Spontanpneumothorax: Wenn die Lunge plötzlich kollabiert

Spontanpneumothorax: Wenn die Lunge plötzlich kollabiert

12.01.2026

PD Dr. med. Witold Polanski

Ein Spontanpneumothorax bezeichnet das plötzliche Eindringen von Luft in den Raum zwischen Lunge und Brustwand, ohne dass eine äußere Verletzung oder ein medizinischer Eingriff vorausgegangen ist. Dadurch fällt die betroffene Lunge teilweise oder ganz zusammen und kann nicht mehr richtig arbeiten.

Was passiert bei einem Spontanpneumothorax?

Normalerweise liegt die Lunge dicht an der Brustwand an und wird von einem feinen, flüssigkeitsgefüllten Spalt, dem sogenannten Pleuraspalt, umgeben. In diesem Raum herrscht ein Unterdruck, der dafür sorgt, dass sich die Lunge beim Einatmen entfalten kann. Gelangt nun plötzlich Luft in diesen Spalt, hebt sich der Unterdruck auf. Die Lunge kann sich nicht mehr ausdehnen und fällt in sich zusammen. Das geschieht beim Spontanpneumothorax völlig unerwartet, also ohne einen Unfall oder eine äußere Gewalteinwirkung.

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Wer ist betroffen und warum tritt das auf?

Meistens trifft ein Spontanpneumothorax junge, schlanke Menschen zwischen 15 und 35 Jahren, häufiger Männer als Frauen. Besonders oft sind Raucher betroffen. Die Ursache liegt meist darin, dass sich winzige, mit Luft gefüllte Bläschen (sogenannte Bulla oder Bläschen) an der Lungenoberfläche bilden. Wenn so ein Bläschen platzt, entweicht Luft in den Pleuraspalt. In seltenen Fällen kann ein Spontanpneumothorax auch bei Menschen mit bestimmten Lungenkrankheiten auftreten, etwa bei einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) oder nach einer schweren Lungenentzündung.

Typische Symptome: Woran lässt sich ein Spontanpneumothorax erkennen?

Ein Spontanpneumothorax macht sich meist ganz plötzlich bemerkbar. Typisch ist ein stechender Schmerz auf einer Brustseite, oft verbunden mit akuter Atemnot. Die Atmung fühlt sich flach und angestrengt an, manchmal kommt Husten dazu. Viele berichten von einem Druckgefühl im Brustkorb oder hören sogar ein leises Knacken. Die Beschwerden können unterschiedlich stark ausgeprägt sein, je nachdem, wie viel Luft in den Pleuraspalt gelangt ist und wie stark die Lunge zusammenfällt.

Wie gefährlich ist ein Spontanpneumothorax?

Die plötzliche Atemnot und der Brustschmerz sind für viele sehr beängstigend. In den meisten Fällen ist ein Spontanpneumothorax zwar unangenehm, aber nicht lebensbedrohlich, wenn er rasch erkannt und behandelt wird. Gefährlich wird es, wenn viel Luft in kurzer Zeit in den Pleuraspalt gelangt oder beide Lungenflügel betroffen sind. Dann kann es zu einem sogenannten Spannungspneumothorax kommen, bei dem der Druck im Brustkorb so stark ansteigt, dass Herz und Kreislauf gefährdet sind. Das ist ein medizinischer Notfall und muss sofort behandelt werden.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Bei Verdacht auf einen Spontanpneumothorax erfolgt zunächst eine genaue Befragung und Untersuchung. Ärztinnen und Ärzte hören die Lunge ab und klopfen den Brustkorb ab. Typische Anzeichen sind abgeschwächtes Atemgeräusch und ein hohler Klopfschall auf der betroffenen Seite. Die sichere Diagnose liefert meist ein Röntgenbild des Brustkorbs. In manchen Fällen kommt auch eine Computertomografie (CT) zum Einsatz, um kleine Luftansammlungen oder zugrunde liegende Lungenerkrankungen besser zu erkennen.

Weitere Informationen zum allgemeinen Thema Pneumothorax finden sich auch hier.

Behandlungsmöglichkeiten: Was passiert nach der Diagnose?

Die Therapie richtet sich danach, wie groß der Pneumothorax ist und wie stark die Beschwerden ausfallen. Ist nur wenig Luft im Pleuraspalt und sind die Symptome mild, reicht oft abwarten und beobachten. Die Luft wird vom Körper meist innerhalb weniger Tage abgebaut und die Lunge entfaltet sich wieder von allein. In solchen Fällen werden regelmäßige Kontrollen durchgeführt, um sicherzugehen, dass sich die Situation nicht verschlechtert.

Bei stärkeren Beschwerden oder einem größeren Lufteinstrom wird meist eine sogenannte Drainage gelegt. Dabei wird ein dünner Schlauch durch die Brustwand in den Pleuraspalt eingeführt, sodass die Luft entweichen kann. Die Lunge kann sich so wieder ausdehnen. In seltenen Fällen, wenn die Ursache nicht von selbst heilt oder immer wieder Luft in den Spalt eintritt, kann eine Operation notwendig werden. Dabei werden die undichten Stellen an der Lunge verschlossen oder krankhafte Bläschen entfernt.

Was kann man selbst tun und wie lässt sich ein Rückfall vermeiden?

Nach einem Spontanpneumothorax ist für einige Zeit Schonung angesagt. Besonders in den ersten Wochen sollte auf Sport, schweres Heben und körperliche Anstrengung verzichtet werden, um die Lunge nicht zu überlasten. Rauchen ist ein wichtiger Risikofaktor, ein Rauchstopp senkt das Risiko für einen erneuten Pneumothorax deutlich. Bei wiederkehrenden Fällen kann es sinnvoll sein, mit Lungenfachleuten über weitere Schritte zu sprechen, etwa eine operative Versorgung oder spezielle Vorsorgemaßnahmen.

Häufige Ängste und Fragen

Viele fragen sich nach der Diagnose, ob die Lunge dauerhaft geschädigt ist oder ob das Leben nun eingeschränkt bleibt. In den meisten Fällen heilt die Lunge vollständig aus und es bleiben keine dauerhaften Schäden zurück. Allerdings besteht ein erhöhtes Risiko, dass ein Spontanpneumothorax erneut auftritt, besonders, wenn weiterhin geraucht wird oder eine Lungenerkrankung vorliegt. Fliegen mit dem Flugzeug oder Tauchen sollte erst nach Rücksprache mit Ärztinnen und Ärzten wieder aufgenommen werden, da der veränderte Luftdruck zu Problemen führen kann.

Wer nach einem Spontanpneumothorax plötzlich wieder Atemnot oder Brustschmerzen spürt, sollte umgehend medizinische Hilfe suchen. Ein erneuter Vorfall ist möglich und kann in seltenen Fällen auch gefährlich werden.

Zusammenfassung

Ein Spontanpneumothorax ist ein plötzlicher Kollaps der Lunge durch Luft im Pleuraspalt ohne äußere Ursache. Die wichtigsten Anzeichen sind plötzlich einsetzender Brustschmerz und Atemnot. Die Behandlung hängt vom Ausmaß der Luftansammlung ab und reicht von Beobachtung bis zur Drainage oder Operation. In den meisten Fällen heilt die Lunge vollständig aus, ein Rückfallrisiko besteht jedoch. Wer betroffen ist, sollte auf Warnzeichen achten, das Rauchen aufgeben und körperliche Belastung zunächst meiden. Weiterführende Informationen gibt es auch im Artikel zum Pneumothorax.

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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