Rektal-digitale Untersuchung: Zählt sie noch zur Vorsorge?

Rektal-digitale Untersuchung: Zählt sie noch zur Vorsorge?

Rektal digital, in der Fachsprache digital-rektale Untersuchung oder kurz DRU, bedeutet ganz einfach, dass eine Ärztin oder ein Arzt den Enddarm mit dem Finger abtastet. Das Wort "digital" kommt dabei vom lateinischen digitus für Finger und hat nichts mit Computern, Bildschirmen oder einem elektronischen Gerät zu tun. Gemeint ist wirklich nur ein Finger, über den ein Handschuh gezogen und auf den etwas Gleitmittel gegeben wird. Wenn der Begriff in einem Arztbrief oder Befund auftaucht oder eine solche Untersuchung ansteht, steckt dahinter also eine kurze Routine, die ohne Vorbereitung und ohne Technik auskommt.

Wie die digital-rektale Untersuchung abläuft

Der Ablauf ist unkompliziert und dauert nur wenige Sekunden, selten länger als eine Minute. Meist liegst du dabei seitlich auf der Liege und ziehst die Beine leicht an, manchmal wird die Untersuchung auch im Stehen mit vorgebeugtem Oberkörper gemacht.

Die untersuchende Person zieht einen Handschuh an und trägt Gleitmittel auf, damit der Finger leicht und schonend gleitet. Dann führt sie ihn langsam über den After in den Enddarm ein und tastet dessen Wände ab. Beim Mann liegt die Prostata, also die Vorsteherdrüse, direkt hinter der vorderen Darmwand und lässt sich auf diesem Weg mit erfühlen. Mehr als diesen einen Finger braucht es nicht, Geräte oder Instrumente kommen dabei nicht zum Einsatz.

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Ist das unangenehm oder tut es weh?

Die meisten Menschen empfinden die Untersuchung als kurz unangenehm, aber nicht als schmerzhaft. Ein Druckgefühl oder der Reiz, auf die Toilette zu müssen, sind normal und vergehen sofort wieder. Hilfreich ist, ruhig durch den Mund zu atmen, denn dabei lockert sich der Schließmuskel und alles fällt leichter.

Schmerzen sind dagegen nicht typisch. Wenn es doch wehtut, besteht im Analbereich meist schon vorher etwas anderes, etwa eine Entzündung, eine Eiteransammlung oder eine Analfissur, also ein kleiner Einriss in der Haut am After. Dann geht die untersuchende Person besonders behutsam vor und verzichtet vorerst ganz auf das Abtasten, wenn es zu schmerzhaft wäre.

Wozu die rektal-digitale Untersuchung dient

Mit dem Finger lässt sich einiges direkt fühlen, von Verhärtungen und Knoten über die Spannung des Schließmuskels bis hin zu Blut, das am Handschuh zurückbleibt. Deshalb ist die Tastuntersuchung ein einfaches erstes Werkzeug bei ganz unterschiedlichen Fragen.

Blut im Stuhl, Hämorrhoiden und Analbeschwerden

Der wohl häufigste Anlass sind Beschwerden im Analbereich, also Blut am Papier oder im Stuhl, Jucken, Brennen oder ein Druckgefühl. Vieles davon fällt schon beim bloßen Ansehen auf, etwa Hämorrhoiden, das sind vergrößerte Gefäßpolster am After, oder eine Analfissur. Der Finger erfasst zusätzlich, was sich nur ertasten lässt, sofern das schmerzfrei möglich ist. Das meiste, was dabei zum Vorschein kommt, ist harmlos und gut behandelbar.

Für die Darmkrebs-Früherkennung reicht die Tastuntersuchung allerdings nicht aus, weil der Finger nur die untersten paar Zentimeter des Enddarms erreicht. Dafür gibt es in Deutschland den Stuhltest auf verstecktes Blut und die Darmspiegelung, die beide deutlich mehr Darmabschnitte erfassen.

Wie kräftig der Schließmuskel ist

Wenn Stuhl ungewollt abgeht, lässt sich der Schließmuskel mit dem Finger grob einschätzen: Die untersuchende Person bittet dich, einmal zuzukneifen, und fühlt dabei, wie kräftig der Muskel arbeitet. Das ergibt einen orientierenden Eindruck, keine genaue Messung. Sind die Beschwerden stärker, folgt deshalb oft eine gründlichere Untersuchung mit einem Gerät, das den Druck im Enddarm exakt misst.

Abtasten der Prostata beim Mann

Weil die Prostata direkt hinter der vorderen Darmwand liegt, lässt sie sich mit dem Finger gut erreichen. Die untersuchende Person achtet dabei auf Größe, Form und Beschaffenheit und darauf, ob sich Knoten oder harte Stellen fühlen lassen. Das kann bei Beschwerden beim Wasserlassen oder einem auffälligen Blutwert wertvolle Hinweise geben. Zur reinen Früherkennung von Prostatakrebs wird die Tastuntersuchung dagegen nicht mehr empfohlen.

