So erkennst und behandelst du Arthrose bei deinem Hund

So erkennst und behandelst du Arthrose bei deinem Hund

Arthrose ist eine chronische Erkrankung der Gelenke, bei der der Knorpel nach und nach abgebaut wird, der Knochen sich am Gelenkrand umbaut und die Gelenkinnenhaut dauerhaft entzündet ist. Sie lässt sich nicht heilen, aber gut behandeln, bei vielen Hunden über Jahre hinweg.

Der Begriff "Gelenkverschleiß", den man oft hört, führt dabei in die Irre. Arthrose ist nicht einfach abgenutztes Material wie ein durchgelaufener Schuh, sondern ein aktiver Krankheitsprozess mit einer stillen Entzündung im Gelenk, die den Knorpelabbau immer weiter antreibt und Schmerzen macht. Genau deshalb bringt es auch etwas, früh einzugreifen: Je besser der Schmerz kontrolliert ist und je mehr sich dein Hund normal bewegt, desto eher bleiben Muskulatur und Beweglichkeit erhalten. Dass sich dadurch auch der Gelenkverschleiß selbst aufhalten ließe, ist damit nicht gesagt: Schmerzmittel lindern die Beschwerden, sie reparieren das Gelenk nicht.

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Woran du Arthrose bei deinem Hund erkennst

Die ersten Zeichen sind fast nie ein dramatisches Hinken, sondern kleine Veränderungen im Alltag, die leicht als "er wird eben älter" abgetan werden. Typisch ist eine Steifigkeit nach dem Ruhen: Dein Hund kommt morgens oder nach einem langen Nickerchen schwerfällig hoch, läuft sich in den ersten Minuten aber sichtbar ein und wirkt danach wieder lockerer. Diese Kombination aus Anlaufschmerz und Besserung durch Bewegung ist eines der verlässlichsten Warnsignale.

Dazu kommen Dinge, die viele Halter:innen erst im Rückblick zusammensetzen. Der Hund zögert vor der Treppe, springt nicht mehr von selbst ins Auto oder aufs Sofa, bleibt auf dem Spaziergang zurück, statt vorauszulaufen, und legt sich schneller hin. Manche lecken auffällig an einem bestimmten Gelenk, meist an der Vorderpfote oder am Knie. Andere werden ungeduldig oder mürrisch, wenn sie angefasst oder gebürstet werden, oder mögen nicht mehr mit dem Hund von nebenan spielen. Reizbarkeit ist bei einem Hund mit Dauerschmerz kein Charakterfehler, sondern ein Symptom.

Weil diese Zeichen so unauffällig sind, bleibt Arthrose oft lange unentdeckt. Wenn dir mehrere dieser Beobachtungen bekannt vorkommen, ist das ein guter Grund für einen Termin, auch ohne akute Lahmheit.

Wie Arthrose beim Hund entsteht

Anders als beim Menschen ist Arthrose beim Hund selten reine Alterserscheinung. Bei einem großen Teil der Hunde steckt eine Ursache dahinter, die das Gelenk schon lange vorher aus dem Gleichgewicht gebracht hat.

Fehlstellungen, die im Wachstum entstehen

Bei der Hüftgelenksdysplasie passen Gelenkkopf und Gelenkpfanne nicht sauber ineinander, das Gelenk ist zu locker, und der Kopf reibt bei jeder Bewegung falsch in der Pfanne. Bei der Ellbogendysplasie ist es ähnlich, nur eine Etage weiter vorn: Die Gelenkanteile passen nicht exakt zusammen, und der Knorpel wird punktuell überlastet. Beides entsteht während des Wachstums, macht aber häufig erst später Beschwerden, wenn sich daraus eine Arthrose entwickelt hat.

Bei kleinen Rassen kommt dagegen die Patellaluxation deutlich häufiger vor, also eine Kniescheibe, die aus ihrer Führungsrinne rutscht. Jedes Herausspringen reizt das Knie, und über die Jahre entsteht daraus ebenfalls Arthrose.

