Aortenklappeninsuffizienz – Ursachen und Folgen

Aortenklappeninsuffizienz – Ursachen und Folgen

PD Dr. med. Witold Polanski

Aortenklappeninsuffizienz bezeichnet eine Undichtigkeit der Aortenklappe, bei der das Herzklappenventil zwischen linker Herzkammer und Hauptschlagader nicht mehr vollständig schließt und dadurch Blut aus der Aorta zurück ins Herz fließt.

Was passiert bei einer undichten Aortenklappe?

Die Aortenklappe ist eine von vier Herzklappen. Sie sorgt normalerweise dafür, dass das sauerstoffreiche Blut nach jedem Herzschlag nur in eine Richtung, nämlich vom Herzen in die Hauptschlagader (Aorta), fließt. Wenn diese Klappe nicht mehr richtig schließt, kann ein Teil des Blutes nach jedem Herzschlag zurück in die linke Herzkammer strömen. Das bedeutet, das Herz muss mehr Arbeit leisten, um das zurückfließende Blut bei jedem Pumpen erneut weiterzuleiten.

Diese Situation wird in medizinischen Befunden oft als „Aorteninsuffizienz“ oder „Insuffizienz der Aortenklappe“ beschrieben. Manchmal steht auch die Abkürzung „AI“ oder „AKI“ im Arztbrief. Mehr über Herzklappen und deren Bedeutung findest du auch im Artikel Herzklappe undicht.

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Ursachen und Entstehung

Eine Aortenklappeninsuffizienz kann verschiedene Gründe haben. Häufig entsteht sie durch altersbedingte Veränderungen der Klappe, zum Beispiel Verkalkungen oder Verschleiß. Auch Entzündungen, angeborene Fehlbildungen (wie eine bikuspide Aortenklappe, also eine Klappe mit nur zwei statt drei Segeln) oder Folgen von Infektionen wie einer Endokarditis können die Klappe schädigen. In seltenen Fällen ist ein plötzlicher Riss der Klappe nach einer Verletzung oder durch eine schwere Erkrankung der Auslöser.

Welche Symptome können auftreten?

Die Beschwerden hängen davon ab, wie stark die Undichtigkeit ausgeprägt ist und wie lange sie schon besteht. Am Anfang merken viele Menschen gar nichts, weil das Herz die Mehrarbeit gut ausgleichen kann. Erst wenn die Undichtigkeit zunimmt, können Symptome wie Kurzatmigkeit bei Belastung, schnelle Erschöpfung, Herzklopfen oder ein Druckgefühl in der Brust auftreten. In fortgeschrittenen Fällen kommt es zu Wassereinlagerungen in den Beinen, nächtlicher Atemnot oder einem schnellen Puls. Besonders belastend kann es werden, wenn die Beschwerden plötzlich einsetzen, zum Beispiel bei einer akuten Entzündung.

Wie wird eine Aortenklappeninsuffizienz festgestellt?

Die Diagnose erfolgt meist durch eine Ultraschalluntersuchung des Herzens, die sogenannte Echokardiografie. Damit kann genau erkannt werden, wie stark das Blut zurückfließt und ob das Herz bereits vergrößert ist. Manchmal wird zusätzlich ein EKG, eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs oder eine Herzkatheteruntersuchung durchgeführt, um andere Ursachen auszuschließen oder das Ausmaß genauer zu bestimmen.

Ist das gefährlich?

Eine leichte Aortenklappeninsuffizienz bleibt oft lange unbemerkt und muss nicht zwangsläufig behandelt werden. Das Herz kann die Mehrarbeit über Jahre ausgleichen. Problematisch wird es, wenn die Undichtigkeit zunimmt und das Herz dadurch dauerhaft überlastet wird. Dann drohen eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz) oder Herzrhythmusstörungen. Bei plötzlichen, schweren Verläufen, etwa durch eine Entzündung, kann die Situation rasch kritisch werden. Deshalb ist eine regelmäßige Kontrolle beim Kardiologen wichtig.

Viele fragen sich, ob eine solche Diagnose den Alltag sofort einschränkt oder zu einer schnellen Operation führt. Das ist meist nicht der Fall. Häufig reicht es aus, die Entwicklung regelmäßig zu beobachten und auf Symptome zu achten. Erst wenn Beschwerden zunehmen oder das Herz deutlich überlastet ist, wird eine Behandlung notwendig.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Therapie richtet sich danach, wie stark die Klappe undicht ist und ob Beschwerden bestehen. Bei leichten Formen genügt es oft, den Verlauf mit regelmäßigen Kontrollen zu überwachen. Medikamente können helfen, das Herz zu entlasten, zum Beispiel Mittel gegen Bluthochdruck oder zur Entwässerung.

Wenn die Undichtigkeit fortschreitet oder das Herz bereits geschädigt ist, kann ein chirurgischer Eingriff nötig werden. Dabei wird die Aortenklappe entweder repariert oder durch eine künstliche Klappe ersetzt. In manchen Fällen ist auch ein minimalinvasiver Klappenersatz möglich, bei dem über einen Katheter eine neue Klappe eingesetzt wird.

Ob und wann eine Operation sinnvoll ist, hängt von vielen Faktoren ab: Alter, Begleiterkrankungen, Beschwerden und der genauen Ausprägung der Insuffizienz. Der Kardiologe bespricht mit dir, wann der richtige Zeitpunkt für einen Eingriff gekommen ist.

Weitere Informationen zu Herzklappenerkrankungen und deren Bedeutung findest du auch im Artikel Aortenvitium.

Was kannst du selbst tun?

Wer eine Aortenklappeninsuffizienz hat, kann selbst einiges für die Herzgesundheit tun. Regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und das Vermeiden von Rauchen unterstützen das Herz. Wichtig ist, auf Veränderungen zu achten: Treten neue Beschwerden auf, wie Atemnot, schnelle Erschöpfung oder Herzrasen, sollte zeitnah ein Arztbesuch erfolgen.

Auch die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen beim Kardiologen sind entscheidend, um rechtzeitig zu erkennen, ob sich die Situation verändert. Wer Medikamente einnimmt, sollte diese wie verordnet anwenden und Rücksprache halten, wenn Nebenwirkungen auftreten.

Was bedeutet der Befund im Alltag?

Die Diagnose muss nicht sofort große Sorgen auslösen. Viele Menschen leben jahrelang ohne Einschränkungen mit einer leichten Aortenklappeninsuffizienz. Entscheidend ist, die eigene Belastbarkeit zu kennen und Warnzeichen ernst zu nehmen. Unsicherheit entsteht oft durch unklare Begriffe im Arztbrief, mehr zu medizinischer Begriffsbedeutung im Zusammenhang findest du im Artikel Relevanz.

Mit dem Wissen um die Erkrankung und regelmäßigen Kontrollen lässt sich der Alltag meist gut gestalten. Bei Fragen oder Unsicherheiten hilft das Gespräch mit dem behandelnden Kardiologen weiter.

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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