Milztumor beim Hund: Oft gutartiger als gedacht

Milztumor beim Hund: Oft gutartiger als gedacht

Ein Milztumor beim Hund ist ein Knoten oder eine Wucherung in der Milz, einem Organ im vorderen Bauchraum, das Blut filtert, Blutzellen zwischenspeichert und bei der Abwehr mithilft. Das Wort Tumor meint dabei zunächst nur eine Raumforderung, also eine Gewebevermehrung, die im Ultraschall auffällt, und noch nicht automatisch Krebs. Ob ein solcher Knoten gutartig oder bösartig ist, lässt sich am Ultraschallbild nicht sicher erkennen, und wie wahrscheinlich das eine oder das andere ist, hängt vor allem davon ab, unter welchen Umständen er gefunden wurde.

Genau dieser Punkt geht in vielen Erklärungen unter. Wenn der Knoten zufällig entdeckt wurde, weil der Bauch aus einem ganz anderen Grund geschallt wurde und dein Hund keine Blutung hat, stehen die Chancen deutlich besser, als die meisten Halter:innen befürchten.

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Gutartig oder bösartig: was beim Milztumor wirklich wahrscheinlich ist

Viele hören in der Tierarztpraxis oder lesen im Netz die sogenannte Zwei-Drittel-Regel: zwei Drittel aller Milzknoten seien bösartig, und davon wiederum zwei Drittel ein Hämangiosarkom, einem bösartigen Tumor, der von der Innenwand der Blutgefäße ausgeht,. Diese Faustregel ist so pauschal nicht haltbar, denn die Zahlen fallen je nach Situation sehr unterschiedlich aus.

Wie der Knoten gefunden wurde, verändert die Rechnung

Bei Hunden, deren Milzknoten zufällig auffiel und der nicht geblutet hatte, war der Befund nach der Entfernung in gut 70 von 100 Fällen gutartig. Nimmt man dagegen alle Hunde zusammen, denen die Milz entfernt wurde, egal aus welchem Anlass, waren rund 61 von 100 Befunden gutartig und knapp 39 von 100 bösartig. Ganz anders sieht es aus, wenn die Milz akut geplatzt ist und in den Bauch blutet: In dieser Notfallgruppe waren nur etwa 38 von 100 Knoten gutartig, der Rest bösartig, meist ein Hämangiosarkom. Die alte Zwei-Drittel-Regel trifft also am ehesten auf den Blutungsnotfall zu, während sie für den zufällig entdeckten Knoten zu düster ist. Und selbst im Notfall geht immer noch gut ein Drittel der Fälle gutartig aus.

Was gutartig hier meistens heißt

Hinter einem gutartigen Milzknoten steckt am häufigsten ein Hämatom, also ein größerer Bluterguss im Milzgewebe, oder eine knotige Hyperplasie, bei der sich ganz normale Milzzellen an einer Stelle vermehrt haben, was vor allem bei älteren Hunden vorkommt. Auch ein Hämangiom, eine gutartige Neubildung aus Blutgefäßen, ist möglich. Diese Befunde wachsen nicht in andere Organe und sind mit der Entfernung der Milz in aller Regel erledigt. Von den Hunden mit einem solchen Ergebnis lebte die Hälfte danach noch länger als gut ein Jahr, und begrenzt wurde diese Zeit meist von ganz anderen Alterserkrankungen.

Welche Anzeichen ein Milztumor macht

Oft macht ein Milztumor sehr lange gar keine Beschwerden, und deshalb wird er häufig nur zufällig entdeckt, etwa bei einer Voruntersuchung vor einer Narkose oder bei der Abklärung eines ganz anderen Problems. Wenn Anzeichen auftreten, sind sie meist unspezifisch: Dein Hund wirkt schlapp, mag weniger fressen, ermüdet auf dem Spaziergang schneller oder hat einen sichtbar dicker werdenden Bauch. Typisch sind auch kurze Schwächeanfälle, bei denen der Hund plötzlich umkippt oder wackelig wird und sich nach ein paar Minuten scheinbar wieder erholt. Dahinter steckt meist eine kleine Blutung, die von selbst zum Stillstand kommt, und sie ist ein ernstzunehmendes Warnsignal, auch wenn danach wieder alles normal aussieht. Blasses, weißliches Zahnfleisch gehört ebenfalls dazu.

Wenn die Milz platzt und blutet

Eine geplatzte Milzraumforderung ist ein Notfall, bei dem jede Stunde zählt. Dein Hund wird plötzlich sehr schwach, kann nicht mehr aufstehen, das Zahnfleisch ist blass bis weiß, die Atmung geht schnell und flach, und der Bauch füllt sich mit Blut und wird praller. In dieser Lage gehört dein Hund sofort in eine Tierarztpraxis oder Tierklinik, ohne bis zum nächsten Morgen zu warten, und am besten mit einem kurzen Anruf vorab, damit dort alles vorbereitet ist.

So bedrohlich das ist, die Operation selbst geht meist gut aus. In einer Untersuchung an Hunden mit geplatzter, blutender Milzraumforderung überlebten rund 95 Prozent die Operation und konnten wieder nach Hause; die Hälfte von ihnen war nach weniger als zwei Tagen aus der Klinik entlassen. Die Frage, wie es danach weitergeht, entscheidet sich nicht am Notfall, sondern an dem, was das Labor später über das entfernte Gewebe sagt.