Der Kreuzbandriss

Ein gerissenes vorderes Kreuzband gehört zu den häufigsten Ursachen für Lahmheit beim Hund und führt fast zwangsläufig zu einer Arthrose im Knie, weil das Gelenk ohne dieses Band instabil wird. Anders als beim Menschen ist das meist kein Sportunfall, sondern das Ende einer schleichenden Bandschwäche: Das Band wird über Monate mürbe und reißt dann bei einer ganz alltäglichen Bewegung. Betroffen sind besonders Hunde im mittleren Alter, außerdem kastrierte Tiere und bestimmte Rassen wie Rottweiler, Bichon Frisé oder West Highland White Terrier.

Übergewicht, Größe und Rasse

Jedes zusätzliche Kilo belastet jedes Gelenk bei jedem Schritt, und Fettgewebe ist außerdem stoffwechselaktiv und hält die Entzündung im Gelenk mit in Gang. Übergewicht ist damit sowohl eine eigene Ursache als auch der Verstärker jeder anderen. Große und schwere Rassen sind insgesamt häufiger betroffen als kleine, aber kein Hund ist grundsätzlich sicher.

Was in der Tierarztpraxis passiert

Die Untersuchung beginnt mit dem, was du beobachtet hast, und das ist mehr wert, als viele denken. Danach schaut sich die Tierärztin oder der Tierarzt das Gangbild an, tastet die Gelenke ab, prüft, wie weit sie sich beugen und strecken lassen, und achtet auf Knirschen, Verdickungen oder Abwehrreaktionen. Röntgenaufnahmen zeigen dann die typischen Veränderungen: knöcherne Zacken am Gelenkrand, ein schmaler gewordener Gelenkspalt, verdichteter Knochen.

Wie schlimm ein Gelenk auf dem Röntgenbild aussieht, sagt nur begrenzt etwas darüber, wie sehr dein Hund leidet. Es gibt Hunde mit deutlichen Veränderungen im Bild, die kaum Schmerzen haben, und andere mit einem fast unauffälligen Bild, denen es richtig schlecht geht. Ein "schlechtes" Röntgenbild ist also kein Urteil, und ein "gutes" kein Freibrief. Wie es deinem Hund geht, entscheidet sich daran, was er im Alltag noch gerne tut.

Was gegen die Schmerzen hilft

Arthrose wird nicht mit einer einzigen Maßnahme behandelt, sondern mit mehreren, die zusammenwirken. Fachlich heißt das multimodal, und praktisch bedeutet es: Gewicht, Bewegung und Medikamente greifen ineinander, und jede Säule für sich allein bleibt hinter dem zurück, was gemeinsam möglich wäre.

Gewicht: der stärkste und am meisten übersehene Hebel

Wenn dein Hund zu viel wiegt, ist Abnehmen einer der wirksamsten Hebel, die du in der Hand hast, und er kostet nichts. In einer Studie mit übergewichtigen Hunden, die eine Arthrose hatten und 16 Wochen lang kalorienreduziert gefüttert wurden, besserte sich die Lahmheit deutlich messbar, sobald die Tiere rund sechs bis neun Prozent ihres Körpergewichts verloren hatten. Das ist bei einem 30-Kilo-Hund weniger als drei Kilo. Viele Halter:innen geben viel Geld für Nahrungsergänzung aus, während der Hebel mit dem größten belegten Nutzen im Futternapf liegt. Das ist kein Vorwurf, denn Gewicht schleicht sich unbemerkt an, aber es lohnt sich, den Futterplan in der Tierarztpraxis konkret besprechen zu lassen, statt nur die Portion nach Gefühl zu kürzen.

Bewegung und Physiotherapie

Schonen ist bei Arthrose der falsche Reflex. Der Knorpel wird nicht durchblutet, sondern über die Gelenkflüssigkeit versorgt, und die verteilt sich nur, wenn das Gelenk bewegt wird. Gut ist regelmäßige, moderate Bewegung: mehrere kürzere Runden über den Tag verteilt, auf möglichst ebenem, rutschfestem Untergrund. Schlecht ist das Wochenendmuster, also fünf Tage Couch und dann eine dreistündige Wanderung, denn genau darauf folgen die schlechten Tage.

Physiotherapie und Unterwasserlaufband gehören zum festen Bestandteil der Behandlung. Im Wasser trägt der Auftrieb einen Teil des Körpergewichts, sodass dein Hund die Muskulatur aufbauen kann, ohne die Gelenke voll zu belasten, und eine kräftige Muskulatur stabilisiert das Gelenk und nimmt ihm Arbeit ab.

