Onsior beim Hund: Wirkung, Einnahme und Nebenwirkungen

Onsior beim Hund: Wirkung, Einnahme und Nebenwirkungen

Onsior ist ein verschreibungspflichtiges Schmerz- und Entzündungsmittel für Hunde mit dem Wirkstoff Robenacoxib. Es gehört zur selben großen Gruppe von Medikamenten wie Ibuprofen beim Menschen, den nicht-steroidalen Entzündungshemmern, wurde aber eigens für Tiere entwickelt. Zu bekommen ist es nur auf Rezept aus der Tierarztpraxis oder der Apotheke.

Verordnet wird es vor allem in zwei Situationen: bei einem Hund, dessen Gelenke wehtun, und rund um eine Operation. Beide Male geht es um dasselbe Ziel, nämlich Schmerz und Entzündung so weit zu dämpfen, dass sich der Hund wieder normal bewegen und erholen kann.

Wofür Onsior beim Hund zugelassen ist

Die Zulassung für Hunde ist enger gefasst, als viele erwarten, und sie unterscheidet sich außerdem von der für Katzen. Für Hunde gilt sie in zwei Bereichen.

Chronische Arthrose

In der Fachinformation steht der Begriff chronische Osteoarthritis, im Alltag sagt man einfach Arthrose. Gemeint ist ein Gelenk, dessen Knorpel über Jahre abgenutzt ist. Der Knorpel ist die glatte Schutzschicht auf den Knochenenden, und wo er fehlt, reibt das Gelenk, entzündet sich immer wieder und tut weh. Typisch sind ein steifer Start am Morgen, Zögern vor der Treppe, kürzere Runden und ein Hund, der beim Aufstehen leise brummt.

Robenacoxib dämpft die Entzündung in diesem Gelenk und damit den Schmerz. Den abgenutzten Knorpel bringt es nicht zurück, und es hält die Arthrose auch nicht auf. Was es leistet, ist trotzdem viel: Ein Hund, der sich wieder bewegt, baut Muskulatur auf, und Muskulatur stabilisiert das kranke Gelenk. Deshalb gehören Bewegung in Maßen, ein passendes Gewicht und oft auch Physiotherapie zur Behandlung dazu und werden durch das Medikament nicht ersetzt.

Nach einer Operation

Als Tablette ist Onsior beim Hund für Weichteiloperationen zugelassen, also für Eingriffe an Haut, Muskeln oder inneren Organen, etwa eine Kastration oder das Entfernen einer Umfangsvermehrung. Daneben gibt es eine Injektionslösung, die in der Praxis unter die Haut gespritzt wird. Sie darf beim Hund zusätzlich nach orthopädischen Operationen eingesetzt werden, also nach Eingriffen an Knochen und Gelenken. Für Katzen ist die Injektion nur nach Weichteiloperationen zugelassen; was du über die Anwendung bei einer Katze liest, lässt sich also nicht einfach auf den Hund übertragen und umgekehrt genauso wenig.

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Wie der Wirkstoff Robenacoxib wirkt

Bei einer Entzündung entstehen im Körper Botenstoffe, die Schwellung und Schmerz verstärken. Gebildet werden sie von zwei Enzymen, die COX-1 und COX-2 heißen. COX-1 arbeitet ständig im Hintergrund und schützt unter anderem die Magenschleimhaut und die Durchblutung der Niere. COX-2 dagegen wird vor allem dort hochgefahren, wo gerade eine Entzündung läuft. Robenacoxib bremst vor allem COX-2 und lässt COX-1 weitgehend in Ruhe, dämpft also die Entzündung und schont dabei die Magenschleimhaut mehr als ältere Wirkstoffe. Für die Niere gilt das nur eingeschränkt, denn dort ist COX-2 auch im gesunden Zustand an der Durchblutung beteiligt. Deshalb bleibt die Niere ein Punkt, auf den die Tierarztpraxis achtet, gerade wenn der Kreislauf angeschlagen ist.

