HD beim Hund: Der Buchstabe ist kein Urteil

HD beim Hund: Der Buchstabe ist kein Urteil

HD ist die Abkürzung für Hüftdysplasie, eine Fehlentwicklung des Hüftgelenks beim Hund: Gelenkkugel und Gelenkpfanne passen nicht sauber ineinander, das Gelenk hat zu viel Spiel, und der Knorpel nutzt sich dadurch schneller ab, als er sollte. Sie entsteht im Wachstum, betrifft vor allem große und schwere Rassen und wird auf einem Röntgenbild mit einem Buchstaben von A bis E bewertet. Dieser Buchstabe beschreibt allerdings nur, wie das Gelenk auf dem Bild aussieht, und nicht, wie es deinem Hund damit geht. Viele Hunde mit einem C oder D laufen ihr Leben lang unauffällig, ohne Schmerzen und ohne Einschränkung.

Was im Hüftgelenk passiert

Das Hüftgelenk ist ein Kugelgelenk. Oben am Oberschenkelknochen sitzt eine runde Kugel, der Oberschenkelkopf, und die liegt in einer Pfanne im Beckenknochen, ungefähr so wie eine Hand in einem gut sitzenden Handschuh. Damit das reibungslos funktioniert, muss die Pfanne die Kugel weit genug umfassen und die Bänder ringsum müssen sie an ihrem Platz halten.

Bei einer Hüftdysplasie ist genau das nicht der Fall. Die Pfanne ist zu flach ausgebildet oder der Halt zu locker, sodass die Kugel bei jedem Schritt ein Stück verrutscht statt sauber zu rollen. Welpen kommen mit normal angelegten Hüften zur Welt, die Fehlform entwickelt sich erst im Wachstum, wenn Knochen, Muskeln und Bänder ungleichmäßig mitwachsen. Weil das Gelenk dabei ständig ungleich belastet wird, reibt sich die glatte Knorpelschicht an manchen Stellen stärker ab und der Knochen darunter reagiert mit Umbau und knöchernen Zubildungen. Daraus entsteht mit den Jahren eine Arthrose, also ein dauerhafter Gelenkverschleiß mit Entzündung und Steifigkeit. Diese Arthrose ist bei älteren Hunden der häufigste Grund für Beschwerden. Bei jungen Hunden können aber auch das lockere Gelenk selbst und die gereizte Gelenkkapsel wehtun, noch bevor sich Arthrose gebildet hat.

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Was die Buchstaben A bis E auf dem Befund bedeuten

Für die offizielle Bewertung wird der Hund in der Tierarztpraxis oder Tierklinik in Narkose oder tiefer Sedierung geröntgt, damit die Hinterbeine völlig entspannt und exakt gleich gelagert sind. Die Aufnahmen gehen dann an Gutachter:innen, die den Sitz der Gelenkkugel in der Pfanne und mögliche Verschleißzeichen beurteilen. Bewertet wird meist ab dem zwölften Lebensmonat, weil das Skelett vorher noch zu sehr in Bewegung ist und ein früheres Bild wenig aussagt.

Was A bis E im Einzelnen heißen

Das in Deutschland und weiten Teilen Europas übliche Schema stammt vom Weltverband der Hundezuchtverbände FCI und kennt fünf Stufen. A heißt frei von Hüftdysplasie, das Gelenk sieht unauffällig aus. B ist eine Übergangsform, also fast normal, mit minimalen Abweichungen, die noch keine Dysplasie sind. C steht für eine leichte, D für eine mittlere und E für eine schwere Hüftdysplasie. Für die Zucht ist das der entscheidende Unterschied: Viele Vereine lassen nur Hunde mit A, B oder C zur Zucht zu. Für das Leben deines Hundes als Familienhund sagt der Buchstabe dagegen deutlich weniger aus, als er vermuten lässt.

Warum ein Wert aus England oder den USA anders aussieht

Wenn du Befunde aus dem Ausland vergleichst oder Zuchtdaten liest, triffst du auf ganz andere Angaben. In den USA bewertet die OFA, eine Organisation, die Röntgenbilder nach eigenen Kriterien beurteilt, mit Wortstufen von Excellent über Good, Fair und Borderline bis Mild, Moderate und Severe. In Großbritannien vergibt das Schema des Tierärzteverbands BVA gemeinsam mit dem Kennel Club einen Punktwert, bei dem neun Einzelmerkmale pro Hüfte addiert werden und ein niedriger Wert der bessere ist. Diese Systeme lassen sich nicht eins zu eins in FCI-Buchstaben umrechnen. Ein amerikanisches Fair ist also kein automatisches C, auch wenn es auf den ersten Blick so wirkt.

