Hyperthyreose bei der Katze: Mehr Appetit, weniger Gewicht

Hyperthyreose bei der Katze: Mehr Appetit, weniger Gewicht

Eine Hyperthyreose ist eine Schilddrüsenüberfunktion: Die Schilddrüse am Hals deiner Katze bildet zu viel Schilddrüsenhormon und stellt damit den gesamten Stoffwechsel auf Dauerbetrieb um. Sie ist die häufigste Hormonerkrankung älterer Katzen, und die Ursache ist fast immer eine gutartige knotige Vergrößerung des Schilddrüsengewebes; bösartige Tumoren machen bei der ersten Diagnose weniger als drei von hundert Fällen aus.

Wie verbreitet die Erkrankung ist, zeigt eine Untersuchung an über 300 Katzen ab neun Jahren: Rund sieben von hundert dieser älteren Katzen hatten eine Überfunktion, und bei Katzen jenseits der zehn Jahre werden in anderen Ländern und Gruppen auch Werte um zehn Prozent berichtet. Gut behandelbar ist sie fast immer, und dafür gibt es vier sehr unterschiedliche Wege.

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Die Anzeichen, die am leichtesten übersehen werden

Sie frisst mehr und wird trotzdem dünner

Das klassische Bild ist eine ältere Katze mit auffallend gutem Appetit, die trotzdem immer leichter wird. Genau daran scheitert die Erkennung so oft: Ein Tier, das ordentlich frisst, wirkt für die meisten Halter:innen gesund, und der Gewichtsverlust wird dem Alter zugeschrieben. Tatsächlich ist es umgekehrt. Die zu hohe Hormonmenge treibt den Stoffwechsel so an, dass der Körper mehr verbrennt, als die Katze überhaupt fressen kann, und sie zehrt dabei von ihren Muskeln. Wenn deine Katze ihren Napf leert wie nie zuvor und du beim Streicheln trotzdem immer deutlicher Rückgrat und Schulterblätter spürst, ist das eines der wichtigsten Warnzeichen überhaupt.

Wie sich das Verhalten verändert

Viele Katzen wirken wie aufgedreht. Sie sind unruhig, laufen nachts durch die Wohnung, rufen laut, schlafen schlechter und lassen sich schwerer anfassen; manche werden anhänglicher, andere schreckhaft oder gereizt. Dazu kommt oft mehr Trinken und mehr Urin im Katzenklo, gelegentlich hektisches Hecheln oder das Suchen kühler Plätze. Auch das wird gern als "sie wird eben alt" verbucht, dabei ist es das Gegenteil von altersbedingter Ruhe.

Was sich am Körper zeigt

Das Fell wird häufig stumpf, ungepflegt oder verfilzt, weil die Katze sich weniger putzt. Erbrechen und weicher Kot kommen dazu, ebenso ein schneller Herzschlag, den deine Tierärztin oder dein Tierarzt beim Abhören sofort bemerkt. Wenn du deiner Katze am Hals eine knotige Verdickung ertastest, kann das die vergrößerte Schilddrüse selbst sein.

Wie eine Hyperthyreose bei der Katze festgestellt wird

Der wichtigste Schritt ist eine Blutuntersuchung mit Bestimmung des Gesamt-T4. T4 ist das Schilddrüsenhormon, das im Blut zirkuliert, und bei den allermeisten betroffenen Katzen liegt es klar über dem Normalbereich. Ein normaler Wert schließt die Erkrankung allerdings nicht sicher aus. Besonders wenn deine Katze gleichzeitig noch etwas anderes hat, etwa eine Nierenerkrankung oder einen Infekt, kann das den T4-Wert in den oberen Normalbereich drücken und die Überfunktion verstecken. Bleibt der Verdacht bestehen, wird der Wert deshalb nach einigen Wochen wiederholt oder durch weitere Blutuntersuchungen ergänzt.

Zur Erstuntersuchung gehören außerdem der Blutdruck, ein Blick auf Herz und Herzfrequenz sowie die Nierenwerte. Diese Ausgangswerte sind später wichtig, um zu beurteilen, wie dein Tier auf die Behandlung reagiert.

Wie gefährlich eine Schilddrüsenüberfunktion für deine Katze ist

Unbehandelt ist sie ernst, denn der Dauerbetrieb belastet praktisch jedes Organsystem und endet auf lange Sicht tödlich. Besonders betroffen sind Herz und Kreislauf: Der Herzmuskel arbeitet ständig gegen ein zu hohes Tempo an, verdickt sich und kann irgendwann nicht mehr genug leisten. Dazu kommt häufig Bluthochdruck, der die feinen Gefäße der Netzhaut schädigt und im schlimmsten Fall zu plötzlicher Blindheit führt. Auch Nieren, Muskulatur und Verdauung leiden mit.

