerweise nicht nötig.

Aus dem Befund ergibt sich, in welchem Stadium die Erkrankung steht. Dieses Stadium und nicht das Geräusch selbst entscheidet darüber, ob schon Medikamente sinnvoll sind. Solange das Herz normal groß ist, wird meist nur in Abständen kontrolliert. Hat es sich messbar vergrößert, gibt es Medikamente, die den Übergang in eine Herzschwäche nachweislich hinauszögern.

Wenn kein Herzultraschall verfügbar ist

Nicht jede Tierarztpraxis hat einen Herzultraschall und die passende Erfahrung im Haus, und in einer spezialisierten Tierklinik ist der nächste Termin manchmal erst in einigen Wochen frei. In dieser Situation gibt es drei Anhaltspunkte, die zusammen recht zuverlässig anzeigen, dass ein Herz wahrscheinlich schon vergrößert ist: ein Geräusch ab Grad 3 von 6, eine im Röntgenbild vermessene Herzgröße ab einem Wert von 11,5, wobei das Herz dort mit den Wirbeln der Wirbelsäule als Maßstab verglichen wird, und ein erhöhter Wert des Bluteiweißes NT-proBNP, das ein Herz vermehrt abgibt, wenn seine Wände unter Druck gedehnt werden. Diese Anhaltspunkte wägt die Tierarztpraxis gegeneinander ab, du selbst musst dazu nichts beurteilen. Ein Herzultraschall bleibt der genauere Weg und wird meist trotzdem nachgeholt.

Worauf du zu Hause achten kannst

Am aussagekräftigsten ist die Atemfrequenz im Schlaf oder in völliger Ruhe. Du zählst dafür eine Minute lang, wie oft sich der Brustkorb hebt, während dein Hund entspannt schläft, und notierst den Wert ein paar Mal pro Woche. Einzelne Ausreißer sagen wenig, aber ein Wert, der über mehrere Tage deutlich ansteigt, ist ein frühes und ernst zu nehmendes Zeichen dafür, dass sich Flüssigkeit in der Lunge staut. Lass dir in der Tierarztpraxis sagen, ab welcher Zahl du anrufen sollst.

Daneben lohnt der Blick auf Husten, vor allem nachts oder nach dem Aufstehen, auf schnelleres Ermüden bei Spaziergängen, die vorher kein Problem waren, und auf kurze Ohnmachtsanfälle. Auch ein dicker werdender Bauch gehört dazu, allerdings eher in fortgeschrittenen Stadien. Keines dieser Zeichen beweist für sich genommen eine bestimmte Diagnose, ernst sein können sie trotzdem. Atemnot, eine dauerhaft deutlich erhöhte Ruheatemfrequenz, ein Kollaps, bläuliche Schleimhäute oder ein rasch zunehmender Bauchumfang gehören noch am selben Tag in die Tierarztpraxis oder in den Notdienst. Husten und schnelleres Ermüden sind ein guter Grund, den nächsten Kontrolltermin vorzuziehen.

Wie die Aussichten sind und wie lange ein Hund damit leben kann

Ein Herzgeräusch allein sagt über die Lebenserwartung sehr wenig aus, und das ist die eigentlich gute Nachricht an diesem Befund. Viele Hunde mit einer undichten Mitralklappe leben Jahre damit, ohne je Beschwerden zu bekommen, und ein beachtlicher Teil stirbt am Ende aus ganz anderen Gründen. Was zählt, ist nicht das Geräusch, sondern das Stadium, das die Untersuchung feststellt.

Zeigt der Ultraschall ein normal großes Herz, geht es zunächst nur um regelmäßige Kontrollen. Ist das Herz vergrößert, kann eine Behandlung den Zeitpunkt, an dem eine Herzschwäche beginnt, deutlich nach hinten schieben. Und selbst wenn eine Herzschwäche eingetreten ist, lässt sie sich behandeln, und viele Hunde haben danach noch eine längere Zeit, in der es ihnen gut geht. Zahlen, die dazu kursieren, sind Durchschnittswerte über sehr unterschiedliche Hunde hinweg und sagen über einen einzelnen Hund wenig. Wie es um deinen steht, kann am besten die Tierärztin oder der Tierarzt einschätzen, die ihn kennen und untersucht haben.

Für den nächsten Termin lohnt es sich, drei Dinge anzusprechen: in welchem Stadium die Erkrankung steht und ob dafür schon ein Herzultraschall gemacht wurde, ab welcher Ruheatemfrequenz du dich melden sollst, und in welchem Abstand kontrolliert werden soll. Damit wird aus einem beunruhigenden Satz beim Abhören ein klarer Plan.

Und beim Menschen?

Ärztinnen und Ärzte teilen Herzgeräusche nach demselben Prinzip ein, nach Lautstärke und Zeitpunkt im Herzschlag. Siehe Systolikum beim Menschen.

Quellen

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Szatmári V, van Leeuwen MW, Teske E. Innocent cardiac murmur in puppies: prevalence, correlation with hematocrit, and auscultation characteristics. J Vet Intern Med. 2015;29(6):1524-1528. doi:10.1111/jvim.13632

Baron Toaldo M. Diagnosis and management of a more advanced stage of preclinical myxomatous mitral valve disease in dogs without echocardiography. Schweiz Arch Tierheilkd. 2024;166(12):619-631. doi:10.17236/sat00438

O'Brien MJ, Beijerink NJ, Wade CM. Genetics of canine myxomatous mitral valve disease. Anim Genet. 2021;52(4):409-421. doi:10.1111/age.13082

Boswood A, Häggström J, Gordon SG, et al. Effect of pimobendan in dogs with preclinical myxomatous mitral valve disease and cardiomegaly: the EPIC study, a randomized clinical trial. J Vet Intern Med. 2016;30(6):1765-1779. doi:10.1111/jvim.14586

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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