Plasmozytom: Wenn der Tumor an einer Stelle bleibt

Plasmozytom: Wenn der Tumor an einer Stelle bleibt

Ein Plasmozytom ist ein einzelner, örtlich begrenzter Tumor aus entarteten Plasmazellen, also aus einer bestimmten Art weißer Blutkörperchen, der an einer einzigen Stelle im Körper wächst.

Ein Plasmozytom ist die begrenzte, an einem Ort sitzende Form einer Plasmazell-Erkrankung, und dass sie auf eine einzige Stelle beschränkt bleibt, ist für die Behandlung günstig. Auf dieser Seite erfährst du, was der Begriff bedeutet, wie er sich von der über den ganzen Körper verteilten Form unterscheidet, wie man ihn feststellt und behandelt und was er für die Aussichten bedeutet.

Was hinter dem Begriff steckt

Plasmazellen entstehen aus weißen Blutkörperchen und sitzen normalerweise im Knochenmark. Ihre Aufgabe ist es, Antikörper herzustellen, also Abwehrstoffe gegen Krankheitserreger. Bei einer Plasmazell-Erkrankung vermehrt sich eine dieser Zellen unkontrolliert und bildet lauter identische Kopien von sich, einen sogenannten Klon.

Man unterscheidet vor allem zwei Formen, die zusammengehören und doch nicht dasselbe sind. Beim multiplen Myelom sind die entarteten Plasmazellen im Knochenmark über den ganzen Körper verstreut, es ist also eine systemische Erkrankung. Beim Plasmozytom dagegen sitzt die Wucherung nur an einer einzigen Stelle, der Rest des Körpers ist frei davon. Deshalb spricht man auch vom solitären, also alleinstehenden Plasmozytom. Nach der Fachleitlinie zur Strahlentherapie zeigt sich die große Mehrheit aller Plasmazell-Erkrankungen, rund 95 Prozent, von Anfang an als multiples Myelom, und nur ein kleiner Teil als solche einzelne, begrenzte Wucherung.

Diese einzelne Form gibt es wiederum in zwei Varianten. Sitzt der Tumor im Knochen, spricht man vom Knochenplasmozytom, das ist die häufigere Variante. Sitzt er im Weichgewebe außerhalb des Knochenmarks, zum Beispiel im Hals- und Kopfbereich, nennt man das ein extramedulläres Plasmozytom. Welche Variante vorliegt, bestimmt Behandlung und Aussichten später mit.

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Ist ein Plasmozytom eine Form von Blutkrebs?

Ja, im weiteren Sinne gehört ein Plasmozytom zu den bösartigen Erkrankungen des blutbildenden Systems, weil Plasmazellen aus weißen Blutkörperchen hervorgehen und im Knochenmark zu Hause sind. Es ist also mit dem Blut und dem Knochenmark verwandt und wird von Hämatolog:innen betreut, den Fachleuten für Bluterkrankungen.

Anders als man es sich unter Blutkrebs oft vorstellt, schwimmen die kranken Zellen beim solitären Plasmozytom aber nicht frei im Blut herum. Es ist ein fester, örtlich begrenzter Tumor.

Wie es sich bemerkbar macht

Die Beschwerden hängen davon ab, wo der Tumor sitzt. Ein Knochenplasmozytom macht sich am häufigsten durch anhaltende Knochenschmerzen bemerkbar, oft in der Wirbelsäule. Der Grund ist, dass die wuchernden Zellen den Knochen an dieser Stelle auflösen und schwächen. In manchen Fällen fällt der Tumor erst durch einen Knochenbruch auf, der ohne großen Anlass entsteht.

Ein extramedulläres Plasmozytom entsteht in mehr als 60 Prozent der Fälle im Kopf- und Halsbereich, besonders in Nase und Nasennebenhöhlen. Dann können Beschwerden auftreten wie eine verstopfte Nase, Nasenbluten, ein Druckgefühl oder eine tastbare Schwellung, je nachdem, welche Struktur der Tumor verdrängt.

Beim reinen solitären Plasmozytom fehlen die typischen Zeichen der ausgebreiteten Erkrankung meist, also starke Müdigkeit durch Blutarmut, Nierenprobleme oder ein erhöhter Kalziumspiegel. Tauchen sie doch auf, ist das ein Hinweis, dass die Erkrankung möglicherweise nicht mehr auf eine Stelle begrenzt ist.

Diagnose und welche Blutwerte eine Rolle spielen

Bei der Diagnose geht es darum, zwei Dinge zu klären: Wie sieht der Tumor selbst aus, und ist der Rest des Körpers wirklich frei? Für den Tumor nutzt man bildgebende Verfahren wie die Kernspintomografie (MRT) oder eine spezielle Ganzkörperuntersuchung, die FDG-PET, um zu sehen, ob es tatsächlich nur eine einzige Stelle gibt. Eine Gewebeprobe sichert die Diagnose.

