Eine retrograde Pyelographie ist ein spezielles Röntgenverfahren, bei dem die Harnwege, insbesondere das Nierenbecken und die Harnleiter, von unten her mit einem Kontrastmittel sichtbar gemacht werden. Das Ziel ist es, Engstellen, Steine oder andere Veränderungen im Bereich der ableitenden Harnwege genau darzustellen.
Was passiert bei einer retrograden Pyelographie?
Bei dieser Untersuchung wird ein dünner, flexibler Schlauch, ein sogenannter Katheter, durch die Harnröhre bis in die Blase eingeführt. Von dort aus kann der Arzt oder die Ärztin das Kontrastmittel direkt in die Harnleiter und das Nierenbecken spritzen. Anschließend werden Röntgenaufnahmen gemacht, um den Verlauf des Kontrastmittels zu verfolgen. So lassen sich Engstellen, Abflussstörungen oder andere Auffälligkeiten erkennen, die bei anderen Untersuchungen wie Ultraschall oder CT nicht immer eindeutig sichtbar sind.
Die Bezeichnung „retrograd“ bedeutet dabei, dass das Kontrastmittel entgegen der normalen Flussrichtung des Urins verabreicht wird, also von der Blase aufwärts in Richtung Niere. Das unterscheidet diese Methode von anderen bildgebenden Verfahren, bei denen das Kontrastmittel meist über die Blutbahn oder von oben in die Niere gelangt.
Wann wird diese Untersuchung angewendet?
Eine retrograde Pyelographie kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn andere bildgebende Verfahren keine klaren Ergebnisse liefern oder bestimmte Bereiche der Harnwege besonders genau betrachtet werden müssen. Typische Situationen sind unklare Abflussstörungen, Verdacht auf Harnleitersteine, Fehlbildungen oder Tumoren im Bereich der Harnleiter und des Nierenbeckens. Auch vor operativen Eingriffen oder zur Planung bestimmter Therapien kann diese Untersuchung sinnvoll sein.
Gerade bei Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion wird häufig auf die retrograde Methode zurückgegriffen, da das Kontrastmittel nicht über die Niere ausgeschieden werden muss und so die Nieren weniger belastet werden.
Wie läuft die Untersuchung ab?
Zunächst erfolgt eine gründliche Aufklärung über den Ablauf und mögliche Risiken. In der Regel findet die retrograde Pyelographie im Rahmen einer Blasenspiegelung (Zystoskopie) statt. Nach einer lokalen Betäubung oder einer kurzen Narkose wird das Zystoskop durch die Harnröhre in die Blase eingeführt. Über dieses Instrument lässt sich der Katheter gezielt in den Harnleiter vorschieben. Das Kontrastmittel wird langsam eingespritzt, während zeitgleich Röntgenbilder angefertigt werden.
Die gesamte Prozedur dauert meist nicht länger als 30 bis 60 Minuten. Im Anschluss kann es zu einem leichten Brennen beim Wasserlassen oder einem vorübergehenden Harndrang kommen. Diese Beschwerden sind in der Regel harmlos und klingen rasch wieder ab.
Welche Risiken und Nebenwirkungen gibt es?
Wie bei jeder Untersuchung, bei der Instrumente in die Harnwege eingebracht werden, besteht ein geringes Risiko für Infektionen, Blutungen oder Verletzungen der Schleimhaut. Auch allergische Reaktionen auf das verwendete Kontrastmittel sind möglich, treten aber selten auf. In sehr seltenen Fällen kann es zu einer Harnwegsinfektion kommen, die dann gezielt behandelt werden muss.
Wer zu Harnwegsinfekten neigt oder bereits eine Infektion hat, sollte dies vorab mit dem behandelnden Arzt besprechen. In manchen Fällen wird vorsorglich ein Antibiotikum gegeben, um das Risiko zu senken.
Was bedeutet das Ergebnis für dich?
Die retrograde Pyelographie liefert sehr genaue Bilder der Harnleiter und des Nierenbeckens. So können Engstellen, Steine, Narben, Tumore oder andere Veränderungen sicher erkannt und in ihrer Ausdehnung beurteilt werden. Das Ergebnis hilft dem behandelnden Team, die weitere Behandlung gezielt zu planen, etwa die Entfernung eines Steins, die Dehnung einer Engstelle oder die Planung einer Operation.
Ein unauffälliger Befund bedeutet, dass die Harnwege frei durchgängig sind und keine behandlungsbedürftigen Veränderungen vorliegen. Werden Auffälligkeiten entdeckt, bespricht der Arzt das weitere Vorgehen individuell und erklärt, welche Möglichkeiten bestehen.
Was kannst du selbst beachten?
Vor der Untersuchung ist in der Regel keine spezielle Vorbereitung nötig. Wer blutverdünnende Medikamente einnimmt oder Allergien gegen Kontrastmittel hat, sollte dies unbedingt mitteilen. Nach dem Eingriff empfiehlt es sich, ausreichend zu trinken, um die Harnwege gut durchzuspülen. Bei anhaltenden Beschwerden wie Fieber, starken Schmerzen oder Blut im Urin ist eine rasche Rücksprache mit dem behandelnden Arzt sinnvoll.
Die retrograde Pyelographie ist ein bewährtes und sicheres Verfahren, das vor allem dann eingesetzt wird, wenn andere Untersuchungen keine ausreichenden Informationen liefern. Sie hilft, die Ursache von Beschwerden im Bereich der Harnwege gezielt zu klären und die optimale Behandlung einzuleiten.