Vertigo – Schwindel einfach erklärt

Vertigo – Schwindel einfach erklärt

PD Dr. med. Witold Polanski

Vertigo ist der medizinische Fachbegriff für Schwindel und beschreibt das Gefühl, dass sich entweder die eigene Umgebung oder der eigene Körper dreht, schwankt oder kippt, obwohl tatsächlich alles stillsteht.

Was steckt hinter dem Begriff?

Schwindel ist ein sehr häufiges Symptom, das viele Menschen im Laufe ihres Lebens einmal erleben. Vertigo kann sich ganz unterschiedlich anfühlen: Manche berichten von einem Drehgefühl, als würde sich alles um sie herum bewegen. Andere haben das Gefühl, zu schwanken oder gleich umzufallen. In der Medizin wird Schwindel in verschiedene Formen unterteilt, zum Beispiel Drehschwindel, Schwankschwindel oder Liftschwindel. Drehschwindel ist dabei die typischste Form von Vertigo.

Vertigo ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein Symptom, das auf verschiedene Ursachen zurückgehen kann. Oft steckt eine Störung des Gleichgewichtssinns dahinter. Das Gleichgewicht wird vor allem im sogenannten Vestibularapparat im Innenohr, aber auch im Gehirn und durch die Augen gesteuert. Gerät dieses Zusammenspiel aus dem Takt, kann Schwindel entstehen.

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Wie fühlt sich Vertigo an?

Die Beschwerden reichen von einem leichten Unsicherheitsgefühl bis hin zu starkem Drehschwindel, der mit Übelkeit, Erbrechen, Gangunsicherheit oder sogar Angst einhergehen kann. Viele erleben beim Aufstehen oder beim schnellen Drehen des Kopfes plötzlich einen Schwindelanfall. Es kann auch vorkommen, dass das Gefühl minutenlang oder sogar über Stunden anhält. Typisch für Vertigo ist, dass die Beschwerden oft ganz plötzlich einsetzen.

Häufig berichten Betroffene zusätzlich von Ohrgeräuschen, Hörminderung, Kopfschmerzen oder einem Druckgefühl im Kopf. Besonders belastend ist Schwindel, wenn er immer wiederkehrt oder so stark ist, dass der Alltag nicht mehr wie gewohnt bewältigt werden kann.

Typische Ursachen für Schwindel

Die Liste möglicher Auslöser ist lang. Häufig liegt die Ursache im Innenohr, das für das Gleichgewicht verantwortlich ist. Ein klassisches Beispiel ist der sogenannte gutartige Lagerungsschwindel. Hier lösen sich kleine Kristalle im Ohr und reizen beim Bewegen des Kopfes die Sinneszellen. Das führt zu kurzen, starken Schwindelattacken, meist beim Umdrehen im Bett oder beim Aufrichten.

Auch eine Entzündung des Gleichgewichtsnervs oder eine sogenannte Menière-Krankheit können Vertigo auslösen. Dabei treten neben Schwindel auch Hörprobleme oder ein Druckgefühl im Ohr auf. Daneben gibt es noch viele weitere Auslöser, etwa Kreislaufprobleme, Migräne, Nebenwirkungen von Medikamenten oder seltener auch Erkrankungen des Gehirns.

Nicht jeder Schwindel ist also harmlos. Besonders bei plötzlich einsetzendem, sehr starkem Vertigo, in Kombination mit Doppelbildern, Sprachstörungen, Taubheitsgefühlen oder Lähmungen, sollte sofort ärztliche Hilfe gesucht werden. Solche Symptome können auf einen Schlaganfall hindeuten.

Mehr zu den möglichen Ursachen und der Bedeutung des Begriffs findest du auch auf Vertigo Bedeutung.

Wie wird Vertigo festgestellt?

