Eine Fraktur bezeichnet in der Medizin einen Knochenbruch, also das vollständige oder teilweise Durchtrennen eines Knochens infolge von Gewalt, Sturz oder Überlastung. Das Wort stammt aus dem Lateinischen und bedeutet übersetzt „Bruch“. In Arztbriefen, Befunden oder Unfallberichten taucht der Begriff häufig auf, oft ergänzt durch genauere Angaben zur Lokalisation und Art des Bruchs.
Wie entsteht ein Knochenbruch?
Ein Knochen kann brechen, wenn die auf ihn einwirkende Kraft größer ist als seine Stabilität. Typische Ursachen sind Stürze, Verkehrsunfälle, Sportverletzungen oder auch direkte Schläge auf den Knochen. Bei Kindern reicht manchmal schon ein harmloser Sturz, weil die Knochen noch im Wachstum sind und dadurch etwas weicher. Im höheren Alter steigt das Risiko durch Osteoporose, eine Erkrankung, bei der die Knochensubstanz abnimmt und die Knochen spröder werden.
Nicht immer ist ein Unfall nötig. Es gibt auch sogenannte Ermüdungsbrüche, die durch wiederholte, gleichförmige Belastung entstehen. Das passiert zum Beispiel bei Marathonläufern oder Soldaten nach langen Märschen.
Welche Frakturarten gibt es?
Je nach Verlauf und Ausmaß unterscheidet die Medizin verschiedene Formen. Eine einfache Einteilung erfolgt nach der Stellung der Bruchstücke. Bei einer sogenannten nicht dislozierten Fraktur liegen die Bruchenden noch an ihrem Platz, der Knochen ist zwar gebrochen, aber nicht verschoben. Mehr Informationen dazu findest du im Artikel zur nicht dislozierten Fraktur.
Sind die Bruchstücke gegeneinander verschoben, spricht man von einer dislozierten Fraktur. Offene Brüche sind besonders gefährlich, weil dabei der Knochen durch die Haut ragt und Keime leicht eindringen können.
Spezielle Namen tragen Brüche je nach Lage oder Ursache. Ein Beispiel ist die Weber A Fraktur am Sprunggelenk, die sich vom Weber B Bruch durch den genauen Ort des Bruchs unterscheidet. Auch Handwurzelknochen wie das Kahnbein können betroffen sein, dabei ist oft von einer Skaphoidfraktur die Rede. Am Knie wiederum kann eine Tibikopffraktur auftreten.
Symptome und wie man einen Knochenbruch erkennt
Ein Knochenbruch macht sich meist durch plötzliche, starke Schmerzen bemerkbar. Das betroffene Körperteil schwillt an, wird blau oder zeigt eine Fehlstellung. Manchmal hört man sogar ein knackendes Geräusch im Moment des Bruchs. Typisch ist, dass die Funktion gestört ist: Ein gebrochener Arm lässt sich kaum noch bewegen, ein gebrochenes Bein trägt kein Gewicht mehr.
Nicht jeder Bruch ist sofort sichtbar. Gerade bei kleinen Knochen wie im Handgelenk oder im Fuß kann die Schwellung im Vordergrund stehen, während die eigentliche Fraktur erst im Röntgenbild auffällt.
Wie wird eine Fraktur festgestellt?
Um sicher zu wissen, ob ein Knochen gebrochen ist, reicht meist eine gründliche körperliche Untersuchung und ein Röntgenbild. Manchmal sind weitere Verfahren wie eine Computertomografie oder eine Magnetresonanztomografie nötig, vor allem bei komplizierten Brüchen oder wenn Gelenke betroffen sind. Die genaue Diagnose ist wichtig, um die passende Behandlung auszuwählen und Folgeschäden zu vermeiden.
Was tun bei Verdacht auf einen Knochenbruch?
Bei Verdacht auf eine Fraktur gilt: Das betroffene Körperteil ruhigstellen und möglichst nicht mehr belasten. Eine Schiene oder ein improvisierter Verband kann helfen, die Bruchstelle zu stabilisieren. Kühlen lindert Schmerzen und Schwellung, sollte aber nicht direkt auf die Haut gelegt werden. Offene Brüche müssen steril abgedeckt werden, um Infektionen zu verhindern. Sofortige ärztliche Untersuchung ist in jedem Fall ratsam, besonders bei starken Schmerzen, sichtbarer Fehlstellung oder wenn Taubheitsgefühle auftreten.