Warum Grad C oder D nichts über Schmerzen aussagt

Ein Buchstabe wirkt wie eine exakte Messgröße, und genau das ist er nicht. In einer Schweizer Untersuchung beurteilten 62 Gutachter:innen dieselben zwölf Röntgenbildsätze. Bei nur einem einzigen dieser zwölf Hunde kamen alle zum selben Ergebnis, sonst gingen die Bewertungen auseinander. Derselbe Hund kann also je nach beurteilender Person einen anderen Buchstaben bekommen. Der Abstand zwischen einem B und einem C oder einem C und einem D ist damit kleiner und unschärfer, als der Befund vermuten lässt.

Dazu kommt, dass sich das, was auf dem Röntgenbild zu sehen ist, nur teilweise damit deckt, wie es dem Hund tatsächlich geht. In einer amerikanischen Untersuchung an 123 jungen Hunden im Alter von acht Monaten bis vier Jahren zeigten rund 40 Prozent in mindestens einem Gelenk bereits Verschleißzeichen im Röntgenbild. Von diesen Hunden reagierte aber nur etwa die Hälfte bei der Untersuchung überhaupt schmerzhaft, und von denen, die Schmerzen hatten, war das ihren Halter:innen nur bei etwa jedem dritten aufgefallen. Betrachtet wurden dabei nicht nur Hüften, sondern Gelenke allgemein, die Hüfte gehörte aber zu den am häufigsten betroffenen.

Aus beiden Beobachtungen folgt dasselbe für dich: Ein hoher Buchstabe ist kein Urteil und ein niedriger keine Garantie. Manche Hunde mit einem D bewegen sich völlig normal, manche mit einem B haben Beschwerden. Ob und wie behandelt wird, entscheidet sich daran, was dein Hund im Alltag zeigt, und nicht allein am Röntgenbefund. Umgekehrt lohnt es sich, bei einem unauffälligen Buchstaben trotzdem hinzuschauen, wenn dein Hund steif aufsteht oder schneller müde wird, denn Beschwerden werden bei jungen Hunden oft übersehen.

Wie sich HD beim Hund äußert

Die Anzeichen sind selten dramatisch, sondern schleichen sich ein. Typisch ist, dass ein Hund sich morgens oder nach längerem Liegen schwer tut aufzustehen, sich erst einläuft und nach ein paar Minuten wieder normal wirkt. Manche wechseln im schnellen Lauf in einen hoppelnden Gang, bei dem beide Hinterbeine gleichzeitig abdrücken wie bei einem Kaninchen. Andere zögern plötzlich vor der Treppe, springen nicht mehr ins Auto oder aufs Sofa, machen auf dem Spaziergang früher schlapp oder wollen nach einer langen Runde am nächsten Tag lieber liegen bleiben. Auch ein wackeliger, schwankender Gang der Hinterhand, eine schmaler werdende Oberschenkelmuskulatur oder Empfindlichkeit beim Berühren der Hüfte können dazugehören.

Viele Hunde mit einer Hüftdysplasie zeigen allerdings über Jahre kaum etwas davon. Hunde verteilen ihr Gewicht unbemerkt um, gleichen mit Muskelkraft aus und beschweren sich nicht. Deshalb sind es oft die leisen Veränderungen, die zählen: weniger Ausdauer, weniger Lust am Spiel, eine neue Vorsicht bei Bewegungen, die vorher selbstverständlich waren. Wenn dir so etwas auffällt, ist der Weg in die Tierarztpraxis sinnvoll, auch wenn dein Hund nicht hinkt. Dort wird das Gelenk abgetastet und in seiner Beweglichkeit geprüft, oft ergänzt durch ein Röntgenbild, und daraus ergibt sich, ob die Hüfte wirklich die Ursache ist.

Ist HD bei Hunden heilbar?

Die Fehlform selbst geht nicht mehr weg. Eine Pfanne, die zu flach angelegt ist, wird auch mit der besten Behandlung nicht tief. In diesem Sinn ist eine Hüftdysplasie nicht heilbar, und Mittel, die eine Heilung versprechen, halten dieses Versprechen nicht.

