Tumormarker erhöht: Kein Beweis für Krebs

Tumormarker erhöht: Kein Beweis für Krebs

Ein Tumormarker ist eine messbare Substanz, meist ein Eiweiß, die im Blut bestimmt wird und die von Tumorzellen selbst oder vom Körper als Reaktion auf einen Tumor gebildet werden kann. Ein erhöhter Wert kann auf einen Tumor oder seine Aktivität hinweisen, ist aber für sich allein kein Beweis für Krebs.

Wenn du einen solchen Wert auf einem Befund liest oder gehört hast, dass ein Tumormarker "erhöht" ist, hilft es, die Rolle dieser Werte richtig einzuordnen. Sie sind ein nützliches Werkzeug, aber ein empfindliches, das viel Zusammenhang braucht, um sinnvoll gelesen zu werden.

Was ein Tumormarker eigentlich ist

Die meisten Tumormarker sind Eiweiße, manche auch Hormone oder Enzyme. Sie lassen sich in einer Blutprobe messen, seltener in anderem Körpermaterial. Manche werden vom Tumor selbst produziert, andere schüttet der Körper aus, weil er auf den Tumor reagiert. Steigt so ein Wert, kann das ein Signal für eine Krebserkrankung oder für deren Aktivität sein.

Diese Werte schwanken natürlicherweise. Untersuchungen, die viele Marker bei gesunden Menschen verglichen haben, zeigen, dass die Konzentration von Mensch zu Mensch und sogar bei ein und derselben Person über die Zeit variiert. Ein einzelner Wert ist deshalb eher ein Hinweis als eine klare Ja-oder-Nein-Antwort. Genau das erklärt, warum ein Laborzettel mit einem einzelnen Zahlenwert oft weniger aussagt, als man im ersten Moment befürchtet.

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Warum sie sich kaum zur Früherkennung eignen

Ein naheliegender Gedanke ist: Wenn es einen Bluttest für Krebs gibt, warum lässt man ihn nicht einfach regelmäßig machen? Der Grund ist, dass die meisten Tumormarker für diese Aufgabe nicht genau genug sind. Sie sind weder eindeutig genug, um Krebs sicher anzuzeigen, noch zuverlässig genug, um ihn auszuschließen. Leitlinien raten deshalb ausdrücklich davon ab, klassische Tumormarker zur Reihenuntersuchung bei beschwerdefreien, gesunden Menschen einzusetzen.

Ein viel diskutierter Sonderfall ist der PSA-Wert der Prostata. Hier gibt es tatsächlich einen kleinen Nutzen: Eine große britische Studie mit über 400.000 Männern zeigte, dass eine PSA-Untersuchung das Risiko, an Prostatakrebs zu sterben, über 15 Jahre leicht senkte, von etwa 0,78 auf 0,69 Prozent. Dem steht aber die Gefahr der Überdiagnose gegenüber, also das Aufspüren von Tumoren, die einem Mann zu Lebzeiten nie geschadet hätten, mit unnötigen Biopsien und Behandlungen als Folge. Das deutsche Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) kam nach Auswertung der Studienlage zu dem Schluss, dass bei einer Reihenuntersuchung von Männern ohne Beschwerden die Nachteile den kleinen Nutzen überwiegen (Stand der Bewertungen 2022 und 2024; an dieser Abwägung hat sich seither nichts Grundlegendes geändert). PSA ist also nicht nutzlos, sondern eine Abwägungsfrage, die man am besten persönlich mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt bespricht.

Was ein erhöhter Wert bedeutet, und was nicht

Ein erhöhter Tumormarker beweist keinen Krebs. Harmlose oder gutartige Ursachen sind sogar häufig. Entzündungen, Rauchen, gutartige Vergrößerungen eines Organs oder bestimmte gutartige Erkrankungen können die Werte in die Höhe treiben.

Ein gut belegtes Beispiel ist die Endometriose, eine gutartige Erkrankung, bei der sich Gewebe ähnlich der Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter ansiedelt. Sie kann die Marker CA 125 und CA 19-9 deutlich anheben, manchmal ähnlich stark wie ein bösartiger Tumor, sodass sich beides am Wert allein nicht sicher unterscheiden lässt. Der Wert von CA 125 kann außerdem schon bei gutartigen gynäkologischen Ursachen schwanken. Ein einzelner erhöhter Marker ist deshalb ein Anlass, genauer hinzuschauen, aber keine Diagnose.