Die gute Nachricht dahinter ist, dass sich vieles davon zurückbildet, sobald der Hormonspiegel wieder stimmt. Herzveränderungen und Bluthochdruck bessern sich bei vielen Katzen unter der Behandlung, und je früher die Überfunktion auffällt, desto weniger bleibt zurück.

Die vier Behandlungswege im Vergleich

Es gibt nicht die eine beste Behandlung, sondern vier echte Möglichkeiten, die sich in Aufwand, Kosten und Endgültigkeit unterscheiden. Welche zu deiner Katze passt, hängt von ihrem Alter, ihren Nierenwerten, ihrem Wesen und davon ab, was in eurer Nähe überhaupt angeboten wird.

Radiojodtherapie

Sie gilt als das zuverlässigste Verfahren und ist die einzige Behandlung, die ohne Narkose und ohne Operation dauerhaft heilen kann. Deine Katze bekommt einmalig radioaktives Jod gespritzt, das ausschließlich vom überaktiven Schilddrüsengewebe aufgenommen wird und genau dieses Gewebe von innen ausschaltet; gesundes Gewebe bleibt weitgehend verschont. Über neunzig von hundert behandelten Katzen sind danach ihre Überfunktion los. Ein Teil rutscht dabei in eine Unterfunktion und braucht dann ein Schilddrüsenhormon als Ersatz, was sich gut ausgleichen lässt. Der Haken ist praktischer Natur: Die Behandlung ist nur in wenigen zugelassenen Kliniken möglich, deine Katze muss dort einige Tage ohne Besuch bleiben, bis die Strahlung abgeklungen ist, und die Kosten fallen auf einen Schlag an.

Tabletten oder Gel mit Thiamazol

Der Wirkstoff Thiamazol, in manchen Ländern Methimazol genannt, bremst die Hormonproduktion in der Schilddrüse. Er heilt nicht, sondern hält die Werte in Schach, und muss deshalb lebenslang und täglich gegeben werden. Für Katzen, die sich keine Tablette geben lassen, gibt es den Wirkstoff auch als Gel, das in die Innenseite der Ohrmuschel eingerieben wird. In einer Langzeitbeobachtung an sechzig Katzen, die auf diesem Weg behandelt wurden, ging es allen klinisch besser, und Nebenwirkungen waren selten; einzelne hatten milde Magen-Darm-Beschwerden oder eine gereizte Haut an der Auftragestelle. Dieselbe Beobachtung zeigt aber auch, dass die nötige Menge über die Jahre steigt, weil die Schilddrüse selbst weiter wächst. Eine medikamentöse Behandlung ist also nichts, was man einmal einstellt und dann vergisst, sondern braucht regelmäßige Blutkontrollen. Wie viel deine Katze bekommt, legt ausschließlich die Tierarztpraxis fest und passt es immer wieder an; auf eigene Faust zu erhöhen, zu reduzieren oder Medikamente eines anderen Tieres zu verwenden, ist gefährlich.

Operation

Bei einer Operation wird das veränderte Schilddrüsengewebe entfernt, was ebenfalls heilen kann. Dafür braucht es eine Narkose bei einer älteren Katze, deren Herz durch die Überfunktion oft schon belastet ist, weshalb sie in der Regel erst einige Wochen mit Medikamenten stabilisiert wird. Direkt an der Schilddrüse liegen außerdem die Nebenschilddrüsen, die den Kalziumhaushalt steuern; werden sie mitverletzt, kann der Kalziumspiegel gefährlich abfallen und muss anschließend überwacht werden. Weil Radiojod dieselbe Endgültigkeit ohne diese Risiken bietet, wird die Operation heute seltener gewählt.

Jodarme Diät

Jod ist der Baustein, aus dem die Schilddrüse ihr Hormon herstellt. Bekommt die Katze ein Futter, dem Jod gezielt weitgehend entzogen wurde, sinkt die Hormonproduktion ganz von selbst. In einer Untersuchung an knapp fünfzig Katzen, die ausschließlich so gefüttert wurden, war der T4-Wert bei etwa vier von zehn Tieren innerhalb von zwei Monaten normal und bei gut acht von zehn innerhalb eines halben Jahres. Gewicht und Herzfrequenz besserten sich in dieser Zeit allerdings nicht bei allen Tieren im gleichen Maß, der Hormonwert allein ist also nicht das ganze Bild. Und der praktische Haken ist streng: Es funktioniert nur, wenn deine Katze wirklich nichts anderes frisst. Kein Leckerli, kein Futter der Mitbewohnerkatze, keine Reste, und bei Freigänger:innen auch keine Maus. Ist das im Haushalt nicht sicher machbar, ist die Diät der falsche Weg.

