Volvulus: Wenn sich der Darm verdreht

Volvulus: Wenn sich der Darm verdreht

12.01.2026

PD Dr. med. Witold Polanski

Ein Volvulus ist eine Verdrehung eines Abschnitts des Darms, bei der der Darm um sich selbst schlingt und dadurch die Durchblutung oder den Weitertransport des Darminhalts blockiert wird.

Was passiert bei einem Volvulus?

Wenn sich ein Teil des Darms verdreht, entsteht eine Art „Knoten“ im Bauch. Dabei kann der Darm so stark abgeklemmt werden, dass kein Blut mehr durch die betroffenen Gefäße fließt. Gleichzeitig staut sich der Darminhalt, weil nichts mehr weitertransportiert werden kann. Besonders häufig passiert das im Bereich des Dickdarms oder Dünndarms. Die medizinische Bezeichnung für diese Verdrehung lautet Volvulus, manchmal wird auch von Darmverschlingung gesprochen.

Je nachdem, wo genau die Verdrehung auftritt, unterscheiden Ärztinnen und Ärzte zum Beispiel zwischen einem Sigmavolvulus (im Bereich des S-förmigen Dickdarms) oder einem Dünndarmvolvulus. Beide Formen können zu einem ernsthaften Notfall werden, wenn die Blutzufuhr unterbrochen wird.

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Wie macht sich ein Volvulus bemerkbar?

Typisch sind plötzlich einsetzende, starke Bauchschmerzen, die rasch schlimmer werden können. Oft kommt es zu einer starken Aufblähung des Bauches, Übelkeit und Erbrechen. Viele Menschen berichten, dass sie keinen Stuhlgang oder Wind mehr absetzen können. Im weiteren Verlauf kann die Haut blass oder sogar bläulich werden, das Allgemeinbefinden verschlechtert sich schnell. Manchmal entwickelt sich Fieber, weil sich durch die blockierte Durchblutung Bakterien im Bauchraum ausbreiten können.

Diese Beschwerden sind Warnzeichen und sollten immer ernst genommen werden. Ein Volvulus ist ein akuter Notfall, der so rasch wie möglich medizinisch behandelt werden muss.

Warum entsteht eine Darmverdrehung?

Es gibt verschiedene Ursachen, die eine solche Verdrehung begünstigen. Bei älteren Menschen ist oft eine besondere Beweglichkeit oder Länge des Dickdarms im Bereich des Sigmas die Ursache. Auch Narben nach früheren Operationen, Verwachsungen im Bauchraum, chronische Verstopfung oder bestimmte angeborene Fehlbildungen können das Risiko erhöhen. Bei Säuglingen und Kleinkindern kann ein Volvulus durch eine sogenannte Malrotation entstehen, also eine fehlerhafte Drehung des Darms während der Entwicklung im Mutterleib.

Manchmal gibt es keinen klaren Auslöser. In seltenen Fällen kann auch eine plötzliche, heftige Bewegung im Bauchraum oder eine starke, ungewohnte Belastung dazu führen, dass sich der Darm verdreht.

Wie wird ein Volvulus festgestellt?

Die Diagnose beginnt meist mit einer gründlichen Befragung zu den Beschwerden und einer körperlichen Untersuchung. Ärztinnen und Ärzte achten dabei auf typische Anzeichen wie einen aufgeblähten Bauch oder starke Druckschmerzen. Um die Verdrehung sichtbar zu machen, kommen bildgebende Verfahren zum Einsatz. Eine Röntgenaufnahme des Bauches kann zeigen, ob Luft und Darminhalt gestaut sind. Besonders aussagekräftig ist eine Computertomografie (CT), mit der sich die genaue Lage und Ausdehnung des Volvulus erkennen lässt. In manchen Fällen wird auch eine Darmspiegelung (Koloskopie) durchgeführt, vor allem beim Verdacht auf einen Sigmavolvulus.

Ist ein Volvulus gefährlich?

Ein Volvulus ist immer ein medizinischer Notfall. Wenn der Darm zu lange ohne Durchblutung bleibt, kann das Gewebe absterben. Es besteht dann die Gefahr, dass Darmteile reißen und Bakterien in den Bauchraum gelangen. Das kann zu einer lebensbedrohlichen Entzündung führen. Deshalb zählt bei Verdacht auf eine Darmverdrehung jede Minute. Nur eine schnelle Behandlung kann schwere Komplikationen verhindern.

Viele Menschen haben Angst, dass sie nach einer solchen Diagnose dauerhaft Probleme behalten oder einen künstlichen Darmausgang benötigen. Das ist nicht immer der Fall. Entscheidend ist, wie früh die Behandlung erfolgt und wie stark der Darm bereits geschädigt ist.

Wie wird ein Volvulus behandelt?

Die Therapie hängt davon ab, wie schwer die Verdrehung ist und ob der Darm noch durchblutet wird. Oft ist eine sofortige Operation nötig, um die Verdrehung zu lösen und die Durchgängigkeit wiederherzustellen. Ist das Gewebe bereits abgestorben, muss der betroffene Darmabschnitt entfernt werden. Bei einem Sigmavolvulus kann in manchen Fällen versucht werden, den Darm mithilfe einer Darmspiegelung vorsichtig zurückzudrehen. Das klappt jedoch nicht immer und ist nur möglich, wenn noch keine Anzeichen für ein abgestorbenes Gewebe bestehen.

Nach einer erfolgreichen Behandlung wird der Darm meist sorgfältig überwacht. Je nach Ursache kann es sinnvoll sein, eine weitere Operation durchzuführen, um ein erneutes Verdrehen zu verhindern.

Was kann man selbst tun?

Vorbeugen lässt sich ein Volvulus nur eingeschränkt, da viele Ursachen nicht direkt beeinflussbar sind. Wer zu chronischer Verstopfung neigt, sollte auf eine ballaststoffreiche Ernährung, ausreichend Flüssigkeit und regelmäßige Bewegung achten. Bei bekannten Darmerkrankungen oder nach Bauchoperationen ist es wichtig, auf Warnzeichen wie plötzliche, starke Bauchschmerzen oder anhaltende Übelkeit zu achten und im Zweifel frühzeitig medizinische Hilfe zu suchen.

Bei Säuglingen und Kindern, die plötzlich sehr unruhig sind, schreien, den Bauch anziehen und erbrechen, sollte sofort eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden. Gerade bei kleinen Kindern kann ein Volvulus sehr rasch zu schweren Komplikationen führen.

Was passiert nach der Behandlung?

Nach einer erfolgreichen Behandlung erholen sich die meisten Menschen gut. In den ersten Tagen nach der Operation ist eine engmaschige Überwachung im Krankenhaus üblich, um Komplikationen früh zu erkennen. Die Ernährung wird langsam wieder aufgebaut. Je nach Ausmaß des Eingriffs kann es einige Wochen dauern, bis der Alltag wieder normal verläuft. Wer einen Teil des Darms verloren hat, muss manchmal seine Ernährung anpassen oder sich an veränderte Verdauungsgewohnheiten gewöhnen.

In seltenen Fällen kann ein Volvulus erneut auftreten. Deshalb ist es wichtig, die empfohlenen Nachsorgetermine wahrzunehmen und auf den eigenen Körper zu achten.

Ein Volvulus ist eine seltene, aber ernste Erkrankung, bei der schnelles Handeln Leben retten kann. Wer die Warnzeichen kennt und im Zweifel nicht zögert, ärztliche Hilfe zu holen, hat die besten Chancen auf eine vollständige Genesung.

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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