Dazu kommt eine zweite Eigenschaft, die den Wirkstoff besonders macht. Er verschwindet aus dem Blut sehr schnell wieder, reichert sich aber im entzündeten Gewebe an und bleibt dort deutlich länger und in höherer Konzentration. Er hält sich also genau da auf, wo er gebraucht wird, und ist an den empfindlichen Stellen wie Magen und Niere nur kurz unterwegs. Das ist auch der Grund, warum eine Gabe pro Tag ausreicht, obwohl der Wirkstoff im Blut schon nach kurzer Zeit kaum noch messbar ist.

Wie Onsior gegeben wird

Die Menge richtet sich nach dem Gewicht

Wie viel dein Hund bekommt, hängt vor allem von seinem Körpergewicht ab, und dafür gibt es die Tabletten in mehreren Stärken. Eine Auswertung von über 200 Hunden mit Arthrose aus drei Studien zeigte, dass das Gewicht tatsächlich der einzige Faktor war, der die Wirkstoffmenge im Körper nennenswert beeinflusst hat, während Alter, Rasse und Geschlecht keine Rolle spielten. Genau deshalb wird die passende Stärke in der Tierarztpraxis festgelegt, dort verschrieben und angepasst, wenn dein Hund zu- oder abnimmt.

Rechne die Menge nicht selbst aus und folge keinem Dosierungsrechner aus dem Internet. Teile keine Tabletten auf Verdacht, gib keine Reste aus einer alten Packung und nichts, was für ein anderes Tier verschrieben wurde. Hunde- und Katzentabletten sind außerdem nicht austauschbar: Für Katzen gibt es eine eigene Tablette in eigener Stärke, und eine Hundetablette darf niemals an eine Katze gegeben werden, auch nicht geteilt oder zerkleinert.

Morgens oder abends

Eine feste Regel, ob die Tablette morgens oder abends gegeben werden soll, gibt es nicht. Vorgesehen ist eine Gabe pro Tag, und sinnvoll ist es, diese jeden Tag ungefähr zur selben Zeit einzuplanen, damit der Abstand gleich bleibt und keine Gabe untergeht. Praktisch entscheidet meistens der Alltag: Viele Halter:innen wählen den Zeitpunkt, an dem sie ohnehin zuverlässig zu Hause sind, oft die Fütterung am Morgen oder am Abend. Ob die Tablette bei deinem Präparat zum Futter oder getrennt davon gegeben werden soll, steht in der Packungsbeilage; wenn du unsicher bist, frag in der Tierarztpraxis nach, statt es auszuprobieren.

Wann die Wirkung einsetzt

Der Wirkstoff wird nach der Gabe rasch aufgenommen und erreicht seine höchste Konzentration im Blut schon nach etwa einer halben Stunde. Nach einer Operation ist das der Grund, warum die Schmerzlinderung nicht lange auf sich warten lässt.

Bei Arthrose braucht es dagegen etwas Geduld, weil hier nicht ein einzelner akuter Schmerz gedämpft wird, sondern eine seit Langem gereizte Gelenkinnenhaut zur Ruhe kommen muss. Eine erkennbare Besserung zeigt sich normalerweise innerhalb einer Woche, und wenn sich nach zehn Tagen nichts getan hat, soll die Behandlung beendet und die Situation neu beurteilt werden. Dass ein Hund nicht ausreichend anspricht, ist keine Seltenheit: In den Studien war das bei etwa jedem siebten bis zehnten Hund mit Arthrose der Fall. Dann steckt entweder mehr hinter der Lahmheit als gedacht, oder ein anderes Mittel passt besser.

Wie lange dein Hund Onsior bekommen darf

Rund um eine Operation ist die Dauer klar begrenzt. Vorgesehen ist eine einmalige Gabe vor dem Eingriff und danach höchstens zwei weitere Tage. Übrig gebliebene Tabletten sind kein Vorrat für das nächste Mal, wenn der Hund humpelt.

