Pollakisurie – Ursachen, Symptome, Behandlung

Pollakisurie – Ursachen, Symptome, Behandlung

PD Dr. med. Witold Polanski

Pollakisurie beschreibt das häufige Wasserlassen in kleinen Mengen, obwohl die Gesamtmenge des Urins über den Tag meist nicht erhöht ist. Das Wort stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „oft Wasser lassen“. In der Medizin wird damit ein Symptom bezeichnet, das auf verschiedene Ursachen zurückgehen kann und oft in Befunden oder Arztbriefen erwähnt wird.

Was steckt hinter ständigem Harndrang?

Wer unter Pollakisurie leidet, spürt einen verstärkten Drang, die Blase zu entleeren, auch wenn diese oft nur wenig gefüllt ist. Betroffene müssen tagsüber und manchmal auch nachts ungewöhnlich oft zur Toilette, manchmal alle halbe Stunde oder sogar noch häufiger. Trotzdem kommt jeweils nur eine kleine Urinmenge. Die gesamte Urinmenge innerhalb von 24 Stunden bleibt aber meist normal, im Gegensatz zu anderen Beschwerden wie der Polyurie, bei der tatsächlich mehr Urin produziert wird.

Häufiges Wasserlassen kann sehr belastend sein, besonders wenn der Alltag dadurch gestört wird oder der Schlaf unterbrochen ist. Das Symptom tritt bei Männern und Frauen jeden Alters auf, ist jedoch bei bestimmten Erkrankungen und Lebensphasen häufiger zu beobachten.

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Häufige Ursachen für Pollakisurie

Es gibt viele verschiedene Gründe, warum sich der Harndrang verstärken kann. Besonders oft steckt eine Entzündung der Harnblase dahinter, im Volksmund als Blasenentzündung oder Zystitis bekannt. Die Blase reagiert gereizt, sodass schon kleine Mengen Flüssigkeit einen starken Entleerungsreiz auslösen. Auch eine Reizung der Harnröhre, zum Beispiel durch Infektionen, kann Pollakisurie verursachen.

Bei Männern ist eine vergrößerte Prostata im höheren Alter ein häufiger Auslöser. Die Prostata umschließt die Harnröhre und kann bei einer Vergrößerung den Urinabfluss behindern. Dadurch wird die Blase nicht mehr vollständig entleert, und es kommt zu häufigem, oft wenig ergiebigem Wasserlassen.

Andere mögliche Ursachen sind Harnsteine, Tumoren im Bereich der Harnwege, eine sogenannte Reizblase oder auch bestimmte Medikamente. Seltener führen psychische Faktoren, wie Stress oder Nervosität, zu einem verstärkten Harndrang.

Auch hormonelle Veränderungen, etwa in den Wechseljahren, können die Blasenfunktion beeinflussen. Bei Kindern tritt Pollakisurie manchmal im Rahmen von Entwicklungsphasen oder bei Harnwegsinfekten auf.

Mehr zu Störungen der Blasenentleerung findest du hier: Blasenentleerungsstörung

Wie wird Pollakisurie festgestellt?

Die Diagnose beginnt immer mit einer genauen Befragung zu den Beschwerden. Ärztinnen und Ärzte fragen, wie oft und in welchen Mengen Wasser gelassen wird, ob Schmerzen beim Wasserlassen auftreten oder ob Begleitsymptome wie Fieber, Brennen oder Blut im Urin bestehen. Eine körperliche Untersuchung und eine Urinprobe helfen, Infektionen oder andere Ursachen zu erkennen.

Manchmal ist es sinnvoll, ein sogenanntes Miktionsprotokoll zu führen. Das bedeutet, dass über einige Tage genau aufgeschrieben wird, wie oft und wie viel Urin abgegeben wird. So lassen sich Muster erkennen und verschiedene Formen von Blasenproblemen unterscheiden. Mehr zum Ablauf der Blasenentleerung und möglichen Störungen gibt es hier: Miktion Bedeutung.

Bei unklaren Fällen können weiterführende Untersuchungen notwendig sein. Dazu zählen Ultraschall der Blase und Nieren, eine Blasenspiegelung oder spezielle Messungen von Blasenfunktion und Harnfluss.

Ist Pollakisurie gefährlich?

Viele Menschen sorgen sich, wenn sie plötzlich viel öfter zur Toilette müssen als sonst. Häufig steckt eine harmlose Ursache dahinter, wie eine leichte Blasenentzündung, die sich gut behandeln lässt. Dennoch sollte Pollakisurie immer ernst genommen werden, besonders wenn sie länger anhält oder mit Schmerzen, Fieber, Blut im Urin oder anderen auffälligen Symptomen verbunden ist.

Unbehandelte Harnwegsinfekte können aufsteigen und die Nieren betreffen. Auch eine dauerhaft gestörte Blasenentleerung, etwa durch eine vergrößerte Prostata, kann die Blase schädigen. Deshalb ist es wichtig, die Ursache abklären zu lassen, wenn das Symptom neu auftritt oder sich verschlimmert.

Was kann helfen?

Die Behandlung richtet sich immer nach der zugrunde liegenden Ursache. Bei einer bakteriellen Blasenentzündung helfen meist Antibiotika. Ist eine vergrößerte Prostata der Auslöser, kommen spezielle Medikamente oder in manchen Fällen auch operative Maßnahmen infrage. Bei einer Reizblase kann eine Umstellung der Lebensgewohnheiten, Blasentraining oder auch die Anpassung von Medikamenten helfen.

Manchmal genügt es bereits, mehr auf die Signale des eigenen Körpers zu achten und reizende Einflüsse zu meiden. Dazu gehört, ausreichend zu trinken, aber koffeinhaltige und stark gewürzte Getränke zu reduzieren. Auch regelmäßige Toilettengänge und eine gute Intimhygiene können vorbeugen. Bei Unsicherheit oder wenn sich die Beschwerden nicht bessern, sollte immer ärztlicher Rat eingeholt werden.

Wann zum Arzt?

Tritt Pollakisurie plötzlich auf, hält sie länger an oder kommen Schmerzen, Fieber oder Blut im Urin hinzu, ist eine ärztliche Abklärung ratsam. Auch bei bekannten Grunderkrankungen wie Diabetes, neurologischen Störungen oder einer vergrößerten Prostata sollte das Symptom nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Besonders bei Kindern und älteren Menschen ist eine zeitnahe Abklärung wichtig, um Komplikationen zu vermeiden.

Häufiges Wasserlassen ist zwar unangenehm, lässt sich aber in den meisten Fällen gut behandeln, sobald die Ursache gefunden ist. Wer aufmerksam auf Veränderungen achtet und Beschwerden frühzeitig anspricht, kann meist schnell wieder zu einem normalen Alltag zurückfinden.

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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