Chads Va Score erklärt: Risiken besser einschätzen

Chads Va Score erklärt: Risiken besser einschätzen

05.01.2026

PD Dr. med. Witold Polanski

Der Begriff Chads Va Score beschreibt ein medizinisches Bewertungssystem, das das individuelle Risiko für einen Schlaganfall bei Menschen mit bestimmten Herzrhythmusstörungen, vor allem Vorhofflimmern, einschätzt.

Was steckt hinter dem Chads Va Score?

Der Chads Va Score ist eine Erweiterung des bekannten CHA2DS2-VASc Scores. Beide Begriffe tauchen häufig in Befunden, Arztbriefen oder im Gespräch mit Kardiologen auf, wenn es um die Einschätzung des Schlaganfallrisikos geht. Die Buchstaben stehen für verschiedene Risikofaktoren, die das Risiko für eine Blutgerinnselbildung im Herzen und damit für einen Schlaganfall erhöhen. Besonders bei Vorhofflimmern, einer weit verbreiteten Herzrhythmusstörung, ist diese Bewertung entscheidend, um über die Notwendigkeit einer blutverdünnenden Behandlung (Antikoagulation) zu entscheiden.

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Wie funktioniert die Risikoeinschätzung?

Das Prinzip hinter dem Chads Va Score ist einfach: Für jeden vorhandenen Risikofaktor gibt es einen oder mehrere Punkte. Am Ende wird die Punktzahl zusammengezählt. Je mehr Punkte, desto höher das persönliche Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden. Zu den wichtigsten Faktoren zählen unter anderem Herzschwäche, Bluthochdruck, Alter, Diabetes, bereits durchgemachter Schlaganfall, Gefäßerkrankungen und das Geschlecht. Der Score hilft Ärztinnen und Ärzten, die Entscheidung für oder gegen eine Therapie mit blutverdünnenden Medikamenten individuell und nachvollziehbar zu treffen.

Wann kommt der Chads Va Score zum Einsatz?

Im medizinischen Alltag wird der Chads Va Score fast ausschließlich bei Menschen mit Vorhofflimmern verwendet. Vorhofflimmern ist eine Herzrhythmusstörung, bei der die Vorhöfe des Herzens unregelmäßig schlagen. Durch diese Unregelmäßigkeit kann sich Blut im Herzen stauen und verklumpen. Löst sich ein solches Blutgerinnsel, kann es über die Blutbahn ins Gehirn gelangen und dort einen Schlaganfall auslösen. Da nicht jede Person mit Vorhofflimmern das gleiche Risiko trägt, ist eine individuelle Einschätzung wichtig. Der Score ist dabei ein Hilfsmittel, um das Risiko möglichst objektiv zu bewerten.

Mehr Infos zu dieser Herzrhythmusstörung gibt es im Artikel Vorhofflimmern (VHF).

Was bedeuten die einzelnen Buchstaben?

Die Abkürzung Chads Va steht für verschiedene Erkrankungen und Merkmale:

C steht für chronische Herzschwäche H für Hypertonie, also Bluthochdruck

A für das Alter

D für Diabetes mellitus S für bereits durchgemachten Schlaganfall oder eine sogenannte TIA (eine kurzzeitige Durchblutungsstörung im Gehirn)

V für Gefäßerkrankungen wie Herzinfarkt oder periphere arterielle Verschlusskrankheit

A steht ein zweites Mal für ein höheres Alter (über 75 Jahre, das zählt doppelt)

Manchmal taucht auch noch ein "Sc" am Ende auf – das steht für das weibliche Geschlecht, da Frauen mit Vorhofflimmern ein etwas erhöhtes Risiko haben.

Was bedeutet das Ergebnis konkret?

Je höher die Punktzahl im Chads Va Score, desto größer ist das Risiko, durch ein Blutgerinnsel einen Schlaganfall zu erleiden. Schon ab einem Score von 1 bei Männern und 2 bei Frauen empfehlen die meisten Leitlinien eine Therapie mit blutverdünnenden Medikamenten, um das Risiko zu senken. Bei niedrigen Punktzahlen kann es sein, dass keine solche Therapie notwendig ist. Die genaue Entscheidung wird aber immer individuell getroffen, unter Berücksichtigung möglicher Nebenwirkungen und Begleiterkrankungen.

Ist ein hoher Score schlimm?

Viele Menschen erschrecken, wenn sie einen hohen Wert im Befund finden. Ein hoher Chads Va Score zeigt an, dass das Risiko für einen Schlaganfall erhöht ist, aber es bedeutet nicht, dass dieser zwangsläufig eintritt. Die Bewertung dient vor allem dazu, rechtzeitig vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen. Die wichtigste Maßnahme ist in den meisten Fällen die sogenannte Antikoagulation, also die Einnahme von Medikamenten, die die Blutgerinnung hemmen. Diese senken das Risiko für einen Schlaganfall nachweislich um etwa zwei Drittel.

Mehr zu den Möglichkeiten und Risiken einer solchen Behandlung findet sich im Artikel Antikoagulation.

Wie wird der Score bestimmt und was passiert danach?

Die Berechnung erfolgt in der Regel durch die behandelnde Ärztin oder den behandelnden Arzt, meist im Rahmen einer Routineuntersuchung oder wenn erstmals Vorhofflimmern festgestellt wird. Die einzelnen Risikofaktoren werden anhand der Krankengeschichte, aktueller Befunde und gegebenenfalls Laborwerte erfasst. Das Ergebnis wird genutzt, um gemeinsam mit der betroffenen Person das weitere Vorgehen zu besprechen. Es handelt sich also nicht um eine Diagnose, sondern um eine Orientierungshilfe für die Therapieentscheidung.

Was kann man selbst tun?

Unabhängig vom Chads Va Score lässt sich das persönliche Schlaganfallrisiko durch einen gesunden Lebensstil weiter senken. Dazu gehören regelmäßige Bewegung, ausgewogene Ernährung, normale Blutdruck und Blutzuckerwerte sowie ein Rauchstopp. Wer bereits blutverdünnende Medikamente einnimmt, sollte diese konsequent einnehmen und regelmäßige Kontrolltermine wahrnehmen. Auch das Wissen um die eigenen Risikofaktoren macht es leichter, Warnzeichen frühzeitig zu erkennen und im Zweifel schnell zu reagieren.

Gibt es verschiedene Bedeutungen der Abkürzung?

Im medizinischen Alltag steht Chads Va Score fast immer im Zusammenhang mit der Risikobewertung bei Vorhofflimmern. In seltenen Fällen können ähnliche Abkürzungen in anderen Zusammenhängen auftauchen, etwa als Schreibvariante oder Tippfehler. Entscheidend ist immer der Zusammenhang, in dem der Begriff verwendet wird. Bei Unsicherheiten hilft ein klärendes Gespräch mit der behandelnden Fachperson.

Der Chads Va Score ist damit ein wichtiges Werkzeug, um das Schlaganfallrisiko bei Vorhofflimmern einzuschätzen und die beste vorbeugende Behandlung zu finden.

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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