Kammerflimmern – Gefahr für das Herz

Kammerflimmern – Gefahr für das Herz

PD Dr. med. Witold Polanski

Kammerflimmern ist eine lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung, bei der die Herzkammern völlig unkoordiniert und viel zu schnell schlagen, sodass das Herz kein Blut mehr in den Kreislauf pumpen kann.

Was passiert bei Kammerflimmern?

Normalerweise arbeitet das Herz wie eine gut abgestimmte Pumpe. Es zieht sich regelmäßig zusammen, um sauerstoffreiches Blut durch den Körper zu transportieren. Beim Kammerflimmern geraten die elektrischen Impulse im Herzen jedoch völlig durcheinander. Die beiden Hauptkammern zucken dann nur noch chaotisch und schaffen es nicht mehr, das Blut weiterzubefördern. Innerhalb weniger Sekunden kommt es zu einem Kreislaufstillstand, da Organe und vor allem das Gehirn nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden.

Diese Form der Herzrhythmusstörung zählt zu den gefährlichsten überhaupt und ist eine der Hauptursachen für den plötzlichen Herztod. Mediziner sprechen auch von einer „Arrhythmie“, einer Störung des normalen Herzrhythmus. Mehr dazu findest du im Artikel Arrhythmie.

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Wie äußert sich Kammerflimmern?

Kammerflimmern kündigt sich in der Regel nicht lange vorher an. Meist bricht es ganz plötzlich aus. Betroffene verlieren innerhalb weniger Sekunden das Bewusstsein, da das Gehirn sofort unterversorgt ist. Es kommt zu einem Kreislaufstillstand, der Puls ist nicht mehr tastbar und die Atmung setzt aus. Ohne sofortige Behandlung führt das innerhalb weniger Minuten zum Tod.

Manchmal treten Kammerflimmern und andere Herzrhythmusstörungen im Zusammenhang mit einem Herzinfarkt, einer schweren Tachyarrhythmie oder einer ausgeprägten Tachykardie auf.

Ursachen und Risikofaktoren

Die häufigste Ursache für Kammerflimmern ist eine schwere Herzerkrankung, besonders die koronare Herzkrankheit. Oft entsteht Kammerflimmern im Rahmen eines Herzinfarkts, wenn Herzmuskelgewebe plötzlich nicht mehr durchblutet wird und dadurch elektrische Störungen entstehen. Auch Herzmuskelentzündungen, angeborene Herzfehler oder bestimmte Medikamente können das Risiko erhöhen.

Weitere Risikofaktoren sind langjähriger Bluthochdruck, Herzschwäche, schwere Herzklappenerkrankungen oder eine bereits bekannte Herzrhythmusstörung. In seltenen Fällen kann Kammerflimmern auch bei jungen, scheinbar gesunden Menschen auftreten, etwa durch einen Stromunfall oder eine genetische Veranlagung.

Wie wird Kammerflimmern festgestellt?

Da Kammerflimmern ein absoluter Notfall ist, zählt jede Sekunde. Im Krankenhaus oder durch den Rettungsdienst wird die Diagnose meist per EKG gestellt. Typisch ist eine völlig ungeordnete, zackige Kurve ohne erkennbare Herzschläge. In der Praxis zeigt sich Kammerflimmern aber oft zuerst durch die plötzliche Bewusstlosigkeit und den fehlenden Puls. Deshalb ist es so entscheidend, die Symptome eines Herzstillstands zu kennen und sofort zu handeln.

Was tun bei Kammerflimmern?

Kammerflimmern ist immer ein medizinischer Notfall. Ohne sofortige Behandlung überlebt kaum jemand. Die einzige wirksame Therapie ist die Defibrillation, also ein gezielter Elektroschock, der das Herz wieder in einen normalen Rhythmus bringen kann. Je schneller dieser Schock gegeben wird, desto besser sind die Überlebenschancen.

Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes hilft nur die sofortige Herzdruckmassage. Wer einen plötzlichen Zusammenbruch beobachtet, sollte ohne Zögern den Notruf wählen und mit Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen. Viele öffentliche Gebäude verfügen heute über sogenannte AEDs (Automatisierte Externe Defibrillatoren), die Laien anleiten und im Notfall Leben retten können.

Häufige Ängste und Fragen

Kammerflimmern löst bei vielen Menschen große Angst aus, da es so plötzlich und dramatisch auftritt. Die Sorge, selbst betroffen zu sein oder nicht rechtzeitig Hilfe zu bekommen, ist verständlich. Wer bereits eine Herzerkrankung hat oder in der Familie Fälle von plötzlichem Herztod kennt, fragt sich oft: Wie kann ich vorbeugen?

Die gute Nachricht ist: Viele Risikofaktoren lassen sich beeinflussen. Eine gute Einstellung von Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin, regelmäßige Bewegung, Rauchverzicht und eine ausgewogene Ernährung schützen das Herz. Bei bestimmten Vorerkrankungen oder nach einem Herzinfarkt verschreiben Ärztinnen und Ärzte manchmal einen implantierbaren Defibrillator (ICD), der im Notfall automatisch einen Schock abgibt und das Leben retten kann.

Was kann ich selbst tun?

Wer weiß, dass er ein erhöhtes Risiko für Herzrhythmusstörungen hat, sollte auf Warnzeichen wie plötzliches Herzrasen, Schwindel oder Ohnmachtsanfälle achten und diese ärztlich abklären lassen. Auch regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Kardiologen können helfen, Risiken frühzeitig zu erkennen.

Im Alltag ist es sinnvoll, sich mit den Grundlagen der Wiederbelebung vertraut zu machen. Bereits ein einfacher Erste-Hilfe-Kurs kann im Ernstfall entscheidend sein – nicht nur für das eigene Herz, sondern auch für das Leben anderer.

Zusammenhänge mit anderen Herzrhythmusstörungen

Kammerflimmern ist die schwerste Form der Herzrhythmusstörung. Es gibt aber auch andere, weniger bedrohliche Störungen wie Vorhofflimmern oder harmlose Extraschläge. Mehr dazu findest du in den Artikeln zu Arrhythmie, Tachyarrhythmie und Tachykardie.

Kammerflimmern unterscheidet sich von diesen vor allem durch seine Dramatik und die akute Lebensgefahr. Deshalb ist es so wichtig, im Notfall schnell und entschlossen zu handeln. Schon wenige Minuten können über Leben und Tod entscheiden.

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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