Schmerzmittel aus der Tierarztpraxis

Die Basis sind entzündungshemmende Schmerzmittel, die in der Tierarztpraxis meist NSAR genannt werden. Sie dämpfen die Entzündung im Gelenk und damit den Schmerz und sind bei Hunden mit Arthrose am besten untersucht. Weil sie über längere Zeit gegeben werden, kontrolliert die Tierarztpraxis dabei Magen, Nieren und Leber und passt die Menge an. Wie viel dein Hund braucht, hängt an seinem Gewicht und seinem Gesundheitszustand und wird verordnet, nicht geschätzt.

Seit einigen Jahren gibt es zusätzlich einen Antikörper, der einmal im Monat unter die Haut gespritzt wird und einen Botenstoff abfängt, der Schmerzsignale aus dem Gelenk weiterleitet. Der Wirkstoff heißt Bedinvetmab und ist als Librela im Handel. In einer Zulassungsstudie sprachen deutlich mehr behandelte Hunde an als in der Vergleichsgruppe. Ob diese Spritze für deinen Hund infrage kommt, wie sie gegenüber Tabletten abzuwägen ist und wie der Stand zu Nutzen und Verträglichkeit gerade aussieht, besprichst du am besten in der Tierarztpraxis, denn bei einem noch jungen Wirkstoff ändert sich dieses Bild schneller als bei den lange eingeführten Tabletten. Reicht das alles nicht aus, gibt es weitere Medikamente, die zusätzlich zur Schmerzbehandlung eingesetzt werden können und die deine Tierärztin oder dein Tierarzt individuell erwägt.

Nahrungsergänzung und Omega-3

In diesen Regalen liegt viel Geld, und die Studienlage ist uneinheitlich. Ein Kombinationspräparat aus Eierschalenmembran, Krillöl, Astaxanthin, Hyaluronsäure und Weihrauchextrakt verbesserte in einer Untersuchung mit 52 Hunden über 90 Tage die Beweglichkeit und den Schmerz deutlicher als ein Scheinpräparat, allerdings wurde diese Studie vom Hersteller finanziert. Auf der anderen Seite steht eine Untersuchung an 77 Hunden mit Arthrose, in der Fischöl gegen Maisöl getestet wurde und kein klarer Unterschied zwischen den Gruppen herauskam, wobei die Autor:innen selbst einräumten, dass Maisöl als Vergleich schlecht geeignet war.

Ein Ergänzungsmittel kann bei manchen Hunden also zusätzlich etwas bringen, sicher belegt ist das für kein einzelnes Produkt, und es ersetzt weder das Abnehmen noch verordnete Schmerzmittel. Wenn du etwas ausprobieren möchtest, sprich es in der Tierarztpraxis ab und gib ihm ein paar Wochen Zeit, bevor du entscheidest, ob sich im Alltag wirklich etwas ändert.

Wann eine Operation infrage kommt

Steckt eine klare strukturelle Ursache hinter der Arthrose, kann ein Eingriff sinnvoll sein, etwa eine Stabilisierung des Knies nach einem Kreuzbandriss oder ein Eingriff an der Hüfte bei schwerer Dysplasie. Ob sich das lohnt, hängt vom Alter, vom Zustand des Gelenks, von Begleiterkrankungen und auch von den Kosten ab. Bei einer Arthrose, die sich über viele Gelenke verteilt und keine einzelne behebbare Ursache hat, bleibt die konservative Behandlung die tragende Säule.

Was du zu Hause verbessern kannst

Zwischen den Terminen entscheidet sich viel im Alltag, und einiges davon kostet nur ein paar Handgriffe. Ein warmer, weicher und ausreichend großer Liegeplatz ohne Zugluft nimmt steifen Gelenken die schlimmsten Anlaufschmerzen. Glatte Böden sind für einen arthrotischen Hund eine tägliche Zumutung, weil die Beine wegrutschen und er sich mit jedem Schritt anspannt. Läufer und rutschfeste Matten auf den Hauptwegen durch die Wohnung ändern das sofort. Eine Rampe ins Auto oder aufs Sofa spart genau die Sprünge, die am meisten wehtun, und wenn die Krallen zu lang sind, steht dein Hund unphysiologisch und belastet die Gelenke zusätzlich falsch, also gehört regelmäßiges Kürzen mit dazu. Statt einer langen Runde lieber mehrere kurze, und im Winter hilft ein Mantel, weil Kälte die Steifigkeit verstärkt.

