Thrombektomie – Ablauf, Chancen und Risiken

Thrombektomie – Ablauf, Chancen und Risiken

05.01.2026

PD Dr. med. Witold Polanski

Eine Thrombektomie ist ein medizinischer Eingriff, bei dem ein Blutgerinnsel, auch Thrombus genannt, aus einem Blutgefäß entfernt wird, um den Blutfluss wiederherzustellen. Besonders häufig kommt dieses Verfahren bei einem akuten Schlaganfall zum Einsatz, wenn ein Gefäß im Gehirn durch ein Gerinnsel verstopft ist.

Wann wird eine Thrombektomie durchgeführt?

Meistens wird eine Thrombektomie dann nötig, wenn ein großes Blutgefäß plötzlich blockiert wird und dadurch wichtige Bereiche des Körpers nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden. Das bekannteste Beispiel ist der ischämische Schlaganfall, bei dem ein Gerinnsel eine Hirnarterie verschließt. Seltener kommt der Eingriff auch bei Gefäßverschlüssen in Armen oder Beinen oder im Bereich des Herzens zum Einsatz.

Nicht jeder Schlaganfall kann mit einer Thrombektomie behandelt werden. Entscheidend ist, dass das verschlossene Gefäß gut zugänglich ist und der Eingriff innerhalb eines bestimmten Zeitfensters nach Symptombeginn erfolgt. Je schneller das Gerinnsel entfernt wird, desto größer ist die Chance, dass betroffene Nervenzellen gerettet werden können.

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Wie läuft eine Thrombektomie ab?

Bei diesem Verfahren wird zunächst ein dünner Katheter, also ein flexibler Kunststoffschlauch, meist über die Leistenarterie in das Gefäßsystem eingeführt. Unter Röntgenkontrolle schiebt die behandelnde Ärztin oder der Arzt den Katheter bis zum Ort des Gefäßverschlusses vor. Dort wird das Blutgerinnsel entweder mit einem speziellen Draht „eingefangen“ und herausgezogen oder mithilfe eines kleinen Netzes, dem sogenannten Stent Retriever, entfernt.

Der Eingriff erfolgt in der Regel unter örtlicher Betäubung oder in leichter Narkose. Viele Menschen spüren davon kaum etwas. Nach der Entfernung des Thrombus wird das Gefäß erneut durchblutet, was oft schon während des Eingriffs zu einer Verbesserung der Symptome führen kann.

Welche Vorteile bietet die Thrombektomie?

Die Thrombektomie hat die Behandlung des akuten Schlaganfalls in den letzten Jahren entscheidend verbessert. Besonders bei Verschlüssen großer Hirnarterien kann sie das Risiko schwerer Behinderungen deutlich senken. Studien zeigen, dass etwa jeder dritte bis vierte Betroffene nach erfolgreicher Thrombektomie wieder weitgehend selbstständig leben kann. Ohne diese Behandlung wäre die Wahrscheinlichkeit für bleibende Schäden oder sogar den Tod deutlich höher.

Auch bei Gefäßverschlüssen in anderen Körperregionen kann die Thrombektomie helfen, Gewebe zu retten und Folgeschäden wie Amputationen zu vermeiden.

Häufige Sorgen rund um den Eingriff

Viele Menschen fragen sich, wie riskant eine Thrombektomie ist und ob dabei Komplikationen auftreten können. Wie bei jedem medizinischen Eingriff gibt es Risiken, dazu zählen Nachblutungen, Gefäßverletzungen oder in seltenen Fällen auch neue Schlaganfälle durch gelöste Gerinnselteile. Insgesamt gilt das Verfahren jedoch als sicher und ist in spezialisierten Zentren Routine. Die Vorteile überwiegen in der Regel deutlich, wenn der Eingriff rechtzeitig erfolgt.

Ein weiterer häufiger Gedanke: „Bin ich danach wieder ganz gesund?“ Die Antwort hängt vom Ausmaß der Hirnschädigung vor der Behandlung und vom Zeitpunkt des Eingriffs ab. Je früher das verschlossene Gefäß wieder geöffnet wird, desto besser sind die Aussichten. Trotzdem kann es sein, dass Beschwerden wie Lähmungen, Sprachstörungen oder Konzentrationsprobleme bleiben. Die anschließende Rehabilitation hilft, verlorene Fähigkeiten zurückzugewinnen oder zu kompensieren.

Wie wird entschieden, ob eine Thrombektomie infrage kommt?

Ob eine Thrombektomie durchgeführt werden kann, hängt von mehreren Faktoren ab. Zunächst muss mithilfe von Computertomografie oder Magnetresonanztomografie festgestellt werden, wo das Gefäß verschlossen ist und wie viel Gehirngewebe noch gerettet werden kann. Auch der Zeitpunkt spielt eine entscheidende Rolle. In der Regel ist der Eingriff innerhalb von sechs Stunden nach Symptombeginn am wirksamsten, in Einzelfällen kann das Zeitfenster aber auch bis zu 24 Stunden betragen.

Nicht alle Krankenhäuser bieten die Thrombektomie an, sie wird meist in spezialisierten Schlaganfallzentren durchgeführt. Dort arbeiten erfahrene Teams aus Neurologie, Radiologie und Gefäßmedizin zusammen, um die beste Entscheidung für jeden einzelnen Fall zu treffen.

Was passiert nach dem Eingriff?

Nach einer Thrombektomie bleibt man zunächst zur Überwachung auf einer spezialisierten Schlaganfallstation. Dort werden Kreislauf, Atmung und neurologische Funktionen engmaschig kontrolliert. Je nach Verlauf beginnt schon nach wenigen Tagen die Rehabilitation, um Beweglichkeit, Sprache und Selbstständigkeit zu fördern. Die weitere Behandlung richtet sich danach, wie stark das Gehirn geschädigt wurde und welche Risikofaktoren vorliegen.

Viele Menschen fragen sich, wie sie einen erneuten Schlaganfall verhindern können. Hier spielen die Behandlung von Bluthochdruck, Diabetes, Cholesterin und das Vermeiden von Rauchen eine wichtige Rolle. Auch blutverdünnende Medikamente werden häufig eingesetzt, um das Risiko neuer Gefäßverschlüsse zu senken.

Praktische Tipps und Hinweise

Wer selbst oder im Umfeld einen akuten Schlaganfall erlebt, sollte keine Zeit verlieren und sofort den Notruf wählen. Je schneller die Behandlung beginnt, desto besser sind die Chancen auf eine gute Erholung. Nach einer Thrombektomie lohnt es sich, an der Rehabilitation aktiv teilzunehmen und regelmäßig Kontrolltermine wahrzunehmen. Bewegung, ausgewogene Ernährung und das konsequente Einhalten der Medikamente helfen, die Gefäße gesund zu halten.

Die Thrombektomie ist ein wichtiger Fortschritt in der Behandlung von Gefäßverschlüssen und kann Leben retten oder schwere Behinderungen verhindern. Entscheidend ist, dass sie rechtzeitig und in spezialisierten Zentren durchgeführt wird.

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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