Was sich bei der Prostata-Früherkennung 2025 geändert hat

Lange gehörte die Tastuntersuchung der Prostata fest zur jährlichen Krebsfrüherkennung beim Mann ab 45 Jahren. Mit der aktualisierten deutschen Leitlinie zum Prostatakrebs hat sich das geändert: Zur reinen Früherkennung soll demnach keine Tastuntersuchung mehr erfolgen (S3-Leitlinie Prostatakarzinom, Stand 2025).

Warum das Abtasten zu wenig findet

Der Grund ist, dass die Tastuntersuchung für sich genommen zu wenige Tumoren findet. In einer großen deutschen Studie mit über 46.000 Männern entdeckte die einmalige Tastuntersuchung mit 45 Jahren nur einen kleinen Bruchteil der Krebsfälle, während der PSA-Bluttest im gleichen Zeitraum rund viermal so viele fand. Dieser Test misst das prostataspezifische Antigen, einen Eiweißstoff aus der Prostata, der bei Erkrankungen der Drüse im Blut ansteigen kann. Viele Tumoren lassen sich schlicht nicht ertasten, weil sie an Stellen liegen, die der Finger nicht erreicht. Auch in Hausarztpraxen erwies sich das Abtasten in der Zusammenschau mehrerer Studien als wenig treffsicher, weil es einerseits viele Tumoren übersieht und andererseits oft dort Alarm schlägt, wo gar kein Krebs vorliegt. Einen zusätzlichen Nutzen neben dem PSA-Test konnte auch eine internationale Auswertung nicht zeigen.

Wie die Früherkennung heute läuft

Die Früherkennung läuft deshalb heute in erster Linie über den PSA-Bluttest ab 45 Jahren, nach einem ärztlichen Aufklärungsgespräch und in Abständen, die sich nach dem gemessenen Wert richten. Fällt dabei etwas auf, wird die Prostata zusätzlich mit einer Kernspintomografie angeschaut, kurz MRT, die mit Magnetfeldern Schnittbilder aus dem Körperinneren liefert.

Bei Beschwerden bleibt das Abtasten sinnvoll

Diese Empfehlung betrifft allerdings nur die Reihenuntersuchung, also den Test bei allen Männern ohne Beschwerden. Bei konkreten Beschwerden oder einem auffälligen PSA-Wert bleibt das Abtasten als Teil der individuellen Abklärung weiter sinnvoll. Ob und wann es im Einzelfall gemacht wird, entscheidet die behandelnde Praxis. Weil sich solche Empfehlungen ändern können, lohnt es sich, vor der nächsten Vorsorge nachzufragen, welcher Stand dort gerade gilt.

Quellen

Früherkennung des Prostatakarzinoms, Empfehlungen der aktualisierten S3-Leitlinie 2025. Die Urologie, 2026. Quelle.

Krilaviciute A, Becker N, Lakes J, Radtke JP, Kuczyk M, Peters I, et al. Digital Rectal Examination Is Not a Useful Screening Test for Prostate Cancer. European Urology Oncology. 2023;6(6):566–573. DOI: 10.1016/j.euo.2023.09.008.

Matsukawa A, Yanagisawa T, Bekku K, Kardoust Parizi M, Laukhtina E, Klemm J, et al. Comparing the Performance of Digital Rectal Examination and Prostate-specific Antigen as a Screening Test for Prostate Cancer: A Systematic Review and Meta-analysis. European Urology Oncology. 2024;7(4):697–704. DOI: 10.1016/j.euo.2023.12.005.

Naji L, Randhawa H, Sohani Z, Dennis B, Lautenbach D, Kavanagh O, et al. Digital Rectal Examination for Prostate Cancer Screening in Primary Care: A Systematic Review and Meta-Analysis. Annals of Family Medicine. 2018;16(2):149–154. DOI: 10.1370/afm.2205.

Sergeev D, Heisser T, Hoffmeister M, Brenner H. Colonoscopy Versus Fecal Occult Blood Test Versus No Screening: A Comparative Analysis of Long-Term Effects. Deutsches Arzteblatt International. 2026;123(2):40–45. DOI: 10.3238/arztebl.m2025.0208.

Markland A, Ackenbom M, Andy U, Carper B, Jelovsek E, Luchristt D, et al. Correlation of Digital Rectal Examination and Anorectal Manometry with Patient-Reported Outcomes Among Women with Fecal Incontinence. International Urogynecology Journal. 2024;35(12):2367–2373. DOI: 10.1007/s00192-024-05848-7.

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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