Peritonealkarzinose: Ursachen, Beschwerden und Behandlungsmöglichkeiten

Peritonealkarzinose: Ursachen, Beschwerden und Behandlungsmöglichkeiten

Peritonealkarzinose bedeutet, dass sich Tumorzellen auf dem Bauchfell abgesiedelt haben, der dünnen Haut, die den Bauchraum von innen und die Organe darin überzieht. Es handelt sich also um Metastasen, um Tochtergeschwülste eines Krebses, der fast immer im Bauchraum selbst entstanden ist. Dabei wächst nicht ein einzelner Knoten, sondern es liegen viele kleine Tumorherde nebeneinander, wie Streusel über das Bauchfell verteilt.

Was hinter dem Wort steckt

Das Bauchfell heißt in der Fachsprache Peritoneum, daher der erste Teil des langen Wortes. Der zweite Teil, Karzinose, steht für genau diese flächige Aussaat von Krebszellen. Im Arztbrief oder im Gespräch begegnen dir dafür oft auch die Wörter Bauchfellmetastasen, Peritonealmetastasen oder Bauchfellkarzinose, gemeint ist jedes Mal dasselbe.

Das Bauchfell ist fein und gut durchblutet, und es umhüllt auch die Organe im Bauch wie Darm, Magen und Leber. Löst sich von einem Tumor eine Zelle ab, kann sie sich auf dieser großen Fläche festsetzen und weiterwachsen, sodass nach und nach viele kleine Absiedlungen nebeneinander entstehen.

Woher die Aussaat ursprünglich stammt, ist die wichtigste Frage, denn davon hängt fast alles Weitere ab. Am häufigsten geht eine Peritonealkarzinose von Krebs der Eierstöcke, des Dick- oder Enddarms, des Magens oder der Bauchspeicheldrüse aus. Eine Sonderform beginnt an einem Tumor des Blinddarmfortsatzes (Appendix): Platzt dieser und verteilen sich gallertartige Zellen im Bauch, spricht man vom Pseudomyxoma peritonei, das sehr langsam wächst und meist deutlich gutartiger verläuft als die anderen Formen. Peritonealkarzinose ist also kein einheitliches Krankheitsbild mit einem festen Verlauf, sondern eher ein Sammelbegriff für sehr unterschiedliche Situationen.

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Welche Beschwerden auftreten können

Am Anfang macht eine Aussaat auf dem Bauchfell oft lange gar keine deutlichen Beschwerden, und wenn welche kommen, passen sie auf vieles. Typisch sind Bauchschmerzen oder ein Druck- und Spannungsgefühl im Bauch. Viele Betroffene bemerken, dass der Bauchumfang zunimmt und sich ein Blähbauch bildet, obwohl das Gewicht sonst eher abnimmt. Dahinter steckt häufig Bauchwasser, in der Fachsprache Aszites: Das gereizte Bauchfell sondert Flüssigkeit ab, die sich im Bauchraum ansammelt.

Dazu kommen oft Appetitverlust, ein schnelles Sättigungsgefühl, Übelkeit und eine veränderte Verdauung. Sitzen die Herde auf den Darmschlingen, kann die Darmpassage behindert sein, was sich durch Verstopfung, Krämpfe oder im schlimmeren Fall durch einen Darmverschluss bemerkbar macht. Weil all diese Beschwerden auch viele harmlose Ursachen haben können, sind sie kein Beweis für eine Peritonealkarzinose, gehören aber ärztlich abgeklärt.

Wie sie festgestellt wird

Den ersten Hinweis liefern meist Aufnahmen aus dem Bauchraum, vor allem eine Computertomografie (CT). Kleine Herde auf dem Bauchfell sind darauf allerdings leicht zu übersehen, deshalb lässt sich das Ausmaß im Bild oft nicht sicher beurteilen. Genauere Klarheit bringt häufig eine Bauchspiegelung (Laparoskopie): Über kleine Schnitte wird eine Kamera in den Bauch eingeführt, sodass die Ärztin oder der Arzt das Bauchfell direkt ansehen, die Ausbreitung einschätzen und eine Gewebeprobe entnehmen kann. Ist bereits Bauchwasser vorhanden, lässt sich auch daraus eine Probe gewinnen und untersuchen.

Wie eine Peritonealkarzinose behandelt wird

Medikamente, die im ganzen Körper wirken

Die Basis der Behandlung ist meist eine medikamentöse Therapie, also eine Chemotherapie oder andere Krebsmedikamente, die im ganzen Körper wirken. Das ist sinnvoll, weil eine Aussaat auf dem Bauchfell selten der einzige Ort ist, an dem der Krebs aktiv ist. Welche Wirkstoffe zum Einsatz kommen, richtet sich nach dem Ursprungstumor.

Operation und erhitzte Chemotherapie im Bauchraum

Bei ausgewählten Betroffenen mit begrenzter, auf das Bauchfell beschränkter Aussaat und gutem Allgemeinzustand kann zusätzlich eine große Operation infrage kommen. Dabei entfernt ein spezialisiertes Team so viel vom sichtbaren Tumorgewebe wie möglich, im Arztbrief steht dafür meist der Begriff zytoreduktive Chirurgie. Manchmal wird dieser Eingriff mit einer erhitzten Chemotherapie kombiniert, die direkt in den Bauchraum gegeben wird und HIPEC genannt wird. Die warme Spüllösung soll noch verbliebene Zellen erreichen, die mit dem Auge nicht zu sehen sind.

