Nicht-kleinzelliges Bronchialkarzinom: Ist es heilbar?

Nicht-kleinzelliges Bronchialkarzinom: Ist es heilbar?

Das nicht-kleinzellige Bronchialkarzinom, oft mit der englischen Abkürzung NSCLC bezeichnet, ist die häufigste Form von Lungenkrebs und macht etwa 80 von 100 Fällen aus. Der Name klingt sperrig, sagt aber nur etwas darüber aus, wie die Krebszellen unter dem Mikroskop aussehen, und diese Unterscheidung entscheidet mit darüber, wie behandelt wird.

Wenn diese Diagnose gerade neu gestellt wurde, bei dir selbst oder bei einem nahestehenden Menschen, sind Angst und viele Fragen verständlich. Auf dieser Seite erfährst du, was hinter dem Begriff steckt, welche Untertypen es gibt, welche Rolle die modernen Gewebeuntersuchungen spielen und wie heute je nach Stadium behandelt wird. Die Aussichten bei dieser Erkrankung sind heute deutlich besser als noch vor einem Jahrzehnt, und das hat handfeste Gründe.

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Was der Name bedeutet

Bronchialkarzinom ist der medizinische Fachbegriff für Lungenkrebs, also einen bösartigen Tumor, der in den Atemwegen oder im Lungengewebe entsteht. Ärztinnen und Ärzte teilen Lungenkrebs in zwei große Gruppen ein, je nachdem, wie die Zellen unter dem Mikroskop aussehen: das kleinzellige und das nicht-kleinzellige Bronchialkarzinom. Das nicht-kleinzellige gehört zur zweiten, deutlich häufigeren Gruppe.

Diese Einteilung bestimmt den ganzen weiteren Weg, denn beide Formen wachsen unterschiedlich und werden unterschiedlich behandelt.

Die wichtigsten Untertypen

Innerhalb des nicht-kleinzelligen Lungenkrebses gibt es mehrere Untertypen, und auch die tauchen häufig im Befund auf.

Am häufigsten ist das Adenokarzinom. Es macht gut die Hälfte der Fälle aus und entsteht aus den Drüsenzellen der Lunge. Bemerkenswert ist, dass es auch bei Menschen vorkommt, die nie geraucht haben, es ist also nicht allein eine Raucherkrankheit. Der zweithäufigste Untertyp ist das Plattenepithelkarzinom, das von der obersten Zellschicht der Atemwege ausgeht und enger mit dem Rauchen zusammenhängt.

Daneben gibt es noch das großzellige Karzinom, eine seltene Kategorie, die mit den heutigen feinen Gewebeuntersuchungen immer öfter einem der beiden anderen Typen zugeordnet wird. Als eigenständige Gruppe wird sie darum immer kleiner. Diese Unterschiede sind mehr als Etiketten, denn sie beeinflussen mit, welche Medikamente infrage kommen. Manche zielgerichteten Behandlungen wirken vor allem beim Adenokarzinom.

Der Unterschied zwischen kleinzelligem und nicht-kleinzelligem Lungenkrebs

Viele fragen sich, was das kleinzellige vom nicht-kleinzelligen Lungenkrebs unterscheidet. Das kleinzellige Bronchialkarzinom, englisch SCLC, macht nur etwa 15 von 100 Fällen aus. Es wächst schnell, streut früh in andere Körperregionen und wird von Anfang an vor allem mit Chemotherapie behandelt, oft ergänzt durch eine Immuntherapie.

Der nicht-kleinzellige Lungenkrebs verhält sich anders. Er wächst meist langsamer, und die Behandlung richtet sich stark nach dem Stadium. In frühen Stadien steht oft eine Operation im Vordergrund, in fortgeschrittenen Stadien kommen zielgerichtete Medikamente, Immuntherapie und Chemotherapie zum Einsatz.

Welche Beschwerden auftreten können

Lungenkrebs macht im Frühstadium oft gar keine oder nur unspezifische Beschwerden, und das ist einer der Gründe, warum er manchmal erst spät entdeckt wird. Mögliche Anzeichen sind ein anhaltender Husten, der nicht weggeht, Husten mit Blut, Atemnot, ungewollter Gewichtsverlust und anhaltende Müdigkeit.

Diese Anzeichen richtig einzuordnen ist nicht leicht: Ein hartnäckiger Husten oder Kurzatmigkeit bedeuten fast immer etwas Harmloses, eine Erkältung oder eine gereizte Bronchie, und beweisen für sich genommen gar nichts. Umgekehrt schließt das Fehlen von Beschwerden Lungenkrebs nicht aus. Sicherheit gibt allein die ärztliche Abklärung, und je früher eine Erkrankung entdeckt wird, desto besser sind die Aussichten. Bei Menschen mit hohem Risiko, etwa langjährigen Raucher:innen, kann eine Röntgenuntersuchung mit sehr niedriger Strahlendosis, eine Low-Dose-CT, Lungenkrebs früher und in einem besser heilbaren Stadium aufspüren.