Umgekehrt gilt das Gleiche in die andere Richtung: Ein normaler Wert schließt Krebs nicht sicher aus. Manche Tumoren bilden den passenden Marker gar nicht oder nur wenig. Deshalb ist ein unauffälliger Wert beruhigend, aber kein Freibrief, wenn es Beschwerden oder andere Hinweise gibt.

Wofür sie wirklich stark sind

Ihr eigentlicher Wert liegt nicht im Aufspüren, sondern in der Verlaufskontrolle einer bereits bekannten Krebserkrankung. Ist die Diagnose gestellt und produziert der Tumor einen bestimmten Marker, dann lässt sich an dessen Verlauf viel ablesen. Fällt der Wert unter der Therapie, spricht das dafür, dass die Behandlung anschlägt. Steigt er nach zunächst erfolgreicher Behandlung wieder an, kann das ein frühes Zeichen dafür sein, dass die Erkrankung zurückkehrt.

Entscheidend ist die Veränderung über die Zeit, nicht der einzelne Wert. Bei Bauchspeicheldrüsenkrebs zum Beispiel zeigte sich, dass nicht der Ausgangswert des Markers CA 19-9 aussagekräftig war, sondern sein Abfall unter der Chemotherapie: Menschen, deren Wert stark sank, lebten im Schnitt deutlich länger. Ein ähnliches Muster kennt man beim Lungenkrebs mit dem Marker CEA, dessen Verlauf gut anzeigt, ob eine Behandlung wirkt. Deshalb bestimmt das Behandlungsteam einen Marker oft nicht einmalig, sondern immer wieder, um die Kurve zu beobachten.

Welche Tumormarker es gibt

Es gibt nicht den einen Tumormarker, sondern viele, die jeweils mit bestimmten Organen oder Tumorarten in Verbindung stehen. Ein erhöhter Wert weist dabei nie zwingend auf genau dieses Organ hin, die Zuordnung ist eher eine grobe Richtung. Ein paar häufige Beispiele:

PSA gehört zur Prostata. CEA wird vor allem bei Darmkrebs bestimmt, kommt aber auch bei anderen Tumoren und beim Rauchen erhöht vor. CA 19-9 steht mit Bauchspeicheldrüse und Gallenwegen in Verbindung, CA 125 mit den Eierstöcken. Bei Hoden- und anderen Keimzelltumoren spielen AFP, Beta-HCG und LDH eine feste Rolle: Nach der aktuellen Leitlinie gehört ihre Bestimmung zur Erstuntersuchung dazu, und ihre Höhe fließt in die Einschätzung der Prognose und in die Verlaufskontrolle ein. Calcitonin wiederum kann auf eine bestimmte Form von Schilddrüsenkrebs hinweisen, und LDH ist ein eher unspezifischer Marker für die allgemeine Aktivität einer Erkrankung.

Eine starre Tabelle mit Normalwerten hilft hier wenig, denn was als auffällig gilt, hängt vom Labor, der Messmethode und der persönlichen Situation ab. Genau deshalb gehört die Deutung eines Wertes immer in ärztliche Hände und nicht auf einen allgemeinen Vergleichszettel.

Quellen

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Paschen U, Sturtz S, Fleer D, Lampert U, Skoetz N, Dahm P. Assessment of prostate-specific antigen screening: an evidence-based report by the German Institute for Quality and Efficiency in Health Care. BJU International. 2022;129(3):280–289. DOI: 10.1111/bju.15444.

Hartlapp I, Valta-Seufzer D, Siveke JT, Algül H, Goekkurt E, Siegler G, et al. Prognostic and predictive value of CA 19-9 in locally advanced pancreatic cancer treated with multiagent induction chemotherapy: results from a prospective, multicenter phase II trial (NEOLAP-AIO-PAK-0113). ESMO Open. 2022;7(4):100552. DOI: 10.1016/j.esmoop.2022.100552.

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Rittmeyer A, Barlesi F, Waterkamp D, Park K, Ciardiello F, von Pawel J, et al. Atezolizumab versus docetaxel in patients with previously treated non-small-cell lung cancer (OAK): a phase 3, open-label, multicentre randomised controlled trial. Lancet. 2017;389(10066):255–265. DOI: 10.1016/S0140-6736(16)32517-X.

Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO). Keimzelltumoren des Mannes (gonadale Keimzelltumoren). Onkopedia-Leitlinie, abgerufen 2026. Quelle.

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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