Eine Belüftungsstörung der Lunge bedeutet, dass ein Abschnitt der Lunge auf dem Röntgenbild oder in der Computertomografie, einer Röntgenuntersuchung in feinen Schichten, nicht richtig mit Luft gefüllt ist. Meist steckt nichts Schlimmes dahinter, denn in diesem Bereich wurde einfach zu flach geatmet, sodass sich ein kleiner Teil der Lunge vorübergehend nicht ganz entfaltet hat.
Das Wort taucht oft in Befunden nach einer Untersuchung des Brustkorbs auf, häufig genauer beschrieben als dorsobasale Belüftungsstörung, wenn der betroffene Bereich unten und hinten in der Lunge liegt. Der medizinische Fachbegriff für das dahinterliegende Geschehen ist Atelektase, also ein teilweiser oder vollständiger Luftverlust in einem Lungenabschnitt. Ob ein solcher Befund harmlos ist oder genauer angeschaut werden sollte, hängt vor allem vom Zusammenhang ab, also davon, ob kurz zuvor eine Operation stattgefunden hat, ob Fieber oder Atemnot dazukommen und ob der Befund über längere Zeit bestehen bleibt.
Woher eine Belüftungsstörung kommt
Die Ursachen reichen von völlig alltäglich bis selten und abklärungsbedürftig.
Flache Atmung, zum Beispiel nach einer Operation
Das ist der häufigste Grund und fast immer harmlos. Wer flach atmet, entfaltet die unteren, rückenwärtigen Lungenabschnitte weniger, sodass dort ein kleiner Teil der Lungenbläschen in sich zusammenfällt. Typische Auslöser sind eine Operation unter Vollnarkose, Schmerzen beim tiefen Einatmen und längeres Liegen im Bett. Nach einer Narkose ist so eine kleine Belüftungsstörung im Bild fast zu erwarten und gehört meist zum normalen Heilungsverlauf, und sobald wieder normal und tief geatmet wird, bildet sie sich in der Regel folgenlos zurück. Weil vor allem die tief liegenden hinteren Bereiche betroffen sind, steht im Befund dann oft eine dorsobasale Belüftungsstörung.
Druck von außen oder verstopfte Atemwege
Manchmal ist die Belüftungsstörung die Folge eines anderen Befundes. Drückt Flüssigkeit zwischen Lunge und Brustwand, ein Pleuraerguss, oder Luft in diesem Zwischenraum, ein Pneumothorax, von außen auf die Lunge, kann sich der darunterliegende Abschnitt nicht voll entfalten. Auch zäher Schleim, der einen Atemweg verstopft, lässt dahinter keine Luft mehr ankommen, etwa bei einer Lungenentzündung oder bei dauerhaft verschleimten und verengten Atemwegen, wie sie zu einer chronischen Bronchitis und zur COPD gehören.
Ein Verschluss durch Tumor oder Fremdkörper
Selten ist ein größerer Atemweg von innen verlegt, zum Beispiel durch einen Tumor oder einen eingeatmeten Fremdkörper. Hinter dem Verschluss nimmt der Körper die vorhandene Luft nach und nach auf, sodass der Abschnitt zusammenfällt, und weil die Luft dabei regelrecht aufgesaugt wird, heißt das Resorptionsatelektase. Solche Ursachen sind selten, sollten aber abgeklärt werden, wenn der Befund nicht zur übrigen Situation passt oder nicht wieder verschwindet. Dann folgt meist eine genauere Aufnahme oder eine Lungenspiegelung.
Was Wörter wie "Plattenatelektase" oder "Dystelektase" meinen
Im Befund stehen oft mehrere ähnliche Begriffe nebeneinander, und sie klingen präziser, als sie gemeint sind. Eine Plattenatelektase ist nichts anderes als ein dünner, streifen- oder plattenförmiger minderbelüfteter Bereich, meist unten und parallel zum Zwerchfell, wie ihn flache Atmung typischerweise hinterlässt. Von einer Dystelektase spricht der Befund, wenn die Minderbelüftung unvollständig geblieben ist, und von einer Teilatelektase, wenn nur ein Teil eines Lungenlappens betroffen ist und nicht der ganze. Die schon erwähnte Resorptionsatelektase wiederum beschreibt den Luftverlust hinter einem verschlossenen Atemweg. All diese Wörter sind eher lockere Beschreibungen für "unvollständig, meist leicht" als scharf abgegrenzte Diagnosen, und man muss sie nicht auseinanderhalten, um zu verstehen, dass fast immer dasselbe Grundphänomen gemeint ist.