Die Diagnose beginnt immer mit einem Gespräch über die Beschwerden: Wie fühlt sich der Schwindel an? Wann tritt er auf? Gibt es Begleitsymptome wie Übelkeit, Hörprobleme oder Kopfschmerzen? Danach folgt eine körperliche Untersuchung. Die Ärztin oder der Arzt prüft dabei das Gleichgewicht, die Augenbewegungen und manchmal auch das Gehör.

Je nach Verdacht werden gezielte Tests gemacht, etwa spezielle Lagerungsmanöver, bei denen der Kopf in bestimmte Positionen gebracht wird. Manchmal sind auch Blutuntersuchungen, ein Hörtest oder bildgebende Verfahren wie eine Magnetresonanztomografie nötig, um andere Ursachen auszuschließen. Wann ein sogenannter Ausschluss im Arztbrief steht, kannst du hier nachlesen: Ausschluß.

Muss man sich Sorgen machen?

Viele Menschen machen sich bei Schwindel große Sorgen. Die Angst, dass eine ernste Erkrankung dahintersteckt, ist verständlich. In den meisten Fällen ist Vertigo jedoch harmlos und gut behandelbar. Besonders der gutartige Lagerungsschwindel lässt sich mit gezielten Übungen meist rasch bessern. Auch Kreislaufprobleme oder Stress können Schwindel auslösen und sind in der Regel nicht gefährlich.

Trotzdem gibt es Situationen, in denen sofort ärztliche Hilfe notwendig ist. Plötzlicher, sehr starker Schwindel mit weiteren Symptomen wie Sprachstörungen, Lähmungen, Sehstörungen oder Bewusstlosigkeit kann auf einen Notfall wie einen Schlaganfall hindeuten. In solchen Fällen zählt jede Minute.

Was kann man selbst tun?

Oft hilft es schon, sich hinzusetzen oder hinzulegen, wenn der Schwindel auftritt. Wer weiß, dass der Schwindel durch bestimmte Bewegungen ausgelöst wird, kann diese zunächst meiden. Bei harmlosen Formen wie dem Lagerungsschwindel gibt es spezielle Übungen, die helfen, die Beschwerden zu lindern. Diese sogenannten Lagerungsmanöver können nach ärztlicher Anleitung auch selbst durchgeführt werden.

Ausreichend trinken, regelmäßige Mahlzeiten und Bewegung an der frischen Luft unterstützen den Kreislauf. Wer Medikamente einnimmt, sollte mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen, ob diese als Auslöser infrage kommen.

Kommt es immer wieder zu Schwindelattacken, sollte auf jeden Fall eine Abklärung erfolgen. So können ernsthafte Ursachen ausgeschlossen und gezielte Maßnahmen eingeleitet werden.

Schwindel im Alltag: Tipps für mehr Sicherheit

Gerade ältere Menschen sind durch Vertigo besonders gefährdet, zu stürzen. Es lohnt sich, Stolperfallen wie lose Teppiche oder Kabel zu entfernen und für gute Beleuchtung zu sorgen. Bei Unsicherheit kann ein Gehstock oder eine andere Gehhilfe mehr Sicherheit geben. Auch das Tragen von festen Schuhen hilft, das Gleichgewicht zu stabilisieren.

Wer häufig unter Schwindel leidet, sollte sich nicht scheuen, Hilfe im Freundes oder Familienkreis zu suchen und wichtige Telefonnummern griffbereit zu haben.

Zusammengefasst

Vertigo steht für das Symptom Schwindel und kann viele verschiedene Ursachen haben. Meist ist die Ursache harmlos, manchmal steckt aber auch eine ernstere Erkrankung dahinter. Eine genaue Abklärung hilft, die richtige Behandlung zu finden und die Beschwerden zu lindern. Wer plötzlich sehr starken Schwindel mit weiteren Ausfallerscheinungen erlebt, sollte sofort medizinische Hilfe holen. In den meisten Fällen aber lässt sich Vertigo gut in den Griff bekommen und der Alltag wieder sicherer gestalten.

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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