Eine KIT-Mutation ist eine Veränderung im KIT-Gen, die einen zellulären Wachstums-Schalter dauerhaft auf "an" stellen kann, sodass sich Zellen unkontrolliert vermehren.
Der Name der Mutation ist zwar immer derselbe, aber was sie bedeutet und welches Medikament hilft, hängt komplett von der jeweiligen Erkrankung ab. Genau deshalb wird getestet, welche KIT-Mutation genau vorliegt.
Was das KIT-Gen und die Tyrosinkinase KIT eigentlich sind
KIT (oft auch c-KIT oder CD117 genannt) ist ein Gen. Es enthält den Bauplan für ein Eiweiß auf der Oberfläche von Zellen, eine sogenannte Tyrosinkinase. Du kannst dir diese Tyrosinkinase wie einen Schalter vorstellen, der ein Wachstumssignal ins Innere der Zelle weiterleitet. Normalerweise springt der Schalter nur an, wenn von außen ein passendes Signal andockt (der Stammzellfaktor), und geht danach wieder aus.
Eine KIT-Mutation verändert diesen Schalter so, dass er von allein anbleibt, auch ohne Signal von außen. Die Zelle bekommt dann pausenlos den Befehl "wachsen und teilen". Dieses ständige "an" ist der Motor, der bei mehreren Tumorarten die Zellen antreibt. Fachleute sprechen deshalb von einer aktivierenden Mutation.
Warum dieselbe Mutation bei jeder Erkrankung anders zählt
KIT-Mutationen kommen bei sehr verschiedenen Erkrankungen vor, unter anderem beim gastrointestinalen Stromatumor, bei der systemischen Mastozytose, bei bestimmten Melanomen (schwarzer Hautkrebs) und auch bei einer Untergruppe der akuten myeloischen Leukämie. Meist sind unterschiedliche Stellen im KIT-Gen betroffen, und die Antwort auf zielgerichtete Medikamente fällt sehr verschieden aus. Deshalb sagt allein das Wort "KIT-Mutation" noch wenig aus, erst die genaue Stelle und die Erkrankung ergeben ein Bild.
KIT-Mutation beim GIST
Der gastrointestinale Stromatumor, kurz GIST, ist der klassische Fall. Dieser Tumor entsteht im Magen-Darm-Trakt aus bestimmten Schrittmacherzellen und ist geradezu über KIT definiert: In der Feingewebe-Untersuchung ist der KIT-Rezeptor (CD117) meist deutlich nachweisbar. Die aktivierende Mutation sitzt hier am häufigsten im sogenannten Exon 11, seltener im Exon 9.
Diese Mutationen sprechen in der Regel gut auf den Wirkstoff Imatinib an, ein Tyrosinkinase-Hemmer (TKI), der genau diesen fehlgeschalteten Schalter blockiert. Imatinib ist die Standardtherapie in der ersten Linie bei fortgeschrittenem GIST; sprechen die Tumorzellen später nicht mehr an, gibt es weitere TKI wie Sunitinib und Regorafenib. Ein nicht gestreuter GIST wird dagegen zuerst operiert.
Bei der Prognose lohnt sich Vorsicht mit einfachen Regeln. Zwar gehen Mutationen im Exon 9 im Schnitt mit einem höheren Rückfallrisiko einher als im Exon 11. "Exon 11 gleich günstig" stimmt aber nicht pauschal: Bestimmte Deletionen an den Codons 557 bis 558 verhalten sich trotz Exon 11 ungünstiger. Wie riskant ein Tumor ist, hängt außerdem stark von seiner Größe und der Zellteilungsrate ab, nicht allein von der Mutation. Die genaue Einordnung übernimmt das Behandlungsteam.
KIT-D816V bei systemischer Mastozytose
Bei der systemischen Mastozytose, einer Erkrankung mit einer krankhaften Vermehrung von Mastzellen, findet sich fast immer eine ganz bestimmte KIT-Mutation: D816V. Sie gilt hier als der eigentliche Krankheitstreiber. Falls in einem Befund "KIT D816V" steht, ist das also ein zentraler diagnostischer Baustein.
D816V lässt sich bei den meisten Betroffenen mit sehr empfindlichen PCR-Verfahren schon aus einer Blutprobe nachweisen, nicht nur aus dem Knochenmark. Die Menge der veränderten Zellen kann man sogar über die Zeit verfolgen und so den Verlauf und die Therapie beobachten.
Anders als beim GIST spricht die D816V-Mutation auf Imatinib gerade nicht an. Hier braucht es andere Hemmer, zum Beispiel Avapritinib, das als erstes Medikament die Erkrankung selbst bremsen kann und nicht nur die Beschwerden. Weitere zielgerichtete Wirkstoffe sind in der Entwicklung.
Melanom und bestimmte Leukämien
Auch beim schwarzen Hautkrebs gibt es KIT-Mutationen, allerdings gehäuft nur in bestimmten Formen: beim akralen Melanom (an Händen und Füßen), beim mukosalen Melanom (an Schleimhäuten) und bei Tumoren auf stark sonnengeschädigter Haut. Anders als beim GIST ist der Nutzen der KIT-Medikamente hier deutlich kleiner. In einer Auswertung von 19 Studien mit rund 600 Patient:innen sprachen über alle KIT-Hemmer hinweg nur etwa 15 Prozent auf die Behandlung an. Sie sind also eine Option, aber kein Durchbruch wie beim GIST.
Bei einer bestimmten Untergruppe der akuten myeloischen Leukämie, der sogenannten Core-binding-factor-Leukämie (CBF-AML), können ebenfalls KIT-Mutationen vorkommen. Diese Leukämie-Form gilt im Vergleich zu anderen als "günstiges Risiko". Das heißt aber nicht automatisch "gut": Ein erheblicher Teil der Betroffenen erleidet trotzdem einen Rückfall, das Wort "günstig" bezieht sich nur auf den Vergleich mit noch ungünstigeren Leukämie-Formen.
Warum die genaue Testung zählt
Die Testung, welche genaue KIT-Mutation vorliegt (zum Beispiel D816V oder eine Veränderung im Exon 11), steuert die Therapie und ist deshalb wichtig. Für die persönliche Einordnung eines konkreten Ergebnisses ist die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt die richtige Ansprechperson.
Quellen
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