Cushing beim Hund bedeutet, dass über lange Zeit zu viel Cortisol auf den Körper einwirkt. Meist bildet der Körper es selbst im Übermaß, es kann aber auch von außen kommen, durch eine länger laufende Kortisonbehandlung, ein eigenes Hormon aus den Nebennieren. Die Nebennieren sind zwei kleine Drüsen direkt neben den Nieren, und ihr Cortisol hilft dem Körper normalerweise dabei, mit Belastung umzugehen, den Zucker- und Salzhaushalt zu regeln und Entzündungen zu dämpfen. In der Tierarztpraxis heißt die Erkrankung oft Hyperadrenokortizismus, manchmal auch Cushing-Syndrom. Sie trifft vor allem ältere Hunde, entwickelt sich über Monate und wird deshalb häufig für ganz normales Altwerden gehalten.
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Der auffälligste Hinweis ist der Durst. Hunde mit Cushing trinken den Napf leer, so schnell du ihn füllen kannst, müssen viel häufiger raus, verlangen nachts nach draußen oder machen plötzlich wieder in die Wohnung, obwohl sie seit Jahren stubenrein sind. Dazu kommt ein Heißhunger, der aus dem Nichts auftaucht: Der Hund bettelt, klaut vom Tisch, durchsucht den Mülleimer, obwohl er gerade gefressen hat.
Mit der Zeit verändert sich auch das Aussehen. Der Bauch hängt durch und wirkt rund, während die Beine dünner werden, weil das viele Cortisol Muskeln abbaut. Das Fell wird schütter, oft zuerst an den Flanken und am Rumpf, die Haut wird dünn und heilt schlecht. Viele Hunde hecheln stark, auch wenn es weder warm noch anstrengend ist, und sie werden schlapp, mögen keine langen Runden mehr und tun sich beim Treppensteigen oder beim Sprung ins Auto schwer.
Genau hier liegt das Problem: Jedes einzelne dieser Zeichen sieht nach einem alten Hund aus, der eben langsamer wird. Wenn ein Hund deutlich mehr trinkt, mehr frisst, dabei einen Hängebauch bekommt und Fell verliert, ist das keine normale Alterserscheinung, sondern ein Muster, das in die Tierarztpraxis gehört. Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto weniger Folgeschäden entstehen.
Warum der Körper zu viel Cortisol bildet
Ein Knoten in der Hirnanhangsdrüse
Von den Hunden, deren Körper das Cortisol selbst im Übermaß bildet, haben rund 85 von 100 die Ursache im Gehirn, in der Hirnanhangsdrüse. Diese kleine Drüse ist die Steuerzentrale für die Hormone und schickt den Nebennieren das Signal, Cortisol zu bilden. Sitzt dort ein meist gutartiger, oft winziger Knoten, sendet er dieses Signal unaufhörlich, und die Nebennieren gehorchen und produzieren immer weiter. Der Knoten selbst ist in der Regel nicht das Problem, das Dauersignal ist es.
Ein Tumor an der Nebenniere
Bei etwa 15 von 100 Hunden liegt die Ursache in der Nebenniere selbst, meist in Form eines Tumors, der eigenständig Cortisol ausschüttet, ohne auf ein Signal von oben zu warten. Diese Form ist seltener, wird im Ultraschall gesucht und kann, anders als die Form im Gehirn, manchmal operativ entfernt werden.
Kortison von außen
Die dritte Form entsteht durch Medikamente. Bekommt ein Hund über längere Zeit Kortison, etwa Tabletten oder Spritzen gegen eine hartnäckige Allergie oder eine Gelenkerkrankung, kann er dieselben Beschwerden entwickeln, weil dem Körper von außen zugeführt wird, was er sonst selbst herstellt. Diese Form heißt iatrogen, also durch die Behandlung ausgelöst. Setze Kortison deshalb niemals auf eigene Faust ab, auch wenn du den Zusammenhang vermutest. Der Körper hat seine eigene Cortisolbildung in dieser Zeit heruntergefahren und braucht Wochen, um sie wieder hochzufahren. Das Ausschleichen gehört in die Hand deiner Tierärztin oder deines Tierarztes.
Ob dein Hund dabei Schmerzen hat
Cushing selbst tut nicht weh. Ein zu hoher Cortisolspiegel verursacht keine Schmerzen, und die meisten betroffenen Hunde wirken deshalb lange Zeit nicht leidend, sondern eher hungrig, durstig und müde.
