Ein Liposarkom ist ein bösartiger Tumor, der von Zellen ausgeht, aus denen normalerweise Fettgewebe entsteht. Es zählt zu den Weichgewebssarkomen, also zu den bösartigen Tumoren aus Fett-, Binde- und Stützgewebe. Unter ihnen ist es eine der häufigeren Formen, auch wenn diese Tumoren insgesamt selten sind.
Wie ernst ein Liposarkom ist, hängt fast vollständig vom Subtyp ab, also von der genauen Unterform, und die Unterschiede zwischen diesen Formen sind groß.
Warum der Subtyp fast alles bestimmt
Unter dem Begriff Liposarkom verbergen sich mehrere Erkrankungen, die sich sehr verschieden verhalten, sodass der Name allein noch wenig aussagt. Aussagekräftig ist erst der genaue Subtyp, den die feingewebliche Untersuchung des entnommenen Gewebes unter dem Mikroskop ergibt.
Das gut differenzierte Liposarkom
Beim gut differenzierten Liposarkom, das im Befund oft auch atypischer lipomatöser Tumor heißt, sehen die Tumorzellen unter dem Mikroskop dem normalen Fettgewebe noch recht ähnlich, und genau darauf zielt das Wort differenziert. Es ist die mildeste Form, wächst langsam, siedelt sich so gut wie nie in anderen Organen ab und gilt deshalb als niedrig bösartig. Sein Haken ist, dass es am selben Ort wieder auftauchen kann, wenn es sich nicht vollständig entfernen ließ. In einer Untersuchung an solchen Tumoren kam es bei etwa jedem fünften Fall zu einem solchen örtlichen Rückfall, während niemand Absiedlungen in anderen Organen entwickelte und niemand an der Erkrankung starb.
Das myxoide Liposarkom
In der Mitte liegt das myxoide Liposarkom, benannt nach der gallertartigen Grundsubstanz, die in seinem Gewebe auffällt. Es ist mäßig aggressiv und spricht oft gut auf eine Strahlentherapie an.
Das dedifferenzierte und das pleomorphe Liposarkom
Deutlich bösartiger sind das dedifferenzierte und das pleomorphe Liposarkom. Beim dedifferenzierten haben die Zellen ihre Ähnlichkeit mit Fettgewebe verloren, und es entsteht häufig aus einer zunächst gut differenzierten Form, die sich mit der Zeit verändert und aggressiver wird. Beim pleomorphen sind die Zellen unter dem Mikroskop sehr unterschiedlich geformt, was dieser Form ihren Namen gibt. Sie ist selten, wächst schnell und gilt als die ungünstigste Variante. Beide siedeln häufiger in anderen Organen ab und brauchen eine intensivere Behandlung.
Wo sie entstehen
Am häufigsten wachsen Liposarkome an zwei Stellen. Die eine ist der Bauchraum hinter dem Bauchfell, im Befund retroperitonealer Raum genannt, in dem unter anderem die Nieren und große Gefäße liegen. Die andere sind Arme und Beine, dort meist tief in der Muskulatur.
Wo der Tumor sitzt, macht einen großen Unterschied, denn an Arm oder Bein fällt er oft früher als tastbare Schwellung auf. Im Bauchraum hat er dagegen viel Platz und kann sehr groß werden, bevor er überhaupt Beschwerden macht. Auch deshalb lassen sich diese Tumoren dort schwerer vollständig entfernen und kehren häufiger am selben Ort zurück.
Woran man ein Liposarkom bemerkt
Lange macht ein Liposarkom oft keine oder kaum Beschwerden. Typisch ist am Anfang nur eine schmerzlose Schwellung oder ein Knoten, der über Wochen und Monate langsam größer wird. Sitzt der Tumor im Bauchraum, bleibt er häufig unbemerkt und fällt erst spät durch ein Druck- oder Völlegefühl, Bauchschmerzen oder eine sichtbare Vorwölbung auf.
Weil diese Anzeichen auf vieles zutreffen können, wird die Diagnose häufig erst gestellt, wenn der Knoten schon eine gewisse Größe erreicht hat. Eine Schwellung, die wächst, ist deshalb ein guter Grund, sie ärztlich anschauen zu lassen, auch wenn sie nicht wehtut.
Lipom oder Liposarkom, was ist der Unterschied
Ein Lipom klingt ähnlich, ist aber etwas ganz anderes, nämlich ein häufiger, gutartiger Fettknoten, der meist klein und weich bleibt. Aus einem Lipom wird kein Liposarkom, es wandelt sich also auch nicht in Krebs um.
Einige Merkmale sprechen allerdings dafür, einen Knoten näher abklären zu lassen, weil statt eines harmlosen Lipoms ein Sarkom dahinterstecken könnte: eine Größe von mehr als etwa fünf Zentimetern, ein spürbares oder rasches Wachstum, Schmerzen und eine tiefe Lage unter der Muskelfaszie, also unter der derben Hülle um die Muskeln, statt direkt unter der Haut.
