Vaskuläre Leukenzephalopathie und ihre Folgen

Vaskuläre Leukenzephalopathie und ihre Folgen

06.02.2026

PD Dr. med. Witold Polanski

Vaskuläre Leukenzephalopathie bezeichnet eine krankhafte Veränderung der weißen Substanz im Gehirn, die durch Durchblutungsstörungen entsteht.

Was steckt hinter dem Begriff?

Im Gehirn gibt es verschiedene Gewebearten. Die sogenannte weiße Substanz ist ein Teil davon und sorgt dafür, dass Informationen zwischen den Nervenzellen weitergeleitet werden. Bei einer vaskulären Leukenzephalopathie kommt es zu Schäden genau in diesem Bereich. Der Auslöser ist eine unzureichende Durchblutung, meist weil kleine Blutgefäße im Gehirn nicht mehr richtig funktionieren. Das Wort „vaskulär“ steht dabei für die Blutgefäße und „Leukenzephalopathie“ beschreibt eine Erkrankung der weißen Hirnsubstanz.

Wie entsteht eine vaskuläre Leukenzephalopathie?

Die Ursache liegt oft in chronischen Veränderungen der kleinen Gefäße, die das Gehirn versorgen. Über Jahre hinweg können Bluthochdruck, Diabetes, erhöhte Blutfettwerte oder auch Rauchen die Gefäßwände schädigen. Dadurch gelangen weniger Sauerstoff und Nährstoffe zu den Nervenzellen. Die empfindliche weiße Substanz reagiert besonders sensibel auf diese Minderdurchblutung. Nach und nach sterben dort Nervenfasern ab oder werden beschädigt.

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Wer ist besonders betroffen?

Vor allem ältere Menschen sind betroffen, da mit zunehmendem Alter die Gefäße anfälliger für Veränderungen werden. Aber auch Menschen mit Risikofaktoren wie dauerhaft erhöhtem Blutdruck, Diabetes oder langjährigem Rauchen können schon früher Veränderungen entwickeln. Bei manchen treten die Veränderungen schleichend auf, ohne dass sofort Beschwerden entstehen.

Welche Beschwerden können auftreten?

Viele bemerken lange Zeit nichts von der Erkrankung. Erst wenn die Schädigung fortschreitet, können Symptome entstehen. Typisch sind langsam zunehmende Gedächtnisstörungen, Konzentrationsprobleme oder Schwierigkeiten, sich im Alltag zu organisieren. Auch eine Verlangsamung der Bewegungen, Unsicherheit beim Gehen oder Stürze können Hinweise sein. In manchen Fällen entwickelt sich eine sogenannte vaskuläre Demenz, bei der die geistigen Fähigkeiten merklich nachlassen.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Meist fällt die Erkrankung durch Beschwerden oder bei einer Bildgebung des Kopfes auf. Mit einer Magnetresonanztomografie (MRT) lassen sich die Veränderungen der weißen Substanz gut erkennen. Im Bericht steht dann manchmal auch der Begriff „Marklagerveränderungen“ oder „leukoaraiose“. Diese Begriffe beschreiben ähnliche Veränderungen. Ärztinnen und Ärzte prüfen außerdem, ob Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder Diabetes vorliegen. Manchmal werden auch spezielle Tests zur Gedächtnisleistung durchgeführt, um das Ausmaß der Erkrankung besser einzuschätzen.

Ist das schlimm?

Viele machen sich Sorgen, wenn sie den Begriff zum ersten Mal hören. Nicht jede vaskuläre Leukenzephalopathie führt zwangsläufig zu schweren Beschwerden. Häufig werden Veränderungen zufällig bei einer Untersuchung entdeckt, etwa bei einem MRT aus anderen Gründen. Entscheidend ist, wie ausgeprägt die Veränderungen sind und ob bereits Symptome bestehen. Bei leichten Formen kann es lange dauern, bis überhaupt Einschränkungen auftreten. Trotzdem ist es sinnvoll, die Risikofaktoren konsequent zu behandeln, um ein Fortschreiten zu verhindern.

Was kann man selbst tun?

Wer die Diagnose erhält, kann einiges tun, um das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Die wichtigsten Maßnahmen sind eine gute Einstellung des Blutdrucks und der Blutzuckerwerte. Auch ein Rauchstopp, regelmäßige Bewegung und eine ausgewogene Ernährung unterstützen die Gefäßgesundheit. Ärztinnen und Ärzte können zudem Medikamente verordnen, um Risikofaktoren wie zu hohe Cholesterinwerte oder Bluthochdruck zu behandeln. Es lohnt sich außerdem, geistig und körperlich aktiv zu bleiben, zum Beispiel durch Spaziergänge, Gedächtnistraining oder soziale Aktivitäten.

Behandlungsmöglichkeiten

Eine gezielte Therapie, die die Veränderungen in der weißen Substanz rückgängig macht, gibt es bisher nicht. Die Behandlung richtet sich deshalb vor allem darauf, die Risikofaktoren zu kontrollieren und Folgeerkrankungen wie Schlaganfälle zu verhindern. Wenn bereits Gedächtnisstörungen oder Probleme beim Gehen auftreten, können gezielte Trainingsprogramme, Physiotherapie oder Ergotherapie helfen, die Selbstständigkeit möglichst lange zu erhalten.

Was bedeutet der Befund im Alltag?

Wer eine vaskuläre Leukenzephalopathie im Arztbrief findet, sollte sich nicht sofort Sorgen machen. Die Erkrankung verläuft oft langsam und kann über Jahre stabil bleiben. Wichtig ist, die eigenen Risikofaktoren ernst zu nehmen und regelmäßig kontrollieren zu lassen. Ein gutes Gespräch mit der Hausärztin oder dem Hausarzt hilft, Unsicherheiten zu klären und die nächsten Schritte zu planen. Wer rechtzeitig handelt, kann viel dazu beitragen, dass die Veränderungen nicht weiter voranschreiten und die Lebensqualität möglichst lange erhalten bleibt.

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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