Wärme am schmerzenden Gelenk empfinden viele Hunde als angenehm, solange sie ausweichen können und nichts direkt auf der Haut liegt. All das unterstützt die Behandlung, ersetzt sie aber nicht: Ein Hund, der Schmerzen hat, braucht eine wirksame Schmerztherapie, und keine noch so gute Matratze kann die ersetzen.

Warum Schmerzmittel aus deiner Hausapotheke tabu sind

Gib deinem Hund nie auf eigene Faust ein Schmerzmittel aus dem eigenen Schrank. Ibuprofen und Diclofenac sind für Hunde besonders gefährlich und können schon in kleinen Mengen zu Magengeschwüren und Nierenschäden führen. Paracetamol und Acetylsalicylsäure werden in bestimmten Situationen tierärztlich verordnet, aber der Abstand zwischen wirksam und schädlich ist eng, und die richtige Menge kann niemand zu Hause abschätzen. Das gilt genauso für Tabletten, die einem anderen Hund verschrieben wurden. Wenn dein Hund Schmerzen hat, ruf in der Tierarztpraxis an, auch wenn es nur um die Überbrückung bis zum Termin geht.

Wie die Aussichten sind

Heilbar ist Arthrose nicht, gut behandelbar dagegen schon. Sie ist eine chronische Erkrankung, die sich über Jahre kontrollieren lässt, wenn Gewicht, Bewegung und Schmerzbehandlung zusammenpassen. Das Ziel ist nicht ein sauberes Röntgenbild, sondern ein Hund, der aufsteht ohne Mühe, gern spazieren geht und im Alltag Freude hat.

Der Verlauf schwankt dabei. Es gibt bessere und schlechtere Phasen, oft wetterabhängig oder nach Überlastung, und die Behandlung wird im Lauf der Zeit angepasst. Ein regelmäßiger Kontrolltermin, auch wenn gerade alles gut läuft, hilft, diese Anpassung rechtzeitig zu machen, statt erst dann, wenn es schon eine Weile schlecht geht.

Wann das Einschläfern ein Thema werden kann

Eine Arthrose allein zwingt selten zu dieser Entscheidung. Zum Thema wird sie erst, wenn sich die Schmerzen trotz ausgeschöpfter Behandlung nicht mehr ausreichend lindern lassen oder wenn ein Hund so bewegungsunfähig wird, dass er nicht mehr allein aufstehen, nach draußen gehen oder sich sauber halten kann. Sehr oft spielen dann noch andere Erkrankungen des Alters mit hinein.

Wenn du dir diese Frage stellst, hilft es, sie an konkreten Beobachtungen festzumachen statt an einem Gefühl. Kommt dein Hund noch selbstständig hoch, oder muss er jeden Tag mehrfach gehoben werden? Frisst er noch mit Appetit? Zeigt er noch Interesse an den Dingen, die ihm immer wichtig waren, an der Begrüßung an der Tür, am Schnüffeln draußen, am Kontakt mit dir? Hat er mehr gute Tage als schlechte, und wie hat sich dieses Verhältnis über die letzten Wochen verschoben? Manche Halter:innen führen dafür einen einfachen Kalender mit einem guten oder schlechten Tag pro Feld, und dieses Bild ist ehrlicher als die Erinnerung.

Besprich diese Beobachtungen mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt, und zwar früher, als du es für nötig hältst. Die Tierarztpraxis kennt deinen Hund, kann einschätzen, ob die Schmerzbehandlung noch Spielraum hat, und trägt die Entscheidung mit. Sich am Ende für das Einschläfern zu entscheiden, ist keine Kapitulation und kein Versagen, sondern eine letzte fürsorgliche Entscheidung, wenn Lebensqualität nicht mehr herzustellen ist. Und genauso wenig ist es falsch, wenn du noch Zeit brauchst, solange dein Hund schmerzfrei ist.

Und beim Menschen?

Im Gelenk passiert dasselbe, nur sind die Auslöser andere: Beim Menschen spielt das Alter eine größere Rolle, beim Hund die Gelenkform. Wenn du einen eigenen Befund verstehen willst, hilft dir Arthrose beim Menschen.

Quellen

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BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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