Sensomotorik beschreibt das Zusammenspiel von Sinneswahrnehmung und Bewegung. Gemeint ist damit, wie der Körper Reize aus der Umgebung aufnimmt, verarbeitet und daraufhin gezielt Bewegungen ausführt.
Wie funktioniert das Zusammenspiel von Sinneseindrücken und Bewegung?
Sobald ein Reiz die Haut, das Auge oder das Ohr erreicht, wird diese Information über Nervenbahnen an das Gehirn weitergeleitet. Dort wird entschieden, wie darauf reagiert wird. Zum Beispiel zieht sich die Hand blitzschnell zurück, wenn etwas Heißes berührt wird. Das ist ein klassisches Beispiel für sensomotorische Abläufe. Auch feinere und bewusste Bewegungen, wie das Greifen nach einem Glas oder das Balancieren auf einem Bein, sind das Ergebnis dieser engen Zusammenarbeit von Sinnesorganen und Muskeln.
Sensomotorik ist also die Grundlage für nahezu jede Bewegung – egal ob beim Gehen, Schreiben oder Sprechen. Ohne eine ständige Rückmeldung aus den Sinnesorganen könnten Muskeln nicht gezielt angesteuert werden. Das betrifft nicht nur die großen Bewegungen wie Laufen, sondern auch feine Steuerungen, etwa beim Tippen auf einer Tastatur oder beim Zuknöpfen eines Hemds.
Warum ist Sensomotorik wichtig?
Überall im Alltag spielt Sensomotorik eine Rolle. Sie sorgt dafür, dass Bewegungen angepasst und sicher ausgeführt werden. Beim Fahrradfahren hilft das Gleichgewicht, beim Hören eines Geräuschs dreht sich automatisch der Kopf in die entsprechende Richtung. Schon im Kindesalter entwickelt sich die Sensomotorik Schritt für Schritt und bildet die Basis für das Lernen von neuen Fähigkeiten.
Bei Erwachsenen bleibt sie lebenslang bedeutsam. Störungen in diesem Bereich können zu Unsicherheiten beim Gehen, zu Koordinationsproblemen oder zu Schwierigkeiten beim Greifen führen. Besonders im höheren Lebensalter oder nach bestimmten Erkrankungen kann die Sensomotorik beeinträchtigt sein. Weitere Informationen dazu gibt es im Artikel zum sensomotorischen Defizit.
Wie zeigt sich eine gesunde Sensomotorik?
Wenn alles reibungslos funktioniert, werden Bewegungen flüssig und zielgerichtet ausgeführt. Das Gehirn verarbeitet ständig Rückmeldungen aus Muskeln, Gelenken und Sinnesorganen und passt die Bewegungen entsprechend an. Wer zum Beispiel auf unebenem Boden läuft, gleicht kleine Stolperer automatisch aus. Auch beim Sport, beim Musizieren oder beim Schreiben ist eine gute Sensomotorik spürbar – Bewegungen wirken dann präzise und kontrolliert.
Was passiert bei einer Störung der Sensomotorik?
Manchmal kann das Zusammenspiel von Sinneswahrnehmung und Bewegung gestört sein. Ursachen dafür sind unterschiedlich: Erkrankungen des Nervensystems, Verletzungen, Durchblutungsstörungen oder altersbedingte Veränderungen können die Sensomotorik beeinträchtigen. Auch nach einem Schlaganfall, bei Multipler Sklerose oder bei bestimmten Nervenerkrankungen kann die Verbindung zwischen Wahrnehmung und Bewegung gestört sein.
Typische Anzeichen einer sensomotorischen Störung sind unsichere Bewegungen, Koordinationsprobleme oder eine verminderte Reaktionsfähigkeit. Manchmal fällt es schwer, gezielte Bewegungen auszuführen, zum Beispiel beim Greifen nach Gegenständen. Weitere Informationen zu möglichen Ursachen und Symptomen findest du im Beitrag über Motorik.
Wie wird die Sensomotorik untersucht?
Um die Sensomotorik zu überprüfen, führen Ärztinnen und Ärzte verschiedene Tests durch. Dazu zählen einfache Aufgaben wie das Balancieren auf einem Bein, das schnelle Tippen mit den Fingern oder das Nachzeichnen von Figuren. Auch die Reaktionsgeschwindigkeit auf bestimmte Reize wird getestet. In der Neurologie ist die Überprüfung der sensomotorischen Fähigkeiten ein wichtiger Bestandteil der Untersuchung. Wer mehr wissen möchte, kann sich über den Ablauf einer neurologischen Untersuchung oder den neurologischen Untersuchungsbefund informieren.
Bei Verdacht auf eine Störung der Nervenleitung kommt manchmal die sogenannte motorische Nervenleitgeschwindigkeit zum Einsatz. Hierbei wird gemessen, wie schnell Nerven elektrische Reize weiterleiten.
Sensomotorik im Alltag stärken
Eine gut funktionierende Sensomotorik lässt sich trainieren. Bewegung im Alltag, Sport, Tanzen oder gezielte Übungen fördern das Zusammenspiel von Sinneswahrnehmung und Muskelsteuerung. Wer regelmäßig balanciert, mit den Fingern knetet oder neue Bewegungsabläufe lernt, unterstützt die sensomotorischen Fähigkeiten. Auch im höheren Alter lohnt sich das Training, um Beweglichkeit und Sicherheit zu erhalten.
Gerade nach längerer Krankheit oder bei Unsicherheiten im Bewegungsablauf kann gezieltes Üben helfen. In der Physiotherapie werden spezielle Übungen angeboten, um die Sensomotorik zu verbessern und das Selbstvertrauen in die eigenen Bewegungen zu stärken.
Sensomotorik: Ein zentrales Bindeglied im Körper
Ob beim Greifen, Gehen oder Schreiben, Sensomotorik ist für alle Bewegungen unerlässlich. Sie sorgt dafür, dass der Körper auf die Umwelt reagieren und gezielt handeln kann. Störungen in diesem Bereich können den Alltag erschweren, lassen sich aber oft durch gezieltes Training und Übung verbessern. Wer sich unsicher ist, ob die eigene Sensomotorik beeinträchtigt ist, kann das im Rahmen einer neurologischen Untersuchung abklären lassen. Oft helfen schon kleine Veränderungen im Alltag, die Beweglichkeit und Sicherheit zu verbessern.