Bei Arthrose gibt es dagegen keine feste Obergrenze in Tagen. Wie lange behandelt wird, legt deine Tierärztin oder dein Tierarzt individuell fest, und bei längerer Anwendung wird auf die niedrigste Menge heruntergegangen, die noch wirkt. Dazu gehören regelmäßige Kontrollen: Bei einer Langzeitbehandlung werden die Leberwerte im Blut zunächst nach zwei, vier und acht Wochen bestimmt und danach etwa alle drei bis sechs Monate. Eine Dauerbehandlung ist also nichts, was einfach still weiterläuft, sondern etwas, das mit festen Terminen begleitet wird.

Welche Nebenwirkungen möglich sind

Die meisten unerwünschten Wirkungen betreffen den Magen-Darm-Trakt und sind mild; sehr selten reagiert ein Hund mit ausgeprägter Müdigkeit auf den Wirkstoff. Die folgenden Häufigkeiten stammen aus der amtlichen Fachinformation.

Magen und Darm

Erbrechen und weicher Kot treten sehr häufig auf, also bei mehr als einem von zehn behandelten Hunden. Sie sind in aller Regel mild und vergehen von selbst. Häufig, das heißt bei bis zu einem von zehn Hunden, kommen ein verminderter Appetit und Durchfall dazu. Gelegentlich, bei bis zu einem von hundert Hunden, findet sich Blut im Kot, und das gehört in jedem Fall zeitnah in die Tierarztpraxis.

Leberwerte bei längerer Gabe

Bei einer Behandlung bis zu zwei Wochen wurden keine Anstiege der Leberwerte beobachtet. Wird länger behandelt, steigen sie häufig an, meist ohne dass der Hund davon irgendetwas zeigt, und sie stabilisieren sich oder gehen unter fortgesetzter Behandlung sogar wieder zurück. Seltener, nämlich gelegentlich, gehen erhöhte Leberwerte mit Beschwerden einher: Der Hund frisst nicht mehr, wirkt teilnahmslos oder erbricht. In diesem Fall wird die Behandlung beendet. Genau dafür sind die geplanten Blutkontrollen da, sie fangen so etwas ab, bevor es dem Hund schlecht geht.

Wann du am selben Tag anrufen solltest

Melde dich in der Tierarztpraxis, ohne den nächsten regulären Termin abzuwarten, wenn dein Hund Blut im Kot hat oder schwarzen, teerartigen Kot absetzt. Dasselbe gilt, wenn er wiederholt erbricht, anhaltend Durchfall hat, plötzlich gar nicht mehr frisst oder ungewöhnlich matt und teilnahmslos wirkt. Gib die nächste Tablette in diesen Fällen nicht einfach weiter, sondern klär vorher ab, wie es weitergehen soll.

Was nicht dazu gegeben werden darf

Onsior darf nicht zusammen mit Kortison oder mit einem zweiten Entzündungshemmer gegeben werden, weil sich die Belastung für Magen und Niere dann addiert. Wird von einem anderen Entzündungshemmer umgestellt, soll dazwischen mindestens ein Tag ohne Medikament liegen. Nicht angewendet werden darf es außerdem bei Magen- oder Darmgeschwüren, bei einer Lebererkrankung, bei bekannter Überempfindlichkeit sowie bei trächtigen und säugenden Hündinnen. Bei Hunden unter 2,5 Kilogramm oder unter drei Monaten ist es nicht untersucht.

Eine bestehende Lebererkrankung ist laut Fachinformation eine Gegenanzeige, das Mittel wird dann also gar nicht erst gegeben. Engere Kontrolle braucht es bei Hunden mit einer Herz- oder Nierenerkrankung und immer dann, wenn der Kreislauf angeschlagen ist, etwa bei Flüssigkeitsmangel oder während und nach einer Narkose. In dieser Situation ist weniger das Schmerzmittel selbst das Problem als der niedrige Blutdruck, unter dem die Niere ohnehin schlechter durchblutet wird. Deshalb wird bei Operationen auf eine gute Flüssigkeitsversorgung geachtet, und deshalb fragt die Praxis vor einer Verschreibung nach Vorerkrankungen und anderen Medikamenten.