Warum die Nieren nach der Behandlung plötzlich Thema werden

Das ist der Punkt, der viele Halter:innen ratlos zurücklässt: Die Schilddrüse ist endlich eingestellt, und ausgerechnet jetzt sind die Nierenwerte schlecht. Dahinter steckt kein Behandlungsfehler, sondern ein Effekt, der vorher versteckt war. Die überaktive Schilddrüse treibt den Kreislauf an und schickt dadurch mehr Blut durch die Nieren, als sie aus eigener Kraft bekämen. Eine bereits geschwächte Niere sieht unter diesem Antrieb im Blutbild besser aus, als sie tatsächlich ist. Fällt der Antrieb weg, weil die Überfunktion behandelt ist, zeigt sich der wahre Zustand.

Wie oft das vorkommt, zeigt eine große Untersuchung an 655 hyperthyreoten Katzen, die mit Radiojod behandelt wurden. Bei den Tieren, deren Nieren den Urin schon vor der Behandlung schlechter konzentrieren konnten, stiegen danach bei 44 von hundert die Nierenwerte an; bei Katzen mit vorher unauffälliger Konzentrationsfähigkeit waren es nur rund sechs von hundert. Verlässlich vorhersagen lässt sich das im Einzelfall nicht, auch nicht mit unauffälligen Nierenwerten vorher.

Deshalb werden die Nierenwerte vor der Behandlung bestimmt und danach kontrolliert, und deshalb entscheiden sich manche Praxen bewusst zuerst für Tabletten oder Gel: Diese Behandlung lässt sich jederzeit wieder zurücknehmen, sodass man in Ruhe sehen kann, wie die Nieren auf normale Hormonwerte reagieren. Wenn deine Katze nach erfolgreicher Behandlung also zunächst "kränker" wirkt, sprich die Nierenwerte in der Tierarztpraxis gezielt an; nicht selten lässt sich beides zusammen gut steuern.

Wie die Aussichten sind und wie lange eine Katze damit leben kann

Eine behandelte Schilddrüsenüberfunktion ist keine Erkrankung, die einer Katze schnell das Leben nimmt. Die meisten Tiere fressen wieder normal, nehmen zu, werden ruhiger und bekommen ihr altes Wesen zurück. In der bereits genannten Auswertung von 110 mit Radiojod behandelten Katzen lebte die Hälfte noch länger als dreieinhalb Jahre nach der Behandlung, und weil die Erkrankung fast nur Tiere im Seniorenalter trifft, ist das eine lange, gute Zeit. Auffällig war in dieser Auswertung nur eines: Katzen, deren Überfunktion nach der Behandlung bestehen blieb, lebten kürzer als die anderen. Sich um eine wirklich saubere Einstellung zu kümmern, zahlt sich also aus.

Solche Zahlen sind Durchschnittswerte über sehr unterschiedliche Tiere und sagen über deine Katze wenig aus. Wie es ihr gehen wird, hängt viel stärker davon ab, wie früh die Überfunktion erkannt wurde, wie ihr Herz dasteht und ob die Nieren mitspielen. Genau das kann die Tierärztin oder der Tierarzt beurteilen, die deine Katze kennen.

Wenn die Erkrankung weit fortgeschritten ist

Bleibt eine Überfunktion über lange Zeit unbehandelt oder lässt sie sich nicht mehr ausreichend kontrollieren, zehrt der Körper immer weiter aus. Die Katze magert bis auf die Knochen ab, verliert Muskulatur und Kraft, das Herz kommt nicht mehr hinterher, sodass Atemnot und Wasseransammlungen auftreten können, und häufig kommt eine fortgeschrittene Nierenschwäche dazu. Irgendwann hört das Tier auf zu fressen. Wie lange eine Katze in diesem Zustand noch lebt, lässt sich seriös nicht in Wochen oder Monaten angeben, dafür ist der Verlauf zu verschieden.

Was in dieser Phase zählt, ist die Lebensqualität, und die kannst du an sehr konkreten Dingen ablesen: ob deine Katze noch frisst und trinkt, ob sie ohne Schmerzen aufstehen und sich putzen kann, ob sie noch Kontakt sucht und Interesse an ihren gewohnten Plätzen hat. Auch wenn eine Behandlung nicht mehr infrage kommt oder du dich bewusst dagegen entscheidest, gibt es Wege, ihr Beschwerden zu nehmen, etwa gegen Übelkeit, Bluthochdruck oder Appetitlosigkeit. Und wenn die schlechten Tage die guten überwiegen, ist das Einschläfern eine liebevolle und legitime Entscheidung, kein Aufgeben. Besprich sie offen mit der Tierärztin oder dem Tierarzt; niemand kann den Zustand deiner Katze besser einordnen als jemand, der sie regelmäßig sieht.

Für den nächsten Termin lohnt es sich, drei Dinge anzusprechen: wie die aktuellen Nieren- und Blutdruckwerte aussehen, ob eine Radiojodbehandlung in eurer Nähe erreichbar wäre, und in welchen Abständen der Hormonwert kontrolliert werden soll.

Und beim Menschen?

Eine Überfunktion der Schilddrüse kommt auch bei Menschen vor. Siehe Hyperthyreose beim Menschen.

Quellen

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BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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