Welche Beschwerden dahinterstecken können
Eine kleine, lagebedingte Belüftungsstörung macht oft gar keine Beschwerden und fällt nur im Bild auf. Ist ein größerer Bereich betroffen, kann sie sich als leichte Kurzatmigkeit, als schnelleres Atmen oder als Hustenreiz bemerkbar machen. Zunehmende Atemnot, Fieber oder Auswurf sprechen dagegen weniger für die harmlose Minderbelüftung selbst als für eine Ursache oder Folge dahinter, etwa eine beginnende Lungenentzündung, und gehören besonders nach einer Operation ärztlich abgeklärt.
Ist eine Belüftungsstörung gefährlich?
Für sich genommen ist die häufige, atembedingte Form fast immer ungefährlich und vorübergehend, ganz abtun sollte man sie aber nicht, wenn sie bestehen bleibt. Wird nach einer Operation zu wenig durchgeatmet und zu wenig bewegt, kann sich aus einer anhaltenden Minderbelüftung eine Lungenentzündung entwickeln. In einer Untersuchung an fast 2.000 operierten Erwachsenen war eine bestehen bleibende Atelektase mit einem rund doppelt so hohen Risiko für eine anschließende Lungenentzündung verbunden, und genau deshalb wird im Krankenhaus so viel Wert auf tiefes Atmen und frühes Aufstehen gelegt. Damit gilt beides zugleich, denn eine Belüftungsstörung ist meist harmlos, sollte aber nicht übergangen werden, wenn sie anhält oder mit Fieber und Atemnot einhergeht.
Was hilft, damit sich die Lunge wieder entfaltet
Ein wichtiger Hebel liegt bei der eigenen Atmung und Bewegung. Tief durchatmen, regelmäßig aufstehen und sich früh wieder bewegen hilft dem betroffenen Lungenabschnitt, sich zu entfalten, und Untersuchungen zu Atemübungen und Atemphysiotherapie nach Operationen zeigen, dass sich damit deutlich seltener neue Belüftungsstörungen bilden. Oft gibt es dafür im Krankenhaus ein kleines Atemtrainingsgerät und eine kurze Anleitung durch die Physiotherapie. Auch die Einstellung des Beatmungsgeräts während einer Narkose spielt eine Rolle, darauf achtet allerdings das Narkoseteam und nicht man selbst. Es gibt also nicht die eine beste Methode, sondern ein Zusammenspiel aus dem, worauf die Klinik während des Eingriffs achtet, und dem eigenen Mitwirken danach.
Eine lagebedingte Belüftungsstörung verschwindet deshalb in aller Regel wieder, sobald wieder normal geatmet wird. Bleibt sie länger bestehen oder passt sie nicht zur Situation, wird ärztlich nach einer der selteneren Ursachen gesucht, und steckt ein anderer Befund dahinter, etwa ein Erguss oder ein verstopfter Atemweg, richtet sich die Behandlung nach dieser Ursache. Sinnvoll ist die Frage an die behandelnde Ärztin oder den behandelnden Arzt, ob der Befund noch einmal kontrolliert werden soll und woran man merken würde, dass er sich nicht zurückbildet.
Quellen
Bankier AA, MacMahon H, Colby T, Gevenois PA, Goo JM, Leung AN, et al. Fleischner Society: Glossary of Terms for Thoracic Imaging. Radiology. 2024;310(2):e232558. Quelle.
Wang J, Deng N, Qi F, Li Q, Jin X, Hu H. The effectiveness of postoperative rehabilitation interventions that include breathing exercises to prevent pulmonary atelectasis in lung cancer resection patients: a systematic review and meta-analysis. BMC Pulm Med. 2023;23(1):276. Quelle.
Ko E, Yoo KY, Lim CH, Jun S, Lee K, Kim YH. Is atelectasis related to the development of postoperative pneumonia? A retrospective single center study. BMC Anesthesiol. 2023;23(1):77. Quelle.
Li X, Liu H, Wang J, Ni ZL, Liu ZX, Jiao JL, et al. Individualized Positive End-expiratory Pressure on Postoperative Atelectasis in Patients with Obesity: A Randomized Controlled Clinical Trial. Anesthesiology. 2023;139(3):262-273. Quelle.
Zorrilla-Vaca A, Grant MC, Urman RD, Frendl G. Individualised positive end-expiratory pressure in abdominal surgery: a systematic review and meta-analysis. Br J Anaesth. 2022;129(5):815-825. Quelle.