PDGFRA-Mutation bei GIST: Warum die Variante zählt

PDGFRA-Mutation bei GIST: Warum die Variante zählt

Eine PDGFRA-Mutation ist eine Veränderung in einem bestimmten Gen, die bei manchen Tumoren des Magen-Darm-Trakts das Wachstum antreibt, den sogenannten gastrointestinalen Stromatumoren oder kurz GIST. Steht sie im Laborbericht zum Tumorgewebe, ist das vor allem eine wichtige Information für die Behandlung, denn sie entscheidet mit, welches Medikament wirkt.

Was PDGFRA bei GIST bedeutet

PDGFRA liefert den Bauplan für eine Art Schalter auf der Zelloberfläche, der ein Wachstumssignal normalerweise nur dann weitergibt, wenn er gebraucht wird. Ist das Gen verändert, kann dieser Schalter dauerhaft "auf An" hängen bleiben, sodass die Zellen ständig das Signal zum Wachsen bekommen, auch ohne echten Grund, und genau daraus entsteht der Tumor.

Fast alle GIST werden von so einem festhängenden Schalter angetrieben, und der Bauplan dafür stammt fast immer aus einem von zwei verwandten Genen, KIT oder PDGFRA. Bei den meisten dieser Tumoren liegt die Veränderung im KIT-Gen, während eine PDGFRA-Mutation mit ungefähr 5 bis 15 Prozent der Fälle deutlich seltener ist. Die Spanne kommt daher, dass je nach Zählweise nur die häufigste Variante oder alle PDGFRA-Veränderungen mitgerechnet werden. Steht im Befund "PDGFRA positiv", heißt das also schlicht, dass bei diesem GIST der seltenere der beiden Schalter der Antrieb ist und nicht der häufigere KIT-Schalter.

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Warum die genaue Variante untersucht wird

Im Labor wird nicht nur bestimmt, ob PDGFRA verändert ist, sondern auch, an welcher Stelle im Gen die Veränderung genau sitzt. Die weitaus häufigste sitzt in einem Genabschnitt mit dem Namen Exon 18 und trägt das Kürzel D842V, das diese Stelle genau benennt. Sie ist so wichtig, weil sie sich bei der Behandlung anders verhält als alle übrigen PDGFRA-Veränderungen.

Normalerweise wird ein GIST zuerst mit dem Wirkstoff Imatinib behandelt, der den festhängenden Schalter blockiert und das Tumorwachstum so zum Stillstand bringt. Bei D842V passt Imatinib jedoch nicht an die entscheidende Stelle, weder im Laborversuch noch im Körper, und läuft damit praktisch ins Leere. Andere, seltenere PDGFRA-Veränderungen sprechen dagegen weiterhin darauf an, sodass erst die genaue Variante zeigt, welcher Weg sinnvoll ist, und nicht schon der Genname allein.

Wie ein GIST mit dieser Veränderung behandelt wird

Für die D842V-Variante gibt es einen eigens dafür entwickelten Wirkstoff namens Avapritinib, der gezielt so gebaut wurde, dass er genau an die Stelle passt, an der Imatinib scheitert. In der EU ist er seit 2020 zugelassen, und zwar für GIST mit dieser Veränderung, die sich nicht operieren lassen oder bereits Ableger gebildet haben. Sowohl die deutsche als auch die europäische Leitlinie empfehlen bei D842V deshalb von Anfang an Avapritinib statt Imatinib. Weil sich Zulassungen und Empfehlungen ändern können, weiß das Behandlungsteam am besten, was für die jeweilige Situation gerade gilt.

Was sich damit erreichen lässt

In der Studie, die zur Zulassung geführt hat, sprach die große Mehrheit der Behandelten mit dieser Mutation auf Avapritinib an, und der Tumor blieb im Schnitt über gut zwei Jahre unter Kontrolle. Unter den älteren Wirkstoffen hielt diese Ruhe bei D842V dagegen meist nur wenige Monate. Das stärkere GIST-Medikament für alle ist Avapritinib deshalb aber nicht, denn bei Tumoren, die vom KIT-Schalter angetrieben werden, kann es sogar schwächer wirken als andere Mittel; sein Platz ist ganz speziell die D842V-Gruppe.