Warum das Tumorgewebe genau untersucht wird

Bevor die Behandlung festgelegt wird, untersucht ein Labor eine Gewebeprobe des Tumors auf bestimmte molekulare Merkmale. Dazu gehören Veränderungen an Genen wie EGFR, ALK, ROS1, KRAS oder BRAF und der Eiweißmarker PD-L1. Es kann gut sein, dass einige dieser Kürzel im Pathologiebericht auftauchen.

Der Sinn dahinter: Findet sich eine solche Veränderung, lässt sich die Behandlung genau darauf zuschneiden. Dann kommt vielleicht eine zielgerichtete Therapie infrage, oft in Tablettenform, die genau an dieser Schwachstelle des Tumors ansetzt, oder eine Immuntherapie, die das eigene Abwehrsystem gegen den Krebs unterstützt. Auch wenn PD-L1 in der Gewebeprobe nicht nachweisbar ist, heißt das nicht, dass eine Immuntherapie ausscheidet, sie wird dann oft mit einer Chemotherapie kombiniert. Solche Behandlungen können die klassische Chemotherapie ersetzen oder ergänzen. Für fortgeschrittene Stadien schreiben die Leitlinien diese Gewebeuntersuchung vor Beginn der ersten medikamentösen Therapie inzwischen vor. Diese Untersuchung ist der Hauptgrund, warum sich die Behandlung des nicht-kleinzelligen Lungenkrebses so stark verbessert hat.

Wie behandelt wird und ob es heilbar ist

Ob die Erkrankung heilbar ist, hängt vor allem vom Stadium ab, also davon, wie weit sich der Tumor ausgebreitet hat. In frühen Stadien ist Heilung ein realistisches Ziel.

Solange der Tumor auf die Lunge begrenzt ist, steht die Operation im Vordergrund, mit dem klaren Ziel der Heilung. Je nach Situation kann danach eine ergänzende Behandlung folgen, etwa eine zielgerichtete Therapie, eine Immuntherapie oder eine Chemotherapie, um das Ergebnis abzusichern. Ist der Tumor örtlich weiter fortgeschritten, aber noch nicht in ferne Organe gestreut, wird oft eine Kombination aus Bestrahlung und Chemotherapie eingesetzt, teils ergänzt durch Immuntherapie. Auch hier bleibt Heilung ein Ziel der Behandlung.

Hat der Krebs in andere Körperregionen gestreut, spricht man vom Stadium 4 oder metastasierten Stadium. In dieser Situation ist eine vollständige Heilung meist nicht mehr das Ziel. Das heißt aber ausdrücklich nicht, dass nichts mehr getan werden kann. Mit zielgerichteter Therapie, Immuntherapie und Chemotherapie lässt sich die Erkrankung heute häufig über lange Zeit in Schach halten, und zwar bei guter Lebensqualität. Aus einer früher rasch fortschreitenden Erkrankung ist für viele Menschen eine über Jahre behandelbare Erkrankung geworden.

Wie die Aussichten sind und wie lange man damit leben kann

Nach einer Krebsdiagnose treibt fast alle die Frage nach der Lebenserwartung um. Die Aussichten hängen sehr stark vom Stadium ab, vom Untertyp, von den molekularen Merkmalen des Tumors und vom Allgemeinzustand. Zwei Menschen mit derselben Diagnose können sehr unterschiedliche Verläufe haben.

Überlebensstatistiken sind Durchschnittswerte über sehr viele, sehr unterschiedliche Menschen. Sie sagen nichts Verlässliches über den persönlichen Weg aus und sind kein Urteil. In frühen Stadien sind die Aussichten oft gut, und viele Menschen werden durch eine Operation dauerhaft gesund. In fortgeschrittenen Stadien lässt sich die Erkrankung heute vielfach lange kontrollieren. Gerade die neuen zielgerichteten und immunbasierten Behandlungen haben die Aussichten in den letzten Jahren spürbar verbessert. Wer die persönliche Situation wirklich einschätzen kann, ist das behandelnde Team, das den Untertyp, das Stadium und die Gewebeeigenschaften des Tumors kennt. Ein offenes Gespräch dort bringt mehr als jede allgemeine Zahl aus dem Internet.

Quellen

  • Lungenkarzinom, nicht-kleinzellig (NSCLC). Onkopedia (DGHO), Stand April 2025. Quelle

  • S3-Leitlinie Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Lungenkarzinoms. Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF), Version 5, 2026. Quelle

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  • Wu YL, Tsuboi M, He J, John T, Grohe C, Majem M, et al. Osimertinib in Resected EGFR-Mutated Non-Small-Cell Lung Cancer. N Engl J Med. 2020;383(18):1711–1723. DOI: 10.1056/NEJMoa2027071.

  • de Koning HJ, van der Aalst CM, de Jong PA, Scholten ET, Nackaerts K, Heuvelmans MA, et al. Reduced Lung-Cancer Mortality with Volume CT Screening in a Randomized Trial. N Engl J Med. 2020;382(6):503–513. DOI: 10.1056/NEJMoa1911793.

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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