Das ist aber nur die halbe Antwort. Was einem Hund zu schaffen macht, sind nicht die Umrisse des Gelenks auf einem Bild, sondern Schmerz, Steifigkeit und der fortschreitende Verschleiß. Und genau diese Folgen lassen sich gut beeinflussen, oft ein Hundeleben lang. Mit passendem Gewicht, gut dosierter Bewegung, kräftiger Muskulatur und bei Bedarf Schmerzmitteln bleiben viele Hunde mit einer deutlichen Dysplasie über Jahre beschwerdefrei und aktiv. Nicht heilbar heißt hier also nicht schicksalhaft, sondern behandelbar und begleitbar.

Was gegen HD beim Hund hilft

Die Behandlung richtet sich nach den Beschwerden, nicht nach dem Buchstaben. Bei den meisten Hunden beginnt sie ohne Operation, und diese Bausteine greifen ineinander.

Gewicht

Jedes zusätzliche Kilo wirkt bei jedem einzelnen Schritt auf ein Gelenk, das ohnehin nicht sauber führt. Ein schlanker Hund, bei dem du die Rippen unter der Haut fühlen kannst, ohne sie zu sehen, nimmt seinen Hüften spürbar Arbeit ab. Wenn dein Hund zu viel wiegt, gehört ein gemeinsam mit der Tierarztpraxis geplantes Abnehmprogramm deshalb ganz an den Anfang, und die Wirkung zeigt sich meist schon nach wenigen Kilo.

Bewegung und Muskeln

Ein Hund mit Hüftdysplasie braucht Bewegung, nur anders verteilt. Gut sind regelmäßige, gleichmäßige Runden an der Leine oder im ruhigen Trab, dazu Schwimmen oder Unterwasserlaufband, wo das Wasser das Gewicht abnimmt. Ungünstig sind die kurzen Kraftspitzen: Bällewerfen mit abruptem Abbremsen, wilde Sprints mit Wendungen, Sprünge aus dem Kofferraum. Kräftige Oberschenkel- und Rückenmuskeln stabilisieren das lockere Gelenk von außen und nehmen ihm einen Teil der Arbeit ab, deshalb ist Muskelaufbau kein nettes Extra, sondern Teil der Behandlung. Eine Tierphysiotherapie kann dabei zeigen, welche Übungen zu deinem Hund passen und wie oft sie sinnvoll sind.

Schmerzmittel

Hat ein Hund Schmerzen, sollten sie behandelt werden, und zwar nicht erst, wenn er deutlich hinkt. Dafür gibt es entzündungshemmende Schmerzmittel für Hunde und weitere Wirkstoffe, die eine Tierärztin oder ein Tierarzt auswählt, dosiert und in Abständen kontrolliert, weil Verträglichkeit und Menge von Gewicht, Alter, Nieren und Leber abhängen. Schmerzmittel aus der Hausapotheke solltest du deinem Hund nie auf eigene Faust geben. Ibuprofen und Diclofenac sind für Hunde besonders gefährlich, und auch bei allen anderen Präparaten entscheidet die Tierarztpraxis, was passt und in welcher Menge.

Wenn eine Operation infrage kommt

Operiert wird nicht wegen eines Buchstabens, sondern wenn ein Hund trotz konsequenter konservativer Behandlung Schmerzen hat oder das Gelenk sehr instabil ist. Bei jungen Hunden, deren Gelenk noch keinen Verschleiß zeigt, kann eine Umstellung der Beckenknochen die Pfanne so drehen, dass sie den Gelenkkopf wieder besser überdacht. Bei schwer betroffenen, schmerzhaften Hüften ist ein künstliches Hüftgelenk eine gut etablierte Möglichkeit, mit der viele Hunde wieder schmerzfrei laufen. Welcher Weg für deinen Hund passt und ob überhaupt einer nötig ist, klärt sich in der orthopädischen Untersuchung in einer Tierklinik, nicht am Röntgenbild allein.

Vererbung, Fütterung und Kastration: was sich beeinflussen lässt

Eine Hüftdysplasie entsteht aus zwei Richtungen gleichzeitig, aus den Anlagen, die ein Hund mitbringt, und aus dem, was in seinem ersten Lebensjahr passiert. Das ist die gute Nachricht für alle, die gerade einen Welpen zu Hause haben, denn ein Teil davon liegt tatsächlich in eurem Alltag.