Warum vorher meist keine Gewebeprobe entnommen wird

Viele Halter:innen fragen sich, warum niemand einfach mit einer feinen Nadel ein paar Zellen aus dem Knoten holt, bevor operiert wird. Bei anderen Umfangsvermehrungen ist das üblich, an der Milz wird es aber bewusst vermieden. Die Milz ist stark durchblutet, und ein Gefäßtumor darin noch mehr, sodass ein Einstich bluten kann; gleichzeitig enthält die gewonnene Probe meist fast nur Blut und kaum verwertbare Zellen. Das Risiko ist also hoch und der Erkenntnisgewinn gering. Auch Ultraschall und Computertomografie, eine Röntgenuntersuchung in feinen Schichten, können gutartig und bösartig nicht sicher auseinanderhalten. Sie dienen der Planung und der Suche nach Absiedlungen in Leber, Lunge und Bauchraum. Die verlässliche Antwort liefert erst die feingewebliche Untersuchung der entfernten Milz unter dem Mikroskop, und dieses Ergebnis dauert nach der Operation meist einige Tage.

Was bei der Operation passiert

Bei einem Milztumor wird in aller Regel die gesamte Milz entfernt, nicht nur der Knoten, weil das Organ von großen Gefäßen versorgt wird und ein Teilerhalt selten sinnvoll ist. Der Eingriff findet in Vollnarkose über einen Bauchschnitt statt, die Gefäße werden verschlossen und das Organ als Ganzes entnommen. Bei einer akuten Blutung wird der Kreislauf davor und dabei mit Infusionen und gegebenenfalls einer Bluttransfusion gestützt.

Leben ohne Milz

Hunde kommen ohne Milz im Alltag gut zurecht, weil andere Organe, vor allem die Leber, ihre Filter- und Abwehraufgaben weitgehend mit übernehmen. In einer Nachbeobachtung von Hunden, denen die Milz wegen einer gutartigen Erkrankung entfernt worden war, zeigten sich über gut zweieinhalb Jahre vereinzelt Spätfolgen wie Blutgerinnsel, während schwere Infektionen die große Ausnahme blieben. Keine dieser Spätfolgen war mit einer kürzeren Lebenszeit verbunden. Für die Zeit direkt nach der Operation gelten die üblichen Regeln: Ruhe, kurze Leinenrunden und Schonung, bis die Bauchnaht verheilt ist.

Wenn es ein Hämangiosarkom ist: wie die Aussichten sein können

Beim Hämangiosarkom handelt es sich um einen bösartigen Tumor, der aus den Zellen der Gefäßinnenwand hervorgeht und deshalb schon früh Zellen über die Blutbahn streuen kann, am häufigsten in Leber, Lunge und Herz. Die Aussichten sind bei dieser Form ernst, und niemand wird dir etwas anderes sagen. Gleichzeitig sind alle Zahlen, die dazu kursieren, Durchschnittswerte aus sehr verschiedenen Fällen und sagen nichts darüber, wie es deinem Hund gehen wird. Wie weit die Erkrankung gestreut hat, wie fit dein Hund sonst ist und wie er auf die Behandlung anspricht, wiegt für den einzelnen Verlauf viel schwerer als jede Statistik, und das kann die Tierärztin oder der Tierarzt, die deinen Hund kennen, am besten einschätzen.

In der größten Untersuchung dazu lebte nach alleiniger Operation die Hälfte der Hunde länger als etwa sieben Wochen, die andere Hälfte kürzer, wobei einzelne Hunde deutlich mehr Zeit hatten.

Was eine Chemotherapie leisten kann

Häufig wird nach der Operation eine Chemotherapie angeboten. Der oft gehörte Satz, sie verdopple die Überlebenszeit, ist zu optimistisch. In der großen Vergleichsuntersuchung war über den gesamten Beobachtungszeitraum kein deutlicher Unterschied zwischen Operation allein und Operation mit Chemotherapie zu sehen; in den ersten Monaten nach der Operation lebten die behandelten Hunde jedoch messbar länger. Wenn du dich dafür entscheidest, spricht viel dafür, zügig zu beginnen, denn ein früher Start in den ersten Wochen nach der Operation scheint mehr zu bringen als ein später. Eine Chemotherapie ist bei Hunden meist deutlich milder dosiert als beim Menschen und zielt auf gute Lebensqualität, nicht auf Heilung um jeden Preis. Was sie im konkreten Fall realistisch bringen kann und was sie im Alltag bedeutet, ist die wichtigste Frage für das nächste Gespräch in der Praxis.

Wenn eine Operation nicht infrage kommt

Sich gegen eine Operation zu entscheiden, ist ein legitimer Weg und kein Versagen, etwa bei einem sehr alten Hund, bei anderen schweren Erkrankungen oder wenn bereits Absiedlungen in mehreren Organen sichtbar sind. Ohne Operation bleibt eine blutende Milzraumforderung allerdings gefährlich, weil die Blutung jederzeit wieder auftreten und dann nicht mehr von selbst aufhören kann. Die Behandlung richtet sich dann darauf, Schmerzen und Schwäche zu lindern und dem Hund gute Tage zu ermöglichen.

Wenn irgendwann die Frage nach dem Einschläfern aufkommt, ist auch das eine Entscheidung aus Fürsorge und nicht aus Aufgeben. Sie orientiert sich nicht an einer Zahl, sondern daran, wie es deinem Hund geht: ob er noch frisst, aufsteht, sich für seine Menschen und seine Runden interessiert und ob sich Schmerz und Schwäche noch auffangen lassen. Die Tierärztin oder der Tierarzt, die deinen Hund über die Zeit begleiten, können dich bei dieser Abwägung führen, und es hilft, offen zu benennen, was du beobachtest, statt zu warten, bis es eindeutig ist.

Was die Milz eigentlich macht

Die Milz hat beim Hund dieselben Aufgaben wie beim Menschen, sie filtert Blut und gehört zur Immunabwehr. Nachlesen kannst du das unter Aufgaben der Milz.

Quellen

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Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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