Behandlungsmöglichkeiten und Heilung
Die Therapie hängt von der Art und Lage des Bruchs ab. Viele unkomplizierte Brüche lassen sich mit einem Gipsverband oder einer Schiene behandeln, sodass die Knochen in Ruhe wieder zusammenwachsen können. In anderen Fällen ist eine Operation nötig, etwa wenn die Bruchstücke stark verschoben sind, Gelenke betroffen sind oder mehrere Knochen gebrochen wurden. Hierbei werden die Bruchenden mit Metallplatten, Schrauben oder Nägeln fixiert.
Die Heilungsdauer variiert je nach Alter, Allgemeinzustand und betroffenem Knochen. Bei Kindern wachsen Brüche oft schneller zusammen als bei älteren Menschen. Im Durchschnitt dauert es vier bis zwölf Wochen, bis ein Knochen wieder stabil ist. Manchmal schließt sich an die eigentliche Heilung eine Physiotherapie an, um die Beweglichkeit und Kraft zurückzugewinnen.
Sorgen rund um den Knochenbruch
Viele Menschen fragen sich nach einem Bruch, ob der Knochen wieder genauso stabil wird wie vorher. In den meisten Fällen ist das möglich, besonders wenn die Behandlung früh und fachgerecht erfolgt. Komplikationen wie eine verzögerte Heilung, Fehlstellungen oder Infektionen sind heute selten, können aber bei sehr schweren Brüchen vorkommen.
Ein weiteres Thema ist die Angst vor bleibenden Einschränkungen oder Schmerzen. Hier hilft es, sich bewusst zu machen, dass die überwiegende Mehrheit der Frakturen vollständig ausheilt. Wichtig ist, die ärztlichen Empfehlungen zu befolgen und sich nach der Gipsabnahme oder Operation Zeit für die Reha zu nehmen.
Was du selbst tun kannst
Während der Heilungsphase unterstützt eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Kalzium und Vitamin D den Knochenaufbau. Bewegung ist wichtig, sobald es der Heilungsverlauf erlaubt, um Muskelabbau und Steifheit vorzubeugen. Rauchen verzögert die Knochenheilung, daher lohnt sich ein Rauchstopp besonders in dieser Zeit.
Wer bereits einmal einen Knochenbruch hatte, sollte auf eine sichere Umgebung achten, um Stürze zu vermeiden. Rutschfeste Schuhe, gute Beleuchtung und das Entfernen von Stolperfallen im Haushalt sind einfache, aber wirksame Maßnahmen.
Typische Beispiele für Knochenbrüche
Einige Frakturen treten besonders häufig auf. Dazu zählt der Bruch des Sprunggelenks, der je nach Bruchlinie als Weber A oder Weber B klassifiziert wird. Mehr dazu gibt es im Artikel zur Weber A Fraktur und zur Weber B Fraktur. Auch die Skaphoidfraktur am Handgelenk ist eine typische Verletzung nach Stürzen auf die ausgestreckte Hand. Am Knie kann eine Tibikopffraktur auftreten, zum Beispiel nach einem Sturz beim Sport oder Unfall.
Wann sollte man zum Arzt?
Sobald der Verdacht auf einen Knochenbruch besteht, ist eine ärztliche Abklärung wichtig. Auch wenn die Schmerzen nachlassen oder sich die Schwellung zurückbildet, kann ein unbehandelter Bruch zu dauerhaften Problemen führen. Besonders bei Kindern, älteren Menschen und nach Unfällen mit großer Krafteinwirkung sollte nicht gezögert werden.
Ein Knochenbruch ist zwar schmerzhaft und oft mit Einschränkungen verbunden, heilt aber dank moderner Medizin in den meisten Fällen vollständig aus. Wer aufmerksam auf seinen Körper hört und bei Beschwerden rechtzeitig reagiert, schafft die besten Voraussetzungen für eine gute Heilung.