Die Folgen der Erkrankung können das Wohlbefinden trotzdem spürbar beeinträchtigen. Die dünne Haut entzündet sich leichter und heilt schlecht, manche Hunde bekommen harte Kalkeinlagerungen in der Haut, die jucken und wund werden. Blasenentzündungen treten häufiger auf und brennen beim Urinieren, die schwindende Muskulatur macht Aufstehen und Laufen mühsam, und das ständige Hecheln kostet Kraft. Wenn dein Hund also erkennbar Schmerzen zeigt, etwa jault, sich beim Anfassen wegdreht oder plötzlich lahmt, steckt meistens eine dieser Folgen oder eine zusätzliche Erkrankung dahinter, und beides lässt sich behandeln. Sprich es in der Tierarztpraxis gezielt an, statt es dem Cushing zuzuschreiben.
Wie die Diagnose gestellt wird
Bei Cushing ist die Diagnose ehrlich gesagt unübersichtlich, und es hilft zu wissen, warum. Es gibt keinen einzigen Test, der die Erkrankung sicher beweist oder ausschließt. Alle verfügbaren Tests erkennen kranke Hunde zwar recht zuverlässig, schlagen aber auch bei gesunden Hunden viel zu oft an, besonders wenn das Tier gestresst ist oder gleichzeitig etwas anderes hat.
In einer Untersuchung an 324 Hunden erkannte der gängige Bluttest, bei dem über mehrere Stunden nach einer kleinen Dexamethason-Gabe der Cortisolwert verfolgt wird, rund neun von zehn tatsächlich erkrankten Tieren. Bei Hunden ohne Cushing fiel er allerdings in fast der Hälfte der Fälle trotzdem auffällig aus. ### Der Urintest
Der Urintest, bei dem das Verhältnis von Cortisol zu Kreatinin im Morgenurin gemessen wird, schnitt ähnlich ab und wird vor allem genutzt, um Cushing bei geringem Verdacht auszuschließen, nicht um ihn zu bestätigen. ### Der ACTH-Stimulationstest
Es gibt außerdem einen zweiten Bluttest, den ACTH-Stimulationstest, der sich von Stress weniger aus der Ruhe bringen lässt, dafür aber die Nebennieren-Form häufiger übersieht.
Daraus folgt etwas sehr Praktisches: Eine Tierärztin oder ein Tierarzt testet auf Cushing, weil das Gesamtbild passt, und nicht, um bei einem unauffälligen Hund einmal nachzusehen. Ein positives Ergebnis bei einem Hund ohne passende Anzeichen ist häufiger falsch als richtig und führt sonst zu einer Behandlung, die das Tier gar nicht braucht. Deshalb stehen am Anfang immer die Beobachtungen aus dem Alltag, eine allgemeine Blutuntersuchung und meist ein Ultraschall des Bauchraums, bevor überhaupt ein Hormontest gemacht wird. Nimm ruhig mit, was dir zu Hause aufgefallen ist, auch wie viel dein Hund am Tag trinkt.
Wie Cushing behandelt wird
Medikamente
Die Standardbehandlung ist der Wirkstoff Trilostan, den es als Kapseln gibt, am bekanntesten unter dem Namen Vetoryl. Trilostan bremst die Cortisolbildung in den Nebennieren, sodass der Spiegel wieder in einen normalen Bereich sinkt. Meist lassen Durst und Hunger als Erstes nach, oft schon nach wenigen Wochen, während Fell und Muskulatur Monate brauchen. Die Dosis richtet sich nach Gewicht, Blutwerten und dem Befinden deines Hundes und wird von der Tierarztpraxis festgelegt und immer wieder angepasst, deshalb findest du hier bewusst keine Mengenangaben.
Dass regelmäßig kontrolliert wird, gehört fest zur Behandlung dazu. Zu wenig Wirkstoff lässt die Beschwerden bestehen, zu viel drückt das Cortisol zu tief, und dann fehlt dem Körper ein Hormon, das er zum Leben braucht. Wird dein Hund unter der Behandlung teilnahmslos, frisst nicht mehr, erbricht oder hat Durchfall, ist das ein Grund, noch am selben Tag in der Tierarztpraxis anzurufen.
Dass sich der Aufwand lohnt, zeigt ein Vergleich aus einer allgemeinen Tierarztpraxis: Von 43 Hunden mit der hirnanhangsbedingten Form wurden 17 behandelt und 26 nicht, und die unbehandelten Tiere hatten ein etwa fünffach höheres Sterberisiko als die behandelten.