Treffen solche Merkmale zu, folgt zunächst meist eine Kernspintomografie (MRT), die das Gewebe mit Hilfe von Magnetfeldern in feinen Schichten abbildet, ganz ohne Röntgenstrahlen. Erhärtet sich der Verdacht, bringt eine Gewebeprobe, in der Fachsprache Biopsie, die nötige Klarheit. Die allermeisten Fettknoten bestätigen sich dabei als gutartig.
Wie die Behandlung abläuft
Zuerst die Operation
Die tragende Säule der Behandlung ist die Operation, bei der der Tumor vollständig und mit einem Sicherheitsabstand aus gesundem Gewebe entfernt werden soll, im Arztbrief R0-Resektion genannt. Gelingt das, ist die Aussicht am besten, dass die Erkrankung nicht zurückkehrt. Im Bauchraum ist der Eingriff oft ausgedehnt, weil der Tumor dort an Nachbarorgane grenzt.
Wann zusätzlich bestrahlt wird
Ob zusätzlich bestrahlt wird, hängt stark davon ab, wo der Tumor sitzt. An Armen und Beinen ergänzt eine Strahlentherapie die Operation häufig, um das Risiko eines Rückfalls am selben Ort zu senken. Im Bauchraum sieht es anders aus, denn in einer großen Studie zu Sarkomen dieser Region (STRASS, 2020) brachte eine Bestrahlung vor der Operation dort keinen gesicherten Zusatznutzen. Sie ist beim retroperitonealen Liposarkom deshalb kein Automatismus, sondern eine Entscheidung für den Einzelfall.
Wann eine Chemotherapie infrage kommt
Eine Chemotherapie, also Medikamente, die im ganzen Körper gegen schnell wachsende Zellen wirken, spielt beim Liposarkom nur in ausgewählten Situationen eine Rolle. Beim myxoiden Subtyp ist ihr Stellenwert anerkannt, etwa vor der Operation bei großen, aggressiveren Tumoren. Ist die Erkrankung fortgeschritten oder hat sie bereits abgesiedelt, kann eine Chemotherapie den Verlauf bremsen und Beschwerden lindern, ohne dass sie dann noch heilen kann.
Was es Neues gibt
Für fortgeschrittene dedifferenzierte oder pleomorphe Liposarkome an Armen und Beinen ist zuletzt eine neuere Möglichkeit dazugekommen: eine Immuntherapie, bei der Medikamente das körpereigene Abwehrsystem dabei unterstützen, gegen den Tumor vorzugehen. Zusätzlich zu Bestrahlung und Operation verbesserte der Wirkstoff Pembrolizumab in einer Studie von 2024 die Aussichten, allerdings um den Preis von mehr Nebenwirkungen. Ein etablierter Standard ist das noch nicht, und geprüft wird es bislang vor allem in spezialisierten Zentren.
Was in der jeweiligen Situation infrage kommt, klärt am besten das behandelnde Team, das den genauen Subtyp und die aktuellen Möglichkeiten kennt.
Wie die Aussichten sind und wie lange man damit leben kann
Eine Zahl, die für alle passt, gibt es bei den Aussichten nicht. Wie eine Prognose ausfällt, hängt vor allem vom Subtyp ab, dazu von der Größe des Tumors, von seinem Sitz und davon, wie vollständig er sich entfernen ließ. Eine allgemeine Überlebenszahl wirft sehr unterschiedliche Fälle in einen Topf und sagt über den einzelnen Menschen deshalb wenig aus.
Die gute Nachricht ist, dass viele Liposarkome gut behandelbar sind. Bei den milderen Formen, dem gut differenzierten und dem myxoiden Liposarkom, leben nach fünf Jahren noch über neun von zehn Betroffenen. Bei den aggressiveren Formen, dem dedifferenzierten und dem pleomorphen Liposarkom, sind die Aussichten ungünstiger, und eine Lage im Bauchraum kann sie zusätzlich belasten, weil solche Tumoren spät entdeckt werden und örtlich wiederkehren können.
Was das für die persönliche Situation bedeutet, kann am besten das behandelnde Team einschätzen, das den genauen Subtyp, das feingewebliche Ergebnis und den bisherigen Verlauf kennt. Empfohlen wird dafür ein auf Sarkome spezialisiertes Zentrum, weil Erfahrung mit diesen seltenen Tumoren die Ergebnisse verbessert.
Quellen
Weichgewebssarkome (maligne Weichgewebstumoren) des Erwachsenen. Onkopedia-Leitlinie, DGHO, Stand April 2019. Quelle.
Fisher SB, et al. The General Surgeon's quandary: atypical lipomatous tumor vs lipoma, who needs a surgical oncologist? J Am Coll Surg, 2013. Quelle.
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Bonvalot S, et al. Preoperative radiotherapy plus surgery versus surgery alone for primary retroperitoneal sarcoma (STRASS). Lancet Oncol, 2020. Quelle.
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