Um das Knochenmark zu prüfen, entnimmt man eine Knochenmarkprobe und untersucht sie mit feinen Verfahren wie der Durchflusszytometrie und molekularen Analysen. Damit lässt sich erkennen, ob sich dort schon einzelne kranke Plasmazellen eingenistet haben. Bei den Blutwerten sind vor allem die freien Leichtketten wichtig, das sind Bruchstücke von Antikörpern. Ihr Verhältnis zueinander verrät, ob im Hintergrund mehr los ist als der eine sichtbare Tumor.

Findet man selbst kleine Mengen kranker Zellen im Knochenmark, verhält sich die Erkrankung anders und braucht eine engmaschigere Begleitung, als wenn das Knochenmark wirklich sauber ist. Der Unterschied ist groß: Bei ganz sauberem Knochenmark bleibt die Erkrankung im Schnitt viele Jahre weg, bei ersten kranken Zellen kommt sie dagegen oft schon nach gut einem Jahr zurück. Früher, als diese feinen Tests noch fehlten, wurden manche Erkrankungen fälschlich als örtlich begrenzt eingestuft und zu zurückhaltend behandelt.

Wie ein Plasmozytom behandelt wird

Die wichtigste Behandlung des solitären Plasmozytoms ist die Strahlentherapie, also eine gezielte Bestrahlung der betroffenen Stelle. Sie gilt in den Leitlinien als Standard und wird mit dem Ziel der Heilung eingesetzt. Besonders beim Knochenplasmozytom sorgt sie über lange Zeit dafür, dass der Tumor an Ort und Stelle unter Kontrolle bleibt, und beim extramedullären Plasmozytom kann sie die Erkrankung ganz ausheilen.

Beim extramedullären Plasmozytom gibt es je nach Lage noch eine zweite Möglichkeit. Lässt sich der Tumor vollständig operativ entfernen, ohne dass dabei wichtige Funktionen Schaden nehmen, kommt eine Operation allein oder eine Operation zusammen mit anschließender Bestrahlung infrage. In Untersuchungen zu Tumoren im Kopf- und Halsbereich schnitt die Kombination aus Operation und Bestrahlung oft etwas besser ab als eine Bestrahlung allein. Ob die eine Behandlung der anderen wirklich überlegen wäre, ist damit aber nicht bewiesen. Welcher Weg der beste ist, entscheidet das Behandlungsteam anhand von Ort, Größe und Beschaffenheit des Tumors.

Wie die Aussichten sind und wie lange man damit leben kann

Ein solitäres Plasmozytom spricht in der Regel sehr gut auf die erste Behandlung an, und viele Menschen sind danach über lange Zeit oder dauerhaft die Erkrankung an dieser Stelle los. Gerade das extramedulläre Plasmozytom hat oft ausgezeichnete Aussichten, in Auswertungen zu Kopf- und Halstumoren lebten nach fünf Jahren rund 92 bis 98 von 100 Behandelten.

Wenn du auf Zahlen stößt, ordne sie bitte richtig ein. Über alle solitären Plasmozytome hinweg sind einige Jahre nach der Behandlung noch etwa die Hälfte der Betroffenen ohne Rückkehr der Erkrankung, in einer großen Auswertung waren es nach fünf Jahren rund 55 Prozent. Solche Werte sind Durchschnitte über sehr unterschiedliche Menschen und sagen nichts über den persönlichen Verlauf aus. Ob jemand eher zu einer günstigen oder einer aufmerksamer zu beobachtenden Gruppe gehört, hängt vor allem davon ab, ob das Knochenmark wirklich frei war und wo der Tumor saß, und das schätzt das Behandlungsteam ganz konkret ein.

Ein Teil der Betroffenen entwickelt später doch ein multiples Myelom, die Wucherung breitet sich dann also aus. Wie hoch dieses Risiko ist, ist keine feste Zahl, sondern hängt von der Form ab: Ein Knochenplasmozytom geht häufiger in ein multiples Myelom über als ein extramedulläres. Das ist auch der Grund für die regelmäßigen Kontrolltermine nach der Behandlung. Sie sorgen dafür, dass eine solche Veränderung früh bemerkt wird, und für das multiple Myelom gibt es heute wirksame Behandlungen, mit denen sich die Erkrankung oft über viele Jahre gut in Schach halten lässt. Für das Gespräch mit deiner Ärztin oder deinem Arzt gilt: Die ganz persönliche Situation lässt sich am besten dort beurteilen, wo alle Befunde zusammenlaufen.

Quellen

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BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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