Operation bei einem Nebennierentumor
Sitzt die Ursache in einem Tumor der Nebenniere, ist die operative Entfernung der Weg, der die Erkrankung wirklich beenden kann. Der Eingriff ist allerdings anspruchsvoll, nicht jede Klinik bietet ihn an, und er kommt nur infrage, wenn der Tumor günstig liegt und der Hund die Narkose gut verträgt. Viele Halter:innen entscheiden sich aus guten Gründen dagegen. Dann wird auch diese Form medikamentös behandelt, meist ebenfalls mit Trilostan. In einer Untersuchung an 26 Hunden mit einem Nebennierentumor lebten die mit Trilostan behandelten Tiere ähnlich lange wie die mit dem älteren Wirkstoff Mitotan, im Mittel gut ein Jahr, bei besserer Verträglichkeit.
Welche Erkrankungen sich dazugesellen können
Zu viel Cortisol belastet den ganzen Körper, und deshalb kommen bei Cushing oft weitere Probleme dazu. Der Blutzucker steigt, sodass sich eine Zuckerkrankheit entwickeln oder eine bestehende schlechter einstellen lässt. Der Blutdruck ist häufig erhöht, das Immunsystem arbeitet gedämpft, wodurch Infektionen leichteres Spiel haben, allen voran Blasenentzündungen, die manchmal ohne jedes sichtbare Zeichen verlaufen. Außerdem neigt das Blut stärker zur Gerinnselbildung, was im ungünstigsten Fall ein Gefäß in der Lunge verstopfen kann. Deshalb werden bei den Kontrollterminen nicht nur der Cortisolwert, sondern auch Zucker, Blutdruck und Urin überprüft.
Ob dein Hund ein besonderes Futter braucht
Ein spezielles Cushing-Futter gibt es nicht, und keine Diät ersetzt die Behandlung. Was auf den Napf kommt, richtet sich nach dem, was dein Hund sonst noch hat: Bei einer gleichzeitigen Zuckerkrankheit, einer Nierenschwäche oder einer Bauchspeicheldrüsenentzündung gelten die Empfehlungen für diese Erkrankung, und die stimmst du am besten direkt in der Tierarztpraxis ab. Ansonsten ist ein hochwertiges Alleinfutter in abgemessenen Portionen völlig ausreichend. Weil der Heißhunger echtes Betteln auslöst, hilft es, die Tagesration auf mehrere kleine Mahlzeiten zu verteilen und Mülleimer und Küchentheke gut zu sichern.
Wie die Aussichten sind und wie lange ein Hund damit leben kann
Cushing ist eine Erkrankung, mit der viele Hunde noch lange und gut leben, und die meisten sind bei der Diagnose ohnehin schon Senioren. Behandelt zu werden bedeutet in aller Regel: wieder normal trinken, ruhiger schlafen, Fell und Kraft zurückgewinnen. Zahlen zur Überlebenszeit gibt es, doch sie sind Durchschnittswerte aus Gruppen sehr unterschiedlicher Hunde und sagen nichts darüber, wie es deinem Hund gehen wird.
Wie stark sie auseinandergehen, zeigt der Vergleich zweier Untersuchungen. In einer englischen Auswertung von 219 Hunden aus ganz normalen Tierarztpraxen lag die mittlere Überlebenszeit ab der Diagnose bei rund 1,4 Jahren. In einer spanischen Klinikgruppe von 91 Hunden mit der hirnanhangsbedingten Form, die eine niedrig dosierte Trilostan-Behandlung zweimal täglich bekamen, waren es rund 2,7 Jahre. Der Unterschied liegt weniger an der Behandlung als an den Hunden selbst: In der englischen Gruppe waren alle Fälle enthalten, auch sehr alte Tiere und solche mit mehreren Erkrankungen, und die meisten starben im Beobachtungszeitraum an irgendetwas, nicht unbedingt am Cushing. Die Klinikgruppe war jünger und ausgewählter. Deshalb passt keine der beiden Zahlen einfach so auf einen einzelnen Hund.
Was die Aussichten tatsächlich verbessert, ist gut greifbar: früh reagieren statt die Zeichen dem Alter zuschreiben, die Kontrolltermine einhalten, Begleiterkrankungen mitbehandeln lassen. Und wenn der Tag kommt, an dem dein Hund trotz Behandlung nicht mehr frisst, nicht mehr aufstehen mag und keine Freude mehr an den kleinen Dingen hat, ist auch die Entscheidung zum Einschläfern eine liebevolle und richtige. Deine Tierärztin oder dein Tierarzt kennt deinen Hund und hilft dir, den Zeitpunkt einzuschätzen.
Und beim Menschen?
Das Cushing-Syndrom gibt es auch beim Menschen, dort allerdings selten. Mehr unter Cushing-Syndrom beim Menschen.
Quellen
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Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.
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