Ob die HIPEC wirklich einen zusätzlichen Nutzen bringt, hängt stark vom Ursprungstumor ab, und genau das wird oft missverstanden. Beim fortgeschrittenen Eierstockkrebs zeigte eine Studie, dass sie zusätzlich zur Operation die Lebenszeit verlängern kann.

Beim Dick- und Enddarmkrebs dagegen brachte die heiße Spülung in einer großen Vergleichsstudie keinen Überlebensvorteil gegenüber der Operation allein, dafür etwas mehr Komplikationen. Nach der aktuellen deutschen S3-Leitlinie (Stand September 2025) ist bei begrenzter, isolierter Aussaat eines Dick- oder Enddarmkrebses deshalb die operative Entfernung des Tumorgewebes in spezialisierten Zentren eine anerkannte Option, während der zusätzliche Wert der HIPEC als nicht abschließend geklärt gilt und weiter erforscht wird. Beim Magenkrebs ist der Nutzen ebenfalls nicht gesichert.

Anders liegt es beim Pseudomyxoma peritonei, das von einem Tumor des Blinddarmfortsatzes ausgeht: Hier ist die Kombination aus Operation und HIPEC in erfahrenen Zentren ein etablierter Standard und kann die Erkrankung oft über lange Zeit in Schach halten. Die HIPEC ist also weder eine allgemeine Wunderwaffe noch wirkungslos, sondern eine vielversprechende Möglichkeit für sorgfältig ausgewählte Situationen.

Warum jeder Fall im Team besprochen wird

Weil diese Entscheidungen schwierig sind, sollte jeder Fall in einer Tumorkonferenz besprochen werden, in der Fachleute verschiedener Richtungen gemeinsam den individuell besten Weg suchen. Eine zweite Meinung an einem auf Bauchfelltumoren spezialisierten Zentrum kann dabei entlasten.

Was die Beschwerden lindert

Unabhängig davon, welche Behandlung gegen den Tumor läuft, lässt sich für das Wohlbefinden viel tun, und das ist kein Nebenschauplatz, sondern ein wichtiger Teil der Behandlung. Sammelt sich viel Bauchwasser an und spannt der Bauch, drückt aufs Zwerchfell oder macht Luftnot, kann die Flüssigkeit über eine dünne Nadel abgelassen werden, was Punktion heißt und oft rasch spürbare Erleichterung verschafft. Dieses Vorgehen gilt als bewährte Standardbehandlung, auch wenn kaum untersucht ist, welche technische Variante dabei die beste ist.

Kündigt sich ein Darmverschluss an oder ist er bereits eingetreten, gibt es je nach Situation Medikamente, entlastende Maßnahmen oder auch einen kleineren Eingriff, um die Passage wieder freizumachen oder die Beschwerden zu lindern. Was davon sinnvoll ist, hängt vom Allgemeinzustand und der Ausdehnung ab und wird individuell abgewogen. Hinzu kommen eine gute Schmerzbehandlung und Unterstützung bei Übelkeit und Ernährung, was die Lebensqualität deutlich verbessern kann, unabhängig davon, ob zusätzlich eine tumorgerichtete Therapie läuft.

Ist eine Peritonealkarzinose heilbar, und wie sind die Aussichten

Peritonealkarzinose und "Endstadium" werden im Alltag oft in einem Atemzug genannt, und das ist nicht richtig. Eine Aussaat auf dem Bauchfell ist zwar eine ernste, fortgeschrittene Situation, sie bedeutet aber nicht, dass keine Behandlung mehr möglich wäre oder dass das Lebensende zwangsläufig nah ist. Für viele Betroffene gibt es wirksame Therapien, die den Krebs bremsen, Beschwerden nehmen und Zeit schenken.

Wie die Aussichten im Einzelnen sind, geht bei dieser Diagnose sehr weit auseinander, und deshalb sagt eine einzelne Zahl aus dem Internet über den eigenen Fall so gut wie nichts aus. Es kommt vor allem auf zwei Dinge an, auf das Organ, von dem die Aussaat ausgeht, und darauf, ob eine Operation möglich ist. Beim Pseudomyxoma peritonei oder bei einer begrenzten Aussaat, die sich vollständig operieren lässt, kann die Erkrankung über viele Jahre kontrolliert werden, in manchen Fällen ist auch eine dauerhafte Zurückdrängung möglich. Bei einer ausgedehnten Aussaat, etwa aus einem Magenkrebs, ist die Lage schwieriger, und dann rücken das Gewinnen von Zeit und eine gute Lebensqualität in den Vordergrund.

Wie die persönlichen Aussichten wirklich stehen, kann am ehrlichsten das behandelnde Team einschätzen, das die Ursprungserkrankung, die Ausdehnung der Aussaat und den Allgemeinzustand kennt. Danach zu fragen lohnt sich, ebenso danach, welche Behandlungen im eigenen Fall überhaupt infrage kommen. Und selbst wenn eine Heilung nicht erreichbar ist, heißt das nicht, dass nichts mehr getan werden kann, im Gegenteil.

Quellen

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BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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