Mastozytose ist eine seltene Erkrankung, bei der sich im Körper zu viele sogenannte Mastzellen ansammeln. Mastzellen sind eine bestimmte Art von Immunzellen, die vor allem bei allergischen Reaktionen und Entzündungen eine Rolle spielen.
Was passiert bei einer Mastozytose?
Mastzellen gehören eigentlich zum natürlichen Abwehrsystem. Sie sitzen im Gewebe, besonders in der Haut, im Darm und in den Atemwegen, und schütten bei Bedarf Botenstoffe wie Histamin aus. Normalerweise hilft das, Krankheitserreger abzuwehren oder auf Verletzungen zu reagieren. Bei einer Mastozytose jedoch vermehren sich diese Zellen unkontrolliert und lagern sich in verschiedenen Organen ab. Dadurch können sie plötzlich und in großer Menge ihre Botenstoffe freisetzen, was zu ganz unterschiedlichen Beschwerden führen kann.
Welche Formen gibt es?
Es wird zwischen zwei Hauptformen unterschieden: Die kutane Mastozytose betrifft hauptsächlich die Haut. Sie tritt vor allem bei Kindern auf und zeigt sich oft durch bräunlich-rote Flecken oder kleine Knötchen, die manchmal jucken oder anschwellen, wenn sie berührt werden. Die systemische Mastozytose betrifft dagegen mehrere Organe, zum Beispiel Knochenmark, Leber, Milz oder den Verdauungstrakt. Diese Form kommt häufiger bei Erwachsenen vor und kann sehr unterschiedlich verlaufen.
Typische Symptome und Beschwerden
Die Beschwerden hängen davon ab, wo sich die Mastzellen ansammeln und wie aktiv sie sind. Viele Betroffene berichten über Hautveränderungen, die auffallen, wenn sie sich kratzen oder reiben: Die Stellen werden rot, schwellen an und können stark jucken. Bei der systemischen Form kann es zu ganz anderen Symptomen kommen, etwa zu Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit, Kreislaufproblemen oder sogar plötzlichen Schwindelattacken. Manche erleben auch Hitzewallungen, Herzrasen oder allergieähnliche Reaktionen, die sehr heftig sein können. In seltenen Fällen kommt es zu einem sogenannten anaphylaktischen Schock, einer lebensbedrohlichen Überreaktion des Körpers.
Wie wird Mastozytose festgestellt?
Die Diagnose ist oft eine Herausforderung. Bei auffälligen Hautveränderungen wird meist eine kleine Gewebeprobe entnommen und unter dem Mikroskop untersucht. Dabei lassen sich die vermehrten Mastzellen erkennen. Besteht der Verdacht auf eine systemische Form, werden zusätzlich Blutuntersuchungen, Ultraschall oder spezielle Tests des Knochenmarks durchgeführt. Auch bestimmte Laborwerte, zum Beispiel das sogenannte Tryptase, geben Hinweise auf die Erkrankung. Oft dauert es eine Weile, bis die Diagnose sicher feststeht, weil die Beschwerden sehr unterschiedlich und manchmal unspezifisch sind.
Ist Mastozytose gefährlich?
Viele Menschen machen sich große Sorgen, wenn sie diese Diagnose hören. Die gute Nachricht: Die meisten Fälle, besonders die kutane Mastozytose bei Kindern, verlaufen mild und bessern sich oft im Laufe der Jahre von selbst. Die systemische Form kann unterschiedlich schwer ausfallen. Bei den meisten Erwachsenen bleibt sie über Jahre stabil und verursacht vor allem lästige, aber nicht lebensbedrohliche Beschwerden. In seltenen Fällen kann die Erkrankung jedoch fortschreiten und innere Organe stärker beeinträchtigen. Dann ist eine engmaschige ärztliche Betreuung wichtig.
Behandlungsmöglichkeiten und Alltagstipps
Eine vollständige Heilung gibt es bisher nicht, aber die Beschwerden lassen sich meist gut in den Griff bekommen. Ärztinnen und Ärzte setzen vor allem auf Medikamente, die die Wirkung der Mastzellen bremsen oder deren Botenstoffe blockieren. Dazu gehören sogenannte Antihistaminika, die gegen Juckreiz und allergieähnliche Symptome helfen. Bei schwereren Verläufen kommen manchmal weitere Medikamente zum Einsatz, zum Beispiel Mastzellstabilisatoren oder in seltenen Fällen auch Kortisonpräparate.
Im Alltag hilft es, bestimmte Auslöser zu meiden, die Mastzellen reizen könnten. Dazu zählen zum Beispiel plötzliche Temperaturwechsel, starke körperliche Anstrengung, Alkohol, scharfe Speisen oder bestimmte Medikamente wie Aspirin. Wer weiß, dass er besonders empfindlich ist, sollte immer einen Notfallausweis mitführen und bei Bedarf ein Notfallset mit Adrenalin bereithalten.
Was kann selbst getan werden?
Ein bewusster Umgang mit der Erkrankung hilft, den Alltag besser zu meistern. Es ist sinnvoll, genau zu beobachten, welche Situationen oder Stoffe Beschwerden auslösen, und diese möglichst zu meiden. Regelmäßige Arztbesuche sind wichtig, um Veränderungen früh zu erkennen. Auch der Austausch mit anderen Betroffenen kann entlasten und wertvolle Tipps bringen. Kinder mit Mastozytose sollten in Kindergarten oder Schule entsprechend informiert werden, damit alle wissen, wie im Notfall zu reagieren ist.
Leben mit Mastozytose
Die Diagnose ist zunächst beunruhigend, aber in den allermeisten Fällen ist ein normales Leben möglich. Wer die typischen Auslöser kennt, auf Warnzeichen achtet und die empfohlenen Medikamente nutzt, kann die Beschwerden meist gut kontrollieren. Bei Unsicherheiten oder starken Reaktionen ist es wichtig, nicht zu zögern und ärztliche Hilfe zu suchen. Die Forschung macht Fortschritte, sodass in Zukunft womöglich noch gezieltere Therapien zur Verfügung stehen werden.