Menschliche Schmerzmittel sind keine Notlösung

Schmerzmittel aus dem eigenen Medikamentenschrank dürfen einem Hund nie auf eigene Faust gegeben werden. Ibuprofen und Diclofenac sind für Hunde besonders gefährlich, und auch Paracetamol oder Aspirin gehören nicht in die Selbstbehandlung: Sie werden zwar in bestimmten Situationen tierärztlich verordnet, wirken beim Hund aber anders als beim Menschen und richten in falscher Menge Schaden an.

Wie ernst so eine Vergiftung verlaufen kann, zeigt eine Untersuchung an 434 Hunden, die zu viel von einem Entzündungshemmer aufgenommen hatten, nämlich Ibuprofen, Naproxen oder das Tierarzneimittel Carprofen. Die Folgen reichten von Magen-Darm-Beschwerden bis zu Nierenschäden und neurologischen Ausfällen, besonders nach Ibuprofen, und fast alle Hunde überlebten, wenn sie rechtzeitig behandelt wurden, während die Verläufe umso schwerer waren, je später die Tiere in der Klinik ankamen. Paracetamol ist überhaupt kein Entzündungshemmer und vergiftet auf einem anderen Weg, dafür sagen diese Zahlen also nichts aus.

Wenn dein Hund an eine Tablette gekommen ist, ruf sofort in der Tierarztpraxis an, statt abzuwarten, ob etwas passiert.

Vergleich mit anderen Schmerzmitteln

Robenacoxib ist nicht das eine, allen anderen überlegene Schmerzmittel für Hunde. In einer randomisierten Studie an 174 Hunden nach einer größeren Weichteiloperation wurde es direkt mit Meloxicam verglichen, einem seit Langem etablierten Entzündungshemmer für Tiere. Beide kontrollierten Schmerz und Entzündung vergleichbar gut, kein einziger Hund brauchte zusätzliche Schmerzmittel, und beide wurden gut vertragen.

Welches Mittel im Einzelfall passt, hängt also weniger an einer Rangliste als an deinem Hund: an seinen Vorerkrankungen, an dem, was er sonst noch bekommt, an der Verträglichkeit und ganz banal daran, wie gut sich die Tablette geben lässt. Für den nächsten Termin lohnen sich drei Fragen: Wie lange soll behandelt werden, wann werden die Blutwerte kontrolliert, und was ist zu tun, wenn eine Gabe vergessen wurde oder dein Hund die Tablette wieder ausspuckt.

Quellen

Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA). Onsior (Robenacoxib), Zusammenfassung der Merkmale des Tierarzneimittels. EU-Zulassung EU/2/08/089, deutsche Fassung. Fachinformation.

Fink M, Letellier I, Peyrou M, Mochel JP, Jung M, King JN, Gruet P, Giraudel JM. Population pharmacokinetic analysis of blood concentrations of robenacoxib in dogs with osteoarthritis. Res Vet Sci. 2013;95(2):580-587. doi:10.1016/j.rvsc.2013.04.021. PubMed.

Gruet P, Seewald W, King JN. Robenacoxib versus meloxicam for the management of pain and inflammation associated with soft tissue surgery in dogs: a randomized, non-inferiority clinical trial. BMC Vet Res. 2013;9:92. doi:10.1186/1746-6148-9-92. PubMed.

Chalifoux NV, Butty EM, Mauro KD, Moyle RB, Ehrhardt CM, Robertson JB, Labato MA, Culler CA, Londoño LA, Vigani A, Ueda Y, Suter SE, Lynch AM. Outcomes of 434 dogs with non-steroidal anti-inflammatory drug toxicosis treated with fluid therapy, lipid emulsion, or therapeutic plasma exchange. J Vet Intern Med. 2023;37(1):161-172. doi:10.1111/jvim.16603. PubMed.

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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