Welche Nebenwirkungen möglich sind

Wie jedes wirksame Medikament kann auch Avapritinib Nebenwirkungen machen, am häufigsten Übelkeit, Durchfall oder Auswirkungen auf Denken und Konzentration. Vor allem wegen der letzten behält das Behandlungsteam die Dosis im Blick, denn oft bessern sich die Beschwerden schon, wenn die Dosis angepasst wird, ohne dass die Wirkung darunter leidet. Welcher Wirkstoff und welche Dosis im Einzelfall passen, entscheidet das behandelnde Team anhand des genauen Befunds.

Wie die Aussichten sein können

GIST mit dieser Veränderung sitzen überwiegend im Magen und wachsen im Schnitt eher langsam, oft ruhiger als andere GIST. Die Veränderung selbst spricht damit häufig für einen eher milden Verlauf, auch wenn der sonst übliche Wirkstoff Imatinib bei D842V nicht greift.

Eine allgemeine Zahl zur Lebenserwartung lässt sich daraus nicht ableiten, denn solche Statistiken sind Durchschnittswerte über sehr unterschiedliche Menschen und sagen wenig über den einzelnen Verlauf. Wie die Aussichten konkret sind, hängt von der Größe und dem Ort des Tumors ab, davon, ob er operiert werden konnte, und davon, wie gut er auf die Behandlung anspricht. Gerade für die D842V-Gruppe hat sich die Lage verbessert, seit es ein passendes Medikament gibt. Am besten einschätzen kann die persönliche Situation das behandelnde Team, das den vollständigen Befund kennt.

Quellen

Heinrich MC, Jones RL, von Mehren M, Schöffski P, Serrano C, Kang YK, et al. Avapritinib in advanced PDGFRA D842V-mutant gastrointestinal stromal tumour (NAVIGATOR): a multicentre, open-label, phase 1 trial. The Lancet. Oncology. 2020;21(7):935–946. DOI: 10.1016/S1470-2045(20)30269-2.

Jones RL, Serrano C, von Mehren M, George S, Heinrich MC, Kang YK, et al. Avapritinib in unresectable or metastatic PDGFRA D842V-mutant gastrointestinal stromal tumours: Long-term efficacy and safety data from the NAVIGATOR phase I trial. European Journal of Cancer. 2021;145:132–142. DOI: 10.1016/j.ejca.2020.12.008.

von Mehren M, Heinrich MC, Shi H, Iannazzo S, Mankoski R, Dimitrijević S, et al. Clinical efficacy comparison of avapritinib with other tyrosine kinase inhibitors in gastrointestinal stromal tumors with PDGFRA D842V mutation: a retrospective analysis of clinical trial and real-world data. BMC Cancer. 2021;21(1):291. DOI: 10.1186/s12885-021-08013-1.

Serrano C, Bauer S, Gómez-Peregrina D, Kang YK, Jones RL, Rutkowski P, et al. Circulating tumor DNA analysis of the phase III VOYAGER trial: KIT mutational landscape and outcomes in patients with advanced gastrointestinal stromal tumor treated with avapritinib or regorafenib. Annals of Oncology : Official Journal of the European Society for Medical Oncology. 2023;34(7):615–625. DOI: 10.1016/j.annonc.2023.04.006.

Casali PG, Blay JY, Abecassis N, Bajpai J, Bauer S, Biagini R, et al. Gastrointestinal stromal tumours: ESMO-EURACAN-GENTURIS Clinical Practice Guidelines for diagnosis, treatment and follow-up. Annals of Oncology : Official Journal of the European Society for Medical Oncology. 2022;33(1):20–33. DOI: 10.1016/j.annonc.2021.09.005.

Gastrointestinale Stromatumoren (GIST). Onkopedia-Leitlinie, DGHO, Stand 2026. Quelle.

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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