Zielgerichtete Tabletten bei MET-Exon-14-Skipping

Zielgerichtete Tabletten bei MET-Exon-14-Skipping

MET-Exon-14-Skipping (kurz METex14) ist eine bestimmte Genveränderung, die bei Lungenkrebs im Laborbericht zum Tumorgewebe auftauchen kann. Der Name beschreibt ziemlich genau, was in der Zelle passiert: Beim Ablesen des Bauplans wird ein einzelner Abschnitt übersprungen, nämlich das Exon 14, englisch "skipping". In diesem Abschnitt steckt der Aus-Schalter für den MET-Rezeptor, ein Eiweiß auf der Zelloberfläche, das der Zelle das Signal zum Wachsen weitergibt. Fehlt der Schalter, bleibt dieses Signal dauerhaft an und treibt die Krebszelle an. Für diese Veränderung gibt es Medikamente, die passgenau daran ansetzen, sie gehört also zu den gut behandelbaren Befunden.

Was hinter dem übersprungenen Exon 14 steckt

Ein Gen ist wie ein Bauplan, den die Zelle abschnittsweise abliest und daraus ein Eiweiß zusammensetzt; diese Abschnitte heißen Exons. Im MET-Gen enthält der vierzehnte Abschnitt eine Art Aus-Schalter, nämlich eine Markierung am fertigen MET-Rezeptor, an der die Zelle erkennt, dass sie ihn nach getaner Arbeit wieder abbauen soll.

Beim MET-Exon-14-Skipping ist der Bauplan an genau einer Stelle verändert, und zwar an einer der Nahtstellen zwischen zwei Abschnitten. Weil die Zelle diese Naht nicht mehr richtig erkennt, überspringt sie beim Zusammenbauen den Abschnitt 14 und stellt den MET-Rezeptor ohne seinen Aus-Schalter her. Er wird dann nicht mehr abgebaut und sendet immer weiter das Signal "wachsen und teilen", auch dann, wenn er das längst nicht mehr sollte. Genau dieser dauerhafte Antrieb ist der Motor hinter dem Tumorwachstum.

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Bei wem diese Veränderung vorkommt

Das MET-Exon-14-Skipping ist einer der Treiber beim nicht-kleinzelligen Lungenkrebs (NSCLC), also eine der Veränderungen, die das Wachstum des Tumors antreiben und sich zugleich gezielt ausbremsen lassen. Sie findet sich bei ungefähr 3 bis 4 von 100 Betroffenen und vor allem beim Adenokarzinom, einer Krebsart, die aus Drüsengewebe hervorgeht. Betroffen sind eher ältere Menschen, im Schnitt liegt das Alter bei etwa 72 Jahren.

Anders als manche anderen Lungenkrebs-Risiken hat diese Veränderung nichts mit dem Rauchen zu tun, was viele Betroffene beruhigt. Sie kommt bei Menschen, die nie geraucht haben, genauso vor wie bei Raucher:innen, und ist kein Zeichen von "selbst schuld", sondern schlicht ein zufälliger Fehler im Bauplan der Zelle.

Zielgerichtete Tabletten, die genau hier ansetzen

Weil man den Auslöser kennt, lässt er sich gezielt ausbremsen, und zwar mit sogenannten MET-Hemmern, also Wirkstoffen, die das dauernde Wachstumssignal des MET-Rezeptors blockieren. Zwei davon sind für diese Situation zugelassen, Capmatinib und Tepotinib. Beide werden als Tablette eingenommen, nicht als Infusion, und wirken zielgenau, statt wie eine klassische Chemotherapie auf alle sich teilenden Zellen. In Studien sprach etwa die Hälfte bis knapp zwei Drittel der Behandelten darauf an, und wenn die Behandlung anschlägt, kann sie über viele Monate wirken.

Wann die Tabletten zum Einsatz kommen

In Europa kommen Capmatinib und Tepotinib nach der aktuellen Zulassung (Stand 2025/2026) erst als zweiter Schritt infrage. Davor steht eine Chemotherapie mit einem platinhaltigen Wirkstoff, eine Immuntherapie, die das körpereigene Abwehrsystem gegen den Tumor stärkt, oder beides nacheinander. In den USA ist die Zulassung breiter und erlaubt den Einsatz früher, was sich aber nicht auf Deutschland übertragen lässt. Ob und wann ein MET-Hemmer infrage kommt, hängt immer von der persönlichen Situation ab und entscheidet das behandelnde Team.

Welche Nebenwirkungen häufig sind

Am häufigsten lagert der Körper unter MET-Hemmern Wasser im Gewebe ein, sodass zum Beispiel die Beine anschwellen, manchmal kommt Übelkeit dazu. Meist bleibt das mild, sollte aber im Blick bleiben und beim nächsten Termin angesprochen werden.

Was das für die Aussichten bedeuten kann

Eine Zahl, die für alle gilt, gibt es nicht, denn jeder Verlauf ist anders und hängt vom Stadium, dem Allgemeinzustand und dem Ansprechen auf die Behandlung ab. Der Befund trägt aber eine gute Nachricht in sich: Bei dieser Veränderung kennt man den Motor der Erkrankung und hat Medikamente, die genau daran ansetzen.

Dass sie überhaupt im Befund steht, heißt daher vor allem, dass eine eigens dafür entwickelte, oft gut verträgliche Behandlung zur Verfügung steht. Wie die Aussichten im Einzelfall aussehen, kann das behandelnde Team am besten einschätzen, weil es Stadium, Vorbehandlungen und Begleiterkrankungen kennt.

Quellen

Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Lungenkarzinoms. S3-Leitlinie, Leitlinienprogramm Onkologie (DKG/DGHO/AWMF), Version 2.2, 2023. Quelle.

Wolf J, et al. Capmatinib in MET Exon 14-Mutated or MET-Amplified Non-Small-Cell Lung Cancer. The New England Journal of Medicine. 2020;383(10):944–957. DOI: 10.1056/NEJMoa2002787.

Paik PK, et al. Tepotinib in Non-Small-Cell Lung Cancer with MET Exon 14 Skipping Mutations. The New England Journal of Medicine. 2020;383(10):931–943. DOI: 10.1056/NEJMoa2004407.

Mazieres J, et al. Tepotinib Treatment in Patients With MET Exon 14-Skipping Non-Small Cell Lung Cancer: Long-term Follow-up of the VISION Phase 2 Nonrandomized Clinical Trial. JAMA Oncology. 2023;9(9):1260–1266. DOI: 10.1001/jamaoncol.2023.1962.

Mazieres J, et al. MET Exon 14 Skipping in NSCLC: A Systematic Literature Review of Epidemiology, Clinical Characteristics, and Outcomes. Clinical Lung Cancer. 2023;24(6):483–497. DOI: 10.1016/j.cllc.2023.06.008.

Fachinformation Tabrecta (Capmatinib). Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), Stand 2025. Quelle.

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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Illustration einer Person die fragend ein medizinisches Dokument betratchtet.
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