Junktionaler Rhythmus bezeichnet einen Herzrhythmus, bei dem der Impuls zur Herzaktion nicht wie üblich vom sogenannten Sinusknoten, sondern aus dem Bereich der sogenannten AV-Junktion stammt, das ist die Region zwischen den Herzvorhöfen und den Herzkammern.
Wie entsteht ein junktionaler Rhythmus?
Im Normalfall gibt der Sinusknoten im rechten Herzvorhof den Takt für den Herzschlag an. Er sorgt dafür, dass das Herz in einem regelmäßigen, gesunden Rhythmus schlägt. Manchmal jedoch „übernimmt“ ein anderer Bereich diese Aufgabe, nämlich der sogenannte AV-Knoten oder die angrenzende Übergangszone, die medizinisch als „Junktion“ bezeichnet wird. Wenn diese Region die Führung übernimmt, spricht man von einem junktionalen Rhythmus.
Die Gründe dafür können unterschiedlich sein. Häufig ist der Sinusknoten geschwächt oder blockiert, etwa durch bestimmte Erkrankungen, Medikamente oder auch altersbedingte Veränderungen. In solchen Fällen springt der AV-Knoten als eine Art „Ersatz-Schrittmacher“ ein, damit das Herz nicht stehen bleibt.
Was bedeutet das für den Herzschlag?
Ein junktionaler Rhythmus sorgt in der Regel für einen langsameren Herzschlag als der normale Sinusrhythmus. Typisch sind Herzfrequenzen zwischen etwa 40 und 60 Schlägen pro Minute. Bei manchen Menschen bleibt das Herz dabei ruhig und gleichmäßig, andere bemerken gelegentlich Aussetzer oder ein ungewohntes Herzklopfen. In den meisten Fällen ist der Rhythmus regelmäßig, das heißt, die Abstände zwischen den einzelnen Herzschlägen sind gleichmäßig.
Im Elektrokardiogramm, kurz EKG, ist ein junktionaler Rhythmus gut zu erkennen: Die sogenannten P-Wellen, die normalerweise für die Vorhoferregung stehen, fehlen oft oder sind verändert. Das liegt daran, dass der Impuls nicht wie üblich von oben nach unten, sondern aus der Mitte des Herzens ausgeht.
Ist ein junktionaler Rhythmus gefährlich?
Ob ein junktionaler Rhythmus bedenklich ist, hängt stark vom Einzelfall ab. Bei manchen Menschen tritt er nur vorübergehend auf, zum Beispiel im Schlaf, bei starker Entspannung oder als Nebenwirkung bestimmter Medikamente. Oft merkt man davon gar nichts.
In anderen Fällen kann ein junktionaler Rhythmus ein Hinweis auf eine Störung des Sinusknotens, eine sogenannte Sick-Sinus-Krankheit, oder auf andere Herzprobleme sein. Gerade ältere Menschen oder Personen mit Vorerkrankungen sollten einen solchen Befund immer durch eine Ärztin oder einen Arzt abklären lassen.
Wenn zusätzlich Beschwerden wie Schwindel, Ohnmacht, starke Schwäche oder Kurzatmigkeit auftreten, sollte zeitnah medizinischer Rat eingeholt werden. Denn dann kann der langsamere Rhythmus dazu führen, dass das Gehirn oder andere Organe nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt werden.
Wie wird ein junktionaler Rhythmus festgestellt?
Am zuverlässigsten erkennt man einen junktionalen Rhythmus im EKG. Besonders typisch ist das Fehlen oder die auffällige Veränderung der P-Wellen, während die sogenannten QRS-Komplexe meist normal aussehen, aber in einem langsameren Takt auftreten.
Manchmal wird zusätzlich ein Langzeit-EKG durchgeführt, um zu sehen, wie sich der Rhythmus im Alltag verändert und ob es zu längeren Pausen oder anderen Auffälligkeiten kommt. Blutuntersuchungen oder eine Echokardiografie, also eine Ultraschalluntersuchung des Herzens, helfen, mögliche Ursachen wie Entzündungen, Elektrolytstörungen oder strukturelle Herzveränderungen auszuschließen.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Eine Behandlung ist nicht immer notwendig. Wenn der junktionale Rhythmus keine Beschwerden verursacht und keine anderen Herzprobleme vorliegen, genügt oft die regelmäßige Kontrolle. Viele Menschen leben jahrelang problemlos mit einem solchen Ersatzrhythmus.
Zeigen sich jedoch Symptome wie Ohnmachtsanfälle, starke Leistungsschwäche oder Schwindel, kann eine Therapie sinnvoll sein. Je nach Ursache kommen dann verschiedene Möglichkeiten infrage: Zum Beispiel die Anpassung von Medikamenten, die den Herzrhythmus beeinflussen, oder bei ausgeprägter Rhythmusstörung, das Einsetzen eines Herzschrittmachers.
Die Entscheidung für oder gegen eine Behandlung hängt immer von den individuellen Beschwerden, den Begleiterkrankungen und dem allgemeinen Gesundheitszustand ab.
Was kann man selbst tun?
Ein gesunder Lebensstil unterstützt das Herz in jedem Fall. Ausreichend Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, der Verzicht auf Nikotin und ein moderater Umgang mit Alkohol wirken sich positiv auf den gesamten Kreislauf aus. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte bei neuen Beschwerden immer Rücksprache mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt halten.
Bei Unsicherheiten oder neuen Symptomen wie Schwindel, Ohnmacht oder ungewöhnlicher Müdigkeit empfiehlt es sich, zeitnah eine ärztliche Abklärung zu suchen. So lassen sich mögliche Risiken frühzeitig erkennen und behandeln.
Zusammenhang mit Arrhythmien
Ein junktionaler Rhythmus zählt zu den sogenannten Arrhythmien, also den Herzrhythmusstörungen. Nicht jede Arrhythmie ist gefährlich oder behandlungsbedürftig. Viele sind harmlos und treten gelegentlich bei gesunden Menschen auf. Dennoch lohnt sich eine genaue Abklärung, um andere Ursachen auszuschließen.
Zusammengefasst
Der junktionale Rhythmus ist eine besondere Form des Herzschlags, bei der die Steuerung aus der Mitte des Herzens kommt, weil der eigentliche Taktgeber, der Sinusknoten, ausfällt oder blockiert ist. In vielen Fällen ist das harmlos, manchmal steckt jedoch eine behandlungsbedürftige Störung dahinter. Das EKG liefert die entscheidenden Hinweise und hilft, die richtige Einordnung zu finden. Wer unsicher ist oder Beschwerden verspürt, sollte sich nicht scheuen, medizinischen Rat einzuholen.