Zucht und Röntgenbefunde

Die Veranlagung ist erblich, aber nicht so einfach, wie man es sich wünschen würde. An der Ausprägung sind viele Genorte beteiligt, und eine Auswertung bei Deutschen Schäferhunden aus Großbritannien und Schweden zeigte, dass sich die gefundenen Genorte zwischen Populationen kaum decken. Einen einzelnen Gentest, der HD vorhersagt, gibt es deshalb nicht und wird es so bald nicht geben. Was dagegen nachweislich wirkt, ist die geduldige Auswahl über Röntgenbefunde: In den britischen Zuchtprogrammen verbesserten sich die Hüftwerte über sechs Rassen hinweg im Lauf von Jahrzehnten kontinuierlich, je mehr Hunde untersucht wurden. Das ist ein guter Grund, beim Welpenkauf nach den Befunden der Elterntiere zu fragen, und zugleich eine Erinnerung daran, dass sich so etwas über Generationen bewegt und nicht über ein paar Würfe.

Schlank durchs Wachstum

Wie viel ein junger Hund frisst, verändert messbar, wie seine Hüften mit fünf Jahren aussehen. In einer über fünf Jahre laufenden Untersuchung wurden 48 Labrador Retriever paarweise verglichen: Eine Gruppe durfte fressen, so viel sie wollte, die andere bekam etwa ein Viertel weniger und blieb dadurch schlanker. Die schlanker gehaltene Gruppe entwickelte seltener und weniger ausgeprägt eine Hüftarthrose. Diese Untersuchung ist alt, sie stammt aus den 1990er Jahren, aber sie ist bis heute die Grundlage der Empfehlung, einen großen Hund im Wachstum eher schlank zu halten und ihn nicht auf schnelles Wachstum zu füttern. Konkret heißt das: abgemessene Portionen statt Futter zur freien Verfügung, Leckerlis einrechnen, kein Zufüttern von Kalzium oder Aufbaupräparaten ohne tierärztliche Empfehlung und regelmäßig prüfen, ob die Taille noch zu sehen ist.

Der Zeitpunkt einer Kastration

Ob und wann kastriert wird, spielt bei manchen Hunden mit hinein. Eine große Auswertung über 35 Rassen fand, dass eine sehr frühe Kastration bei großen und riesigen Rassen mit häufigeren Gelenkproblemen einherging, besonders vor dem sechsten Lebensmonat, während sich bei kleinen Rassen praktisch kein erhöhtes Risiko zeigte. Eine Erklärung ist, dass die Geschlechtshormone mit darüber entscheiden, wann die Wachstumsfugen schließen. Daraus lässt sich keine allgemeine Regel ableiten, weder für noch gegen eine Kastration. Sinnvoll ist, den Zeitpunkt passend zu Rasse, Geschlecht und Größe deines Hundes in der Tierarztpraxis zu besprechen, statt ihn nach einem pauschalen Ratschlag aus dem Internet festzulegen.

Wie die Aussichten sind und wie lange ein Hund damit leben kann

Für die meisten Hunde sind die Aussichten gut. Eine Hüftdysplasie verkürzt als solche nicht die Lebenszeit: Sie betrifft die Gelenke, nicht die Organe, und ein Hund mit HD kann so alt werden wie jeder andere Hund seiner Rasse. Was sie beeinflussen kann, ist die Lebensqualität in den späteren Jahren, und genau da lässt sich am meisten bewegen.

Wie der Verlauf aussieht, ist von Hund zu Hund verschieden und lässt sich aus einem Buchstaben nicht ablesen. Ein Teil der Hunde bleibt dauerhaft unauffällig, ein anderer bekommt im mittleren Alter eine Arthrose, die sich mit Gewichtskontrolle, angepasster Bewegung und bei Bedarf Schmerzmitteln gut auffangen lässt. Nur ein kleinerer Teil ist so stark betroffen, dass eine Operation nötig wird, und auch diese Hunde laufen danach oft wieder gut. Regelmäßige Kontrollen helfen, den Punkt nicht zu verpassen, an dem eine Anpassung sinnvoll wird.

Für das nächste Gespräch in der Tierarztpraxis lohnt es sich, drei Dinge mitzunehmen. Erstens, was dir im Alltag aufgefallen ist, also Aufstehen, Treppen, Ausdauer und Spielverhalten. Zweitens das aktuelle Gewicht mit der Frage, ob es passt. Und drittens die Frage, wie Bewegung und Belastung für deinen Hund im nächsten halben Jahr aussehen sollten. Damit wird aus einem Buchstaben auf einem Formular ein Plan, der zu dem Hund passt, der neben dir liegt.

Quellen

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BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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